Frage von ProfessorDoof, 54

Wie interpretiere ich "Ohne Titel" von Paul Celan?

Hallo Zusammen, ich arbeite gerade an einer kurzen Analyse von dem Gedicht "Ohne Titel" von Paul Celan:

Ohne Titel

Ein Blatt, baumlos für Bertolt Brecht:

Was sind das für Zeiten,

wo ein Gespräch

beinah ein Verbrechen ist,

weil es so viel Gesagtes

mit einschliesst?

Ich hab die Formanalyse bereits erarbeitet aber bin mir nicht sicher wie ich weiter machen soll. Das Gedicht bietet mir kaum raum zum interpretieren. Die erste Zeile habe ich so interpretiert (kurz gefasst): Paul Celan widmet dieses Gedicht mit einer hoffnungslosen Art und Weise an Bertolt Brecht, da er wie ein Blatt vom Wind hin und her geschleudert wird und keinen Baum mehr hat, der ihm Halt gibt und fest verankert ist.

Die danach gestellte Frage wirkt auf mich wie eine Gesellschaftskritik, da es zu dieser Zeit kaum mehr möglich war über die schrecklichen Ereignisse, die während dem Krieg passierten (besonders auf den Holocaust bezogen) zu reden. Zwar wurde still und heimlich darüber geredet aber eine öffentliche Diskussion über die Schuldfrage wurde vermieden und verurteilt.

Ich hoffe ihr könnt mir durch weitere Ansätze helfen. Danke schonmal :)

Antwort
von zehnvorzwei, 40

Hei, ProfessorDoof, nur eine Frage, kein Wissen bzw. Können: Vielleicht spielen die Zeilen auf die Zeiten der Diktatur an, wo die Wände Ohren haben und jeder ein Spitzel sein kann (für die Gestapo, für die Stasi) und wo selbst bestimmte Wörter bzw. Worte der Zensur unterlagen (weil sie so viel Gesagtes beinhalten), das einen, der sie verwendet, als Staatsfein entlarvt...?

Brecht - ein Autor der DDR, lebend zwischen der Geistesfreiheit des Denkens und der Zensur der Ideologie ~~ ein baumloses Blatt, dem der Saft und die Kraft aus dem Stamm fehlt, der es speisen, nähren müsste und aus dem es sein Leben bezieht ...Wie gesagt: Nur Fragen. Grüße!

Kommentar von ProfessorDoof ,

Danke erstmal für deine schnelle Antwort! Aus diesem Blickwinkel habe ich es noch nicht betrachtet. Es kam mir zwar kurz in den Sinn, aber hab es dann schnell verworfen, weil Celan ja gar nicht in der DDR lebte...Da habe ich Brecht wohl vergessen. Hat mir sehr geholfen!

LG

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