Frage von Katzenpfote73, 66

Wie hoch sollte ein bedingungsloses Grundeinkommen sein?

Antwort
von WiihatMii, 34

Die Gegenwart sieht so aus, dass es weniger menschliche Arbeit braucht, als je zuvor. Durch die zunehmende Technisierung wird dies in den nächsten Jahrzehnten immer extremer, da Maschinen Menschen immer weiter entlasten und überflüssig machen.

Es ist an sich nicht schlimm, wenn Menschen nicht arbeiten müssen, solange die gleiche Menge an Gütern und Dienstleistungen zur Verfügung steht. Das Problem ist nur, dass die Teilhabe an diesen Gütern in der Regel an die Mitarbeit geknüpft ist und dieses Modell hat auf Dauer keine Zukunft.

Die aktuellen Sozialleistungen für Arbeitslose basieren auf dem Gedanken, dass sich Arbeitslosigkeit mit einer erhöhten Arbeitsbereitschaft der Arbeitslosen bekämpfen lässt, aber dies entspricht nicht der Tatsache. Es ist wie die Reise nach Jerusalem. Selbst wenn die Motivation der Arbeitslosen noch so hoch wäre, wäre die Menge der Arbeitsplätze es nicht.

Wir müssen uns also damit abfinden, dass Arbeitslosigkeit in Zukunft immer mehr ein Normalzustand werden wird. Fördern wir diese Arbeitslosen nicht, sorgen wir nicht nur für eine immer größer werdende Unterschicht, sondern gleichzeitig auch für ein Zusammenbrechen der Wirtschaft, da immer mehr Käufer wegfallen.

Es ist also sowohl für die Gesellschaft als auch die wachsende Zahl der Arbeitslosen sinnvoll, das Grundeinkommen so hoch anzusetzen, dass eine vernünftige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich ist. Die aktuellen Hartz IV Sätze ermöglichen gerademal das nackte Überleben. Bereits 100 Euro mehr würde eine signifikante Verbesserung dieser Lebensbedingungen zur Folge haben.

Auf lange Sicht gedacht in einer zukünftigen Welt, in der nur noch Elite-Jobs übrig sind und über 50% Arbeitslosigkeit herrscht, ist ein Grundeinkommen auf der Höhe der heutigen Mittelschicht anzustreben. Somit haben die Menschen die Wahl, ob sie sich gut ausbilden lassen und viel Arbeiten möchten, um zu den wenigen Reichen zu gehören oder ob sich damit begnügen, ein ruhiges Leben in der Mittelschicht zu führen, ohne arbeiten zu müssen.

Antwort
von luibrand, 19

Diese -häufig gestellte- Frage ist nicht sinnstiftend und basiert auf der irrigen Annahme, daß eine (Geld-)Summe des Rätsels Lösung sei, um die GRUND-Bedürfnisse (!) der Bürger zu befriedigen. Das GRUNDeinkommen braucht ein Umdenken bezüglich persönlicher Ansprüche hin zu einer solidarischen Haltung. Der Faktor Arbeit ist getrennt vom Faktor Einkommen zu betrachten. Das Grundeinkommen lässt sich bargeldlos "denken", wenn man sich darauf konzentriert, dass es um "Leistungen" geht, nicht um Cash. Hierzu sollte man sich fragen, welche Leistungen nötig sind, um die GRUNDbedürfnisse des Einzelnen zu befriedigen, damit in einer Gesellschaft solidarisch gelebt und gehandelt werden kann. Zu den Grundbedürfnissen zählen: Nahrung, Kleidung, Wohnen, Bildung und ärztliche Grundversorgung. Zudem gehört ein gewisses Maß an kulturellerTeilhabe dazu. Dies alles lässt sich befriedigen, ohne dass der Einzelne Bargeld in die Hände nehmen müsste. Es gilt also den Leistungskatalog des GRUNDeinkommens genau zu definieren, dann lässt sich auch errechnen, was die Gesellschaft peküniär benötigt, um dies jedem Bürger zukommen zu lassen !

Antwort
von ReimundAcker, 10

Nach der Definition des Grundeinkommens durch das Netzwerk Grundeinkommen (siehe https://www.grundeinkommen.de/die-idee) muss das GE mindestens so hoch sein, dass es die materielle Existenz sichert und die gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.

In der Erläuterung zur Dauer-Unterschriftenaktion des Netzwerks heißt es dazu: "Die zur Verfügung gestellte Summe soll ein bescheidenes, aber dem
sozialen und kulturellen Standard der Gesellschaft entsprechendes Leben
im jeweiligen Land ermöglichen, materielle Armut vermeiden und die
gesellschaftliche Teilhabe sichern. Das bedeutet, dass der Betrag
mindestens die Armutsrisikogrenze gemäß EU-Standard erreichen müsste
(das sind 60% des sogenannten nationalen mediangemittelten
Nettoäquivalenzeinkommens)."

In Deutschland liegt die Armutsrisikogrenze derzeit je nach statistischer Methode zwischen 1.034 und 1.150 Euro. Mehr dazu findet man z. B. unter https://www.grundeinkommen.de/10/03/2016/bedingungslosigkeit-und-hoehe-des-grund...

Persönlich finde ich, dass das GE so hoch wie möglich sein sollte, damit so viel wie möglich freiwillige und so wenig wie möglich unfreiwillige Arbeit geleistet werden kann. So hoch wie möglich heißt, dass es noch finanzierbar sein muss und die dazu nötigen Steuersätze noch akzeptiert werden.

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