Frage von Corni0212, 93

Wie hoch sind die Steuern wenn ich etwas in Ausland verkaufe?

Hi,

angenomme ich verkaufe eine Uhr nach China für 100.000€, welche ich davor in England für 90.000€ erwerbe. Das Geld läuft über mein Deutsches Konto.

Wieviel Steuern müsste man jeweils zahlen ?

Danke für jede Hilfe

Antwort
von are2705, 84

Wenn Du es richtig machst, gibt es in der Summe keine Umsatzsteuerbelastung:

1. Der Kauf der Uhr in England ist eine innergemeinschaftliche Lieferung, wenn der Verkäufer Unternehmer ist und Du ihm Deine USt-ID mitteilst. Du zahlst dann deutsche Umsatzsteuer und ziehst denselben Betrag wieder als Vorsteuer.

2. Der Verkauf nach China kann eine steuerfreie Ausfuhrlieferung sein, wenn die Voraussetzungen dazu erfüllt sind, s. dazu z.B. hier: http://m.frankfurt-main.ihk.de/recht/steuerrecht/umsatzsteuer\_international/aus...

Auf den Gewinn von 10.000€ fallen dann unter Umständen Einkommensteuer und Gewerbesteuer an. Die Höhe der Steuern hängt von Deiner Gesamtsituation ab.

Wichtig ist, das steuerlich im Vorhinein gut zu planen. Ansonsten wird es teuer.

Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 61

Frage: Bist Du Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuer- und/oder des Einkommensteuergesetz? Das wäre erst zu klären.

Bist Du beispielsweise eine Privatperson, die das nicht gewerblich macht und dieses eine mal nur eine Chance nutzen möchte (ich kenne da einen und da, das mache ich jetzt mal), dann fallen die Umsatzsteuer und die Gewerbesteuer raus.

In der Einkommensteuer kann es sich dann um ein privates Veräußerungsgeschäft handeln. Dabei sind dann aber einige Dinge zu beachten. Daraus kann sogar folgen, dass etwas vollständig steuerfrei bleibt.

Aber Vorsicht! Eine eigene Idee, wie man das mit dem Veräußerungsgeschäft regeln müsste um in die Steuerfreiheit zu kommen, könnte schnell als Gestaltungsmissbrauch oder sogar Steuerhinterziehung betrachtet werden.

Solche Fälle hier im Forum zu schildern und auf die Antworten zu bauen darf man einfach nicht tun! Das kann nicht nur sehr teuer werden, sondern hat vielleicht sogar noch schlimmere Folgen. Dann lieber einen Steuerberater fragen, wie man das korrekt machen kann und ob es eben Gestaltungsmöglichkeiten gibt.

Viel Erfolg.

P.S. Wenn man nicht ohnehin einen Steuerberater hat, dann wird so eine Beratung zzgl. Umsatzsteuer zwischen 50 und 200 Euro liegen. Bei 10.000 Euro sollte dies drin sein. Oder man denke an den schlimmsten Fall. Ware wird von Dir geliefert, natürlich musst Du bezahlen. Nur Dein Abnehmer denkt nicht daran. Also wenn man solche Risiken eingeht, dann sollte man bei der Sicherheit nicht das Sparen anfangen.

Kommentar von are2705 ,

Wer etwas kauft, um es gewinnbringend zu verkaufen, ist klar gewerblich unterwegs. 

Wäre es ein Privatverkauf, müsste die Uhr über 1 Jahr lang behalten werden, um sie steuerfrei verkaufen zu können. Hier gibt es keine Möglichkeit des Gestaltungsmissbrauchs.

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Ist das ein Glaube, den Du hier so zum Besten gibst? Denn anders kann ich das nicht bewerten.

Gucke einfach mal in § 15 EStG nach. Der Gesetzgeber nennt nie mehrere Bestandteile als Voraussetzung, wenn dann eine reicht. Höchstens bei der Verwendung eines 'oder'. Oder wenn kein 'oder' verwendet wird, dann wird das sprachlich manchmal über Nrn. oder Absätze erledigt.

Und Deine Sicht auf Veräußerungsgeschäfte ist ebenso eindimensional. Guck mal in die Abgabenordnung. Sie ist die Grundlage und wird im gar nicht religiösem Sinne auch als Bibel des Steuerrechts bezeichnet.

Halbwissen oder die Anwendung halben Wissens im Steuerrecht führt immer wieder in Sackgassen. Oft auch zu Tatbeständen wie Gestaltungsmissbrauch oder Steuerhinterziehung.

Ein guter Grund für das allgemeine Verbot der Rechtsberatung. Und diverser Standesvorschriften.

Kommentar von are2705 ,

Danke für die Hinweise.

Ich denke, Du spielst mit Hinweis auf §15 EStG auf die scheinbar fehlende Nachhaltigkeit an. Siehe hierzu BFH I R 173/83: "...Eine einmalige Tätigkeit kann aber ausnahmsweise dann eine nachhaltige sein, wenn sie mit dem für das Merkmal nachhaltig erforderlichen Willen ausgeübt wird, sie (bei sich bietender Gelegenheit) zu wiederholen (vgl. BFH-Urteil vom 26. April 1962 V 293/59 U, BFHE 74, 715, 716, 717, BStBl III 1962, 264), oder wenn sie sich auf andere Weise als durch die tatsächliche Wiederholung objektiv als nachhaltig darstellt (vgl. BFH-Urteil vom 28. April 1977 IV R 98/73, BFHE 122, 462, 464, BStBl II 1977, 728), oder wenn aus den Umständen des Einzelfalles auf den Willen des Handelnden zu schließen ist, das Geschäft bei sich bietender Gelegenheit zu wiederholen (vgl. BFH-Urteil vom 13. Februar 1969 V R 92/68, BFHE 95, 21, 22, BStBl II 1969, 282)."

Ein aktuelleres Urteil habe ich auf die Schnelle nicht gefunden. Ich finde es ist eindeutig und es macht auch Sinn.

Zu Deinem Verweis auf die AO hinsichtlich privaten Veräußerungsgeschäften: Ich verstehe Deinen Hinweis nicht und bin bislang mit §23 EStG ganz gut ausgekommen. Worauf willst Du hinaus? Bitte mehr Details.

Und zum potentiellen Gestaltungsmißbrauch (§42 AO): Nenn mir doch bitte ein Beispiel bezogen auf dieses Szenario. Mir fällt keins ein, aber vielleicht bin ich ja auch zu unkreativ.

Antwort
von Jenne1982, 93
Kommentar von torfmauke ,

Mit der Einfuhrumsatzsteuer ist es noch nicht getan. Es fallen unter Umständen noch Gewerbesteuer sowie Ertragssteuer an! Wenn man nach der Einfuhrumsatzsteuer überhaupt noch was verdient hat.

Kommentar von are2705 ,

Einfuhrumsatzsteuer bei England? Nur in wenigen Ausnahmefällen.

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