Frage von Laura1605, 100

Wie hoch ist meine Entgeltfortzahlung?

Hallo, ich bin nun mittlerweile seit 3 Jahren als Minijobber angestellt und arbeite dort im Durchschnitt 5-6 Tage pro Monat, so dass ich immer auf etwa 400€ komme. Nun hab ich das erste mal den Fall, dass ich mich krankmelden muss, da mir eine OP bevorsteht. Ich hätte diesen Monat 6 Tage lang arbeiten müssen, krankgeschrieben wäre ich allerdings für ca. 12 Tage, kann somit keinen der 6 geplanten Tage arbeiten. Da ich auf das Geld angewiesen bin, würde ich gerne jetzt schon wissen, wie viel ich für diesen Monat ausgezahlt bekomme. Wäre das sehr viel weniger als sonst, müsste ich nämlich zusätzlich ein paar Tage Urlaub nehmen um auf die 400€ aufzustocken.

Leider finde ich keine mir nachvollziehbare Berechnung und hoffe daher hier jemanden zu finden, der mir meine Frage beantworten kann:)

Sollte ich meinem Arbeitgeber schon mal bescheid geben, dass ich in dem Zeitraum nicht arbeiten kann? Darf er mir dann meine Stunden streichen oder wäre es besser ab dem Tag, an dem ich arbeiten sollte, mich krankzumelden?

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeit & Arbeitsrecht, 64

Wenn es jetzt schon einen Plan gibt wie Du während Deiner Krankheitsphase arbeiten musst, bekommst Du selbstverständlich diese Tage so bezahlt als hättest Du gearbeitet.

Das nennt sich "Lohn- oder Entgeltausfallprinzip" und steht im § 4 Entgeltfortzahlungsgesetz.

Nachträglich darf Dein AG zwar den Schichtplan ändern, da ja jemand für Dich einspringen muss bleibt ihm ja nichts anderes übrig, die Änderung darf aber nicht zu Deinen Lasten gehen wenn der AG nun meint, er müsse Dich nicht bezahlen.

Wenn Du den Schichtplan schon hast, behalte ihn, hängt er nur aus, mach ein Foto.

Wenn die Arbeitsplanung schon fertig ist, kannst Du dem AG sagen wann Du ausfällst und wie lange das ungefähr dauert. Das ist sowohl gegenüber dem AG als auch dem Kollegen der für Dich einspringen muss fairer als erst einen Tag vorher oder am ersten Krankheitstag etwas zu sagen. Da würde ich als Chef dann auch "verschnupft" reagieren.

Kommentar von Laura1605 ,

Schön wär's. Mein Arbeitgeber meinte eben ich würde anteilig etwa 2 Std pro Krankheitstag bekommen. Bei 6 eingeteilten Tagen wären das also lediglich 12 Stunden 😱😁 ist das rechtens?

Kommentar von Hexle2 ,

Das wäre in Ordnung, wenn man den Durchschnitt der letzten 6 oder 12 Monate nehmen müsste, weil man den Ausfall mangels Schichtplan nicht genau ermitteln könnte.

Prof. Dr. Peter Wedde schreibt dazu im Arbeitsrechtkommentar zum § 4 Entgeltfortzahlungsgesetz u.a.:

Die Vorschrift enthält Vorgaben zur Festsetzung des im Krankheitsfall fortzuzahlenden Arbeitsentgelts. Sie geht vom so genannten Entgeltausfallprinzip aus.

Bemessungsgrundlage ist das Entgelt, das AN in der für sie maßgebenden regelmäßigen Arbeitszeit zugestanden hätte. Es ist insoweit auf die individuelle Arbeitszeitsituation abzustellen, die durch die Krankheit tatsächlich ausgefallen ist. Einzubeziehen ist auch Feiertagsentgelt, das ohne die Erkrankung angefallen wäre. Der Anspruch besteht auch für Schichten, zu denen AN ohne die Erkrankung eingeteilt worden wären (LAG Köln 27.4.2009 - 5 Sa 1362/08)"

Deine Schichten standen ja schon fest, also muss auch so bezahlt werden wie Du ohne die Erkrankung gearbeitet hättest.

Kommentar von Laura1605 ,

Und an wen melde ich mich um dies einzufordern?

Kommentar von Hexle2 ,

Wenn der Chef sich weigert musst Du ihm einen Brief schreiben und die Bezahlung Deiner Stunden mit einer Frist fordern. Schreib dazu dass Du Dich ansonsten gezwungen siehst Deine Forderungen beim Arbeitsgericht geltend zu machen.

Bezahlt er dann immer noch nicht, bleibt nur der Klageweg. Wenn Du Gewerkschaftsmitglied bist oder eine Rechtsschutzversicherung hast, macht das ein Anwalt für Dich. Du kannst aber auch selbst zur Rechtsantragstelle des Arbeitsgerichts gehen und Klage einreichen. Bei der Klageformulierung hilft man Dir und das ist kostenlos.

Wie immer ist Recht haben und Recht bekommen zweierlei. Ich habe keine Ahnung ob Du den Rechtsweg beschreiten willst, sehe aber darin das letzte Mittel um den AG zur Zahlung zu bewegen.

Antwort
von Allexandra0809, 51

Jetzt nur mal keine Panik. Du meldest Deinem Arbeitgeber, dass eine OP bevorsteht und wann diese sein wird und wie lange Du ausfallen wirst. Dann musst Du ihm die Krankmeldung übergeben, wenn die OP stattfindet.

Dein Geld bekommst Du so, als hättest Du gearbeitet. Wenn Du immer 6  Tage im Monat arbeitest, bekommst Du auch diese bezahlt, auch wenn Du krank bist.

Ebenfalls muss Dir Urlaub gewährt werden, der bezahlt sein muss.

Kommentar von Laura1605 ,

Schön wär's. Mein Arbeitgeber meinte eben ich würde anteilig etwa 2 Std pro Krankheitstag bekommen. Bei 6 eingeteilten Tagen wären das also lediglich 12 Stunden 😱😁 ist das rechtens?

Antwort
von Strolchi2014, 60

Wenn du schon weißt das du operiert wirst und wie lange ungefähr die Krankheitszeit sein wird, musst du es dem Arbeitgeber schon vorher sagen. Er muss ja schließlich für Ersatz sorgen.

Der Arbeitgeber muss dir so lange den vollen Lohn zahlen.

Antwort
von aprilseventh, 48

Du hast einen Mini Job, nicht wahr? 6 Wochen ist der Arbeitgeber verpflichtet. Dann war's das.

https://www.minijob-zentrale.de/DE/0_Home/01_mj_im_gewerblichen_bereich/20_arbei...

Kommentar von Laura1605 ,

Ja genau, es handelt sich um einen Minijob. Das der Arbeitgeber 6 Wochen verpflichtet ist, weiß ich, es geht nur darum wie hoch die Auszahlung betragt. Hab bereits etwas über 80% gehört, jetzt gerade wurde gesagt es wird zu 100% erstattet

Kommentar von aprilseventh ,

Deswegen der Link. :-)

Kommentar von Familiengerd ,

jetzt gerade wurde gesagt es wird zu 100% erstattet

Das ist selbstverständlich richtig.

Hexle2 hat es in ihrer Antwort richtig dargestellt!

Du hast als Entgelt während der Erkrankung das zu bekommen, was Du auch bekommen hättest, wenn Du nicht krank wärst.

Wenn Du also im Dienstplan eingeteilt bist, dann aber krank wirst, erhältst Du das Geld entsprechend der Dienstplaneinteilung.

Die Entgeltfortzahlung entspricht in ihrer Höhe Deinem "normalen" Entgelt (also 100 %) für die entsprechende Zeit - jedenfalls in Deutschland.

Die gleiche Regelung gilt übrigens auch für Feiertage: Wenn ein Feiertag auf einen Werktag fällt, an dem Du "eigentlich" hättest arbeiten müssen, so ist er zu bezahlen, als hättest Du tatsächlich gearbeitet.

Kommentar von aprilseventh ,

Nein, nicht zwangsläufig. Wenn du einen festen freien Tag hast und auf den der Feiertag fällt, dann gilt der Feiertag als dein freier Tag. 

Kommentar von Familiengerd ,

Habe ich etwa das Gegenteil gesagt?!?!

Ich habe geschrieben: "Wenn ein Feiertag auf einen Werktag fällt, an dem Du 'eigentlich' hättest arbeiten müssen [...]"!!

Und das bedeutet umgekehrt: Wenn der Feiertag auf einen Tag fällt, an dem Du ohnehin frei hast, muss er auch nicht bezahlt werden,
eben da Du ja sowieso nicht hättest arbeiten müssen.

Kommentar von aprilseventh ,

Nicht gleich stinkig werden :) Alles ist gut.

Kommentar von Familiengerd ,

Wenn ich "stinkig" wäre, sähe das anders aus! :-)

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