Frage von Tanjaknows, 47

Wie heißt diese psychische Erkrankung - null Sozialkompetenz?

Hallo,

meine Schwester (52 J) ist schwer psychisch erkrankt. Die Grundsymptome bestehen schon 35 Jahre. Seit Jan. 2016 ist es "klinisch", sie verweigert aber jede psychiatrische Behandlung, man versucht derzeit Zwangseinweisung. Es ist ein manisch-depressives Krankheitsbild. Sie glaubt, daß ab Sept. 2016 ganz Europa zusammenstürzt und eine Unzahl Übel zugleich einfallen: Atomkrieg, Russen kommen, IS bringt alle um, Überflutungen, Totalkontrolle über Funkchips, allgemeine Enteignung, Hyperinflation, Bürgerkrieg usw. usw. Sie möchte hektisch per Auswandung fliehen, ist aber schon zu kaputt um das noch funktionierend hinzukriegen. Es geht jetzt vor allem darum: Bei ihren Fluchtbemühungen geht sie absolut rücksichtslos vor. Sie achtet weder die Bedürfnisse ihrer jugendlichen Kinder noch ihres Ehemanns oder gar der Großfamilie. Diese können "verrecken" wie jedermann, der ihr nicht hilft. Vernünftige Verhandlungen mit ihr sind nicht möglich, sie kann nur noch anbrüllen. Auch ihren Eltern wünscht sie den Tot. Sie ist extrem auf ihre Ziele fixiert, scheint einen Metallklotz statt einem Herz in der Brust zu haben. Andere Menschen werden als ihre Sklaven behandelt und erhalten nur Freundlichkeit, solange sie brav Dienste leisten. Ansonsten werden sie sofort "weggeworfen". Sie ist sehr geizig, habgierig, lügnerisch aber trotzdem hyper-christlich-fundamentalistisch religiös. Sie glaubt, daß schon Menschheitsvergiftungen per chemtrails laufen usw. usw.

Wie nennt man ein Krankheitssyndrom, bei dem man keinerlei Einfühlungsvermögen, keine Sozialkompetenz und keine Verhandlungsfähigkeit hat?

Antwort
von hourriyah29, 10

Hallo Tanjaknows,

Ferndiagnosen sind leider nicht möglich ;)

Es könnten verschiedene Erkankungen dahinter stecken. Die genannte paranoide Persönlichkeitsstörung ist eine. Möglich wären auch andere Formen von Persönglichkeitsstörung, Suchterkrankungen oder verschiedene Arten von Psychosen oder depressive Störung mit psychotischen Syndromen.

Es gibt keine Zwangsbehandlung von psychischen Erkrankungen in Deutschland. Die einzige Ausnahme ist, wenn die Gefahr der Selbst- oder Fremdschädigung besteht, die nur durch Zwangseinweisung abgewendet werden kann. Da seid ihr ja anscheinend dran.

Ist sie denn in den 35 Jahren nicht behandelt worden?

Ihr als Familie solltet Euch gut absprechen und Deiner Schwester gegenüber so weit es geht ruhig, freundlich aber auch klar auftreten und Grenzen setzen. Das bedeutet sie nicht für ihre Krankheit zu verurteilen, entwerten oder anzuschreien. Aber auch klar zu machen, was sie darf oder eben nicht darf. Ihr müsst Euch nicht alles gefallen lassen. Müsst aber auch Wege finden, wie ihr Euere Grenzen setzt und wahrt ohne Deine Schwester zu entwürdigen.

Wichtig wäre es z.B. darauf zu achten, dass sie Euch nicht beklaut. Dass die Grundbedürfnisse der Kinder gewährleistet sind. Dass ihr ihr sagt, was ihr akzeptiert und was nicht und daraus Konsequenzen zieht - z.B. auch Kontaktabbruch oder Enzug von Unterstüzung oder Vorteilen.

Dabei klar kommunizieren, warum man die Konsequenz zieht und einen Vorschlag machen, wie sie Dinge in Ordnung bringen kann. Z.B. "Als Du ... gesagt hast, hat mich das sehr beleidigt. Ich möchte Dich einige Tage nicht sehen oder hören. Wenn Du Dich entschuldigen möchtest kannst Du Dich gerne melden. Ansonsten bitte ich Dich, Dich von mir fernzuhalten".

Vielleicht gibt es eine andere Therapieform auf die sie sich einlassen kann?

Ich persönlich habe meinen Mann gebeten mich in eine Soteria zu bringen, sollte ich irgendwann einmal schwer entgleisen ;)

Auch für Euch als Angehörige ist die Situation sehr belastend. Habt ihr Euch Hilfe gesucht (z.B. Selbsthilfegruppe für Angehörige oder auch bei Therapeuten)? Falls es finanzielle oder rechtliche Fragen gibt kann auch eine Sozialberatung hilfreich sein - z.B. bei Frage nach Pflege, Haushaltshilfe oder Hilfe für die Kinder. Denkt auch daran, dass die Kinder vielleicht Unterstützung brauchen (Sozialpsychiatrische Zentren können beraten oder auch Beratungsstellen für Familien).

LG und alles Gute!

Hourriyah

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologie, 36

Hallo Tanjaknows,

manisch-depressiv heißt heute Bipolare Störung, aber wenn ich Deine Ausführungen so lese, kann es das wohl nicht sein, was Du meinst.

Meinst Du Paranoide Persönlichkeitsstörung?

LG

Kommentar von Buddhishi ,

Falls Du Dir nicht sicher bist, hier noch ein Link, wo Du es nachlesen kannst:

https://de.wikipedia.org/wiki/Paranoide_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung

Falls Du Fragen hast oder Hilfe benötigst, schreibe bitte einen Kommentar.

Kommentar von Tanjaknows ,

Hallo, Buddhishi

in der Wikipedia-Beschreibung erkenne ich die Schwester gut wieder, vielen Dank!

Sexuelle Betrugsängste hat sie nicht (ist eher asexuell), aber sonst stimmt alles.

Kommentar von Buddhishi ,

Es muss nicht immer alles zutreffen ;-)  Und nu - wie geht's weiter?

Kommentar von Tanjaknows ,

Hallo, Buddhishi,

vielleicht kannst Du mir sagen, wie es weitergehen kann. Ihr Ehemann versucht zwar über Gesundheitsamt und Amtsgericht eine "Betreuung" zu verfügen. Aber die Frau sollte sofort zu Vermeidung von Straftaten und zum Selbstschutz in die Klinik. Man müßte sie geradezu "einfangen". Aber wie ist das möglich, muß sie erst sich oder jemand anderen verletzt haben?

Kommentar von Buddhishi ,

Das richtet sich nach dem PsychKG: (Deutschland, ansonsten bitte einfach googeln)

https://de.wikipedia.org/wiki/Psychisch-Kranken-Gesetz

Schau mal, ob Dir das weiterhilft.

Antwort
von Smartypants1, 14

Hallo Tanjaknows,

Buddhishi hat ja schon eine "alternative Diagnose" gestellt. Mir würde noch eine Schizophrenie einfallen. 

Hier wäre ein Link dazu. https://de.wikipedia.org/wiki/Schizophrenie

Das ist aber aus der Ferne natürlich schwer zu beurteilen, das muss ein/e Fachmann/-frau!

LG, Smarty

Antwort
von einfachichseinn, 13

Ferndiagnosen lassen sich über das Internet auch heutzutage nicht stellen.

Das könnte allerdings eine bipolare Störung sein, Borderline, vielleicht auch paranoide Schizophrenie,...

Antwort
von keinfacebook, 4

Ich denke, alle Persölichkeitsstörungen gehören dazu, nur Borderline eben nicht, weil gerade das mit hoher Sozialkompetenz einhergeht, bzw.mit hoher Sensibilität, zu hoch, um es "aushalten" zu können, daher die Selbstzerstörung des Einzelnen.

Die klassischen "Narzißtisch Verwundeten" haben meist ein ziemlich dickes Fell, durch Abspaltung, Projektion, etc...

LG, ST. (Pädagogin, Psychologin) und vor langer, langer .... Zeit halbwegs auch Betroffene.

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