Frage von fuerstkev, 22

Wie hat sich das Fußballtraining in den letzten Jahren verändert?

Der Fußball ist in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem Geschäftsfeld geworden und dadurch zog in allen Bereichen auch mehr und mehr Professionalität ein. Im Profibereich ist der Trainingsbetrieb ohne zig Spezialisten für Kondition, Koordination, Taktik, Analyse usw. überhaupt nicht mehr denkbar. Aber inwieweit hat setzt sich dieser Trend auch im Amateurbereich immer mehr durch? Und wird das Spiel Fußball, das doch nicht zuletzt wegen seiner Einfachheit so populär geworden ist, nicht unnötig komplex und letztendlich leidet der Sport und auch der Spaß darunter? Ich sehe das ganze recht kritisch, da die Entwicklung gerade in den letzten Jahren immer rasanter fortgeschritten ist. Gerade in den unteren Klassen steigen die Anforderung an die Trainer, denen oft die Zeit fehlt, da sie natürlich nebenbei noch ihren Hauptberuf haben. Aber ich lasse mich gerne auch von den Vorteilen dieser Entwicklung überzeugen, daher würde mich Ihre Meinungen interessieren.

Antwort
von Lynx77, 5

Ich sehe das etwas anders bzw. gibt es einen Punkt, den man nicht immer mit einkalkuliert. Gerade im Jugendbereich und gerade bei den jüngsten bis zum pubertären Alter ist es immer wichtig, dass Fußball auch Spaß macht. Spaß ist ebenso eine Trainingsqualität, denn wenn dieser fernbleibt, dann gehen früher oder später einen Spieler verloren, die gewaltiges Potenzial haben. Das wissen auch die Stützpunkttrainer und werden einen Teufel tun und nur rein zu berechnende Trainingsmethoden runterlaufen zu lassen. Zudem auch so genannten freies Training (damit meine ich jetzt freie Spiele im Training usw.), wenn es richtig durchgeführt wird, Kreativität fördern kann und gerade jungen Spielern hilft einfach mal etwas auszuprobieren, außerhalb des Wettbewerbs.

Ansonsten ist es schon so, dass der Sport auch im Amateurbereich immer professioneller wird. Sprintgeschwindigkeiten werden gemessen, Cooper-Tests durchgeführt usw., also es gibt Trainingsmethoden, die sich einfach gut bemessen lassen. Damit brauchte man zu Beckenbauers Zeiten auch nicht ankommen, das stimmt schon. Ich persönlich als Amateurfußballer finde das aber eigentlich okay. Klar will ich nicht ständig bemessen werden und ich will erst recht nicht, dass die Zahlen ausschlaggebend für den Teaminternen wettbewerb um die Startaufstellung sind, aber sie helfen mir Schwachpunkte auszumachen und Verbesserungen zu erkennen und auch wenn die Übungen trocken erscheinen: Wenn der Trainer das richtig aufzieht, kann es hin und wieder Spaß machen. Am meisten Spaß macht es aber auf dem Spielfeld die Gegner wegzufegen und dafür rackere ich mich gerne ab.

Ich stimme auch zu, dass die Trainer sich anpassen müssen. Das geht im Amateurbereich natürlich nur bis zu einem gewissen Grad, was wohl klar sein dürfte, wenn man nicht mehrere Betreuer an die Seite gestellt bekommt, die auch das spezialisierte Know-How haben. Das geht aber nur, wenn man eben gute Helfer hat, die das auch freiwillig machen. Nur wenige Amateurvereine werden sich einen ganzen Trainerstab leisten wollen. Allerdings mussten Trainer sich schon immer anpassen, nicht nur auf taktische Ebene. Man muss nicht nur auf den Zettel haben, dass Amateurmannschaften ihren Libero aufgeben um auf eine richtige oder eine falsche Viererkette (mit rotierendem Libero) umstellen, sondern auch eine gewisse Athletik an den Mann bringen können. Auch der Amateurbereich (ab einer gewissen Ligaebene) wird physisch anspruchsvoller und schneller, aber man darf technische Fähigkeiten nicht außen vor lassen. Heute kann man nicht mehr die ganze Vorbereitung damit verbringen Kondition bolzen, sondern die Spieler müssen sich schon auf eine gewisse Basis vor dem ersten Training bringen. Das gemeinsame Training ist viel zu Schade um einfach nur die Ausdauerbasis aufzubauen, was jeder alleine kann.

Das war jetzt überwiegend konzeptloses Gelaber von mir, aber einfach gesagt: Ja, der Trend bezüglich Faktensammlung, Datenanalyse und zunehmende Physis wird in gewisser Weise auch im Amateurbereich nach und nach seinen weg finden, dennoch aufgrund der Strukturen im Amateurbereich meiner Meinung nach lange nicht so extrem wie im Profibereich und in Schnitt immer abnehmender, desto tiefer die Ebene der Liga.

Antwort
von offeltoffel, 7

Jede Sportart, die aus einem Breiten- und einem Leistungsbereich besteht, muss irgendwo den von dir angesprochenen Spagat schaffen. Vermutlich ist bei über 90% aller Fußballvereine in Deutschland das Hauptziel "Spaß". Man bewegt sich, trägt Wettkämpfe aus und pflegt soziale Kontakte im Verein.

Als überdurchschnittlicher Spieler kann es sein, dass du irgendwann vor die Wahl gestellt: Profi oder Amateur? Wenn du den Ehrgeiz und das Talent hast, groß rauszukommen, musst du zwangsläufig viele Dinge opfern. Dann suchst du einen Verein, wo mit allem drum und dran auf den Leistungssport hingearbeitet wird.

Sicher gibt es Leute, die denken, dass jeder Verein diese irre körperliche/technische Entwicklung des Fußballs aus den letzten 20 Jahren mitgehen müsse. Aber so muss eben jeder Verein für sich eine Identität finden. Wenn sich die Vereine in deinem Umkreis verbessern, musst du dich selbst entscheiden: möchte ich im Vergleich in meiner Leistung absinken und dafür weiterhin locker trainieren und Spaß haben, oder will ich diesen Schritt mitgehen.

Die Entscheidung fallen letztlich die Vereinsführung (z.B. durch die Wahl des Trainers, Physio etc.) und die Mitglieder (in Sitzungen).

Ich sehe die Entwicklung nicht so kritisch wie du. Es gibt für jeden Topf einen Deckel - gerade im Fußball. Es steht dir jederzeit frei einen bestimmten Trainingseifer nicht mehr erfüllen zu wollen. Nur musst du halt dann mit den Konsequenzen leben, wirst evtl nicht mehr aufgestellt oder in eine Hobby-Mannschaft degradiert. Sich darüber zu beschweren wäre aber auch blöd, denn dann würdest du ja den anderen vorwerfen, zu fleißig zu sein...

Antwort
von ElTorrito, 6

Es ist ein Geschäft geworden (Werbeverträge z.B.). Die Sportlichkeit ist da zweitrangig heutzutage.

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