Frage von FRDW23, 119

Wie hat man damals verhindert das Kriegspferde durchdrehen?

Weil Pferde sind ja bekanntlich fluchttiere und im Krieg sind sie ja extremen Chaos und Lautstärken ausgesetzt! Mit welchen Tricks wurden sie dressiert, dass sie im Kriegsgeschehen nich durchdrehten (Panik)? und mich würde das auch für Hunde. Elefanten und alle andere Tiere, die im Krieg von Menschen eigesetzt wurden,interessesieren.

Expertenantwort
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 8

Mein SB ist Ausbilder von Filmpferden, auch Eigentümer von drei ausgebildeten Pferden, die immer wieder in Filmen auftreten. Die sind einfach über Jahre hinweg mit viel Geduld ausgebildet.

Ich bin vor ein paar Wochen am Reitplatz vorbei geritten. Mein SB longierte eines seiner Pferde. Ganz normal. Aber plötzlich ohne Vorwarnung fiel das Pferd wie tot hin. Ich war völlig entsetzt - das arme Pferd - aber er lachte nur. Das Pferd musste demnächst in einem Kriegsfilm ein Pferd spielen, das sterben musste. Er übte mit dem Pferd auch täglich, dass es eine Gasmaske tragen konnte.

Jedenfalls fuhr er dann mit dem Pferd zum Set. Es musste übrigens doch nicht sterben. Seine Aufgabe war, einen schwerverletzten Offizier aus dem Kampfgeschehen zu tragen. Erster WEltkrieg. Rund um das Pferd schossen Granaten (mit Platzpatronen), Bomben explodierten, Feuer, Rauch. Es musste ja mächtig echt aussehen.  DAs Pferd hat das alles locker gespielt.

Na ja.  LOL... am Ende fiel der nun tote Reiter aus dem Sattel und es wurde von dem Pferd erwartet, panisch wegzurennen. Es reagiert auf das Winken seines Herrchens aus dem OFF. Statt aber ein ängstliches Pferd zu spielen, schritt es tiefenentspannt aus der Szene. Trotz der Granaten und Bomben und dem Feuer....

Ich denke mir so ähnlich wurden auch echte Kriegspferde ausgebildet. Vermutlich wie heute die Polizeipferde.

Allerdings darf man sich ein Kriegspferd nicht wie im Film vorstellen. Sie waren eher Transportmittel und sollten die Truppen schnell an Ort und Stelle bringen. Gekämpft wurde eher nicht mit ihnen. Auch die Ritter ritten zum Schlachtfeld, stiegen dann ab und kämpften zu Fuß. Richtig in die Schlacht kamen die gar nicht. Die warteten schön im HIntergrund ab. Von daher war es wohl nicht allzu schrecklich für sie. Schrecklich genug allerdings.

Kommentar von Achwasweissich ,

Schau dir mal zeitgenössische Darstellungen an (Wandteppich von Bayeux z.B.) da wirst du viele Pferde im Nahkampf sehen. Grade die Destriers (schwere Streitrösser) wurden vermutlich darauf trainiert mit ihrem Reiter in die vordersten Reihe hinein zu springen um noch mehr Kraft auszuüben. Nur bevor sich der Steigbügel durchsetzte wurden die Pferde vor dem Kampf weggebracht.

Abseits der Schlachtfelder wurden diese Tiere nicht geritten, sie waren einfach zu kostbar und wurden geführt. Zumal auf langen Srecken ein Zelter (Gangpferd) deutlich bequemer war. Ein Ritter hatte in der Regel 4 Pferde: Sein Streitross, einen Zelter, ein Packpferd und ein junges Streitross das ausgebildet wurde um im Fall des falles einen Ersatz zur Hand zu haben. dazu dann noch den Tross. Ein sehr teures "Vergnügen"^^

Antwort
von FelixFoxx, 63

Die Pferde genossen normalerweise eine mehrjährige Ausbildung, in der sehr wahrscheinlich auch Kriegssituationen simuliert wurden oder zumindest bei Paraden und ähnlichem die Pferde Lärm und Getümmel ausgesetzt waren. Die Pferde bekamen dadurch Vertrauen zu ihrem Reiter. Zudem sind Pferde Herdentiere, die sich ungern von ihresgleichen trennen.

Antwort
von jerkfun, 57

Darüber könnte man Bücher schreiben.Ich empfehle Dir mal das Stichwort Polizeipferde oder Preußische Kavallerie zu googeln.Ich bin kein Pferdeflüsterer und könnte was dazu sagen,aber nicht in den richtigen Worten.Liebe Grüße

Antwort
von Achwasweissich, 17

Ich hab (fürs RP, hab eine berittene Bogenschützin als Char^^) ein wenig dazu gegoogelt und mit ein paar Leuten gesprochen die auf Mittelaltermärkten Turniere reiten, die sagten das es vor Allem auf den Charakter der Pferde ankommt.

Ein Jungpferd muss schon recht entspannt sein und nervenstark damit es überhaupt in Frage kommt für eine Ausbildung zum Streitross. Nur etwa 10% der Pferde genügen den Ansprüchen, bei einigen Rassen mehr, bei anderen fast keins. Die Ausbildung fängt dann auch schon an bevor das Tier überhaupt alt genug ist um geritten zu werden: Lärm, Gedränge, Feuer, seltsame Untergründe usw. kann man ja auch schon am Führstrick zeigen und gaaanz langsam steigern.

Sobald das Pferd dann sicher seinen Reiter trägt und die Grundkommandos sitzen geht es weiter mit Vertrauens- und Kampfübungen. Ich habe einen Hengst kennengelernt der total locker über Feuer gesprungen ist und im Slalom dicht um Legerfeuer herumgetanzt ist, selbst wenn sein Reiter mit einer Fackel rumgewedelt hat störte es ihn nicht, das kann man also offensichtlich auch antrainieren.

Bis so ein Pferd wirklich ein Streitross ist vergehen mindestens 7, eher 8 Jahre - auch weil es eine sehr gut ausgebildete Muskulatur braucht um sich in jeder Situation selbst halten zu können. deshalb waren diese Tiere auch so abartig teuer und wertvoll im Gegensatz zu normalen Pferden.

Antwort
von newcomer, 48

nun wenn die Pferde eher permanent solchen Lärm ausgesetzt wurden sprich auch beim Training empfinden sie dies als Normal und bleiben ruhig.
Sowas wie Hörfähigkeit reduzieren z.B. mit Stofflappen in das Ohr oder darüber halte ich für unrealistisch sonst hätten sie die Befehle des Reiters nicht mehr gehört

Kommentar von newcomer ,

http://busse-reitsport.de/produktdetail.php?HA_ArtNr=699919&WGR=BP

Ohrenstöpsel POMMS

speziell entwickelt, damit das Pferd normale Geräusche wahrnehmen kann, extremer Lärm aber unterdrückt wird

Kommentar von Lionrider66 ,

Glaube kaum, dass es solche Dinger schon zu der Zeit gab, als berittene Truppen up to date war.

Kommentar von sukueh ,

Diese "Stöpsel" halte ich auch für eine neuere Erfindung. Da es immer mehr Pferde gibt, die - trotz den Bodenarbeit und ähnliches - trotzdem kein Vertrauen in ihren Menschen haben, wird wie in vielen Bereichen der "modernen" Reiterei einfach irgendwelches Zeug - in diesem Fall - ins Pferd (statt auf das Pferd gepackt), was den Reiter von der eigentlichen Notwendigkeit entheben soll, an der Vertrauensbasis / Erziehung seines Pferdes zu arbeiten. Beim Reiten lässt sich ja eine ähnliche Entwicklung beobachten. Statt reell reiten zu lernen, werden allerlei Hilfsmittel entwickelt oder einfach Ausrüstungsgegenstände weggelassen (z. B. Gebisse), statt den richtigen Umgang damit zu lernen...

Kommentar von Falkenpost ,

Welche Befehle? Wenn 4.000 galoppierende Pferde auf 20.000 in Karrees formierte Soldaten losstürmen, parallel 400 Kanonen über die Pferde auf die feindlichen Stellungen fliegen und die Granaten explodieren, hört keiner mehr war

Antwort
von Michel2015, 4

Mit den Pferden ist das heute noch genau so wie man das früher gamacht hat, da hat nicht nichts verändert.

Dressieren ist der falsche Begrff, eher an die Umgebung gewöhnen.

Kriegshunde wurden von den alten Römern eingestezt, darüber gibt es aber sehr wenige Quellen, aber die Rasse gibt es noch. Da musst Du aber googln, das kann ich nicht in drei Sätzen wiedergeben.

Hannibal ist mit den Elefantten über die Alpen, glaube mir, bis er endlich dort war, waren die Elefanten auch abgeklärt. Sonst muss das wohl wie mit den Pferden gemacht werden.

Aber lass Dich nicht täuschen, das was wir uns unter Krieg in den Filmen vorstellen, hat mir der Wirklichkeit sehr wenig zu tun.

Antwort
von kaytie1, 36

Sie mussten gehorchen, da oft die Zeit fehlte im Krieg die Pferde nach Horsemanship auszubilden wurden sie vermutlich "gebrochen". Würde ich jetzt vermuten. Sie wurden ja von Privatpersonen eingezogen und waren von daher ja schon ausgebildet.

Pferde wurde bspw. über vergaste Schlachtfelder geschickt um zu sehen ob sich das Gas verzogen hat. Es haben vermutlich mehr als 1 Millionen Pferde ihr Leben im ersten Weltkrieg gelassen.

Es gibt dazu sehr viele Berichte im Internet, einfach mal googlen =)

http://www.swp.de/crailsheim/lokales/landkreis\_schwaebisch\_hall/100-jahre-erst...

Antwort
von Falkenpost, 5

Hi,

ich denke, dass die Pferde durch harten Drill und entsprechende Gebisse gefügig gemacht wurden. Anders kann ich es mir in der Masse nicht vorstellen.

Wenn man sich die Kampfbericht aus Waterloo von Bernard Cornwell durchliest, bekommt man einen sehr guten Eindruck, welche Situation die Pferde in dieser Schlacht ausgesetzt waren. Da war kein Platz für Streicheleinheiten und Wellness. 4000 Pferde im Galopp auf mit Baionett starrende Einheiten losreißen zu lassen, während die Pferde vor einem von Granaten verletzt auf dem Boden liegen, ist sicherlich kein Spaß. Das Pferd war letztendlich nur Mittel zum Zweck um von A nach B zu kommen. Vergleichbar mit einem Panzer.

http://www.buecher.de/shop/preussen/waterloo/cornwell-bernard/products\_products...

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Karree\_(Militär)#/media/Datei%3AButler_Lady_Quatre_Bras_1815.jpg


Gruß

Falke

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