Frage von Goenluem, 17

wie hat Atatürk, die türkei religiös vertreten, was hat er in der türkei mit der türkei, religiös verändert?

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 9

Atatürk setzte sich im Rahmen des Kemalismus für einen laizistischen Staat ein, bei dem Staat und Religion streng voneinander getrennt sind.

Zu den Zielen und Maßnahmen gehörten beispielsweise:

  • Abschaffung und Verbot religiöser Parteien
  • Abschaffung des Islam als Staatsreligion
  • Abschaffung des islamischen Kalenders
  • Abschaffung der arabischen Schrift
  • Abschaffung des Kalifats
  • Abschaffung der Ehe mit mehreren Frauen (Polygamie)
  • Abschaffung von Vollverschleierung und Kopftuch
  • Schließung von Derwischkonventen (tekke)
  • Schließung von Religionsschulen
  • Schließung von Scharia-Gerichten

Damit verbunden war die Einführung des lateinischen Alphabets und des gregorianischen Kalenders, sowie westlicher Kleidung für Männer und Frauen.

Für die Verwaltung von Moscheen und die Bezahlung der Geistlichen wurde das Präsidium für religiöse Angelegenheiten geschaffen, die somit die Religionsausübung kontrolliert.

Religionsfreiheit bedeutet nach Atatürk, dass jeder einzelne Mensch die Freiheit zu glauben, woran er will - Religionsgemeinschaften sollten dagegen nach Atatürks Willen keine Sonderrechte und besondere Freiheiten erhalten.

Die Türkei der Gegenwart weicht diese Werte Atatürks zunehmend auf, wie ja auch der derzeitige Präsident Erdogan deutlich zeigt.

Kommentar von ela64tr ,

Wenn man den Islam abschafft ist das keine Religionsfreiheit. Außerdem hast du nicht erwähnt, dass er auch Imame hängen lassen hat. Ist das etwa Religionsfreiheit?

Kommentar von Enzylexikon ,

Er schaffte den Islam als Staatsreligion ab. Das bedeutet, dass der Islam keine Sonderrechte vor anderen Religionen hat.

Hinrichtungen waren unter Atatürk ein Mittel gegen politische Gegner und Personen, die seinem Modernisierungskurs entgegen standen.

Die Imame wurden also vermutlich nicht hingerichtet, weil sie Muslime waren, sondern weil sie seinen politischen Plänen nicht folgten.

Das macht natürlich die Ermordungen von Menschen an sich nicht besser, der Kontext ist aber eben machtpolitischer Art.

Wer zu viel Macht hatte, musste weg - und in einem vormals islamischen Land waren die Geistlichen nunmal sehr einflussreich.

Kommentar von ela64tr ,

Er hat versucht den Islam auszulöschen. Die Muslime durften ihre Religion nicht in der Öffentlichkeit ausüben. Verdreh die Wahrheit bitte nicht.

Kommentar von Enzylexikon ,

Man kann sich natürlich grundsätzlich darüber streiten, ob die private religiöse Ansicht überhaupt etwas in der Öffentlichkeit zu suchen hat.

Wie schon gesagt, war nach meinem Wissen ein Großteil der anti-islamischen Aktivitäten Atatürks machtpolitisch motiviert.

Nur weil Aktionen sich gegen Anhänger einer bestimmten Religion richten, muss die Motivation dazu nicht Religionshass sein.

Das war vermutlich einfach knallharte Machtpolitik gegen politisch unliebsame Elemente - wie eben einflussreiche Geistliche.

Kommentar von muhamedba ,

Hitler hat viel von Ihm gehalten, da selbst negative Äußerungen über seine Person als Straftat geahndet wurde. Deshalb wollte Hitler auch ein Bündnis mit den Türken. Gegner hatte Kemal somit keine, da alle verschwunden sind, die Ihn nicht positiv erwähnt haben.

Er schaffte den Islam so gut wie ganz ab. Du durftest in einem Land nicht an die Uni, wenn du ein Kopftuch hattest... in einem Land, wo  die klarer Mehrheit Muslime sind.

Ist 1938 gestorben, somit schon sehr lange Geschichte.

Kommentar von Enzylexikon ,

Ist 1938 gestorben, somit schon sehr lange Geschichte.

Wobei Menschen, die noch viel länger Geschichte sind, immer noch einen erheblichen Einfluss auf das Leben vieler Menschen haben.

Das Erbe Atatürks lässt sich meiner Meinung nach genau so wenig abschütteln, wie die Taten Hitlers, oder die Lehre großer Denker.

Sie haben unsere heutige Welt so stark geprägt, dass man nicht so tun kann, als hätte es diese Dinge nie gegeben.

Es kommt dann eben darauf an, wie man mit diesen "Altlasten" umgeht - Verherrlichung ist genau so sinnlos, wie Verdrängung.

Ich denke, wir beide verstehen uns ganz gut, auch wenn wir von anderen Seiten an das Thema herangehen.

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