Frage von schnuggelbienee, 75

Wie hält man ein Vortrag über Abtreibung wenn man dagegen ist?

In der Prüfung natürlich...

Antwort
von LeroyJenkins87, 35

Man kann über alles einen Vortrag machen. Da kommt es nicht darauf an, wie man zu diesem Thema steht.

Wie man den Vortrag halten soll, hängt vom Fach bzw. dem Ziel ab. Man kann zum Beispiel mit Fakten darüber beginnen. Die müssen dann aber objektiv sein. Wenn es erforderlich bzw. gewünscht ist, kann man dann anschliessend die persönliche Meinung dazu sagen.

Man kann auch Argumente von Gruppierungen bringen, die dafür und dagegen sind.

Antwort
von carn112004, 13

Ich gehe davon aus, dass der Vortrag sich auf Deutschland bezieht; insofern nicht, ist das folgende erheblich abzuändern:

Erstmal mit einer etwas seltsamen Frage anfangen:

"Zuerst ein paar kurze Fragen per Handabstimmung, der Sinn wird dann später deutlich:

Wer ist dagegen, dass der Staat Artikel 1 Absatz 1 Grundgesetz einhält, also die Menschenwürde schützt und achtet? Niemand? Ok.

Wer fände es ziemlich fragwürdig, wenn es eine politische Bewegung gäbe, die dagegen ist, dass der Staat das tut und den Staat dazu bringen will, in einigen Fällen die Menschenwürde völlig zu ignorieren? Was soviele?

Aber gut, dass macht die Erläuterung am Schluss einfach."

Dann der Vorgang selbst, also den verschiedenen Methoden, z.b.

Was ist Abtreibung?

Die absichtliche vorzeitige Beendigung einer Schwangerschaft mit dem Ziel, dass das ungeborene nicht überlebt. (Begriff ungeborenes ist geeignet, da neutral, sehr allgemein und immer zutreffend ist; Embryo trifft nur bis etwa 9. Woche nach Befruchtung zu, Fötus erst danach und beide leiten gleich auf einen medizinischen Kontext hin)

Wie wird sie allgemein ausgeführt?

-Medikamentös, bis ca. 6-8 Wochen nach Befruchtung; zuerst eine Mifegyne-Pille, dann 24-48 Stunden später einmal oder mehrmals Prostaglandin

-Absaugung...

z.b.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwangerschaftsabbruch#Methoden_des_Schwangerscha...

aber auch in andere Quellen schauen.

Als kleinen Schocker gegen das Einschlafen vielleicht extra daraufhinweisen, dass bei Spätabtreibungen in D eigentlich immer die Abtreibung über Wehenauslösung erfolgt; was vor der etwa 22. Woche nach Befruchtung dahingehend gut funktioniert, dass das ungeborene noch nicht atmen kann, weshalb das Ziel "dass das ungeborene nicht überlebt", da nichts besonderes erfordert, da es dann höchstens ein paar Atemversuche gibt und es dann stirbt; nach der 22. klappt das mit dem Atmen aber manchmal, weshalb zur Erreichung des Ziels im Allgemeinen vor Wehenauslösung dem ungeborenen eine tödliche Spritze ins Herz gestochen wird.

Dann die reinen rechtliche Regelungen, also bis 12. Woche nach Befruchtung nach Beratung straffrei aber immer noch rechtswidrig, bis 12. Woche nach Befruchtung bei Vergewaltigung, bis zum Beginn der Geburtswehen bei anderweitig nicht zumutbar abwendbaren Gefahr für das Leben oder Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren, wobei hierunter in der Praxis auch die emotionale Belastung fallen kann, die es für die Mutter darstellen könnte, sich um ein behindertes Kind kümmern zu müssen bzw. dieses zur Adoption freigeben zu müssen (womit ggf. eben bei Vorliegen von Down-Syndrom auch ganz, ganz am Ende der Schwangerschaft nach Gesetz eventuell noch abgetrieben werden dürfte).

Dann unbedingt Zahlen bringen, also ca. 100000 Abtreibungen pro Jahr bei ca. 700000 Geburten; ca. 95000 nach Beratungsregelung,..., so und so viele vor 12. Woche nach Befruchtung, so und so viele nach 12. bis 22. Woche nach Befruchtung, so und so viele danach (letzteres sind dann die mit der tödlichen Spritze).

Danach die erschöpften Gesichter studieren und sagen:

"Ok, eigentlich kann man jetzt noch viel über das ethische Für- und Wieder diskutieren; aber nachdem einiges emotional doch schwere Kost war, z.b. das tödliche Spritze ins Herz, will ich es einfach halten und nur erstmal besprechen, wie das ganze aus Sicht des Staates zu handhaben ist.

Entscheidend ist dabei, ob der Staat hinsichtlich ungeborenen irgendwelche Rechte zu schützen hätte; wenn nein, dann gäbe es überhaupt keinen Anlass Schwangerschaftsabbrüche in nennenswerten Umfang zu verbieten, denn dann gäbe es nur die Rechte der Schwangeren und die wären vom Staat zu achten; wenn ja, dann kann eventuell der Staat unter Berücksichtung der Rechte der Schwangeren Schwangerschaftsabbrüche einschränken, um diese Rechte zu schützen; eventuell wären auch umfangreiche sozialstaatliche Maßnahmen sinnvoll, um Schwangeren eben die Entscheidung zum Kind zu erleichtern.

Die Frage, ob ungeborene die Menschenwürde nach Art. 1 Abs. 1 GG haben, ist eine Frage der Auslegung. Gemäß Artikel 93 Abs.1 GG entscheidet das Bundesverfassungsgericht bindend über Fragen der Auslegung von Rechten und Pflichten des Staates, somit auch bindend darüber, ob ungeborene nun diese Menschenwürde, die der Staat zu schützen hat, haben oder nicht.

Das hat das Bundesverfassungsgericht am 28.05.1993 getan und bindend für den Staat festgestellt:

http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv088203.html

"Das Grundgesetz verpflichtet den Staat, menschliches Leben, auch das
ungeborene, zu schützen. Diese Schutzpflicht hat ihren Grund in Art. 1
Abs. 1 GG; ihr Gegenstand und - von ihm her - ihr Maß werden durch Art. 2 Abs. 2 GG näher bestimmt. Menschenwürde kommt schon dem ungeborenen menschlichen Leben zu. Die Rechtsordnung muß die rechtlichen Voraussetzungen seiner Entfaltung im Sinne eines eigenen Lebensrechts des Ungeborenen gewährleisten. Dieses Lebensrecht wird nicht erst durch die Annahme seitens der Mutter begründet.
2. Die Schutzpflicht für das ungeborene Leben ist bezogen auf das einzelne Leben, nicht nur auf menschliches Leben allgemein.3. Rechtlicher Schutz gebührt dem Ungeborenen auch gegenüber seiner Mutter. "

also dass ungeborene Menschenwürde haben und dementsprechend der Staat die Menschenwürde und das daraus folgende Recht auf Leben auch der ungeborenen zu schützen hat und dies sogar gegenüber der Schwangeren.

Da vorher so ziemlich alle dafür waren, dass der Staat Art. 1 Abs. 1 GG einhalten soll und so ziemlich alle dagegen waren, dass irgendwer politisch vorschlägt, den nicht einzuhalten, haben wir damit im Wesentlichen Konsens, dass:

- der Staat in gewissem Maße Abtreibungen verbieten dürfte, wenn dieses eben zum Schutz der ungeborenen wirksam ist und von den Rechten der Schwangeren her nicht unbillig; der Punkt ist allerdings über diesen Allgemeinplatz hinaus ziemlich komplex, da können wir am Schluss noch drüber disktutieren

- der Staat vor allem aber ungeborene zu schützen hat, indem er Hilfen für Schwangere bereitstellt

- der Staat keinesfalls auf die Idee kommen sollte, ungeborenen die Menschenwürde oder das Recht auf Leben abzusprechen, denn dann würde er sicher gegen seine Pflicht die Menschenwürde und das Recht auf Leben der ungeborenen zu schützen massiv missachten

Ausgehend von diesem Konsens, dass ungeborene die Menschenwürde und das Recht auf Leben haben, ist jetzt in Bezug auf die konkrete Regelung von Abtreibung aus meiner Sicht zu sagen - und ich betone ausdrücklich, dass es da schwierig wäre überhaupt nur von "richtig" oder "falsch" zu sprechen, immerhin gab es 20 Jahre lang Debatten darüber, wie man den Rechte der Schwangeren und denen des ungeborenen jeweils gerecht wird - nämlich, dass...

"

Antwort
von Inked95, 29

Indem du etwas recherchierst, die wichtigsten Fakten zusammenfasst und deine eigene Meinung mit einbaust.

Antwort
von daCypher, 24

Wie eine Abtreibung funktioniert und was die Voraussetzungen sind, um eine Abtreibung durchführen zu können, kannst du aus den entsprechenden Büchern lesen.

Wenn du gegen Abtreibungen bist, kannst du den Text allgemein so gestalten, dass Abtreibungen besonders grausam dargestellt werden, z.B. statt "Abtreibung" eher "vorgeburtlicher Kindsmord" sagen, oder sagen, dass das Baby bei einer Ausschabung unter Schmerzen in Stücke gerissen wird etc. Für deine Meinung musst du also nicht mal explizit reinschreiben, dass du dagegen bist.

Kommentar von LeroyJenkins87 ,

Es ist kein allgemeiner Text, wenn man von "vorgeburtlicher Kindesmord" und Ähnlichem redet, da dann Fakten schon gewertet sind. Das wird nicht gerne gesehen.

Kommentar von carn112004 ,

Stimmt, "Kindsmord" ist unsachlich.

Neutral und ohne Wertung heißt es:

http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv088203.html

"Dagegen kann die Frau für die mit dem
Schwangerschaftsabbruch einhergehende Tötung des Ungeborenen nicht eine
grundrechtlich in Art. 4 Abs. 1 GG geschützte Rechtsposition in Anspruch
nehmen."

Tötung des Ungeborenen

Kommentar von carn112004 ,

So eine Verdrehung ist völlig unnötig. Um Abtreibung ausreichend negativ für übliche Zuhörer zu konnotieren, genügt es vollkommen, die geltende Rechtslage objektiv und sachlich darzustellen:

"

4. Der Schwangerschaftsabbruch muß für die ganze
Dauer der Schwangerschaft grundsätzlich als Unrecht angesehen und
demgemäß rechtlich verboten sein (Bestätigung von BVerfGE 39, 1 [44]).
Das Lebensrecht des Ungeborenen darf nicht, wenn auch nur für eine
begrenzte Zeit, der freien, rechtlich nicht gebundenen Entscheidung
eines Dritten, und sei es selbst der Mutter, überantwortet werden.

...

7. Grundrechte der Frau tragen nicht so weit, daß
die Rechtspflicht zum Austragen des Kindes - auch nur für eine bestimmte
Zeit - generell aufgehoben wäre. Die Grundrechtspositionen der Frau
führen allerdings dazu, daß es in Ausnahmelagen zulässig, in manchen
dieser Fälle womöglich geboten ist, eine solche Rechtspflicht nicht
aufzuerlegen. Es ist Sache des Gesetzgebers, solche Ausnahmetatbestände
im einzelnen nach dem Kriterium der Unzumutbarkeit zu bestimmen. Dafür
müssen Belastungen gegeben sein, die ein solches Maß an Aufopferung
eigener Lebenswerte verlangen, daß dies von der Frau nicht erwartet
werden kann (Bestätigung von BVerfGE 39, 1 [48 ff.]).

"

Glaub mir, habe es schon oft genug ausprobiert; einfach die geltende Rechtslage zitieren und schon merken alle, wie fragwürdig Abtreibung nach dieser ist, und den Vorwurf, man sei ein radikaler Lebensschützer, der seine persönliche Moral anderen aufzwingen will, gibts häufig ohne weiteres zutun noch zusätzlich, egal wie idiotisch der Vorwurf ist, man sei radikal oder würde eine persönliche Moral aufzwingen wollen, wenn man einfach nur das Bundesverfassungsgericht zitiert.

Antwort
von Makri1234, 16

Du musst ja in dem Vortrag keine Meinung preisgeben. Einfach sachlich bleiben. 

Gehe auf Fragen ein wie: 

Was ist Abtreibung? 

Wie wird eine Abtreibung durchgeführt?  Welche Arten Behandlungen gibt es?

Welche Gründe haben Frauen/Mädchen die abtreiben? 

Welchen gesellschaftlichen und ethnischen Stellenwert hat Abtreibung? 

Folgen eine Abtreibung?

zahlen und Fakten? Wie viele Abtreibungen wurden 2015 durchgeführt? 

Alternativen zur Abtreibung?

Beratungsstellen? 

Und zum Schluss würde ich eine Fazit-Frage stellen, mit der der Zuhörer sich seine Gedanken dazu machen kann. 

Somit hast du keine eigene Meinung vertreten.

Kommentar von carn112004 ,

"Welchen gesellschaftlichen und ethnischen Stellenwert hat Abtreibung? "

Was zwingend den Hinweis erfordert auf:

http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv088203.html

"
1. Das Grundgesetz verpflichtet den Staat, menschliches Leben, auch das ungeborene, zu schützen. Diese Schutzpflicht hat ihren Grund in Art. 1 Abs. 1 GG; ihr Gegenstand und - von ihm her - ihr Maß werden durch Art. 2 Abs. 2 GG näher bestimmt. Menschenwürde kommt schon dem
ungeborenen menschlichen Leben zu. Die Rechtsordnung muß die rechtlichen Voraussetzungen seiner Entfaltung im Sinne eines eigenen Lebensrechts des Ungeborenen gewährleisten. Dieses Lebensrecht wird nicht erst durch die Annahme seitens der Mutter begründet.


2. Die Schutzpflicht für das ungeborene Leben ist bezogen auf das einzelne Leben, nicht nur auf menschliches Leben allgemein.

3. Rechtlicher Schutz gebührt dem Ungeborenen auch gegenüber seiner Mutter.
"

Antwort
von Halbkornbrot, 30

Du könntest zuerst sachlich erläutern wie denn eine Abtreibung funktioniert, bzw. wie die rechtliche Situation in Deutschland aussieht.

Danach könntest du denn Zuhörern erklären aus welchen Gründen du konkret dagegen bist und auch noch die Argumente der Gegenseite aufzählen.

Versuche das ganze möglischst Wertungsfrei vorzutragen.

Kommentar von carn112004 ,

Das ist wertungsfrei nicht möglich, denn zur rechtlichen Situation in Deutschland gehört auch, dass ungeborene die Menschenwürde nach Art. 1 Abs. 1 GG und das Recht auf Leben nach Art. 2 Abs. 2 GG haben und dass dem ungeborenen auch rechtlicher Schutz (in gewissem Maße) gegenüber der Schwangeren gebührt.

Dass impliziert aber üblicherweise bereits eine Wertung für die meisten Zuhörer, die wohl im Allgemeinen die Einhaltung von Art. 1 Abs. 1 GG seitens des Staates erwünschen.

Die schwierige Frage ist eher, wie man den Zuhörern diese Rechtslage so nahebringt, dass die nicht denken "Was dieser radikale Lebensschützer für seltsames Zeug erzählt", sondern denken "Upps, wusste ich ja gar nicht; was der da erzählt, klingt zwar zuerst nach radikalen Lebensschützer, aber tatsächlich schildert er nur, was hier im Rahmen des Grundgesetzes gilt"

Üblicherweise würde ich sogar sagen, dass wer die deutsche Rechtslage darstellt, aber bei keinem Zuhörer den Gedanken auslöst, dass der Vortragende doch eventuell ein radikaler Lebensschützer ist, dass derjenige dann die deutsche Rechtslage EINDEUTIG FALSCH dargestellt hat.

Denn das hier:

http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv088203.html

"
1.
Das Grundgesetz verpflichtet den Staat, menschliches Leben, auch das ungeborene, zu schützen. Diese Schutzpflicht hat ihren Grund in Art. 1 Abs. 1 GG; ihr Gegenstand und - von ihm her - ihr Maß werden durch Art. 2 Abs. 2 GG näher bestimmt. Menschenwürde kommt schon dem ungeborenen menschlichen Leben zu. Die Rechtsordnung muß die rechtlichen Voraussetzungen seiner Entfaltung im Sinne eines eigenen Lebensrechts des Ungeborenen gewährleisten. Dieses Lebensrecht wird nicht erst durch die Annahme seitens der Mutter begründet.


2. Die Schutzpflicht für das ungeborene Leben ist bezogen auf das einzelne Leben, nicht nur auf menschliches Leben allgemein.3. Rechtlicher Schutz gebührt dem Ungeborenen auch gegenüber seiner Mutter.

"

kann man akurat gar nicht so darstellen, dass es nicht nach radikalem Lebensschutz klingt; und es ist die geltende Rechtslage.

Antwort
von Teranterus, 42

In einer Prüfung hat man doch auch oft die Möglichkeit seine Meinung dazu mit einzubauen

Kommentar von Teranterus ,

zumindest haben wir das früher immer gemacht

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