Frage von Shotgans, 63

Wie haben sich Lebensweisen durchgesetzt, die den Tod implizieren?

Wie ist zu erklären, dass ein anadromer , sprich Salz- und Süßwassertauglicher Fisch, wie der Lachs zur Fortpflanzung den Tod in Kauf nimmt. welches Potential birgt diese Strategie, wo hat sie ihren Ursprung und wie hat sie sich in der Ur-Population etabliert?

Antwort
von MarkusKapunkt, 7

Die Anpassung an Salz- und Süßwasser erfolgte wahrscheinlich bereits in der späten Kreidezeit. Damals war der Meeresspiegel um einigen höher. Das Wasser überfuteten weite Teile heutigerKontinentalmassen wie Nordamerika, Südamerika, Afrika und Asien und schuf dadurch viele flache Binnenmeere. Es war außerdem nochn erheblich wärmer auf unserem Planeten, weshalb sehr viel Wasser auch wieder verdunstete und es so zu häufigen Niederschlägen kam. Auch an Land gab es deshalbsehr viel Wasser in ausgedehnten Sümpfen und weit verzweigten Flusssystemen.

Da es sich für ein Brackwasser- und Süßwassertoleranten Meeresbewohner somit lohnte, sich diese Lebensräume zumindest zeitweilig für die Fortpflanzung zu sichern, sind hat sich dieser Vorteil bei den Lachsen durchgesetzt und sie haben ihn bis heute. Andere Fische aus dieser Zeit haben sich in ähnlicherweise angepasst, wie zum Beispiel die Störe und Aale.

Das Lachse am Ende ihrer Reise Sterben, ist insoweit sinnvoll, dass sie ihre gesamte Energie für die Wanderung und die Fortpflanzung aufbringen, es also viele Nachkommen gibt. Wenn die Eltern nach dem Laichen sterben, bietet dies einen Schutz für die Jungtiere, denn die meisten Fische sind Kannibalen, die sich auch von ihrem eigenen Nachwuchs ernähren. Außerdem ist für spätere Generationen dann die Konlurrenz ausgeschaltet, was weniger Stress durch Paarungskämpfe bedeutet.

Der Tod selbst ist also paradoxerweise eine erfolgreiche Überlebensstrategie. Viele Insekten sterben nach der Kopulation ebenfalls, da sie ihren Daseinszweck dann erfüllt haben - Ihre Gene sind weitergetragen, und das bedeutet für die Insekten dann Neapel sehen und sterben. Viele Insekteneltern dienen überdies ihrem frischgeschlüpftem Nachwuchs als Nahrung, während es bei anderen wieder Usus ist, dass das Männchen der Partnerin nach der Kopulation als Nahrung dient.

Dies sind alles erolgreiche Strategien. Sie mögen uns Menschen fremdartig, ja sogar bisweilen grausam erscheinen, aber das passiert nur, wenn wir mit unseren eigenen Moralvorstellungen an die Natur herangehen - was natürlich unangebracht ist.

Antwort
von Andrastor, 29

Die Strategie ist einfach: Wenn ein Individuum die gesamte Energie in die Fortpflanzung steckt, ist die Chance auf Nachkommen um einiges höher als wenn es sich zugunsten seiner Gesundheit zurückhalten würde.

Weiters bedeutet ein erwachsenes Tier weniger, mehr Nahrung für die Nachkommen, was ihr Überleben indirekt sichert.

Kommentar von Shotgans ,

Ich hätte mich vielleicht mehr auf die Entstehung der Lebensweise festlegen sollen. Der Sinn dahinter ist ja schon logisch. Ich meine, der Lachs ist bis heute nicht ausgestorben und das belegt ja schon den Erfolg. Aber wie hat sich das Laichen und Sterben etabliert. Vor Allem, wenn man vorher ein schlichter Salzwasserfisch war.

Kommentar von Andrastor ,

Wahrscheinlich durch eine Mutation. Nehmen wir an die Vorfahren der heutigen Lachse haben sich nicht bei der Vermehrung selbst umgenietet.

Dann gab es einen Mutanten, bei dem die instinktive Sperre zum "Selbstmord" fehlte und dieser hatte ungleich mehr Nachkommen als die anderen "normalen" Ur-Lachse.

Vielen dieser Nachkommen fehlte ebenfalls die Blockade was dafür sorgte, dass sie wieder weitaus mehr Nachkommen zeugten als ihre Konkurrenten.

Über kurz oder lang entwickelte sich so eine neue Art, bei welcher die "normalen" Ur-Lachse ausstarben.

Kommentar von N3kr0One ,

Kurz und knapp auf den Punkt gebracht, ich hätte da einen Roman draus gemacht. Ergänzend noch: Der Tot der Eltern verhindert auch Kannibalismus, was auch wiederum die Chance erhöht mehr Nachkommen "durch zu bekommen".

Antwort
von ThomasAral, 34

wenn er sich fortpflanzt geht es um 1000te mögliche Nachkommen (bis sogar maximal ne million) ... wenn er dann auf fressen suchen verzichtet und alle kraft darein steckt und dann eben drauf geht ist das sogut wie kein verlust wenn er es nur schafft.   würde er jetzt fressen suchen zwischendurch, dann würde er es evtl. nicht zur paarung schaffen, denn nur 10% mehr zeit erhöht die wahrscheinlichkeit dass er gefressen wird.

Kommentar von Shotgans ,

Wie wurde der Laich befruchtet? Was ist mit dem natürlichen Überlebeninstinkt? 

Das wirft schon wieder eine Neue These in meinem Kopf auf. 

Ist der Überlebensinstinkt nach der Sicherung des Nachwuchses weniger wichtig? Und gibt es da Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen? 

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Ja, solche Unterschiede gibt es bei einigen Spezies. Gottesanbeterinnen und Spinnen fressen das Männchen nach der Begattung auf, was ihnen genug Kraft und Nährstoffe für die Eientwicklung und -Ablage gibt.

Wenn das Elterntier nach der Eiablage stirbt, kann es dem Nachwuchs außerdem als Nahrung dienen. Da fleischfressende Fische und Insekten in den allermeisten Fällen Kannibalen sind, die auch gerne ihren eigenen Nachwuchs verspeisen, ist es überdies von Vorteil, wenn die hungrigen Mamas und Papas beim Schlüpfen der Babys nicht mehr da sind. Außerdem wird für die Nachfolgergeneration die Konkurrenz ausgeschaltet, was ebenfalls eine gute Altersvorsorge ist.

Antwort
von Maimaier, 25

Der Lachs lebt in seinen Kindern weiter. So funktioniert Leben schon von Anfang an, aus einem werden viele (DNA verdoppelt sich, Zellteilung usw.).

Die meisten höheren Lebewesen altern. Dadurch haben sie zwar eine begrenzte Lebensdauer, aber das hat wohl evolutionäre Vorteile, da damit die Fortpflanzung und Erneuerung gefördert wird.


Kommentar von Shotgans ,

Ich meinem wenn man bei null anfängt. Wir haben einen Salzwasserfisch, der mutiert und sich aus selektionsgründen in Süßwasser begeben kann. Ab da fehlt mir ein Ereignis, mir die Evolutions des Lachses zu erklären, insbesondere der implizierte Tod nach der Wanderung wirft die Frage auf: Wie hat der "Ur-Lachs" seine zur Fortpflanzung, ergo zum Überleben, notwendige Handlung an die F2 Generation vermittelt? Geschweigedenn von der Befruchtung der Eier im Süßwasser. wo noch nicht mutierte Artgenossen noch garnicht hinkommen.

Kommentar von Maimaier ,

Das ist eine spekulative Frage, man kann ja nicht eine Zeitmaschine bauen und nachschauen wie damals das wirklich passiert ist.

Vielleicht waren es viele kleine Schritte, erst an der Flußmündung ableichen (dort ist Mischung Süß und Salzwasser), dann immer weiter den Fluß hoch.

Wie gesagt, die einzig wirklich korrekte Antwort ist: Wir wissen nicht, wie genau es dazu kam.

Antwort
von mychrissie, 2

Weil der Tod eines Muttertieres weniger nützlich für den Erhalt der Spezies ist, als die Erzeugung zahlreicher Nachkommen.

Das Überleben des Muttertieres ist nur wichtig, wenn die Nachkommen nicht schon bei der Geburt das komplette notwendige Instinkverhalten parat haben, sondern noch sozialisiert werden müssen, um überleben zu können.

Antwort
von kgunther, 2

Die Erfindung des Todes erfolgte in der Evolution schon wesentlich früher als die Ausbildung der Verhaltensweise des Lachses. Auch Salzwasserfische müssen sterben.

Unsterblich waren Bakterien und Einzeller. Sie konnten nur verhungern oder gefressen werden, aber sie kennen kein Alter und keinen Alterstod. Diese Entwicklung blieb den Vielzellern vorbehalten, und zwar jenen, die sich sexuell fortpflanzen. Bei diesen Lebewesen ist der selektionierte Überlebensvorteil nicht ans Individuum gebunden, sondern an die Art.

Blieben beispielsweise alle Mäuse ewig am Leben, würden auch die Mäuse infolge einer Mäuseplage aussterben.

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