Frage von ari1985, 96

Wie gut war die Medizin im Mittelalter? Glaubte man damals noch an die Körpersäfte und zu was diente der Aderlass?

Antwort
von Accountowner08, 31

sehr schlecht. 

Insbesondere kannte man Bakterien, Viren, Keime nicht und verstand nicht, wie ansteckende Krankheiten sich übertrugen. Daher auch die grossen Pest-Epidemien und so, die oft Zauberei und Hexenkraft zugeschrieben wurden.

Es gab auch keine Schmerz-mittel oder Betäubungsmittel, so wurden ohne Betäubung Zähne gezogen, Glieder amputiert, etc.

Kinder- und Müttersterblichkeit war sehr hoch.

Hygiene war schlecht (Exkremente auf die Strasse oder in den Fluss).

Dagegen gab es aber schon recht gute Verkehrswege, so dass Infektionen (s. Pest) sich sehr weit ausbreiten konnten.

Ernährung war auch ungesund, der Adel und die Reichen assen zu viel Fleisch und bekamen deshalb Gicht und Nierensteine...

Kommentar von voayager ,

Betäubungsmittel gab es sehr wohl nämlich: Opium sowie div. Nachtschattengewächse

Antwort
von andre123, 18

Die Annahme , daß Krankheiten aus einem Ungleichgewicht der verschiedenen Körpersäfte resultieren, beruht auf den  Annahmen der Medizin der Antike  (griechisch/römisch   später von der arabischen  Medizin übernommen)  

Seit der Antike gab es eher Rückschritte als Fortschritte in der Medizin des Mittelalters.       

Die Heilungserfolge der antike und der (mittelalterlichen ) arabischen Medizin werden deutlich höher gewesen sein.

Der Aderlass wirkte kurzfristig  blutdrucksenkend und diente gemäß der o.g. Lehre von den Körpersäften, durch die Blutneubildung dazu diese wieder in Einklang zu bringen.

Antwort
von Mucker, 18

Die Medizin des Mittelalters war besser als manche hier glauben machen möchten. Und die heutige Schulmedizin ist in vielen Dingen auch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Man denke nur mal an die vielen Todesfälle durch  multiresiste Keime, die Todesfälle durch Nebenwirkungen von Medikamenten, die ganzen Arzneimittelskandale usw.

Die Naturheilkunde wurde an die Wand gedrückt. Man arbeitet vorwiegend mit chemischen Mitteln (chemische Hämmer) und schiesst sozusagen oft mit Kanonen auf Spatzen, anstatt die sanften Mittel der Naturheilkunde (Homöopathie u.a.) mit einzubeziehen.  

Aderlass, Schröpfen und andere naturheilkundliche Verfahren werden auch heute noch von Ärzten und Heilpraktikern praktiziert - aber i.d.R. von den Kassen nicht übernommen.. Aderlass dient der Entlastung und Ausleitung. Googel mal - dann findest du weitere Infos.

Die 3 größten Ärzte die die Medizin des Mittelalters entscheidend geprägt haben:

- Hippokrates
- Al-Razi
- Ibn Sina

Für die Medizin des Mittelalters waren drei, teilweise parallel verlaufende, Phasen von Bedeutung:

die arabisch-islamische Medizin (7. bis 13. Jahrhundert),

die klösterliche Medizin (5. bis 12. Jahrhundert)

und die Entwicklung der weltlichen Medizinschulen (Mitte des 12. bis Anfang des 16. Jahrhunderts).

Die Phase der arabisch-islamischen Medizin begann im 5. Jahrhundert mit der Auswanderung einer Gruppe von Medizingelehrten nach Syrien und Persien, die wegen abweichender Ansichten aus dem Byzantinischen Reich verbannt worden waren.

Einige von ihnen gründeten in der neuen Heimat medizinische Ausbildungszentren und vor allem übersetzten sie ihre medizinischen Texte aus dem Griechischen ins Arabische. Ähnliche Übersetzungszentren entstanden in dieser Zeit unter anderem auch in Damaskus, Kairo und Bagdad. Auf diese Weise erreichten die Überlieferungen der antiken Medizin die arabische Welt.

Einer der bedeutendsten Übersetzer und Medizingelehrten der ersten Blütezeit der arabischen Medizin im Mittelalter (im 10. Jahrhundert) war Avicenna. Sein Werk \"Canon medicinae\" wurde das grundlegende medizinische Werk des Mittelalters

Im Westen hatten die Klöster zur Zeit des frühen Mittelalters für die Bewahrung und Überlieferung medizinischer Kenntnisse eine herausragende Bedeutung.

Hier wurden überlieferte Texte gesammelt, zum Teil aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzt und vor allem zur Vervielfältigung abgeschrieben. Wichtige klösterliche Übersetzungszentren waren das süditalienische Monte Cassino, Sevilla, Reichenau am Bodensee und das englische Kloster Wearmouth.

Die Klöster spielten aber auch eine Rolle in der medizinischen Versorgung ihrer Mitglieder und der ihnen nahe stehenden Laien. Die Klosteranlagen waren mit Heilkräutergärten, Krankenpflegezimmern, Ärztehäusern und anderen speziellen Räumlichkeiten dafür ausgestattet.

Die bedeutendste Frau unter den Vertretern der klösterlichen Medizin war Hildegard von Bingen, deren umfassende medizinische Kenntnisse, besonders über pflanzliche, tierische und mineralische Heilkräfte, in ihren Werken überliefert sind.

Die klösterliche Medizin endete im Jahr 1130 mit dem Konzil von Clermont, auf dem das ärztliche Praktizieren für Mönche verboten wurde. Wenig später wurde ihnen und dann auch den anderen Geistlichen ebenfalls die medizinische Ausbildung untersagt – sie sollten sich wieder verstärkt auf ihre geistlichen Aufgaben konzentrieren.

Folgenschwer war der Beschluss des Lateralkonzils von 1215: Er verbot die Chirurgie für alle Geistlichen und führte zu der jahrhundertelangen Trennung von Chirurgie und innerer Medizin. Die Chirurgie wurde künftig ein Handwerk von Badern, Starstechern (sie operierten den grauen Star) und Wundheilern.

Die älteste und bedeutendste weltliche Medizinschule des Mittelalters in Westeuropa befand sich in der süditalienischen Stadt Salerno.

Dort wirkte der berühmte Übersetzer und Lehrer Constantinus Africanus (1018-1087), der wie kaum ein anderer seiner Zeit zu einer Wiederbelebung antiker Traditionen beitrug. Andere bedeutende Medizinschulen entstanden im 12. Jahrhundert im spanischen Toledo und im südfranzösischen Montpellier.

Mit der Gründung der ersten Universitäten zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert verlagerte sich der medizinische Unterricht an diese neuen Lehrstätten.

Für die Medizinerausbildung erlangten die Universitäten von Paris, Bologna und Padua besondere Bedeutung. Die fortschrittlichen Ansätze der frühen Medizinschulen wichen hier jedoch einer zunehmenden Dogmatisierung und Autoritätsbefangenheit. Vor allem die Schriften Galens bildeten die wesentliche Grundlage des Lehrstoffs – Kritik oder Infragestellung dieses Klassikers kamen nicht infrage.

Dies galt auch für seine anatomischen und physiologischen Beschreibungen. Obwohl es zu dieser Zeit nicht untersagt war, Leichen zu wissenschaftlichen Zwecken zu öffnen (Sektionen), veränderten sie die anatomischen Kenntnisse kaum.

Nach der Lehre Galens war die Humoralpathologie das vorherrschende Krankheitskonzept des Mittelalters. In der Diagnostik spielten Pulslehre und Harnschau eine wichtige Rolle, therapiert wurde vor allem mit ausscheidenden Methoden wie Aderlass, Schröpfen und Abführmitteln, außerdem war die umfassend verstandene Diätetik von großer Bedeutung.

Ebenfalls wichtig waren zum Beispiel astrologische Konzepte, die von einem Zusammenhang zwischen Planeten beziehungsweise Sternzeichen mit den menschlichen Organen ausgingen und daraus diagnostische und therapeutische Schlüsse ableitbar machten.

Die häufig unterschätzte Hygiene und Badekultur des Mittelalters endete erst mit den großen Pest-Pandemien der Jahre 1347 bis 1349. Der Pest, auch der \"Schwarze Tod\" genannt, fielen Millionen von Menschen zum Opfer. Gegen die Krankheit waren die Ärzte praktisch machtlos, ebenso gegen andere Infektionskrankheiten wie Pocken, Masern, Grippe und Lepra.

Die Lepra gehörte wegen der äußerlichen Entstellungen, die die Krankheit verursachen kann, zu den als \"Aussatz\" bezeichneten Leiden. Wer an Lepra erkrankt war, musste Signalhörner, Schellen oder Klappen tragen, um andere Menschen schon von Weitem zu warnen. Die \"Aussätzigen\" mussten außerdem in sogenannten \"Leprosorien\" wohnen – besonderen vor den Stadtmauern liegenden Häusern wohnen –, sie waren also gesellschaftlich völlig ausgegrenzt.

In der Regel blieb der Kranke im Mittelalter jedoch in seiner sozialen Gemeinschaft und wurde dort, zum Beispiel in der Familie, gepflegt und versorgt. Die klösterlichen Spitäler sind nicht mit späteren Krankenhäusern vergleichbar – dorthin ging nur, wem sonst jeglicher soziale Rückhalt fehlte: Arme, Alte und Obdachlose.

Mit dem schnellen Wachstum der Städte seit Beginn des 12. Jahrhunderts wuchsen auch die sozialen Probleme, sodass die klösterlichen Einrichtungen zur Versorgung der Armen nicht mehr ausreichten.

In dieser Zeit entwickelten sich bruderschaftlich organisierte Spitäler. Es gab Laienbruderschaften, die ihr Leben ähnlich dem klösterlichen, aber ohne direkten Anschluss an ein Kloster organisierten, und Spitalorden, die nach strengen klösterlichen Regeln lebten.

Zu diesen gehörte auch der Johanniterorden, dessen Name heute noch in der Johanniter-Unfallhilfe fortlebt. Ab dem 13. Jahrhundert entwickelte sich das klösterliche langsam zu einem bürgerlichen Spitalwesen, das heißt, dass mit der Zeit ein Teil der Aufgaben in städtische Hände überging. Ärzte spielten in den Spitälern des Mittelalters kaum eine Rolle.

QUELLEN:
Eckart, W. U.: Geschichte der Medizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2009
Gerabek, W. E. et al.: Enzyklopädische Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin 2007
Mertens, V.: Bilder vom Mittelalter. V&R Unipress, Göttingen 2007
Riecke, J.: Die Frühgeschichte

Antwort
von Modem1, 52

Aderlass war die "Blutverjüngung"  in den adligen Kreisen.In der Neuzeit nimmt man Blutegel setzt sie in der Nähe von schwer heilbaren Wunden an bis sie vollgesaugt sind und von Allein abfallen.Manche Menschen spenden Blut .

Antwort
von dadita, 25

Sie war praktisch nicht existent.

Krankheiten wurden in der Regel als eine Bestrafung durch die jeweilige Märchenfigur gesehen, von Krankheitserregern wusste man nichts. Konzepte wie Quarantäne, Isolation oder Hygiene gab es nicht, was deutlich zur Enstehung von Seuchen wie der Pest beitrug.

Zudem wurden Versuche dies zu ändern und Forschung zu betreiben vom Klerus und der Kirche lange Zeit unterdrückt und als Affront gegen ihren gott verboten. 

Kommentar von Ruenbezahl ,

Quarantäne gab es im Mittelalter sehr wohl. Bereits 1377 verfügte die Republik Ragusa für Passagiere und Besatzungen aller ankommenden Schiffe eine Isolierung von 30 und später 40 Tagen. Aus 40 (quaranta) wurde das Wort Quarantäne. Vor allem Hafenstädte führten die Quarantäne noch im 14. Jahrhundert ein. Hygienevorschriften (z. B. Lazarett nur außerhalb der Stadt und an einem fließenden Wasser) gab es auch schon, auch Desinfektion mit Kräuteressig und Räuchern. Die Pest hat sich verbreitet, weil man nicht wusste, dass der Erreger von Rattenflöhen übertragen wird. Leider gibt es Pest heute immer noch, sogar ab und zu in den USA.

Kommentar von dadita ,

Das war allerdings die Ausnahme, nicht die Regel. Auch im arabischen Raum konnte die Pest durch Quarantäne bisweilen an der Ausbreitung gehindert werden, was sich nach einiger Zeit bis nach Europa durchsprach, allerdings leider erst nachdem die große Pandemie von 1347 bis 1353 ihre 25 Millionen Opfer gefordert hatte. 

Fakt bleibt jedoch: In Europa wurde die Pest, wie die meisten anderen Krankheiten auch für den größten Teil des Mittelalters als Strafe gottes gesehen, die man mit irdischen Mitteln weder verhindern könne noch dürfe. Von wenigen Ausnahmen abgesehen wurde daher nicht viel gegen die Ausbreitung der Krankheiten unternommen, stattdessen gab es Büßermärsche, Gottesdienste und Weihwasserreinigungen der infizierten. Was natürlich absolut nützlos war. 

Erst mit dem einsetzen der Aufklärung began dies sich zu ändern. 

Kommentar von Mucker ,

"Sie war quasi nicht existent"

Die Medizin des Mittelalters war durchaus existent.

Was du schreibst, ist zum grossen Teil einseitig und falsch und beruht auf Unwissenheit und mangelnder Recherche.

Noch nie was von Hippokrates, Hildegard von Bingen und deren
umfassende medizinische Kenntnisse, besonders über pflanzliche,
tierische und mineralische Heilkräfte und anderen gehört ?

Kommentar von dadita ,

Hippokrates ins Mittelalter zu versetzen ist gewagt. Seine Kenntnisse wurden wie der Großteil des Wissens der antike im Chaos der Völkerwanderung und duech die Barbarei der katholischen Kirche verloren. Kräuterheolkunde als Medizin zu bezeichnen ist ebenfalls gewagt. Dass einzige was man in der Epoche vom 9. bis ins 14. Jahrhundert als Medizin bezeichnen konnte, fand man nicht in Europa, sondern im arabischen Raum. In Europa gab es eine handvoll Kräuterkundler, viele Glaubensheiler...und jede Menge toter Patienten.

Antwort
von voayager, 19

Sie beschränkte sich auf nur wenige Heilverfahren, Infektionserreger waren unbekannt und konnten nicht behandelt werden. All das wurde massiv verstärkt durch die mangelnde Hygiene.

Es gab allerdings auch einige wenige Ausnahmen, so z.B. Hildegard von Bingen, die in der Pflanzenheilkunde recht gut bewandert war, sie ihrer Zeit weit voraus.

Adelaß mittels Blutegel als Entzündungshemmer sowie sonstige Blutentnahme zwecks Senkung des Blutdrucks.


Antwort
von exxonvaldez, 29

Ja Körpersäfte, Elementelehre und solchen Hokupokus.


Antwort
von DrBraune, 19

Schlecht war sie

Antwort
von egglo2, 41

https://de.wikipedia.org/wiki/Aderlass

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