Frage von Btsch, 96

Wie gläubig muss ein Theologe sein?

Antwort
von imehl47, 36

Dass ein Theologe gläubig sein sollte, ist für mich eigentlich unbestreitbar. Mich irritiert die Formulierung "wie gläubig"... Da gibt es doch nur  entweder - oder.  Wie bei der Schwangerschaft.....

Ein ungläubiger Theologe wäre für mich so etwas wie ein Veganer, der an der Fleischtheke verkauft.

Wenn der Theologe als Pfarrer arbeitet, gilt für ihn sicher auch der Ausspruch: "Was du in anderen entzünden willst, muß in dir selbst brennen."

Antwort
von Zoroastres, 49

Im Prinzip überhaupt nicht. Die Theologie behauptet ja eine Wissenschaft zu sein und daher kannst du einfach die schriftlichen Grundlagen (z.B. Bibel) und die Gedankenmodelle benutzen um nach gewissen Regeln der Logik zu gewissen Schlüssen zu kommen. Ergo, du musst nicht glauben, sondern nur gewisse Grundsätze aus Basis akzeptieren

Antwort
von nachdenklich30, 33

Da gibt es die Geschichte von Dietrich Bonhoeffer (einem der wichtigstgen protestantischen Theologen), der schon sehr jung seinen theologischen Doktor und seine theologische Professur erworben hatte.

Und dann berichtet er von einer Art Erweckungserlebnis, in dem ihm Gott ganz neu klar geworden ist.

Hat er vorher nicht geglaubt? Hat er vorher anders geglaubt?

Glaube ist und bleibt ein Geschenk Gottes.

Darum kann Glaube für das Theologiestudium und die theologischen Prüfungen keine Voraussetzung sein.

Glaube kann für das Studium sehr nützlich sein.

Manchmal aber auch sehr hinderlich, vor allem dann, wenn man zuvor ein gewisses Maß an Blödsinn über den Glauben gehört/gelernt hat. Dann wird gerne dem Theologiestudium vorgeworfen, es stelle "den Glauben" infrage. Meist stellt es aber nur den Blödsinn infrage, der einem vorher über den Glauben aufgetischt wurde. Was aber diejenigen, die von diesem (zugegeben: aus meiner Sicht) Blödsinn überzeugt sind, nicht unbedingt eingesehen wird.

Antwort
von rolfmengert, 4

Es gibt in unserer Gesellschaft nur wenige Berufe, bei denen die innere Werthaltung so bedeutungsvoll ist, wie bei dem Beruf des Geistlichen. Ein Priester sollte prinzipiell von dem Glauben und der Botschaft erfüllt sein, die er an seine Gemeinde verkündet. Er muss von diesen gedanklichen Inhalten unbedingt ergriffen sein, muss sie als Basis seines Denkens und Handelns verinnerlicht haben, und sollte ein latent im mentalen Hintergrund liegendes Orientierungsgefühl haben, dass ihm als dauerhaftes Leitmotiv für sein tägliches Handeln dient.

Wenn er feststellt, dass ihm dieses fehlt, handelt er in großer Unredlichkeit, was sich leider im täglichen Umgang mit den ihm anvertrauten Gemeindemitgliedern auswirken wird. Der Mensch kann zwar seine Worte gestalten, obwohl er ihre Inhalte nicht akzeptiert, doch die Verstellung wird immer in den vielen kleinen Begleitattitüden der Mimik, Gestik, Intonation und der Art und Weise der Ausübung der ihm obliegenden sakralen Handlungen wahrnehmbar sein. Unter den gläubigen Gemeindemitgliedern werden dann stets etliche sein, die spüren können, dass hier ein Mensch Verkündigung treibt, der nicht von dem Geist ergriffen ist, von dem er Auskunft zu geben bemüht ist. Das schafft große Irritation, Gefühle der Angst und des Unbehagens, die sich in der Regel für den Gläubigen nicht so einfach erklären lassen. 

Wenn ich hier so eine unbedingte Forderung für die Ausübung des Priesterberufes artikuliert habe, will ich trotzdem anmerken, dass es keineswegs contraindiziert ist, wenn der Geistliche auch von bestimmten Zweifeln bezüglich seines Glaubens bewegt ist. Der Glaubenszweifel gehört sogar partiell zum redlichen Umgang mit den Inhalten der Verkündigung, d.h. nahezu alle Priester haben davon berichtet, dass sie in ihrem Leben Phasen großer Glaubensanfechtung durchlitten haben. Gerade weil die Botschaften in der Bibel so extrem heterogenes Material anbieten, was z.T. außerordentlich unterschiedlich auszulegen ist, kommen den Geistlichen oftmals massive Zweifel bezüglich der Gültigkeit dieser Aussagen. Bereits in der Ausbildung zum Theologen erfährt der Lernende, dass viele biblische Texte nicht ausreichend autorisiert sind, d.h., dass man sich über ihren Ursprung nicht im klaren ist.

Bilanz: Der praktizierende Theologe sollte prinzipiell von den Grundpositionen seiner Lehre und religiösen Dogmen ergriffen und erfüllt sein. Partielle Glaubenszweifel jedoch sind dennoch ein Kennzeichen des redlichen Umgangs mit den religiösen Inhalten und sind damit konstituierend für das Leben fast jeden Theologen.

Antwort
von lewei90, 59

Eigentlich ist das nicht zwingend nötig. Ein Theologe ist ja Wissenschaftler. Wenn man Religion unterrichten will oder Pastor werden möchte, wäre ein gewisses Maß an Religiosität schon wünschenswert.

Kommentar von Giustolisi ,

Ein Theologe ist ja Wissenschaftler.

Nein, ist er nicht

Kommentar von lewei90 ,

Klar. er beschäftigt sich auf wissenschaftlicher Basis (zum Beispiel an der Uni) mit der Religion.

Kommentar von Giustolisi ,

Religionswissenschaftler sind Wissenschaftler, Theologen nicht. Der Theologie fehlen wichtige Eigenschaften einer Wissenschaft.

Kommentar von lewei90 ,

Im Prinzip ist Theologie ein Wort für Religionswissenschaft. Logie steht ja für Lehre/Wissenschaft. 

Welche Eigenschaften einer Wissenschaft fehlen denn der Theologie?

Kommentar von Dummie42 ,

Also bitte beleidige die Religionswissenschaft nicht, oder zumindest nicht den Flügel, der sich von der Phänomenologie verabschiedet hat.

https://www.youtube.com/watch?v=QOUn5Idfnck

Kommentar von lewei90 ,

Inwiefern beleidige ich die Religionswissenschaft? Ich denke (ich mag mich natürlich irren) das beides im Prinzip das Gleiche Bedeutet. Insofern wären sie für mich gleichwertig. Das wären sie auch, wenn es einen Bedeutungsunterschied geben sollte. Keine der beiden wäre dann besser oder schlechter, als die andere. 

Was ist das für ein Video? Ich klicke hier ungern einfach einen Link an.

Kommentar von Dummie42 ,

@Giustolisi Danke!

Antwort
von marit123456, 18

Es gibt Menschen, die den Glauben leben und es gibt Menschen, die sich rein wissenschaftlich damit auseinandersetzen.

Irgendwo dazwischen wird sich jeder Mensch wohl einordnen können.

Nicht jeder, der einen Religion studiert hat, hängt ihr auch an.

Antwort
von Dxmklvw, 24

Muß, ist und kann sind alles verschiedene Begriffe.

Ich habe sogar schon einmal einen Pastor getroffen, der offen bekannt hat, daß er nichts von alldem glaubt, was er regelmäßig predigt.

Pastoren haben zwar auch Theologie studiert, aber "nur Theologen" sind keine Geistlichen sondern nichts anderes wie es in einem anderen Wissensgebiet Astronomen gibt, die aber deswegen ja auch nicht erst einmal Alien sein müssen.

Antwort
von Turbomann, 25

So gläubig, dass er seine Religion glaubhaft vertreten kann, sonst ist er falsch am Platz.

Jemand der etwas anderes predigt als er glaubt und nicht danach handelt ist unglaubwürdig für seine Gemeinde.

Kommentar von lewei90 ,

Als Pastor ja, aber nicht alle Theologen sind auch Pastoren.

Antwort
von Giustolisi, 25

Man kann durchaus Theologie betreiben, ohne gläubig zu sein, aber wer arbeitet schon als Pseudowissenschaftler, während er sich dieser Tatsache bewusst ist?
Möglich ist es aber. Man kann auch Horoskope verfassen, Karten legen oder ein Kristallpendel schwingen, ohne den ganzen Stuss zu glauben, man muss lediglich vor den Leuten, die man verarscht so tun als ob.

Antwort
von Serendipity87, 7

Ziemlich gläubig, denn ein Theologe ist im Unterschied zu einem Religionswissenschaftler an die jeweiligen Bekenntnisse gebunden. 

Antwort
von Hamburger02, 14

Habe schon einige Theologen getroffen, die fast schon Atheisten waren, die aber zumindest die "offizielle Glaubenslehre" selber für Märchen halten.

Antwort
von ThomasJNewton, 4

https://de.wikipedia.org/wiki/Theologie sagt dazu

Theologie ... bedeutet „die Lehre von Gott“ oder Göttern im Allgemeinen und die Lehren vom Inhalt eines spezifischen religiösen Glaubens und seinen Glaubensdokumenten im Besonderen.

Besser hätte ich es nicht ausdrücken können, daher das Zitat.

Das zweite ist aber m.E. keine Theologie, sondern indirekte Subvention.

Antwort
von Patrickson, 36

Er muss daran glauben, dass er Theologe ist. 

Antwort
von gottesanbeterin, 20

Ein Theologe muss/braucht gar nicht gläubig zu sein.

Antwort
von josef050153, 6

Überhaupt nicht. Es gibt sogar Theologen, die nicht einmal an Gott glauben.

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