Frage von seraije, 22

Wie ging man mit der NS-Vergangenheit um, In Ost und West --> Wurde genug GErechtigkeit genüge getan?

Wir müssen im Fach Geschichte eine Beurteilung zum Thema Entnazifierung.

Einmal Ausweitung der Entzazifizierung im Westen und Entzazifierzung in der SBZ (im Osten) anfertigen. Wir brauchen Gründe und all sowas. Bitte helft uns, Danke :-)

Antwort
von Hegemon, 22

Der Umgang mit NS- und Kriegsverbrechern war in den beiden Teilen Deutschlands sehr unterschiedlich. Im Osten war der Verfolgungsdruck sehr hoch, weshalb viele Nazis in den Westen flüchteten. Dort verfolgte man lieber Kommunisten und ließ weitgehend NS-Verbrechern laufen. "Die Zahl der gegen Kommunisten gefällten 6688 Urteile war im Zeitraum 1951–1968 fast siebenmal so hoch wie die 999 Urteile gegen NS-Täter." (n. Foschepoth).

Während im Westen die alten Wirtschafts- und Politikeliten auch die neuen waren (Adenauer zum Beispiel umgab sich gezielt mit Altnazis, die auch im 3. Reich schon zu den Eliten gehört hatten), tauschte man im Osten Führungskräfte so weit wie möglich aus. So wurde Polizei, Beamtenapparat, Justiz und Lehrerschaft in den Westzonen de facto nahtlos übernommen, bzw. belastete Personen nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Im Osten bildete man hingegen zum Beispiel sogenannte Volksrichter und massenhaft neue Lehrer aus.


Beispielhaft seien die Zahlen im Militärwesen genannt. Für den Aufbau der NVA griff man auf 400 Offiziere und 1600 Unteroffiziere der Wehrmacht zurück. Den Rest stellten ehemalige Mannschaftsdienstgrade (also Soldaten die vorher keine Befehlsgewalt hatten) sowie militärische Neulinge. Auf Politbürobeschluß von 1957 wurde dann fast alle ehemaligen Wehrmachtsoffiziere bis Ende der 50er in den Ruhestand versetzt.

Die Bundeswehr hingegen wurde mit 40.000 Offizieren und Unteroffizieren der Wehrmacht und teilweise der Waffen-SS aufgebaut. (davon 12.900 ehemalige Offiziere). Dienstgrade, die nach 1945 in den sogenannten "alliierten Dienstgruppen" erworben wurden, wurden in der Bundeswehr nicht anerkannt. So stellte man sicher, daß sich Offiziers- und Unteroffizierskorps nur aus kriegsgedientem Personal zusammensetzte.


"Nationalsozialistische Funktionäre erkannten schnell, dass sie in den westlichen Besatzungszonen weniger zu befürchten hatten. Viele sahen ihre einzige Chance darin, sich im Westen mit antikommunistischen Argumenten zu entlasten, was im Osten naturgemäß nicht ging. Auch die späteren Machthaber der SBZ waren häufig direkt vom NS-Regime Verfolgte und bewerteten dementsprechend die bloße Mitgliedschaft in der NSDAP als Vergehen. Abgesehen von der erst 1956 gegründeten Nationalen Volksarmee, die insbesondere in den höheren Rängen zu einem Gutteil aus ehemaligen Offizieren der Wehrmacht bestand, konnten Altnazis in der DDR nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes nur in wenigen Einzelfällen Karriere machen."

https://de.wikipedia.org/wiki/Entnazifizierung

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