Frage von Ni8ke, 150

Wie gewöhne ich ihm dieses Verhalten ab?

Ich bin am verzweifeln, dabei bin ich nur die Tante. Mein Neffe (5) hat die Angewohnheit, wenn er was will, was jemand anderes hat, dann reißt er es der Person einfach aus der Hand. Heute z.B. wir stehen vor der Tür und seine Mutter sucht am Schlüsselbund nach dem Haustürschlüssel. Er, als wärs das selbstverständlichste, packt es einfach aus ihrer Hand und schmeißt sie fast um (sie ist im 6. Monat). Darauf hin gabs natürlich von der Mutter Ärger + Erklärung warum man das nicht machen darf. Ich hab ihn der Situation allerdings zur Mutter gesagt: das muss doch nicht sein, weil sie ihn beim zurück nehmen der Schlüssel für meinen Geschmack zu grob angefasst hat. Doch da sie davor mit dem Bauch fast auf die Treppe gefallen wäre, hab ich es als Schockreaktion verstanden. Jedenfalls...Kurz darauf in der Küche: sein kleiner Bruder (3) trinkt aus der PET Flasche. Ich frag den großen, ob er auch was will, er sagt ja, ich warte das mir der Kleine die Flasche gibt, da reißt der große ihm sie direkt vom Mund weg, so das er sich am Zahnfleisch gestoßen hat.

Ich hab ihm schon so oft erklärt, warum man das nicht machen darf und das er es lassen soll. Doch ohne Erfolg. Wenn ich es allerdings so mache wie er (Auge um Auge) und ihm ständig was aus der Hand reiße, dann befürchte ich, das er sich noch denkt, es wäre ok, weil ich es auch mache.

Selbst wenn ich ihm sage, er soll die Flasche zurück geben und fragen, statt einfach zu nehmen, und er ein nein vom kleinen kassiert, wird das nicht akzeptiert, da er sich dann richtig reinsteigert. Für 5 Jahre find ich das ziemlich übertrieben.

Evtl spielt das ja ne Rolle: Vor allem, weil er sich bei mir (wenn die Mutter nicht anwesend ist) so ein Verhalten gar nicht erst einfallen lässt. Sind ja beide totale Tantekinder^^ ich bin ja froh, dass sie sich benehmen können, doch bei der Mutter hakt es immer aus. Sobald sie anwesend ist, ist Polen offen. Doch ich möchte, das er da keine Ausnahme macht. HILFE

Antwort
von gimahani, 93

Oh je, das klingt ein wenig verzwickt..

Dich ihm gegenüber genau so verhalten solltest du auf keinen Fall - du bist kein Kind, mit dem man um ein Spielzeug streitet. 

Nun wäre interessant, wie lang er dieses Verhalten schon zeigt und ob es auch im Kindergarten auftritt.

Falls es sich um eine Phase handelt, könnt ihr das vermutlich nur aussitzen. Dabei gilt es, dass sich alle Erziehenden einig sein und die gleiche/eine ähnliche Reaktion zeigen müssen. Im Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder in der Gegenwart kleinerer Kinder ist natürlich Vorsicht geboten. 

Für die Mutter des Jungen wäre es ratsam, sich mit der Kindertageseinrichtung ihres Sohnes in Verbindung zu setzen und das Problem zu thematisieren.

Kommentar von Ni8ke ,

Eben das seh ich auch so, deswegen vermeide ich das Auge um Auge - Prinzip. Er macht das seit gut zwei Jahren schon so, also nix mit Phase. Gleiche Reaktion zeigen ist unmöglich (sehe untere Kommentare), da die Mutter das nie so umsetzen würde. Doch ich würde ihm gerne vermitteln, das sein Verhalten einfach nicht ok ist und das er das dann auch versteht. 

Antwort
von solluna, 11

Hallo,

wenn schon Familienhilfe und Jugendamt drin sind, wirst Du sicherlich auch mit dabei sitzen, wenn es etwas zu bereden gibt? Das sollte unbedingt gemacht werden. Gibt es einen Vater zu den Kindern? Überfordert - und wieder schwanger? :(  Vielleicht ist der Junge auch eifersüchtig auf Geschwister und kommendes Kind. Vielleicht ist es auch problematisch, dass Du in Konkurrenz zu der Schwägerin stehst. Du weisst es (immer) besser als sie, was sie als Entwertung erleben könnte. Ist die Familienhilfe professionell und ggf. mit kleinschrittiger Anleitung usw. hilfreich? Evtl. braucht die Mutter psychotherapeutische Hilfe (neben anderen Entlastungen), um überhaupt ihre Rolle als Mutter mit allen Vor- und Nachteilen akzeptieren zu können ...  Es gibt schon einige Widersprüche. z. b.: wie kann die Mutter in ihre Rolle hineinwachsen, wenn gleichzeitig Du die Erziehung als Hauptperson übernimmst/übernehmen sollst - aber vielleicht hab ich das auch nicht richtig verstanden. M. E. müsstet ihr gemeinsam in eine Beratungsstelle (oder aufsuchende Familientherapie, also die ins Haus kommt), um Eure Rollen zu klären und (ggf. neu) zu bestimmen, damit mehr Klarheit entsteht, kein Durcheinander Eurer Rollen besteht, was wiederum auf die Kinder wirkt; evtl. könntest du sie in ihrer Rolle durch konkret abgesprochene Verhaltensweisen unterstützen, sie müsste zustimmen und davon überzeugt sein. Doch falls sie wider besseres Wissen es nicht schafft, kleinschrittig ein Ziel nach dem anderen umzusetzen, liegt das Problem halt tiefer. Dann arbeitest Du dich daran ab. Oder gibt auch (kleine) Erfolge? In welchen Situationen und an welchen Orten verhält sich der Junge in Ordnung; was schafft die Mutter ganz gut; was hat sie verbessert?  Wenn ja, unbedingt beachten und verstärken. Woran liegt es, dass die bisherigen Hilfen nicht ausreichend greifen? Doch ich glaube, dass sich dieses Problem hier nicht weiter lösen lässt und hoffe, dass die bisherigen Antworten ein paar hilfreiche Anregungen geben. Alles Gute!


Antwort
von Herb3472, 69

Wenn sich dieses Verhalten der Mutter gegenüber so eingespielt hat, wirst Du von außen nichts daran ändern können.

Da geht es um Machtspielchen, mit Erklärungen und Bewusstseinsbildung kommt man da nicht weiter. Und Du als Tante kannst da gar nichts machen, Du würdest Dixh in die Nesseln setzen.

Das sind halt die Früchte der gewaltfreien Erziehung. Bei mir hätte es wohl in der Position der Mutter eine Strafe gesetzt, die er sich gemerkt hätte. Wahrscheinlich wäre mir die Hand ausgerutscht (obwohl ich eigentlich nichts von "gesunden" Ohrfeigen halte).

Kommentar von Ni8ke ,

Das sind halt die Früchte der gewaltfreien Erziehung

soll das heißen, du bist FÜR Gewalt in der Erziehung? Wenn das so ist, dann sorry, aber des wäre nix für mich. Ich hab die beiden ohne Gewalt seit ihrer Geburt mit erzogen und finde, bis auf einige Marotten, haben sie sich gut entwickelt. Lediglich bei ihrer Mutter führen sie sich so auf. Ich bin gegen Gewalt, aber für Autorität. Das eine sollte das andere ausschließen

Kommentar von Herb3472 ,

Ich bin sicher nicht für Gewalt in der Erziehung, habe jedoch den Eindruck, dass viele Eltern mit der Erziehung ihrer Sprösslinge überfordert sind, bzw. gar nicht wissen, dass "Erziehen" auch bedeutet, klare Spielregeln festzulegen und Grenzen zu setzen, deren Überschreitung sanktioniert wird.

Antwort
von deMuerta, 32

Wahrscheinlich wurde bei den Eltern einfach nicht richtig durchgegriffen und besonders am Anfang dieses Verhalten geduldet. Da ist es schwer, dass sie jetzt noch etwas ändern.
Sie sollten sich immer sofort durchsetzen.

Ganz davon abgesehen finde ich dein Verhalten allerdings übergriffig. Die Kinder sind "Tantenkinder" und DU willst sie erziehen. Schaff dir eigene an.

Kommentar von Ni8ke ,

ich will sie ja nicht erziehen, doch da sie von Anfang an das JA bei sich hatte, habe ich sie quasi erzogen (auch in Absprache), da sie eh ständig bei mir waren..

eingreifen tut aber jeder mal von uns. Oder würdest du es dulden das das Kind deiner Verwandschaft dich schlägt und die Mutter nix macht, weil es ja IHRE Aufgabe wäre was zu sagen? Blödes Beispiel von der Oma: Mein Haus, meine Regeln...wenn sie bei mir sind, haben sie sich an gewisse Regeln zu halten.

Kommentar von deMuerta ,

Wenn die Kinder bei dir sind kannst du natürlich machen was du willst, da liegt es an der Mutter dir einen Riegel vorzuschieben und wenn dir das nicht passt, kannst du sie halt nicht mehr nehmen.

In der Familie meines Mannes gibt es auch so einen Jungen. Er ist ebenfalls fünf und macht schon länger was er will. Früher wurde er von den Eltern verhätschelt, dann kam das zweite Kind und seitdem sind die Kinder eigentlich durchgehend bei den Großeltern die sich absolut garnicht durchsetzen und den Jungen nur vorm TV parken. Er schmeißt mit schweren Gegenständen (auch nach unserer Tochter) und benimmt sich total daneben.
Meine Konsequenz ist, dass ich ihm wegnehme was immer es ist und wir versuchen nicht mehr hinzufahren, wenn er da ist.
Klingt fies, es ist aber nicht meine Aufgabe ihr Kind zu erziehen und deine sollte es auch nicht sein. Wenn du meinst da stimmt was nicht, würde ich nochmal mit dem Jugendamt sprechen.

Antwort
von Regulus123, 39

Also ganz ehrlich. Du bist seine Tante, nicht seine Mutter. Damit bist du nicht die Erziehungsberechtigte, auch wenn es sich um deinen Neffen handelt. Würdest du es wollen, dass sich jemand in deine Angelegenheiten einmischt?

Du kannst nicht mehr ausrichten, als du es jetzt tust. Sofern dich eine Situation betrifft, kannst du deinem Neffen sagen, dass das so nicht in Ordnung ist, nicht mehr und nicht weniger.


Antwort
von Akecheta, 49

Onkel und Tanten sind gerne gesehen, um die Väter und Müttern zu "beraten", aber nicht um die Erziehung zu übernehmen und sich dabei auch noch ausspielen zu lassen.


Kommentar von Ni8ke ,

Das war bisher aber leider immer nötig. Da sie total überfordert ist und sogar schon Familienhilfe hatte/hat. Wenn ich die Kinder mir gegenüber einfach so machen lasse, wie ihre Mutter sie erzieht (mit Schreien, Strafen u hin und wieder Poklaps) - was ich überhaupt nicht gutheiße und es ihr auch schon oft genug sagte, dann würden die Kids zu EinsA A...lochkindern werden und mir eine verpassen, wie es ganz am Anfang so war.

Kommentar von Akecheta ,

Dann kannst du dich nur anbieten, das oder die Kind(er) zumindest eine zeitlang komplett in der Erziehung zu "übernehmen". Evtl. mit Hilfe des Jugendamtes, wenn es denn so schlimm sein sollte.

Mein Bauchgefühl aber sagt mir, dass du übertreibst und wenn nicht, mit ein Baustein bist, der gegen die Erziehung der Eltern arbeitet und damit mit verantwortlich wirst, dass das nicht funktioniert.

Kommentar von Ni8ke ,

ganz ehrlich? Ich übertreibe nicht, wenn ich hier alles schildern würde, was da schon vorgefallen ist, würdest du eher fragen, warum das JA ihr die Kids nicht weg nimmt. Kurz gesagt: die elterliche Erziehung besteht darin, ständig nein zu sagen, zu verlangen etwas zu können ohne es ihnen beizubringen, und ständig ins Zimmer zu schicken oder vor den TV zu parken. Ich hab meine Schwägerin echt gern, aber die Mutterrolle ist nichts für sie, da sie generell zu faul ist (Kita ist 5 Min von uns entfernt, doch zu Fuß gehen ist zu viel - ok, in der SW aber nicht davor) und der Meinung ist, die wachsen schon richtig ran ohne was tun zu müssen.

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