Frage von AdrianMHD, 10

Wie gestallte ich einen Theaterworkshop?

Hallo,

Mitte Oktober gehe ich als Mitarbeiter auf eine Jugendfreizeit und soll da einen Theaterworkshop gestallten und leiten. Ich spiele auch selber seit 6 Jahren in einem Theater mit wo jährlich bei unserem Volksfest statt findet.

Dort sind 14 Jährige Mädchen sowie Jungs und die Teilnehmer Zahl ist auf 8 begrenzt. Der Workshop sollte um die 1 einhalb Stunden dauern.

Wie soll ich den gestallten??

Ich würde anfangen mit einer kurzen Kennenlernrunde und dann...?

Vielen Dank schonmal

Antwort
von KS1987, 5

Hey du!

So wie das klingt haben die Teilnehmer des Workshops voraussichtlich alle noch wenig bis gar keine Erfahrung mit Theater gemacht. Ich würde deswegen versuchen einen möglichst vielfältigen Eindruck zu vermitteln, worauf es beim Theaterspielen ankommt. Außerdem sollte das Ganze natürlich kurzweilig sein und Spaß machen. 

Schon bei der Kennenlernrunde kannst du anfangen, ein bisschen Spiel in die Sache zu bringen. Zum Beispiel stehen alle im Kreis und der erste stellt sich vor. Er sagt seinen Namen und macht dazu eine Geste, z.B. sage ich "Ich heiße Katja" und verbeuge mich dazu. Alle anderen begrüßen mich mit meinem Namen und meiner Geste, sagen also "Hallo Katja" und verbeugen sich. Der nächste stellt sich mit einer neuen Geste vor. Keine darf doppelt vorkommen und je blöder, absurder und schwieriger nachzumachen, desto witziger. 

Dann würde ich alle bitten sich kurz hinzusetzen und mal die Erwartungen abklopfen. Wer hat sich warum angemeldet? Gibt es konkrete Wünsche, was die Leute lernen/ erfahren wollen? Danach kannst du einen kurzen Ausblick geben. Erzähl ganz grob, was im Workshop ansteht, sag, was du vielleicht auch nicht erfüllen kannst von den Erwartungen. Vielleicht kannst du aber ja spontan doch noch was einbauen, was von den Teilnehmern kommt? 

Danach würde ich mich nacheinander auf drei Themen konzentrieren: Bewegung (Mimik, Gestik, Bühnenpräsenz, etc.), Sprache (Sprachübungen zu Lautstärke und Deutlichkeit), tatsächliches Spiel (z.B. Improvisation). Dazwischen kannst du je nach Zeit und Lust der Teilnehmer auch kurze Reaktions- und Konzentrationsübungen streuen. Beispiele für Übungen findest du unten. Natürlich brauchst du nicht alle und schon gar nicht zwingend in der Reihenfolge machen. Such dir einfach was aus, das dir gefällt. Und dann musst du eh schauen, wie es läuft, was gut angenommen wird oder was den Leuten keinen Spaß macht. Lieber hast du zu viel vorbereitet als zu wenig. (Google ist dein Freund, wenn du noch mehr Anregungen brauchst).

Beispiele für Bewegungsübungen:
"Spiegel": Immer zwei Teilnehmer gehen zusammen. Einer ist der Spiegel, der andere das Spiegelbild. Das Spiegelbild muss versuchen sein Gegenüber möglichst genau (aber spiegelverkehrt!) nachzumachen. Nach etwa fünf Minuten wird gewechselt. 
"Gefühle laufen": Alle laufen durch den Raum, jeder für sich. Du gibst ein Gefühl vor. Alle versuchen nun in diesem Gefühl zu laufen. Es sollte in Mimik, Gestik, Gangart, etc. zu erkennen sein. Beobachte die Teilnehmer, mach die anderen auf die aufmerksam, die es besonders gut machen ("Schaut mal, die xy hat einen tollen wütenden Gesichtsausdruck!", "Allein wie der yz läuft, da kommt die Traurigkeit gut rüber!"). Vermeide es, jemanden zu verbessern. 
"Rhythmus laufen": Alle laufen durch den Raum. Ziel ist es, dass der Raum immer perfekt ausgefüllt ist. Es sollten also nie auf einer Stelle viele Leute stehen und an einer anderen keiner. Das heißt für jeden einzelnen, dass er immer genau da hinlaufen muss, wo am wenigsten stehen. (Wenn euer Raum zu groß für zu wenig Leute ist, kannst du einen kleineren Bereich abzeichnen, mit Kreppklebeband auf dem Boden z.B.). Erst laufen alle langsam. Das Tempo gibst du vor, indem du klatschst. Du klatschst also erst langsam und in normaler Lautstärke, bis die Teilnehmer die Aufgabe einigermaßen hinbekommen. Dann kannst du in Tempo und Lautstärke variieren. Die Teilnehmer müssen ihr Lauftempo und ihre Gangart (zwischen Stampfen und Schleichen) anpassen und dabei weiterhin den Raum möglichst ausfüllen.

Beispiele für Sprachübungen:
"Grundübung": Bevor du mit witzigen Sprachübungen anfängst, solltest du ein bisschen Grundsätzliches üben. Alle sollen sich im Kreis aufstellen, beide Füße fest auf dem Boden, Beine etwa hüftbreit. Dann schließen alle die Augen und atmen langsam. Jeder legt eine Hand auf den Bauch in Höhe Zwerchfell. Einatmen durch die Nase, aus durch den Mund. Tief in den Bauch atmen, so dass man merkt, wie die Hand sich hebt und senkt. Wenn alle ruhig und gleichmäßig atmen, können sie anfangen auf Konsonanten auszuatmen: sch, f, s. Du gibst sie nacheinander vor. Wenn das klappt: Am Ende des Atems ein p, t, oder k setzen, mit der letzten Luft und so, dass man die Erschütterung im Zwerchfell spürt. Das soll also richtig herausgestoßen werden. 
"Zungenbrecher": Zungenbrecher sind so schon schwer, aber noch schwerer wirds mit einem Korken zwischen den Zähnen. Nimm genügend Korken mit und schreib für jeden einen Zungenbrecher auf eine Karte (altbekannt oder aus dem Internet). Dann bekommen alle eine Karte und einen Korken und haben fünf Minuten Zeit zum Üben. Zum Schluss wird reihum im Kreis vorgestellt. Die anderen versuchen danach, den Spruch zu erkennen und ihn nachzusagen, bevor der nächste dran ist.
"Rotwein". Den Spruch "Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben" kann man wunderbar gemeinsam im Chor sagen. Wie beim Rhythmuslaufen gibst du durch Klatschen den Takt und die Lautstärke vor (alle stehen im Kreis). Auch wenn du sehr leise und schnell klatschst sollten man jedes Wort noch genau verstehen, es muss also überdeutlich gesprochen werden (so deutlich, dass man sich schon fast blöd vorkommt). 

Spiel- und Improvisationsübungen
"Pantomime raten": Immer zwei Personen gehen zusammen. Sie haben die Aufgabe eine kurze Szene zu spielen, die die anderen später erraten müssen. Sie müssen sich also eine prägnante Szene ausdenken, diese spielerisch umsetzen und sich das merken. Anschließend muss es so vorgespielt werden, dass die anderen erraten können, was passiert ist. (Sicherheitshalber kannst du dir ein paar Szenen ausdenken und weiterhelfen, wenn die Teilnehmer gar keine Ideen haben). Beispiel: Ein Mann geht zum Friseur, der Friseur ist betrunken und schneidet ihm die Haare viel zu kurz. Der Mann ist wütend und verlässt das Geschäft. Wie immer gilt: Je absurder die Situation, desto mehr Spaß. Achtung: Geräusche machen ist verboten, nur Mimik und Gestik müssen ausreichen, damit man es erkennt.
"Fast Food Theater": Zwei Teilnehmer beginnen, die anderen sind die Zuschauer. Die beiden dürfen sich kurz absprechen und spielen danach eine kurze Szene. Zum Beispiel sind sie zwei Frauen in einem Café, die sich unterhalten, eine verliert dabei eine Kontaktlinse und sucht diese auf dem Boden. Wichtig ist, dass immer was passiert auf der Bühne und sich nicht nur zwei ständig gegenüber sitzen. Die anderen beobachten die Szene und dürfen jederzeit einen der beiden abklatschen. Das funktioniert so: Wer eine Idee hat klatsch einmal laut in die Hände. Die beiden auf der Bühne müssen dann exakt so stehen bleiben, wie sie sind und dürfen sich nicht mehr rühren. Der, der geklatscht hat, geht auf die Bühne, tippt den an, den er ersetzen möchte (der geht ab und wird zum Zuschauer) und nimmt möglichst genau dessen Körperhaltung ein. Jetzt beginnt er eine völlig neue Szene und der andere auf der Bühne muss dabei mitspielen. Um beim Beispiel zu bleiben: Die beiden Damen im Café suchen die Kontaktlinse. Ich klatsche, gehe auf die Bühne und löse die ab, die gerade auf dem Boden kniet und sucht. Ich nehme ihre Körperhaltung ein und spiele eine neue Szene an, indem ich sage "Ja, Frau Müller, fast richtig. Aber wenn Sie wirklich gut im Yoga werden wollen müssen Sie schon genau nachmachen, was ich vormache". Die andere, die gerade noch eine Dame im Café gespielt hat (und ja nicht wusste, was ich vorhatte) muss schnell reagieren und jetzt eine Yogaschülerin spielen. Die Szene läuft dann wieder so lang, bis jemand klatscht und eine neue Szene initiiert. (Ist ein sehr witziges Spiel, das spielen wir meistens stundenlang auf unseren Theaterpartys. Erfordert allerdings etwas Mut, musst du also schaun, wie es bei dem Workshop ankommt).

So, ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen :) Viel Spaß!

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