Frage von Crysis2Pro, 43

Wie genau funktioniert Elektronegativität denn jetzt?

Ich nehme mal als Beispiel Li + H2O Die Produkte sind dann LiOH + H2 Mein Lehrer meinte letzte Woche, da Lithium einen kleineren EN Wert als Wasserstoff hat, will sich das O lieber mit dem Li verbinden. Li (1,0) H (2,1). (Vllt. ist auch meine Erinnerung schwammig :/)

Denn gestern waren wir bei der radikalischen Substitution. Und da dachte ich, dass bei CH4 ein Stoff mit einem kleineren EN Wert als H günstiger für das C wäre. Doch er meinte es ist falsch und Brom sei besser, da es das H herausreißt. Dass Brom durch den hohen EN Wert H herausreißt ist verständlich, aber wie kommt es, dass Lithium den Platz von H in H2O einnimmt?

Etwas dass ich sowieso nie verstanden habe ist, dass H2 + O2 kein H2O2 ergibt sondern H2O. Habe meine Lehrer nie danach gefragt, will ja keinen Stau auf der BaHN verursachen. Die Klasse soll vorankommen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von PFromage, 18

Allgemein gilt:
polare Bindungen sind energieärmer und damit stabiler als unpolare. Dabei sind auch Ionenbindungen gemeint, die Extremfälle polarer Bindungen sind.
Lithium geht daher eine Ionenbindung ein, wenn es mit Wasser reagiert, denn als Element war die Bindung im Metallgitter nicht so energiearm (es ist immer die freie E. gemeint!)
Aus demselben Grund lassen sich Alkane gut halogenieren, die EN-Differenz zwischen C-Hal ist immer größer als zwischen C-H.
Peroxid ist aus mehreren Gründen instabiler als Wasser:
-das Molekül ist größer (lange Stöcke brechen leichter)
-die Entropieabnahme bei der Bildung ist größer
-zwischen den O-Atomen besteht eine unpolare Bindung (gegenüber dem Element nur Einfachbindung, wie auch bei Wasser, dort aber 2 polare).

Antwort
von bartman76, 10

Die EN ist kein absolutes Maß für die Vorhersage von Reaktionen. Es ist lediglich ein Hilfsmittel. Die beiden Reaktionen unterscheiden sich deutlich voneinander. Der Reaktionsmechanismus der rad. Substitution verläuft ja so, dass das Brom-Radikal sich zunächst ein H aus dem CH4 abgreift.

Radikale sind nicht besonders wählerisch bei ihren Reaktionspartnern. Das dabei enstehende CH3-Radikal hat nun die Möglichkeit mit allem zu reagieren, was da so kreucht und fleucht. Was es auch tut.

Das ist der Grund weswegen es bei rad. Substitutionen recht viele Nebenprodukte gibt. Der Schlüssel dabei ist, dass es nicht nur das eine Molekül gibt, welches man auf dem Papier betrachtet, sondern wirklich viele, die z.T. auch unterschiedlich reagieren.

Ein weiterer Punkt ist die Stabilität des Endproduktes. Vermutlich hast du sogar recht und es entsteht auch H2O2 bei der Knallgasreaktion (weiß ich so nicht, halte ich aber für möglich). Das Problem ist aber, dass H2O2 sehr instabil ist und somit zügig weiter reagiert. Insbesondere bei den hohen Energien, die bei der Reaktion frei werden, kann es nicht bestehen bleiben sondern reagiert zu dem recht stabilen H2O weiter.

Bei chem. Reaktion passiert sehr viel, aber es bleibt nicht immer alles übrig am Schluß. Also eine weitere Überlegung muss immer sein: Ist mein Produkt stabil, oder reagiert es weiter oder ggfs. auch wieder zurück?

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