Frage von herzenslacher, 9

Wie gelang die französische Sprache (Romandie) in die Schweiz?

Wie entwickelte sich die Romandie? Hat es etwas mit Kolonien zu tun oder war es früher französisches Gebiet?

Antwort
von Tellensohn, 8

Salue

Die Romandie war schon immer ein französisch sprachiges Gebiet.

Die Schweiz in der heutigen Form kam zustande, weil sich immer mehr Gebiete in der Umgebung der Schweiz entschlossen, ihren Fürsten und Machthabern zu entfliehen und sich der Schweiz, als neuer Kanton, anzuschliessen.

Französisch als Sprache ist zudem war auch in der Deutschschweiz immer sehr beliebt. Im alten Adel, aber auch in der "besseren" Gesellschaft galt die Französische Sprache als Image fördernd.

Sie ist in einigen Wörtern in der Deutschschweiz immer noch feststellbar (Trottoir = Gehsteig, Perron = Gleiszugang, Velo = Fahrrad, Café = Kaffee usw.

Ein typischer Fall ist die Südschweiz. Die Grafen von Mailand haben bei Bellinzona (Kanton Tessin) ein riesiges Bollwerk gegen die Eidgenossen aus der Innerschweiz gebaut. Es wurde nie erobert. 

Die Bewohner dort haben die Tore freiwillig geöffnet und sich, als italienisch sprachiges Gebiet, der Schweiz angeschlossen.

Es grüsst Dich

Tellensohn   

Kommentar von Gege3210 ,

Feststellbar auch BW-Schwaben, meine Muttersprache. Trotwar, Souträn, Portmonnai, Kivief, Schisslaweng, Vase, Garage und viele andere Worte. Auch alt-türkisch Begriffe. Der Ansturm der Osmanen hat nicht am Schlachtfeld der Wieskirch aufgehört... Deshalb ja Ortsnamen wie Ober- Untertürkheim usw ;-)

Kommentar von Tellensohn ,

die Türken haben sich in der Vergangenheit ganz gerne französischer Wörter bedient. Mit den Engländern hatten sie ja ein eher "gestörtes" Verhältnis.

Das Trotwar im Schwäbischen stammt daher von Tottoir im Französischen ab. Da die Türken unsere Schrift erst unter Atatürk eingeführt haben, haben sie eine Schreibweise verwendet, die ziemlich genau dem entspricht, wie man es auch ausspricht.

Aus dem französischen Amortiseur (Stossdämpfer) wurde in der Türkei das Amortisöör, aus dem Trottoir eben das Trotwar.

Unser Schweizerdeutsch und das Schwäbische sind sich eh sehr ähnlich. Schwaben verstehe ich problemlos und umgekehrt geht es genau so gut.

Es güsst Dich Dein Alemanne aus der Schweiz

Tellensohn

Antwort
von plato, 5

Die Sprachgrenzen sind viel älter als die Landesgrenzen und halten sich oftmals auch nicht daran. Es gibt ein sogenanntes Sprachkontinuum, die einzelnen Dialekte sind oftmals auch über die Landesgrenzen hinaus für Nachbardörfer verständlich.

Im (heute) französischsprachigen Teil der Schweiz wurden früher hauptsächlich viele verschiedene Franko-Provenzialische Dialekte gesprochen, das sogenannte Arpitan in der Ausprägung "Patois Romand". Geschrieben wurde die Sprache aber nie, Schriftsprache war Französisch.

Somit war Französisch immer schon in einer gewissen Form vorhanden. Viele Gebiete wurden dann Untertanenland eidgenössischer Kantone oder wandten sich freiwillig der mehrheitlich alemannischsprachigen Eidgenossenschaft zu, ohne ihre Sprache zu verlieren.

Doch damals war Französisch sehr "en vogue", besonders in den höhergestellten Schichten Europas. Und als dann mit Napoléon die Franzosen die Schweiz praktisch über Nacht einnahmen, kam die Französische Sprache auch offiziell in die Schweiz. Selbst in der Deutschschweiz parlierte man in höhergestellten Familien auf Französisch. 

Mit dem Einmarsch Napoleons stieg der Druck auf das Patois Romand, welches den Ruf einer Bauernsprache hatte - nur ungebildete Menschen sprachen noch so. Deshalb verkümmerte die Sprache im Laufe der Geschichte und ist heute praktisch verschwunden. Auch wenn gewisse Eigenheiten im Schweizer Französisch verblieben sind, sprechen die Romands eben doch einfach Französich und nicht mehr Patois Romand.

Eine ähnliche Entwicklung durchlief auch das Schwiizertüütsch, das ja eine Sammlung verschiedener Alemannischer Dialekte ist. Der Druck des Standarddeutschen war sehr gross, Anfang des 20. Jahrhundert wurde das "Puuretüütsch" (Bauerndeutsch) so ebenfalls beinahe verdrängt. 

Doch durch die beiden Weltkriege wurde es für die deutschsprachigen Schweizer wichtig, sich vom "bösen" Deutschen abzugrenzen. Und so verschwand die Standardsprache wieder aus dem alltäglichen Gebrauch und das Schwiizertüütsch verlor diese Aura des Ungebildeten...

Antwort
von Gege3210, 6

Einerseits war die Lombardei lange französischer Besitz gewesen, ist geschichtlich erst spät an Italien übergeben geworden.

Andererseits gibt es die Landins Sprachen (In den Bergen nord-westlich von Milano, ziemlich schwer zugängliche Ortschaften und Weiler) welche vom Vulgärlatein herstammen, was ziemlich ähnlich dem alten Französischen ist. Gleiche Ursprünge, ähnliche Auswirkungen. Dort spricht man auch deutsch. Wie im Ahrntal, Südtirol, gehört jedoch zu Itatien.

Anderes Beispiel : Die neerlandse Taal die man heute im Norden der Niederlande hat, grob gesagt ist eine Abzweichng der damaligen deutschen Sprache des dreizehnten Jahrhunderts und haben sich eben verschieden weiterentwickelt.

Andere Beispiele : Englisch (GB) und englisch (USA) sind derzeit schon derart weit auseinander. Ähnlich in Kanada : dort hat heute weder die englische noch die französische Sprache noch viele Zusammenhänge mit den ursprünglichen Sprachen. Sprachgebauch ändert sich eben, mit der Zeit. Jeder seine eigene Sauce(n)/Sosse ;-) Wozu er auch voll Anrecht darauf hat !

Das hatte mich damals eine Geliebte dort gelehert.

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