Frage von Ayame21, 48

Wie gehts jetzt weiter mit dem Arbeitgeber, Arbeitsunfähigkeit?

Hallo an alle,

hätte da mal wieder eine Frage...

Mein Vater arbeitet seit 25 Jahren in einer Firma, arbeitet sehr hart und jetzt hat der Arzt 5 Bandscheibenvorfälle mit Risiko Querschnittslähmung festgestellt. Er ist seit Ende Januar krankgeschrieben. Nun waren wir heute bei seinem Arbeitgeber (ich war auch dabei, weil mein Vater der deutschen Sprache nicht so mächtig ist) und dieser sagt ihm tatsächlich, ein Aufhebungsvertrag wäre sehr passend. Ich meine, mein Vater hat 25 Jahre sein Hintern aufgerissen, hat sein Rücken kaputt gemacht, für was?

Meine Frage: Wie würdet ihr vorgehen? Wie gehts jetzt weiter?

Danke im Voraus und bitte um vernünftige und anständige Kommentare!

Lg Aya

Antwort
von Icecrystal666, 26

Hallo Aya,

  das ist natürlich ein schwieriges Thema. Dein Vater hat kein spezielles Anrecht zu bleiben. Wenn nicht klar ist, ob ein Mitarbeiter den Job überhaut jemals wieder ausüben kann oder auf unbestimmt Zeit krank geschrieben ist kann der Arbeitsgeber sogar aufgrund der Krankheit/Verletzung kündigen.

Natürlich ist es ärgerlich und das verstehe ich völlig. Man kann den Arbeitgeber vielleicht Fragen ob es eine Möglichkeit gibt deinen Vater wo einzusetzen wo er keiner körperlichen Arbeit nachgehen muss. Wenn er aber seit 25 Jahren hier ist und "der deutschen Sprache nicht so mächtig ist" ist das natürlich schwieriger. Aber eine Umschulung wäre dann eine Möglichkeit.

Genau darum gibt es "Arbeits-/Berufsunfähigkeits Versicherungen". Der Arbeitgeber hat hier keine Verpflichtung weiter zu beschäftigen.
Im Gegenteil, je nach Betriebsgröße kostet dein Vater den Betrieb auch Geld und der AG muss schauen, dass er  auch durch solche Umstände nicht pleite geht. In Arztpraxen ist es zB völlig normal einen länger kranken Mitarbeiter zu entlassen.

Es tut mir sehr leid für euch. Gute Besserung an deinen Vater.

Antwort
von Norina78, 30

Dein Vater muss keinen Aufhebungsvertrag akzeptieren. Der Arbeitgeber muss 6 Wochen (42 Tage genau) Lohnfortzahlung leisten. Danach bekommt Dein Vater Krankengeld von der Krankenkasse. Das Arbeitsverhältnis läuft einfach weiter und wenn Dein Vater wieder arbeiten gehen kann, dann geht er einfach wieder arbeiten. Er muss lediglich immer dem Arbeitgeber Bescheid geben, wenn sich die Krankmeldung verlängert.

Kommentar von Ayame21 ,

Die Frage ist, ob er die Arbeit noch ausführen kann, lt Arzt nicht... Das hat der Arbeitgeber auch schriftlich bekommen.

Kommentar von Nightstick ,

Hier würde mich als Erstes interessiern, von wem bzw. durch wen der Arbeitgeber diese Nachricht bekommen hat.

Grundsätzlich würde ich (wie bereits oben gesagt) keinen Aufhebungsvertrag schließen, sondern erst einmal den Heilungsprozess bzw. weiteren Werdegang, ggf. Richtung Berufs- oder Erwerbsunfähgkeit, abwarten.

Der Arbeitgeber hat (entgegen der unsinnigen Behauptung von @Icecrystal666) nach Ablauf der gesetzlichen Lohnfortzahlungspflicht kaum Folgekosten. Dass er ihn möglichst schnell loswerden will, zeigt die Wertschätzung für die geschufteten 25 Jahre. Diesen Gefallen würde ich dem AG nicht tun!

Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis auf, sollte Dein Vater innerhalb von 21 Tagen nach Zugang der Kündigung beim zuständigen Arbeitsgericht Kündigungsschutzklage erheben.

Kommentar von Ayame21 ,

Hat der Arbeitgeber vom Arzt schriftlich bekommen, dass mein Papa gewissen Körperhaltungen momentan nicht durchführen kann. Daraufhin meinte der Arbeitgeber, er hätte in seiner Firma keine Verwendung mehr für ihn.

Hab da von einer Freundin gehört, dass man ein Auflösungsvertrag machen kann, nur kann man als Bedigung Geld verlangen, stimmt das?

Lg

Kommentar von Nightstick ,

Grundsätzlich kann man natürlich jederzeit einen Aufhebungsvertrag (auch mit einer Abfindungszahlung) schließen, nur ob das in diesem Fall klug wäre, wage ich zu bezweifeln.

Die Gründe im Einzelnen:

1. Bei einem Aufhebungsvertrag würde automatisch eine Sperrfrist beim Arbeitslosengeld eintreten (z.Zt. drei Monate - wenn das nicht geändert wurde)

2. Der Arbeitsplatz wäre für immer verloren (Dein Vater könnte theoretisch ja wieder soweit gesunden, dass er irgendwann doch wieder arbeiten kann - auch Ärzte haben sich schon geirrt)

3. Ich weiß nicht wie alt Dein Vater ist, aber eine Abfindung (wenn sie nicht sogar beim Arbeitslosengeld gegengerechnet bzw. versteuert werden muss) ist schneller aufgebraucht als man denkt. Und eine so hohe Summe, dass er damit bis zum regulären Renteneintritt auskommt, wird ihm der Arbeitgeber nicht zahlen.

4. Solange Dein Vater bei dem Unternehmen beschäftigt, d.h. ungekündigt ist, hat er eine gute Rechtsposition. Die sollte er nicht aufgeben!

Ich rate daher in diesem Fall dringend dazu, keinen Aufhebungsvertrag zu schließen.

Kommentar von Familiengerd ,

Bei einem Aufhebungsvertrag würde automatisch eine Sperrfrist beim Arbeitslosengeld eintreten (z.Zt. drei Monate - wenn das nicht geändert wurde)

Das trifft dann nicht zu,

> wenn der Aufhebungsvertrag geschlossen wurde, um eine ansonsten unvermeidliche betriebs- oder personenbedingte Kündigung zu umgehen,

> wenn dieser Umstand im Aufhebungsvertrag erklärt wird und

> wenn für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses ab Unterzeichnung diejenige Frist eingehalten wird, die der Arbeitgeber auch bei einer ordentlichen Kündigung hätte einhalten müssen.

Kommentar von Familiengerd ,

nach Ablauf der gesetzlichen Lohnfortzahlungspflicht kaum Folgekosten

Auch während des Lohnfortzahlungszeitraums halten sich die Kosten für den Arbeitgeber - sofern es sich um einen Betrieb mit nicht mehr als 30 Arbeitnehmern handelt - "im Rahmen", da er die meisten oder einen Großteil der Kosten von der Krankenkasse ersetzt bekommt aufgrund des verpflichtenden Umlageverfahrens!

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