Wie geht Meditation richtig und was kann sich alles dadurch verbessern?

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3 Antworten

Wenn Sie sich den äußeren Dingen bewusst werden, der Kurve einer Strasse, dem Schatten eines Baumes, der Farbe der Kleidung anderer, die Silhouette der Berge gegen den blauen Himmel, dem Duft einer Blume, dem Schmerz im Gesicht eines Passanten, der Ignoranz, dem Neid, der Eifersucht auf andere, der Schönheit der Erde, dann, indem sie all diese äußeren Dinge ohne Verurteilung und ohne Auswahl sehen, dann können Sie auf der Strömung innerer Achtsamkeit reiten. 

Meditation bedeutet, eines jeden Gedankens, eines jeden Gefühls gewahr zu sein, niemals zu sagen, sie seien richtig oder falsch, sondern sie einfach zu beobachten und ihnen nachzugehen. 

In diesem Betrachten beginnen Sie alle Regungen des Denkens und Fühlens zu verstehen. Und aus diesem Gewahrsein erwächst das Schweigen. 

Ein Schweigen, das vom Denken zustande gebracht wurde, ist Stagnation, ist unfruchtbar; aber das Schweigen, das entsteht, wenn das Denken seinen eigenen Anfang, sein eigentliches Wesen verstanden hat, wenn es begriffen hat, daß alles Denken niemals ungebunden ist, sondern immer mit der Vergangenheit beladen ist – dieses Schweigen ist Meditation, in der es keinen Meditierenden gibt. 

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Es gibt viele verschiedene Formen von meditativer Praxis, die teilweise völlig andere Ansätze verfolgen, so dass pauschale Antworten schwierig sind.

Ich habe ein paar Jahre Erfahrung mit Meditation und erkläre es also von meinem persönlichen Standpunkt.

Was ist Meditation

Aus meiner Sicht ist Meditation keine Technik mit der man "sich ruhig macht", sondern ein ausgeglichener Zustand entspannter Achtsamkeit,

Es ist somit keine angestrengte Konzentration des Geistes, noch eine Form von schläfriger Trance, sondern die Verfassung zwischen diesen Extremen.

Letztlich "meditiert" man also gar nicht, weil das so klingt, als würde man gezielt etwas bestimmtes machen, sondern man wird meditativ, ist im Zustand der Meditation.

Das Ziel der Meditation

Meditation vergisst das Leistungsdenken vollkommen. Es geht nicht darum, in irgendeiner Weise "besser" zu werden, oder sich mental zu "optimieren".

Man sollte Meditation daher ohne ein bestimmtes Ziel üben. Das hat aus meiner Sicht auch rein praktische Gründe.

Wenn man sich ein Ziel setzt, wird man auf Fortschritte warten und ständig prüfen wollen, ob man seinem Ziel schon näher gekommen ist.

"Einatmen...Ausatmen...bin ich schon entspannter?...einatmen...ausatmen... wenn ich dann entspannt bin, kann ich  mich besser konzentrieren...dann vergesse ich sicher auch nicht...oh, moment...ich wollte ja meditieren.... einatmen...austamen...."

So sitzt man dann 15 Minuten und hat alles mögliche gemacht - nach Fortschritten gesucht, Pläne geschmiedet, sich Hoffnungen über die tollen Wunderwirkungen der Meditation gemacht - aber nicht meditiert.

Am besten setzt man also gar keine Hoffnungen hinein, sondern ist einfach ganz offen für den Moment.

Praxis der Meditation

Eigentlich hat jede spirituelle Tradition der Welt, etwa in den Religionen, bestimmte meditative oder kontemplative Techniken entwickelt.

Die Wiederholung heiliger Silben (Mantras) oder Gebete, etwa anhand eines Rosenkranzes, einer Gebetskette, oder einer Knotenschnur, gibt es in vielen Traditionen.

Ich bin skeptisch gegenüber diesen Techniken, da sie meiner Meinung nach dazu führen können, dass statt Achtsamkeit eher eine Art "weißes Rauschen" im Kopf entsteht, dass Gedanken verdrängt.

Nicht nur für Anfänger kann ich verschiedene Formen von Achtsamkeitsmeditation empfehlen. Dabei werden die eigenen Empfindungen beobachtet, ohne sie zu bewerten - denn erst die Bewertungen setzen das Gedankenkarusell richtig in Gang.

Hier ist eine 15 Minuten dauernde angeleitete Meditation. Alles was man braucht, ist Zeit, in der man nicht gestört wird, und eine Möglichkeit, sich entspannt, aufrecht hinzusetzen.

Effekte der Meditation

Manche Gruppen berufen sich auf verschiedene Studien, die angeblich die Wirksamkeit der jeweiligen Meditationspraxis wissenschaftlich belegen sollen.

Allerdings sollte man bei solchen Behauptungen von "bewiesener Effektivität" meiner Ansicht nach vorsichtig sein.

In solchen Studien ist entweder die Zahl der Probanden sehr gering und hat daher keine statistische Aussagekraft, oder wurde von Instituten verfasst, die der jeweiligen Gruppierung gehören, oder geradestehen.

Das ist etwa so, als würde ich ein "Institut für Wahrheit" gründen, das mir zertifiziert, dass ich die Wahrheit sage - diese Gruppen legitimieren sich selbst.

Aber welche Effekte hat Meditation wirklich?

Eigentlich wäre die beste Antwort "keine", denn alles was man nennt, kann zu einem Ziel werden und damit wäre die geistige Offenheit der Meditation nicht mehr gegeben. Das ist aber natürlich für viele Menschen unbefriedigend.

Langfristig Übende nennen alle Möglichen Effekte - mehr Gelassenheit, weniger Stress, mehr innere Zufriedenheit, bessere Konzentration....

Aber das sind alles Aussagen anderer Menschen. Wichtig ist aber nur, deine eigene Erfahrung, denn Meditation kommt nicht durch das Lesen von Erfahrungsberichten.

Risiken der Meditation

Meditation ist keine Therapie und ersetzt diese auch nicht. Menschen mit psychischen Problemen, oder traumatischen Erfahrungen, sollten mit ihrem Therapeuten oder Psychiater darüber sprechen, wenn sie meditieren wollen.

Durch die Offenheit des Geistes während der Meditation können auch verdrängte Erinnerungen an Erfahrungen wieder hochkommen, was zB bei Personen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zu einer Aktualisierung führen könnte.

Deshalb im Fall einer psychologischen Vorgeschichte unbedingt mit dem Therapeuten bzw. Arzt sprechen.

Außerdem wird Meditation auch als Lockmittel von zweifelhaften Gruppierungen eingesetzt. Nur weil beispielsweise ein Kurs an einer Volkshochschule angeboten wird, bedeutet das nicht, dass der Lehrer, oder ein anderer Kursteilnehmer nicht zu solch einer Gruppierung gehört.

Deshalb empfehle ich, sich vorab über den Anbieter zu informieren - eine Internetrecherche nach dem Gruppennamen und den Begriffen "Kritik" oder "Sekte" kann dabei hilfreich sein.

Ich hoffe, diese Antwort war hilfreich für dich. Wenn du noch Fragen hast, helfe ich gerne weiter.

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