Frage von GreysCT, 149

Wie geht man richtig mit einem Pferd um?

Ich weiß die Fragenstellung klingt komisch, aber sie trifft am ehesten das was ich fragen möchte. :)

Ich bin vor ein paar Tagen auf der Webseite Wege-zum-Pferd.de gelandet, die ich schon kannte, aber noch nicht näher angeschaut hatte. Da ich schon viel positives über Babette Teschen gehört und wegen Ferien viel Zeit habe bin ich mal durchgestromert, und war sehr angetan und fasziniert von dieser Sichtweise zum Pferd.

Ich bin jemand der offene Gewalt gegenüber Pferde ablehnt und eher den Weg mit dem Pferd sucht, aber in vielen beschrieben Situationen hab ich mich selbst erkannt "Du olle Zicke, geh doch jetzt endlich mal nen runden Zirkel und hör auf meine Zeichen, sonst..." die eigentlich allesamt von mir unfair waren, aber nicht gewollt 'böse' ausgeführt worden sind. Ich mein damit dass ich nicht deswegen genervt und ärgerlich mit der Gerte rumgefuchtelt habe, weil ich meinem Pferd einen Schrecken einjagen wollte, sondern weil sie wiederholt die eine Seite des Zirkels abgekürzt hatte und ich ihr zeigen wollte 'Ne, so nicht!'

Vorhin hab ich mit meinem Vater (kein Pferdemensch, aber schon mit Verstand zum Tier) drüber geredet, und ihm einfach meine Überlegung mitgeteilt 'Warum verlangen wir überhaupt etwas von einem Tier, nur um eigene Erwartungen zu decken? Und warum muss dieses Tier dann spuren, obwohl es vllt gar nicht möchte? Oder ist das einfach alles nur durch die rosa Brille gesehen?' Er hat dann ein Beispiel von unserer Hündin genannt, "wenn sie in den Wald einem Hasen nachrennt, pfeifen wir sie zurück, obwohl sie das nicht möchte. Und genauso wenig möchte es ein Pferd warscheinlich, dass man ihm Metall in den Mund, Leder und sich selber auf den Rücken haut. Und wenn du lieber in die Halle willst, das Pferd aber Richtung Koppel, musst du dich durchsetzen."

Reiten und der Umgang mit dem Pferd war für mich immer etwas, was zusammen und in Harmonie geschehen sollte, ich aber die Kontrolle (=Macht, Entscheidung) hatte, fast wie bei einem Spielzeug. Wenn man drüber Nahcdenkt mega egoistisch und selbstverliebt. Aber versperrt einem der Weg, mit dem Pferd gemeinsam etwas zu machen was beiden dann gefällt nicht das, was man selber möchte (zB Lektionen reiten in voller Harmonie -> Pferd mag aber nicht seine Beine kreuzen) Steht dann nicht das Pferd in der Rolle, in der ich gerade bin, nämlich der Entscheider?

Mich würde interessieren was andere dazu denken, wie ihr es vllt selber macht oder machen wollt. Ich denke es gibt kein richtig oder falsch, eher ein besser oder nicht so gut. Ich hoffe ich hab das, was mir grad durch den Kopf schwirrt verständlich aufgeschrieben, fällt mir nicht so leicht :)

LG Grey

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde & reiten, 62

hi,

deine überlegung  und deine ehrlichkeit dir selber gegenüber geben hinweise in eine ganz entscheidende richtung.

du findest dich selber in den beispielen. du bist also offen für das, was du da siehst und machst dir deine eigenen gedanken dazu. wenn deine gedanken in die richtung gehen, wie es bei dir ist, dann ist eindeutig das ziel erreicht. du beginnst, zu hinterfragen - und das ist die absicht, die hinter der seite wege zum pferd steht.

nur wer sich selber kritisch hinterfragt, ist in der lage überhaupt mit offenen augen durch die welt zu gehen.

du solltest aber wissen: pferde sind hierarchisch organisiert. die erwarten, dass die richtung bei der arbeit vorgegeben wird. passiert das nicht, entwickelt das pferd eigene ideen - die für den menschen gefährlich werden können. aber - der boss ist eine art überpferd. dem ordnet man sich unter - allerdings immer mit einem kleinen blick in die richtung, man könne ja die eigene position in der rangordnung erhöhen. also nicht kommentarlos.

diese im sozialverhalten verankerte fähigkeit der unterordnung sorgt erst dafür, dass wir überhaupt in der lage sind, mit pferden zu arbeiten. würdest du dasselbe mit einem zebra probieren, kriegst du im normalfall "kurze fuffzehn" - auch noch nach monaten ganz plötzlich. deshalb ist das zebra nie zum haustier geworden.

bei den pferden gibts auch verschiedene führungsstile: ist das leittier launisch oder "eifersüchtelig", werden in einer pferdegruppe die pferde nach und nach "flüchten", das heisst,sie wandern ab und suchen sich eine neue gruppe - oder gründen selbst eine, von der das ehemalige leittier ausgeschlossen wird. oder es ist zu "lässig", so dass hin und wieder mal pferde "verlorengehen" oder die pferde ein neues leittier "pushen" (das kann durchaus passieren), wenn der boss ihren anforderungen an ihr wohlergehen nicht entspricht. und dann gibts die guten: die sorgen für ihre gruppe, passen auf sie auf und lassen ihnen trotzdem freiraum.

ein solcher solltest du für dein pferd sein. dann wird es deine position nur selten infrage stellen. und du brauchst auch nicht laut zu werden.

wenn du in der lage bist, so zu führen, dein pferd zu motivieren, wenn das pferd sich auf dich immer verlassen kann und du den sensor hast, nie etwas zu verlangen, was es nicht leisten kann, wenn du dich immer wieder hinterfragst, dann wird die arbeit zwischen dir und dem pferd zum dialog.

und dann bist du in der lage, dein pferd optimal zu fordern und zu fördern und dein pferd wird seine arbeit zufrieden und gern machen. ausserdem wird es viel schneller lernen.

ich hätte noch einen buchtipp für dich (10 euro)

vivian theby - so lernen pferde

ist unbedingt empfehlenswert, wenn du mehr über "ursache und wirkung" wissen möchtest, wenn du wissen möchtest, warum dein pferd wann was macht in der arbeit. - dann wirst du auch die wege zum pferd noch einmal mit ganz andern augen betrachten.

die zauberwörter sind: gesund, pferdegerecht, sensibilität und MOTIVATION

mit dem hinterfragen und der selbstkritik hast du bereits den ersten schritt in die richtige richtung getan.

Kommentar von GreysCT ,

Danke, deine Worte machen Mut :)

Wenn ich das richtig verstanden habe, meinst du es so wie MissDeathMetal, man muss dem Pferd klare Linien geben was man von ihm möchte, als Gegenleistung aufpassen wann es zu viel wird/wehtut und ihm Freiraum lassen, habe ich das richtig aufgefasst?

Das alles klingt nach einem mühevollem und recht langem Weg, aber mit tollem Ergebnis :)

Vielen Dank fü die Antwort!

Kommentar von GreysCT ,

Ach, und vielen Dank für den Buchtipp, das werde ich mir auf jeden Fall mal anschauen, interessiert mich sehr!

Antwort
von WesternCalimero, 60

Alleine, daß Du dir Gedanken darüber machst, ist schon mal ein Schritt in  die richtige Richtung.

Die überwiegende Mehrzahl der Pferde wird heute leider mehr oder weniger nur noch als Sportgerät gesehen. Wenn ich dann sehe, was in den letzten 20 Jahren auf Turnieren hoch bewerte wurde, schüttelt es mich.

Reiten in Harmonie mit dem Pferd ist ein sehr hohes Ziel.

Das bedeutet aber auch, daß man die Gesten des Pferdes zu verstehen lernt. Wann stellt ein Pferd eine Frage, oder wann sollte ich ein Pferd auch mal schauen lassen (und wie lange).

Das bedeutet auch, daß man das Pferd gesund erhalten muss. Dieser Verpflichtung gegenüber dem Pferd komme ich nach, in dem ich etwa 80% des Trainings Gymnastik mache. Gelegentlich rufe ich dann die gymnastischen Übungen nacheinander ab - damit habe ich dann eben mal eine Aufgabe geritten.

Es bedeutet aber auch, daß man dem Pferd unter dem Sattel Dinge gönnen muss, die für einen selbst schlichtweg langweilig sind. Als Beispiel: beim Ausreiten darf mein Pferd am Ende des Rittes immer grasen, was sie gerne möchte, auch wenn es mal 45 Minuten sind (bei langen Ritten auch mal zwischendurch). So hat jeder etwas von dem, was er gerne möchte.

Reiten in Harmonie bedeutet aber nicht, dem Pferd die größtmögliche Freiheit zu gewähren, sondern dem Pferd gegenüber ständig präsent zu sein und ihm damit zu signalisieren: "Ich passe auf dich auf". Maßregelungen kann man durchaus Pferdegerecht und ohne Gewalt durchführen. Wenn das in der Sprache der Pferde erfolgt, ist die Akzeptanz des Pferdes wesentlich größer, als wenn es in der Menschlichen Ausdrucksweise erfolgt.

Bei der Bodenarbeit hat man so viele Möglichkeiten mit dem Pferd zu kommunizieren. Setze dich mit deiner Körpersprache auseinander. Wie wirkt sie auf das Pferd? Versteht dein Pferd dich ? Wenn du das Pferd führst und eine schnelle Wendung machst, siehst Du dann zurück (ob dir das Pferd folgt), wohin zeigen deine Schultern in dem Moment und woran orientiert sich ein Pferd, wenn du die Richtung wechselst? All diese Frage musst du dir stellen. Denke darüber nach, wie ein Pferd denkt. Das ist nämlich lange nicht so kompliziert, wie Menschen denken.

Es ist nun einmal nötig, Dinge zu tun, die man nicht unbedingt mag - Du musst ja auch zur Schule gehen......

Gehe den begonnenen Weg weiter, denn nur durch den sanften Weg wird Harmonie entstehen - aber sei immer Du der Führer -alles andere endet im Chaos.

LG Calimero

Kommentar von GreysCT ,

Das viele ihr Pferd als Sportgerät sehen liegt denke ich bei den meisten an Unwissenheit. Ich wünschte man hätte mir schon viel früher den Spiegel vor Augen gehalten und mich auf andere Wege hingewiesen..

Vielen Dank für deine Hinweise, hoffe es ist nicht schlimm wenn ich sie nicht weiter kommentiere, aber ich denke ich hab alles soweit verstanden, und das was mir unklar war wurde in den anderen Antworten geklärt :)

Expertenantwort
von MissDeathMetal, Community-Experte für Pferde, 72

Ein interessanter Gedankengang, den ich auch des öfteren hatte. Solche Fragen "was dürfen wir erwarten? Was sollen wir verlangen?" usw stelle ich mir immer wieder und muss sie dann aber auch individuell beantworten. 

Wenn du dem Pferd beim longieren zeigst "so nicht!" dann hat das auch etwas mit Konsequenz und Gehorsam zu tun. Wenn du das so möchtest dann forderst du es ein, aber dann auch konsequent (entweder das Pferd darf das, oder es darf das nicht). Wichtig ist, dass das Pferd aber weiß, was es eignetlich tun soll. Ein Pferd, welches noch nie longiert wurde, wird völlig verständnislos und verwirrt reagieren wenn du selbiges tust. Wenn man sich bei etwas durchsetzen will, dann ist es essentiell, dass das Pferd weiß, was man von ihm will. Wenn Pony weiß, es soll auf den Hufschlag, aber es denkt sich "heut mal nicht" dann muss ich erst abklären warum es das so macht (irgendwas an der Ecke was es gruselig findet? Tiefer/zu harter Boden? Andere unangenehme Sachen? Hat das Pferd Schmerzen?). Wenn es keinen Grund gibt und das Pferd kürzt ab, weil es heute lustig ist (oder weil es wissen will was du dann tust, dich also testet), dann musst du dich konsequent durchsetzen und es raus schicken. Ausnahmen gibt es nicht, außer du verlangst es. 

Das Wort Gehorsam wird mittlerweile selten verwendet und hat einen negativen Klang. Viele Leute assoziieren damit ein sich unterwerfendes, willenloses Pferd das ohne selbst zu denken tut was der Mensch verlangt. Der Sklave Pferd quasi. Dabei hat Gehorsam nichts mit Willenlosigkeit zu tun. Natürlich verlange ich keinen Kadavergehorsam von meinem Pferd! Wenn ihm etwas schmerzt, es etwas komisch findet, usw dann hat es jedes Recht der Welt es mir das mitzuteilen. Aber ich brauche den Gehorsam, dass das Pferd tut was es gelernt hat und dass es sich nicht andauernd widersetzt weil es keine Lust hat oder heute mal gerne testen möchte. Der Gehorsam ist unendlich wichtig, ein unerzogenes Pferd das eigenwillig reagiert ist eine Gefahr für den Reiter, das Pferd selbst und unbeteiligte dritte Personen. Bsp: Mein Pferd muss gehorsam an den Hilfen stehen und mir zuhören. Im Gelände kann es ganz schnell böse enden wenn das Pferd dicht macht und durchgeht. Gehorsam wird nicht per Peitsche klargemacht, auch nicht durch andere Strafen. Gehorsam ist Erziehung, Unterordnung und Vertrauen. Und das hängt weniger vom Pferd ab, sondern vom Reiter. Wenn das Pferd gehorsam sein soll, sich also mir unterordnen und mir vertrauen soll, dann muss ich auch so agieren wie es ein vertrauenswürdiger Chef tun würde. 

Wenn sich mein Pferd mir anvertraut, mir folgt und mich respektiert, dann wird es alles freudig mitmachen oder zumindest Kompromissbereit aushalten, denn der Reiter wird nichts gegen den Willen des Pferdes tun und immer darauf achten, dass das Pferd es freiwillig tut. Das ist der Unterschied zum Kadavergehorsam, wo das Pferd gehorchen muss weil es sonst bittere Strafen erwartet. 

Ich hoffe man versteht meinen Text :D Es ist ein sehr komplexes Thema, das nur schwer zu beschreiben ist und was auch immer und immer wieder neu aufgerollt werden muss. Jedes Pferd ist anders und dementsprechend muss man damit umgehen. 

Zu deiner Entscheiderrolle: Pferde sind i.d.R. sehr kompromissbereit wenn sie dir vertrauen können und gerne mit dir arbeiten. Dein Beispiel: Du möchtest die Lektion Beine kreuzen, dein Pferd findet das aber total doof. Du hast also drei Möglichkeiten: Auf die Lektion verzichten, die Lektion trotzdem erlernen oder aber die Lektion einfordern mit allen Mitteln. 

Wenn du sagst, das Pferd mag diese Lektion nicht und sie ist mir jetzt auch nicht so wichtig, dann kannst du entscheiden sie sein zu lassen. Das entscheidet dann nicht das Pferd. Das Pferd sagt nur, das mag ich nicht. Und wenn du sagst "ok, das akzeptiere ich. Wir lassen das" dann hast das du entschieden. Wenn die Rangsituation bei euch geklärt ist, dann wird es das Pferd ermuntern, da es merkt, dass du es verstehst und es nicht zwingst. Es kann aber auch sein, dass das Pferd gar nicht wirklich nicht wollte, sondern getestet hat. Dann wird es nochmal testen. Gibst du dann wieder klein bei kannst du dir ein Problem schaffen, weshalb es sehr wichtig ist, dass du erkennst ob das Pferd etwas wirklich nicht möchte oder nur gerade nicht mag und testet. 

Die zweite Variante wäre ein Kompromiss. "Komm, wir machen das jetzt einmal und dann ists gut." D.h. das Pferd erlent es trotzdem, aber du respektierst dass es die Lektion nicht mag und forderst sie nicht oft. Die dritte Variante auf Teufel komm raus ist abzulehnen. Sein Pferd zu zwingen, notfalls auch mit Gewalt, zerstört jegliches Vertrauen. Das Pferd merkt, du hast keine Ahnung wie es sich fühlt und nimmst es nicht wahr und ernst. Es kann sich dir nicht anvertrauen. 

i.d.R. sind Pferde sehr Kompromissbereit. Meine alte RB hasste es, wenn ich sie mit dem Ball abwarf. Das hat man ihr richtig angesehen dass sie das doof fand. Trotzdem gehörte das zu unseren Anti-Scheu-übungen und sie muss das nunmal etwas abkönnen. Sie kann ja nicht immer gleich losrennen wenn man ein kleiner Ast auf sie runterfällt. Also haben wir das trotzdem gemacht. Aber nur 2x auf jeder Seite, dann haben wir was ganz tolles, spaßiges gemacht. Sie ha akzeptiert, dass das mal muss. Und ich habe akzeptiert, dass sie das nicht mag. wir sind trotzdem auf einen gemeinsamen Nenner gekommen ;) 

Wie gesagt, das Thema ist komplex und wenn ich weiterschreibe passt der Roman nicht mehr auf eine Seite... aber teile deine Gedankengänge doch bitte in einem Kommi, es ist immer wieder interessant zu erfahren wie andere darüber denken :)

Kommentar von GreysCT ,

Ou vielen Dank, ich hatte eigentlich mit einer typischen GFnet-2Wörterantwort gerechnet! :D

Das ist mal ein ganz anderer Blickwinkel.
Die Sache mit der Konsequenz ist eine große Schwäche bei mir, ich nehm es mir immer wieder vor, scheiter dann aber meistens in Krisensituationen daran, oder genauer gesagt an der Laune, die ich gerade habe..

Und in die Richtung wie du es beschreibst hab ich noch gar nicht gedacht, obwohl sie am angenehmsten und effektivsten für beide Seiten klingt. Quasi eine Art Beziehung :)

Deine Beispiele haben sehr geholfen, nur hab ich eine Frage, die zwar nur bedingt zum jetzigen Thema gehört, mir trotzdem wichtig ist: Wenn es darum geht wenn man entscheiden muss ob das Pferd einfach die aktuelle Situatiion nicht mag, oder ob es einen testet. Die Frage mag dämlich klingen, aber wie entscheidet man das, wenn ich nichts 'feststellen' kann was auf testen wie spielerisch mit dem Kopf nicken, Schweif hochstellen oder so, beziehungsweise wie gehe ich damit um wenn ich nicht weiß was oder auf welche Art das Pferd das tut.

Wieder ein Beispiel aus meinem Alltag: Mein Pflegepony hat mit 'Kadavergehorsam' das longieren gelernt bekommen (nicht von mir) also bekam die Longe ans Gebiss(!) gehängt, und ist vor der Gerte weggerannt. Bis vor ein paar Tagen wusste ich noch gar nicht wie komplex das Thema longieren ist, aber ich hab vor ein paar Monaten damit angefangen, Thema Longe zu 'entfürchten'. Erst an die Gerte gewöhnen, dann bisschen im Kreis führen usw. Mittlerweile ist es kein Problem, Schritt zu gehen und auf Wunsch anzutraben und wieder durchzuparieren, bis auf ein paar Fälle: Sie deutet manchmal jedes heben meines Fingers als Zeichen anzutraben, und dass dann möglichst ketisch, unkonntrolliert und im schnellsten Tempo, bis es dann im Galopp mit erhobenen Schweif endet. Ich weiß in solchen Situationen nicht, ob es jetzt die alte Panik, einfach Übermut oder austesten ist.
Wie gehe ich mit solchen Situationen um?

Vielen Dank aber auf jeden Fall für deine Antwort, sie hat mir sehr weitergeholfen und jetzt hab ich noch eine Sichtweise, über die ich grübeln kann! :D

Kommentar von MissDeathMetal ,

Man muss sich auch bewusst sein, dass nicht jeder Mensch als Führungsperson geeignet ist. Das ist auf den Menschen, wie auch auf den Reiter bezogen. Nicht jede ist als Cliquen-führer geeignet, bei Mädchengruppen in der Schule merkt man das oft. Es gibt Leute, die übernehmen generell die Führung. Entweder, weil andere Angst vor ihnen haben, oder aber, weil sie von den anderen geschätzt werden und weil sie dieser Person die Führung und Organisation der Gruppe zutrauen. Dann gibt es Leute, die wären gerne der Gruppenchef, kommen aber nicht ans Zepter. Häufig, weil sie nicht geeignet sind (nicht anerkannt, nicht vertrauenswürdig, nicht so beliebt, zickig, usw). Und dann gibt es Leute, die sind eher die Mitläufer. Deswegen sind sie aber nicht gleich unzufrieden, viele sind einfach froh dass sie in einer Gruppe sind wo sie Freunde haben. Es gibt Leute, die sind Führungspersönlichkeiten. Und es gibt Leute, die sind es nicht oder welche, die es sein wollen aber nicht die Fähigkeiten dazu haben. Exakt das beobachtet man oft in der Reiterwelt. 

Ich meine, es ist ja verständlich und logisch, wenn man sich mal anschaut wie viele Leute eigentlich reiten oder anderwaltig mit dem Pferd zu tun haben. Das können nicht alles Führungspersönlichkeiten sein. Und man kann auch nicht von jedem erwarten, dass er das kann. ABER man kann es erlernen. Du bist dir immerhin bewusst, dass du nicht jeden Tag gleich konsequent bist und damit bist du den meisten schon einen ganzen Schritt voraus. Viele denken, sie machen alles richtig und... naja. Vllt bist du jetzt noch nicht so konsequent wie du es sein möchtest oder solltest, aber das heißt nicht, dass du das nicht noch werden kannst. Der erste Schritt zur Besserung ist ja schon getan, und wenn du jetzt immer wieder selbst daran denkst, dass du konsequent und nicht launisch sein möchtest, dann kannst du dir dem bewusster werden und daraus lernen. 

und nur weil man keine vollpower-Führungspersönlichkeit ist heißt das nicht, dass man gar nicht mit Pferden arbeiten kann. Es gibt Kombis, die laufen wirklich überraschend gut. Kenne bspw eine Frau mittleren Alters und ihren Tinker. Sie ist eher so der "ach komm schon, du kannst jetzt nicht grasen!"-Typ, der eher danebensteht und bittet statt hinzufassen. Und ihr Wallach ist mindestens genauso tüddelig. Bis der mal was kapiert ists schon vorbei. Ich werde mit dem Pferd wahnsinnig. Andere Pferde werden mit der Frau wahnsinnig. Aber die zwei zusammen - Topf und Deckel! Es gibt halt einfach kein Schema F :D

Ich persönlich lasse den Tag nachdem ich im Stal war nochmal revue passieren. Gehe nochmal durch mit welcher Stimmung ich in den Stall gegangen bin, und mit welcher wieder raus. Was hat gut geklappt, was hapert noch ein bisschen. Und war ich konsequent und freundlich genug? Wenn man sich schlechtes und gutes bewusst macht reagiert man künftig auch besser drauf. 

Ja, ich sehe die Pferd-Reiter-Beziehung als Beziehung :) Jeder ist ein Individuum für sich, und nur weil ich etwas sehr gerne mag, mag es mein Pferd nicht zwingend auch. Wichtig ist einen Kompromiss zu finden mit dem beide leben können. Wenn immer einer übergangen wird, ist das auch nichts und macht unglücklich. In einer Beziehung muss man sich respektieren und akzeptieren und auch mal nachgeben. Mensch-Mensch genauso wie Pferd-Mensch. Und jeder hat mal einen schlechten Tag. Man darf ihn dann nicht auslassen, aber ich glaube nicht, dass es uns das Pferd übel nimmt wenn wir mal knirschig sind. Sie sind es ja auch hin und wieder mal :)

Ich finde es sehr gut, dass du dir die Zeit für das korrekte Longieren nimmst! Und auch, dass du das Pony wieder heranführen möchtest, ohne Angst und Zwang. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht. Deshalb: Top! 

Manchmal ist es sehr schwer zu unterscheiden, ob ein Pferd testet oder ob es etwas nicht mag. Wenn ich das Pferd sehr gut kenne, dann weiß ich das i.d.R. schon aus anderen Erfahrungen. Bspw wenn das Pferd generell ungern seitwärts geht, dann wird es auch das Überkreuzen auf Kommando nicht so mögen. Natürlich muss vorher alles mit TA und Osteo/Physio abgeklärt sein, dass das Pferd auch gesund und schmerzfrei ist. Wenn ich nicht rausfinden kann, ob das Pferd testet oder es nicht mag, dann breche ich ab und mache etwas, was es toll findet und wobei es motiviert ist. Danach probiere ich es nochmal. Pferde, die zuvor getestet haben, vergessen häufig, was sie vorher noch vorhatten. Pferde, die es nicht mögen, werden es auch nach der Pause nicht mögen. Wenn man sichergehen möchte probiert man es am nächsten Tag nochmal. 

Wenn dein Pony auf Fingerzeig losstürmt, dann gibt es eben vier Optionen: 

a) das Pferd hat die alte Scheu. Es erwartet die Gerte/Peitsche und rennt. Wenn das der Fall ist, dann solltest du das Pferd gegen diese Bewegung sensibilisieren, d.h. sie erst auf kurze Distanz machen und immer loben, damit das Pferd erkennt, es passiert nichts. 

... und ich brauch nen 2. Kommentar :D 

Kommentar von MissDeathMetal ,

Allerdings wird das Pferd es auch so irgendwann verstehen wenn nichts schlimmes kommt. Pferde sind grundsätzlich Energiesparer. Wenn es merkt, es passiert nichts, dann wird sich das losgerenne einstellen. 

Voraussetzung ist allerdings, dass deine Körpersprache nicht "lauf!" sagt. D.h. du darfst bei dieser Bewegung die du machst selbst nicht daran denken, dass dein Pony wieder losschießt. Wenn es im Schritt ist und du machst diese Bewegung, dann denke dabei an den Schritt, und dass das Pferd im Schritt bleibt. Unsere Gedanken übertragen sich komplett unbewusst auf unsere Körpersprache. Denkst du "Oh nein, jetzt rennt sie wieder" dann wird dein Körper entweder schützend reagieren (Schultern hoch, Kopf einziehen, Arme leicht vor die Brust, Bauch einziehen, leicht in die Knie gehen, evtl Füße Richtung Ausgang drehen zur Fluchtbereitschaft) oder aber antreibend, weil du ja selbst daran denkst, dass sie läuft (aufrecht, die hintere Hand näher kommend, Brust gestreckt, leicht in die Knie gehend). Wenn deine Körpersprache so ist (am besten mal von jmd filmen lassen!) dann kann das Pferd da nichts dafür. Das positive daran wäre, dass es dann sehr sensibel auf Körpersprache reagiert. Der Ansatz wäre dann, deine KS für dich wahrnehmbarer zu machen und sie dann geschickt einzusetzen.

b) Übermut. Wenn dein Pferd übermütig ist, dann merkst du das wenn es wieder ruhiger wird. Ein Pferd, das gerade seinen Übermut ablassen konnte, hat i.d.R. glänzende Augen, ist aufmerksam, spitzt die Ohren und trägt den Kopf hoch. Nach ein paar runden senkt es ihn dann und entspannt sich. Übermütiges herumtollen ist eine Art des Energieloswerdens. Danach sind die Pferde entspannter und losgelassener, weil die aufgestaute Energie weg ist. Wenn ich das Gefühl habe, mein Pferd ist heute besonders frisch und knackig, dann lass ich es erstmal frei laufen und spiele evtl etwas mit ihm. Oder lass es seine Bahnen rennen, wie es will :D Ein geladenes Pferd zur Arbeit zu zwingen ist schwierig und unnötig. Besser ist es, man lässt es mal abladen und macht dann weiter. Dein Pferd wird es dir danken :) 

c) Austesten. Schwierig zu erkennen wenn man weiß, das Pferd hatte keine guten Erfahrungen mit dem Longieren. Ein Pferd das testet ist aufmerksam auf dich. Ein übermütiges, welches Dampf ablässt, ist freudig und hat nur ein halbes Auge auf dich. Ein Pferd, das aus Scheu und Angst heraus agiert, beachtet dich kaum mehr, es will sich ja irgendwie retten und in sicherheit bringen. Ein Pferd das testet behält dich wiederum im Auge, es will wissen wie du reagierst. Ganz besonders clevere/gemeine Pferde suchen schon das nächste "Schlupfloch" zum testen während du versuchst das aktuelle Problem zu lösen. solche Pferde sind nervig aber auch unglaublich gute Lehrer. Bei Pferden mit Vorgeschichte ist es oft nicht einfach zu ureilen, ob es testet oder flieht. Trotzdem darf man sich nicht in "der Arme, er hat so schlechte Erfahrungen und hat Angst" verirren, denn so verharmlost man das Pferd und die Situation. Sollte das Pferd testen merkt es ganz schnell, dass es damit durchkommt und wird es immer wieder anwenden. Das ist häufig der Fall, wenn ein Pferd immer "schlimmer" wird, obwohl der Reiter ihm nie was getan hat. 

Wenn du dir bei deiner RB unsicher bist, ob er testet oder scheut, dann handle einfach immer gleich: Brems ihn runter und lob ihn, wenn er wieder ruhig ist. Kein innerliches "Der Arme" oder "Der Depp", einfach runterbremsen. Konsequent runterholen, loben und gut ists. Wenn er scheut merkt er, dass nichts schlimmes kommt und dass du ruhig und entspannt bleibst. Wenn er testet, dann wird er zwar merken dass du ihn nicht mit Gewalt aufhälst, ihn aber auch wieder abbremst und einfach weitermachst, ergo, dass er keinen richtigen Erfolg damit hat. 

Ob er scheut oder testet ist auch Formabhängig. Vllt ängstigt ihn beim 1. mal losrennen wirklich etwas, beim 2. mal hingegen testet er. Pauschal kann ich dir nicht sagen wann er was macht, dafür musst du ein Gefühl bekommen. Bis du dieses Gefühl hast ist runterbremsen, gelassen bleiben und loben  die sicherste Methode :) 

Kommentar von GreysCT ,

Was ein Buchstabenberg :D 

Ich hab mal von Kursen für Firmenchefs in spe gehört, die bei den Pferden ablaufen, um die Fähigkeit Führungsperson zu erlernen, weil Pferde sich nicht von einem falschen lächeln, sondern jemanden der Sicherheit/Freiraum geben kann führen lassen - im Prinzip dass was hier überall in den Antworten und in deinem Kommi steht.
Und das mit dem Tinker klingt super :D

Das mit dem nomchal über den Tag denken find ich nützlich und mache das auch meistens, vllt bringt es ja auch was sich kleine Notitzen zu machen, in welcher Situation man künftig anders handeln sollte.

Du hast ne tolle Einstellung gegenüber Pferden :)

Ou, von korrektem longieren sind wir noch weit entfernt! Ich finde sowas auch selbstverständlich, schon allein deswegen weil man ein Tier 'leiden' sieht und dabei zuschaut. Und danke :)

Die Idee mit dem Ablenken find ich gut, hoffe ich erinner mich dran wenn ich in so einer Situation bin.

Auf meine Körperspr achte ich während dem longieren eigentlich sehr, und bewusst ist mir noch nie etwas aufgefallen. Vllt doch mal filmen lassen.
Ihr Verhalten ist so ein Mischmasch aus denen die du aufgezählt hast. Eigentlich ist das Traben kein Problem, nur wenn sie einmal angefangen hat heizt sie sich daran hoch, dh zwei drei Runden traben am Stück okay, dann parier ich sie meistens eh durch und lass sie Schritt gehen, übertreiben mag ich noch nicht. Bis dahin alles okay, Pferd sieht auch noch entspannt aus. Ab da wird es unterschiedlich, entweder sie feuert ganz einfach aus dem Schritt los, oder erschreckt sich von einem Geräusch im Stall, was normalerweise kein Problem ist (hier tipp ich dann meistens auf testen) oder sie reagiert hochsensibel auf einen Schritt in ihre Richtung oder ein Arm anheben, was in der Anfangsphase noch nicht schlimm war (hier dann eher Panik?) und ab da trabt sie, kommt oft und unabhängig vom Auslöser nicht mehr runter und rennt. Aufhören tut sie unterschiedlich, entweder gehts nach ein paar Runden wieder, oder ich muss einen Notstopp einlegen. Einmal hab ich sie laufenlassen, und nach ner ganzen Weile hat sie gepumpt wie blöde, ist aber immernoch nicht durchpariert. Hier hab ich dann abgebrochen, weil sie merklich völlig fertig war.
Leider kann ich keine Verbindungen zwischen Auslöser und 'Folge', also wie schnell/ob sie wieder runterkommt festmachen.
Ich verlier nur immer viel zu schnell die Geduld und werde unfair, was sich aber glücklicherweise schon erheblich gebessert hat..

Aber du hast wohl recht - das muss ich sehen und gelassen überstehen lernen :)

Antwort
von DCKLFMBL, 48

Gut das du dir Gedanken machst! :-)

ich denke wenn man ein Pferd als Freund gewonnen hat und mit ihm Umgeht, wie die Pferde unter sich dann braucht man solche ''Zwangsmittel'' nicht, weil das Pferd freiwillig den Weg zur Halle geht, und es das gerne macht, weil wir es nicht Drängen, sondern wir vorher sein Vertrauen gewonnen haben, und es sich bei uns sicher, und wohl fühlt - ich denke dann haben wir es geschafft mit einem Pferd richtig Umzugehen! :-)

ich stelle mich mit meinem Pferd auch mal gerne einfach mit auf die Wiese und gucke ihm Bein Grasen zu - wie Weidekumpels untereinander es auch tuen würden, oder ich arbeite mit meinem Pferd auch gerne mal - Frei ohne jeglichen Zwang! wenn ich reite, dann nur Gebisslos und am liebsten und meisten im Gelände, und ich lasse es dann auch da mal einfach nur Grasen und geniessen :-) so finde ich das schön, und Fair dem Pferd gegenüber!

und wenn mein Pferd mal Angst hat oder einfach nicht weiterläuft, dann bin auch auch nicht die, die Unbedingt drauf bleibt um dem Pferd ''zu zeigen wer der Herr ist'' sondern ich Unterstütze mein Pferd vom Boden aus und gebe ihm die Sicherheit, die er gerade braucht - ich denke nicht das das immer Verlieren bedeutet wenn man Absteigt und mit dem Pferd auf Augenhöhe Kommuniziert :-)

ich finde es einfach am schönsten mit dem Pferd natürlich umzugehen und nur Sachen zu tuen, die beiden Spaß machen, wie z.B Freiarbeit auf der Koppel usw. 

ich hoffe ich konnte dir Helfen! :-)

Kommentar von GreysCT ,

Vielen Dank für die Antwort, deine Sicht ist wieder ein bisschen anders, aber ähnlich! :)

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Pferde, 19

Ist jetzt gerade die Storyzeit ausgebrochen?

Das was du wissen willst kann man dir nicht beantworten. So zumindest nicht.

Deine Story hat kaum einen Zusammenhang und du solltest dir die Fragen rausschreiben, die du beantwortet haben willst, sonst müsste ich hier keine Story schreiben, sondern einen Roman.

Kommentar von GreysCT ,

Meine Frage wollte ich auch nicht in zwei drei Sätzen zusammenfassen, weil mich das Thema gerade sehr beschäftigt und ich quasi meine Gedanken aufgeschrieben habe. Das habe ich so gut ich es kann versucht zu strukturieren.

Ich wollte die Meinung von anderen zum Thema Umgang mit dem Pferd hören, egal ob die Antwort jetzt 5 oder 50 Zeilen lang ist :)

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