Wie geht man mit Leuten um, die an Schizophrenie erkrankt sind?

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7 Antworten

Also ich hatte mal eine Kollegin mit einer solchen Erkrankung. Leider war ich so ziemlich der Einzige, der davon etwas mitbekommen hat. Dafür aber gleich richtig. 
Die Anderen hileten sie einfach für seltsam und waren auch zumindest auf einem Auge blind.

Meine Meinung: Es ist sinnlos, sich gegen den momentanen Wahnsinn zu stemmen. Der Mensch ist dann total in einer anderen Welt.

Einmal ging sie im Gang an mir vorbei, ängstlich und mit verzerrtem Gesicht, dabei mit dem Rücken an die Wand gedrückt. Grad so, als wäre sie nun gerade dem lange gesuchten Frauenmörder begegnet.

Dummerweise hatte sie auch noch Gefühle für mich und auch mir war sie nicht gleichgültig. Hab aber auch eine Weile gebraucht, das tatsächliche Ausmaß zu erkennen.

Mir hat sie übrigens schöne Augen gemacht, nebst klaren Andeutungen, bei Kollegen und beim Abteiler sich aber beschwert, ich würde sie belästigen.

Zu meinem Glück hatte sie aber ein gewisses amtsbekanntes Vorleben, was von mir nun wirklich niemand sagen konnte. Kolleginnen sind reihenweise zum Vorgesetzten gelaufen und sagten, ich hätte sie nie belästigt.

Wenn sie klar war, war sie ein durchaus intelligenter und liebenswerter Mensch.

Nachdemm, ich in einer anderen Filiale beschäftigt war, wollte ich sie noch um eine Unterredung bitten. Sie lief auf dem Gehweg, ich hielt neben ihr, Fenster runter, alle Türen zu. Als sie mich erblickte sah sie wohl wieder den Teufel und rannte panisch davon.

Zwei Tage später hatte ich einen Brief von einem Anwalt, ich hätte versucht, sie in mein Auto zu zerren. Im Wiederholungsfall würde Anzeige erstattet. Na danke sehr.

Hab dem auf Band gesprochen, dass sie bitte sehr nicht mehr stundenlang vor meinem Wohnhaus patrouillieren möchte, keine Fotos von sich in den Briefkasten werfen und auch die dämlichen Anrufe sein lassen sollte. Meine Frau wäre wenig erfreut darüber.

Dies war mein allerletztes Erlebnis mit ihr und das war gut so.

Dein Fall liegt ja nun deutlich anders. Trotzdem wollte ich dir meine Erlebnisse mal schildern. Dir kann ich nur raten, darauf zu achten, dass dein Vater immer gut mit seiner Medizin versorgt ist und diese möglichst auch ständig einnimmt. Es ist sehr wichtig, denn nur so lässt sich die Erkrankung einigermaßen im Zaum halten.

Wünsch dir jedenfalls viel Glück und sei stark. Denke immer daran, er kann nichts dafür und es kann jeden Menschen treffen.


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Kommentar von lalala7697
21.10.2016, 22:35

Vielen Dank für das schildern deiner eigenen Erlebnisse. Finde sowas immer sehr interessant. Und auch ein großes Dankeschön fürs Mut machen, hatte ich gebraucht.

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Guten Morgen,

es ist richtig, hier die Frage zu stellen und eine Antwort zu bekommen die tatsächlich deinem Vater und dir selbst helfen kann, ist sehr unwahrscheinlich.

Dein Beispiel aber mit dem vergiftetem Essen, animierte mich nun doch dazu, dir etwas aus persönlichen Erfahrungen dazu mitzuteilen. Ohne eine Garantie des Erfolges und auch nur als Anregung gedacht.

Die Tortur des Füttern von älteren Menschen mit der von dir beschriebenen Symptomatik der Krankheitsbilder, dazu noch eine mittel schweren Demenz, bedarf einer hohen Portion an Geduld in der Pflege solcher Menschen.

Wenn die Demenz in meinem Beispiel nicht gerade „die Oberhand“ hatte, war es mir möglich durch ein Gespräch, dessen Inhalt immer verknüpft war mit bekannten Familien Ereignisse, ein Verhältnis des Vertrauens aufzubauen. Erst wenn diese entspannte Situation erkennbar war, bestand die Möglichkeit des „Füttern“. 

Im Falle von Abwehrhaltung, bei parallelen Aussagen: „das Essen sei vergiftet...“, hatte ich den größten Erfolg durch „Voressen“! Ich nahm also einen zweiten Löffel und schlürfte genüsslich die Suppe. Dabei beobachtete ich genau ihre Körpersprache. (eingeschränkte Motorik)

Bei erkennen des Willen auch diese Suppe zu „schlürfen“, durch andeutende Armbewegung zum Suppenteller, oder öffnen des Mundes usw., konnte ich sie füttern.

Ich muss aber dazu sagen, es bedarf sehr viel Zeit und ein persönliches Engagement um eine Basis-Situation des Vertrauens zu schaffen. 

Bei Familienmitgliedern ist es umso schwieriger, wenn es im Vorfeld der Anamnese soziale Schwierigkeiten jeglicher Form bestanden haben.


In jedem Fall ist der Rat und die Hilfe in deinem oder deines Vaters nahem Umfeld angesiedelten Therapeutischen Einrichtungen (mal allg. zgf. Ausdruck), in Anspruch zu nehmen.


Lg Opa



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Mein Vater ist auch an Schizophrenie erkrankt... 

Ein Beispiel von mir: Mein Vater ist auch Paranoid und letztens (Nachts) dachte er das hinter auf unserem Hof im Sandkasten einer lag. Er war fest davon überzeugt das es so ist. Ich bin mit meinem Vater zum Balkon gegangen und haben geguckt aber da war nichts. Da war nur halt ein buckel aber da lag keiner. Er aber meinte es und ich Stimmte ihn einfach zu. Weil wenn ich jetzt nein sagen würde, würde er Diskutieren. Aber danach sah er selbst das da wirklich nichts war und bejahte es. 

Er sollte aufjedenfall professionell untersuchen lassen und eine Therapie haben. Mein Vater bekommt monatlich auch Spritzen damit er nicht kränker wird. 

Und ich habe mal von einem bekannten gehört das wenn man zu einem Schizo kranken das gegenteil sagt was er behauptet dann macht er es nicht. Also wie soll ichs sagen... z.B. zwei Schizo kranke sind im Dach und machen eine Wette das wer erster sich runter fallen lässt gewonnen hat. Wenn man dann wohl sagt oder anfeuert das er es machen soll machen sie es wohl nicht. Ob es stimmt weiß ich nicht aber mir wurde es mal halt erzählt. 

Man sollte solche leute immer zuhören und recht geben. Auch wenn es nicht Stimmt oder keine Wahrheit ist. Man sollte auch nichts reden was ihm deprimieren lässt weil sie dann nur an das denken was man gesagt hat. 

Da mein Vater auch Paranoid ist haben wir es sehr schwer mit ihm. Er behauptet öfters z.B. das meine Mutter angeblich mit anderen Männern etwas macht was aber nicht stimmt und es ensteht dann ein streit was wirklich tagelang dauert. Ich jeweils ignoriere es weil es unnötig ist jetzt ohne grund aufstand zu machen. 

Ich hoffe du verstehst mich auch und hoffe das meine Antwort hilfreich war.. 😊 

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Den Tipp kenne ich auch und habe auch gutes davon gehört...
Hier mein Tipp dazu: befolge ihn einfach:) außerdem kannst du deinen Vater im bewussten Zustand einfach mal fragen, was ihm gut tun würde.

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Frag das bitte den behandelnden Arzt, da diese Erkrankung sehr vielschichtig ist. Es gibt keine pauschale Antwort, denn die Menschen sind trotzdem sehr individuell und die Therapie findet ja auch nicht nur in der Praxis statt. Es ist gut, dass du die Frage stellst, aber du stellst sie den falschen, und ein falscher gutgemeinter Rat kann gravierende Folgen haben.

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Kommentar von Sonnenstern811
21.10.2016, 22:49

Vielleicht gibt es dazu ja auch Selbsthilfegruppen für Angehörige? Sollte zumindest der Fall sein, wenn nicht, wäre es sehr traurig.

Mit dem behandelnden Arzt, der hoffentlich ein guter seines Fachs ist, zu reden,  ist natürlich extrem wichtig. Auch er kann ja auf Grund der Schilderungen nahe stehender Menschen des Erkrankten wertvolle Tipps zur erfolgreichen Behandlung erfahren.

Vom Patienten selber erfährt er vermutlich nichts allzu Gravierendes. Jedenfalls weiß ich nicht, inwieweit sich der Patient dann noch selber an seine schlimmen Eindrücke erinnert und wie er die dann selbst sieht.

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Zustimmen ist eher nicht so gut, da das den Wahn verstärken kann.
Es leugnen ist aber auch nicht gut.
Am besten sollte man die Wahnvorstellungen akzeptieren & tolerieren.
Hiflfreich sind antworten wie

"Ich kann mir nicht vorstellen , dass dieses Essen vergiftet ist , aber wenn du das so wahrnimmst können wir neues holen/kaufen/kochen etc."

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Hallo lalala,

am meisten geholfen ist deinem Vater zunächst, wenn du ihm zuhörst.
du musst Ihm nicht Recht geben, aber sag ihm auch auf keinen Fall dass es Quatsch ist was er da tut. Versuch herauszufinden, was für Gefühle  dein Vater in dem Moment hat und gehe auf ihn ein, lenke ihn gegenbenfalls etwas ab.

" The Beautiful Mind" ist ein sehr guter Film der über Schizophrenie  und Wahn  handelt.

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Kommentar von lalala7697
21.10.2016, 22:24

Vielen Dank für den Filmtipp. Schau ich mir auf jeden Fall demnächst an.

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