Frage von NilsLeh, 135

Wie geht man mit einer depressiven Person richtig um?

Hallo, ich bin 16 Jahre alt und bin nun mit meiner Freundin seit einem Monat zusammen. Wir kennen uns nun schon seit über einem halben Jahr und sie erklärte mir schon nach einiger Zeit, dass sie Depression habe und Medikamente dagegen nimmt. Am Anfang hat die Krankheit unsere Beziehung nicht so stark beeinflusst wie momentan. Ich habe momentan das Gefühl keine Anerkennung mehr zu bekommen. All das belastet mich momentan sehr stark und zieht mich auch mit nach unten. Nun stelle ich die Frage: Wie sollte man am besten mit einer Freundin bzw. Partnerin umgehen, welche Depression hat und man selbst nicht allzu stark nach unten gezogen werden möchte, um damit die Beziehung nicht zu belasten?

Antwort
von Malavatica, 46

So normal wie möglich, aber auch so verständnisvoll wie möglich. 

Akzeptiere die schlechten Phasen als eben solche, in denen deine Freundin nicht anders kann. Da hilft kein Aktionismus oder Fröhlichkeit. 

Sei einfach da, ganz normal als Freundin. Und wenn du selbst Auszeiten brauchst, dann sage ihr das. Wenn ihr miteinander redet, wird sie das verstehen. 

Viele Depressive ziehen sich genau aus dem Grund zurück. Weil sie wissen, dass es für andere anstrengend ist und weil sie sich unverstanden fühlen. Mit dem Ergebnis, dass sie sich noch schlechter fühlen. 

Antwort
von AriZona04, 65

Ich kenne auch eine depressive Person und kann dir aus Erfahrung sagen, dass es nicht einfach ist! Da kann man ablenken und Sonnenschein pur sein, da geht manchmal gar nichts. 

Mit diesen Menschen umzugehen lernen wir nicht in der Schule! Ich habe manchmal das Gefühl: Am besten gibt es diese Personen gar nicht.

Aber Du kannst Dir trotzdem Hilfe holen: Es gibt sicherlich in jeder Stadt Hilfezentren, wo auch Angehörige Hilfe bekommen. Wenn Du nicht weißt, wie es in Deiner Stadt heißt, dann frag einen Allgemeinarzt, der hat Adressen! Und trotzdem Du kein Angehöriger bist, wirst Du dort Ratschläge bekommen!

Kommentar von 775smutje ,

Bitte was?! Am besten gibt es diese Personen gar nicht?! Pass lieber auf was du sagst, das ist ein Tanz mit dem Tod für manche!

Antwort
von Ostsee1982, 42

Von einer depressiven Person die selbst belastet ist, kannst du auch keine Anerkennung bekommen, weil das für sie derzeit nicht möglich ist. Andere Menschen in aktiven depressiven Phasen verlieren auch gerne komplett den Bezug zu ihren Gefühlen und beenden nicht selten Beziehungen, schotten sich ab, machen dicht. Du schreibst "um damit die Beziehung nicht zu belasten". Die Beziehung ist seit Beginn an belastet und wird es auch bleiben. Du kannst dich nur abgrenzen, dich emotional nicht mitreißen lassen und dein eigenes Lebens weiterleben, mehr geht nicht außer trennen..

Für den Partner da sein, ihm die Hand reichen, ja aber du bist nicht der Psychotherapeut der dafür verantwortlich ist die Gründe der Depression zu analysieren.

Antwort
von frax18, 53

Das Problem ist bei depresiven Menschen, dass sie immer mehr in eine Nebelwand hineinrücken und allen Optionen gegenüber blind werden. Von eigenem Antrieb ganz zu schweigen...

Menschen gehen unterschiedlich damit um, aber die meisten ziehen sich zurück und scheuen mehr und mehr den Kontakt zu anderen, weil sie selbst merken, dass ihre Gegenwart andere zusehends belastet.


Wenn sie deine Freundin ist, gehe ich mal davon aus, dass du ihre eine enge Vertrauensperson bist. In diesem Fall solltest du mal versuchen ihre Probleme und Sorgen herauszubekommen. Wichtig ist natürlich ein diskreter Umgang damit. Kritik und Vorurteile machen es nur schlimmer! Sie muss schon selbst auf die Lösung stoßen und willens sein etwas dagegen zu tun, aber du kannst ihr den Weg ebnen und dies vereinfachen. An erster Stelle musst du ihr zuhören, wenn du sie fragst und Interesse an der Thematik zeigen. Wenn du einiges weißt kannst du eventuell Lösungen aufzeigen. Sie wird dir sicher sagen, dass das nicht geht. Versuch ihr daher einfachere Wege zu zeigen, die es möglich machen...

Und ja, manchmal ist es einfach nur hilfreich, wenn du zeigst, dass du für sie präsent bist und nicht los lässt, aber aufdringlich solltest du auch nicht sein.

Antwort
von veronicapaco, 20

Die anderen antworten beschreiben es schon ziemlich gut. Aber ich würde noch sagen das du besser mit ihr reden sollst. Jeder möchte anders damit umgehen und auch anders behandelt werden.

Antwort
von Realisti, 67

Depressive sind oft antriebslos oder desinteressiert. Ihnen fehlt einfach die Kraft sich für was aufzuraffen.

Für den Partner ist das nicht ganz einfach. Oft muss er Kraft für Zwei haben.

Deine Freundin ist noch in der Pubertät. Manche Formen der Depression verschwinden mit der Pubertät. Leider nicht alle.

Eigentlich geht es vielen Depressiven gerade im Spätsommer/Herbst besser. Aber das scheint bei deiner Freundin nicht zu sein.

Wenn du gar nicht mehr weiter weißt, dann frag sie selber was ihr gut tut. Im Notfall würde ich mich mal mit den Eltern besprechen. Die werden sich auch intensiv mit der Krankheit ihres Kindes auseinander gesetzt haben. Die haben bestimmt gute Ratschläge.

Alle sagen immer: "Oh, hab Verständins, das Kind ist doch depressiv!" Mich hat das immer geärgert.(Ohne Begründung, rein instinktiv.) Meinen Sohn habe ich dann immer extra aus dem Bett und ins Leben geworfen. Im Nachhinein sagt er, dass es hart aber gut für ihn war. Ich habe ihm nichts geschenkt. Das war auch für mich hart. Ob das bei allen Formen der Depression funktioniert und auch gut ist,  weiß ich natürlich nicht.

Kommentar von Malavatica ,

Tut es nicht. Du kannst einem Depressiven nicht sagen, dass er sich zusammenreißen soll. Das funktioniert nicht. Das ist ja gerade das Problem von Depression. Da geht manchmal einfach nichts. Aber es würde schon helfen, wenn Freunde oder Verwandte das als Fakt akzeptieren. 

Kommentar von Realisti ,

Ich habe nie gesagt, dass ich die Krankheit nicht respektiere. Ich stehe nur auf dem Standpunkt, dass man ihr nicht nachgeben darf sondern aktiv dagegen angehen muss. Wenn man nur im Bett liegt, schläft oder die Decke anstarrt passiert nix. Wie denn auch. (Mit Tabletten oder auch ohne.)

Manchmal denke ich: "Das gab es bestimmt schon in früheren Zeiten. Was wäre passiert, wenn man so damit z. B. vor 50 oder 100 Jahren umgegangen wäre?" Das wäre vermutlich das Todesurteil für viele Patienten gewesen. Da konnte keiner einfach im Bett liegen bleiben. Diese Menschen wurden auch unsanft ins Leben geschubst, also geht da noch was. Zumindest mehr, als die Betroffenen glauben. Der Körper ist schwach und streikt, aber das Gehirn ist weiterhin aktiv. Das müßte dem Patienten sagen: "Du verpaßt das Leben! Wenn du jetzt nicht Verschiedenes versuchst, dann ändert sich nichts und dein Leben bleibt genau so für den Rest deiner Tage." Unterstütz man das destruktive Verhalten, dann schafft man die Grundlage dafür, dass keine Versuche dagegen unternommen werden. Warum auch? Läuft doch. Bei Suchtkranken gibt es den Begriff "co-abhängig".

Kommentar von Ostsee1982 ,


Meinen Sohn habe ich dann immer extra aus dem Bett und ins Leben geworfen.

Wenn diese Holzhammermethode genützt hat dennoch muss man differenzieren zwischen deprimiert sein, einer leichten depressiven Episode oder ausgewachsenen Depressionen und bei einer richtigen Depression wirfst du niemanden mehr aus dem Bett und ins Leben, der würde nach kurzer Zeit zusammenklappen. Das sind jetzt zwar Extremfälle und dennoch gibt es Menschen die an einer Depression auch sterben, die haben eine Atemlähmung und sind tot. Es gibt auch Menschen (das kommt nicht selten vor) die in schweren Depressionen mit Stromtherapie behandelt werden müssen, sprich Elektroschocks wenn auch Medikamente nicht mehr anschlagen. Das ist kein Spiel das mit "tu mal und mach mal" abgeschlossen ist.

Kommentar von Realisti ,

Ich habe das arme Kind nicht zum Holz hacken geschickt.

Ich verlangte von ihm, dass er täglich das Bett verließ sich anzog und am Tisch gesittet seine Mahlzeiten aß. Er mußte eine gewisse Strecke (die sich verlängerte) spazieren gehen, den Tisch decken, die Katze füttern und andere kleinen Aufgaben übernehmen (die sich vermehrten).

Ich bestand auf umfassende Körperpflege und kompletten Sätzen in Gesprächen.

Zum Glück zog die ganze Familie mit, obwohl ich glaube seine jüngere Schwester hat ihn am meisten motiviert.

Letzten Sommer hat er mit "Ach und Krach" die Schule geschafft und absolviert derzeit eine Ausbildung. Mal gucken, ob der die auch beendet.

Kommentar von Realisti ,

Er hat mir regelmäßig die schlimmsten Sachen gewünscht und mich aufs Messer dafür gehaßt. Als Mutter muß man das aushalten können.

Am meisten schockte ihn allerdings, als er realisierte, dass seine damals 7jährige Schwester ihn quasi bemutterte. Früher war er ihr leuchtendes Vorbild und strahlender Held gewesen. Nun war sie stärker als er (sie sind 8 Jahre auseinander).

Das war die Erkenntnis, die die Wende brachte - nichts von dem was der Psychater sagte, oder seine Eltern. Von dem Tage an ging es aufwärts mit ihm und er versuchte die ihm angebotenen Hilfen ernsthaft. 

Kommentar von Ostsee1982 ,

Wie gesagt, wenn das in deinem Fall funktioniert hat, ist das ja gut und man kann nur hoffen, dass dieser Zustand sich nicht verschlechtert, auch therapeutisch versorgt wird damit eine langfristige Besserung eintreten kann und wünsch ihm alles Gute! Natürlich soll man sich nicht fallen lassen sondern eben im Rahmen der Möglichkeiten Aufgaben erledigen. Dafür braucht es auch Feingespür die Grenzen des anderen zu erkennen. Verallgemeinern lässt sich das aber nicht, andere schaffen es nicht mehr aufzustehen, der Körperpflege nachzugehen oder spazieren gehen müssen weil es die körperliche Konstitution nicht mehr hergibt.

Kommentar von Realisti ,

@Ostsee1982

Ich lese hier, dass du herzensgut und mitfühlend bist. Doch du beschreibst gerade meinen größten Alptraum. Nie im Leben hätte ich es ertragen, wenn es bei meinem Kind so weit gekommen wäre.

Vermutlich war ich deshalb schon gleich bei Ausbruch der Depressionen so unerbittlich mit dem Jungen. Wenigstens körperlich wollte ich ihn so fit halten, dass es überhaubt einen Weg zurück gibt.

Kommentar von Ostsee1982 ,

Das kann ich verstehen, dass sowas schockiert und man als Mutter Panik bekommt, sich vielleicht auch Selbstvorwürfe macht. Wenn es bei deinem Sohn - zum Glück - nicht so ausgeprägt ist dann war es sicher die richtige Entscheidung ihn auf den Beinen zu halten. Eine Depression tritt auf als Schutzmechanismus für den Körper. Wer Schwierigkeiten/Probleme im Leben nicht gesund  verarbeitet, macht irgendwann der Körper schlapp und um die Funktion aufrecht zu erhalten entsteht eine Depression, das macht müde, schlapp, man schläft viel mit der Funktion, dass sich der Körper wieder erholt. Körper und Geist ist eine untrennbare Einheit. Deswegen wäre es zusätzlich sicher nicht verkehrt einen Psychotherapeuten zu konsultieren damit er Bewältigungsstrategien erlernen kann mit Schwierigkeiten des Lebens besser umzugehen oder es tritt in der Pubertät auf und es wächst sich aus, kann auch sein.

Antwort
von SparkleSunshine, 45

Ganz wichtig Ablenkung, sonst denkt sie noch mehr drüber nach. Und ihr sagen dass sie bei Problemen immer zu dir kommen kann wenn sie traurig ist, würde ich sagen.

Antwort
von saygoodnight, 19

Eine Beziehung sollte doch so sein, dass sie für beide Seiten schön ist. Daher würde ich einerseits verständnisvoll mit ihr umgehen, aber auch klar deine Sicht schildern wie du dich fühlst. Wenn sich keine Änderung ergeben sollte und dich die Beziehung weiterhin belastet, dann hat es keinen Zweck. Aber rede mal in Ruhe mit ihr (nicht in Schriftform, sondern wirklich von Angesicht zu Angesicht, weil so weniger Missverständnisse entstehen).

Ein paar Tipps zum Umgang mit Depressiven (und Depression allgemein) findest du hier: http://www.deutsche-depressionshilfe.de/stiftung/rat-fuer-angehoerige.php

Und hier:

Die Sendung auf YouTube besteht aus vier Teilen und ist wirklich sehenswert (lass dich vom Rumgealbere am Anfang nicht abschrecken).

Antwort
von Kapodaster, 47

Auch wenn es unromantisch klingen mag: Achte zu allererst auf Dich.

Und sprich mit deiner Freundin darüber, dass du dir mehr Anerkennung wünscht.

Wie schon in einer anderen Antwort erwähnt, ist eine Beziehung mit einem depressiven Partner nicht unmöglich, aber in jedem Fall äußerst schwierig. Die Depression des einen Partners kann den anderen so sehr runterziehen, dass er selbst Probleme bekommt. Das kann nicht Sinn einer Beziehung sein. 


Antwort
von sonnymurmel, 39

Hey Nils,

meine Aussage ist sehr allgemein- ich kenne weder dich noch deine Freundin ;-)

aber:

der Umgang mit depressiven Menschen ist sehr schwierig und erfordert (oftmals) einen starken Charakter, sonst wird man leicht "nach unten gezogen"..........

Was aber nicht heißt, dass depressive Menschen keine Freundschaft/Partnerschaft haben- es ist eben sehr schwierig.

Lg

Antwort
von YukihiraSoumas, 41

Sag ihr, das du in jeder Situation für die da bist und ihr immer helfen wirst. Du musst natürlich verständnissvoll sein wenn sie Depressionen hat. :)

Antwort
von Loveschocolate, 32

Vlt gibt dir das einen kleinen Denkanstoß, wie viele Menschen es machen, aber nicht machen sollten/nicht machen, aber machen sollten: https://www.theodysseyonline.com/treated-physical-illness-like-mental-illness

Dann geh prinzipiell normal damit um. Versuch diesen Teil von ihr zu akzeptieren, er "gehört zu ihr" und du bist ja mit ihr in einer Beziehung. Versuch sie zu unterstützen. biete ihr an, mit ihr zu reden. sei verständnisvoll.

Kommentar von Loveschocolate ,

hängt zwar nur indirekt mit eurem Beziehungsproblem zusammen, aber finde ich ist trotzdem sehr schön, weil es einem "zu denken gibt"

Antwort
von AbfredBuck, 35

Ich kann dir nur eines raten :   Lass es  !!!!   So hart es auch klingt , aber da hast du nur ärger  und die Leben kann zur Hölle werden .

Kommentar von Realisti ,

Ich stimme AbredBuck auch zu.

Wenn du merkst, dass dir die Krankheit über den Kopf wächst und dir sogar schadet mußt du die Notbremse ziehen und aussteigen.

Er gibt viele Formen der Depression und auch viele verschiedene Arten, wie Patienten damit umgehen. Wenn du nur ausgesaugt wirst, bist du am Ende auch leer. Beobacht gut die Entwicklung und entscheide dich notfalls für dich.

Kommentar von 775smutje ,

Das ist zwar gut für ihn aber das könnte sie töten, ihr bedenkt nicht was in ihr vorgeht wenn sie ihn verlieren würde.

Kommentar von sonnymurmel ,

@775smutje

.....die alllerschlechteste Möglichkeit,ist dass man sich emotional erpressen lässt.Damit  ist auf Dauer niemand geholfen, ganz im Gegenteil -  diese Beziehungen zerbrechen über kurz oder lang auf jeden Fall.

Eine depressive Person sollte sich professionell behandeln lassen und soweit es möglich ist den Partner miteinbeziehen.

Ich will dem Fragesteller nicht zu Nahe treten, aber er ist 16 Jahre alt und es darf bezweifelt werden, dass er in der Lage ist ( muss er aber auch nicht ) mit einer depressiven Partnerin umzugehen.

Wie oben auch schon erwähnt gibt es viele Arten der Depression...

und wir wissen alle nicht wie stark ausgeprägt die Depression bei diesem Mädel ist.

Sollte es sich "nur" um eine depressive Verstimmung handeln- kann eine Partnerschaft durchhaus hilfreich sein- während es bei einer schweren Depression schon ganz anders aussieht.

deshalb gilt m.E.:

Depressionen sind  episodische Erkrankungen und können viele Ursachen haben.

Sie sind keinesfalls ein Zeichen persönlicher Schwäche oder Versagens. Niemand, der unter einer Depression leidet, braucht sich schuldig oder minderwertig fühlen.

Bei Depressionen liegen Störungen in Bezug auf Botenstoffe im Gehirn vor.

Diese Störung kann mit geeigneten Therapiekonzepten und modernen Arzneimitteln erfolgreich behandelt werden.

Meiner Meinung nach ist  ein 16 jähriger damit aber überfordert....

Lg

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