Frage von julianmaxi, 207

Wie geht man damit um, wenn jemand wegen der eigenen Meinung keinen Kontakt mehr möchte?

Ich habe einen guten Freund, den ich schon seit der Grundschule kenne und mit dem ich mich immer super verstanden habe. Wir haben beide Abitur geschrieben und als wir letztens wieder Kontakt hatten, kamen wir auf das Thema Politik und da ich ziemlich offen damit umgehe, habe ich davon erzählt, dass ich bei der AfD aktiv bin und eben eher "rechte" Ansichten teilte, was ja nicht zwingend negativ ist. Er hingegen ist eher linksorientiert und meinte daraufhin, er wolle keinen Kontakt haben. Ich habe dann versucht zu erklären, dass wir nicht rechtsextrem sind und als normale Partei behandeln werden sollten, was wir ja auch sind. Mit solchen Reaktionen hätte ich wirklich nicht gerechnet, obwohl ich mir schon viel anhören musste. Finde das ziemlich schade und ungerecht. Wie geht man damit um? Dass ein Engagement mit 18 in der AfD feinde bringt, wusste ich, aber das belastet mich schon ziemlich. Ich hatte auch mit Drohungen von "linken" zu kämpfen, da mich da sehr beschäftigt und ich etwas verzweifelt bin. Wie mache ich das? Ich ändere meine Meinung ja nicht für andere, aber wer würde das gerne tun?

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Politik, 47

Hallo Julian,

du bist ein junger Mensch, daher wirst du noch lernen müssen, dass es Menschen gibt, die dich leiden können oder auch nicht; dass es Menschen gibt, die mit deinen menschlichen und/oder politischen Ansichten umgehen können oder auch nicht; die mit dir Gegensätze ausdiskutieren oder auch nicht; die dich bedrohen oder einfach nur meiden.

Warum ist das so? Nun, wir sind eine freiheitliche Gesellschaft, in der jeder Mensch im Rahmen der Gesetze glauben, sich verhalten und leben darf, wie er es für richtig hält und will. Weil wir auch eine Demokratie sind, gibt es unterschiedliche politische Meinungen und Ideen, die jeder Bürger vertreten oder ablehnen darf. Alle politischen Richtungen haben das Recht, die Bürger von ihren Ansichten zu überzeugen und bei Wahlen um Mehrheiten zu werben. Jeder Bürger hat das Recht, sich politisch zu betätigen.

Auf deinen Fall bezogen:

  • "Drohungen", die womöglich physische oder psychische Gewalthandlungen ankündigen, sind nicht vom Gesetz gedeckt. Von solchen Menschen soltest du dich fern halten, ggf. die Staatsgewalt einschalten! 
  • Dass sich dein alter Freund von dir abwendet, musst du ertragen. Da ihr eure politischen Gegensätze nicht ausdiskutieren oder aus dem persönlichen Verhältnis heraushalten könnt, ist das die einzige Lösung.
  • Aus deinem persönlichen Schicksal kannst du die Erkenntnis ziehen, dass politische Ansichten, die der Mehrheit des Volkes nicht entsprechen und außerhalb des gemäßigten politischen Spektrums angesiedelt sind, ferner dass politische Gruppierungen oder Parteien, deren Mitglieder verfassungs- und menschenrechtswidrige Ansichten vertreten und/oder entsprechende Handlungen begehen, in der deutschen Gesellschaft geringgeschätzt werden! Das trifft für extreme Positionen aller politischen Richtungen zu. Die Konsequenz ist, dass diese Gruppierungen oder Parteien sowie ihre Mitglieder bzw. Anhänger sogar auf erheblichen Widerstand stoßen.
  • Daraus folgt, dass du dich ernsthaft fragen musst, warum die AfD in Deutschland so angefeindet wird; warum sie Menschen als Parteimitglieder aufnimmt, die zweifelhafter politischer Gesinnung sind; warum sie ein Parteiprogramm beschließt, das vernünftige Menschen nicht anspricht, sondern abschreckt.
  • In der Konsequenz entscheidest du, ob du dich mit den von führenden Parteimitgliedern geäußerten Ansichten solidarisierst und den Inhalten des Parteiprogramms vorbehaltlos zustimmst? Willst du dich wirklich für die AfD engagieren? Haben die Argumente der AfD-Gegner für dich keinerlei Gewicht? Mit welchen Gegenargumenten kannst du die Bürger im Lande von der AfD und ihren für dich positiven Absichten überzeugen?
  • Je nachdem, wie du diese Fragen für dich beantwortest, musst du dich mit den Folgen abfinden. Wie könnten die aussehen? Bei vielen Bürgern wirst du auf große Ablehnung, bei den AfD-Anhängern auf Zustimmung stoßen, wenn du dich für die AfD entscheidest; wenn du dich ggf. von der AfD distanzierst, wirst du zwar bei den AfD-Anhängern auf Ablehnung, aber bei vielen Bürgern auf Zustimmung stoßen. Du entscheidest, aber ich rate dir: mach' es dir nicht zu einfach, entscheide nicht aus dem Bauche heraus, also emotional, sondern nach gründlicher Abwägung der Argumente pro und contra, also vernünftig!

MfG

Arnold






Antwort
von randomhuman, 84

Ich persönlich würde wohl ebenfalls den Kontakt zu AfD Wählern abbrechen. Dabei kommt es aber auch stark drauf an, wie sich über das Thema unterhalten wird und wie sehr es das zwischenmenschliche Verhältnis stört. 

Wenn dann jemand die ganze Zeit auf die Lügenpresse zu sprechen kommt und Ausländer raus skandiert, dann werde ich mich zu 100% abwenden, da ich selbst mit Flüchtlingen zu tun habe und behilflich dabei bin Kinder zu integrieren. Das ist ein maßgeblicher Bestandteil meiner Person auf den ich sehr stolz bin.

Wenn man sich aber einfach so unterhält ganz normal und sich über Probleme und Lösungsvorschläge in einem normalen Ton austauscht, dann kommt es drauf an. Den ich scheue mich nicht über Politik zu reden und dass da unterschiedliche Meinungen auftreten ist ganz normal. Es entscheidet eben immer der Umgangston und wie radikal die Ansichten der anderen Person sind.

Antwort
von emsiger, 27

Die Anti -AfD -Äußerungen auf Deine Frage sprechen für sich. Im besten Fall oberflächlich, uninformiert und phrasenhaft.Mit solchen Leuten Kontakt zu haben, ist in der Regel Zeitvergeudung.Ich selbst habe im letzten Herbst deswegen einen guten Bekannten verloren und sage: Reisende sollte man nicht aufhalten.So solltest Du auch denken. Ein Freund ,der deswegen den Kontakt mit Dir beendet, war nie einer.Mit einem der SPD nahestehenden Freund führe ich per Mail eine harte Debatte über das Thema AfD. Solange das gut geht, ist es gut, wenn nicht, dann ist es eben so...Hoffe, ich habe Dir helfen können.

Antwort
von Repwf, 100

Wenn du damit einfach mal keine Werbung laufen würdest hättest du diese Probleme jetzt nicht!

"Normale" Partei Mitglieder stellen sich ja auch nicht vor mit "guten Tag ich heiße xy und bin politisch in der xx aktiv...!"

Warum du? Das kommt für mich auchcsrhr provokant rüber...

Kommentar von julianmaxi ,

Habe ich doch nicht getan. Wir haben über Politik geredet und er hat nach meinen Ansichten zu bestimmten Themen gefragt. Wieso sollte ich es verheimlichen?

Kommentar von Neutralis ,

Die AfD Wähler sind Protestwähler. Die AfD nimmt das Wahlprogramm von anderen Parteien und dreht es einmal rum. Das ist genau wie bei den Punks, die immer 100 mal betonen müssen, dass sie kein Teil vom System sind.

Antwort
von Skibomor, 99

Du musst nicht Deine Meinung ändern - aber er doch auch nicht. Respektiere einfach seine Entscheidung.

Antwort
von DerAntwort3r, 86

Alos ich kenne es ja sich mit Freunden über die politische Meinung zu streiten, aber des wegen die Freundschaft ab zu brechen wen man keine zu extreme MEinung vertritt finde ich schon überzogen.

Du musst dir jedoch auch klar sein dass die AfD so sehr sie
sich auch als "normale" / legitime Partei zeigt und präsentiert ist es
nicht abstreitbar dass dort auch sehr viel rechtsextremes Gedankengut
tummelt.

Besonders jedoch durch Aussagen von Patreifunktionären wird die AfD nicht gerade einfach so akzeptiert und es zeigt sich immer mehr dass unter diesem Deckmäntelchien (mit welchem du oben die AfD verteidigst) sich sehr viel braune Suppe verbirgt.

Antwort
von koten, 51

Was meinst Du mit "nicht rechtsextrem"?

Ich will nicht trollen, sondern bin echt neugierig.

Wenn hier wegen Dritter eine sachliche Diskussion nicht möglich sein sollte, egal ob von rechts oder links getrollt wird, dann schlage ich vor, sich über die Funktion Nachrichten im Profil auszutauschen.

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Politik, 46

Mit Menschenfeindlichkeit und asozialen Programmen macht man sich eben keine Freunde, außer bei asozialen Menschenfeinden. Alles hat seinen Preis!

Antwort
von Herb3472, 99

Ich bin nicht sehr politisch und würde mich zur Mitte zählen. Für mich geht weder links- noch rechtsextrem, aber AfD geht gar nicht. Ich finde es logisch, dass er Dir den Kontakt aufkündigt.

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