Frage von anonymos987654, 98

Wie gehen Gläubige mit Heuchelei um, welche in ihrem eigenen religiösen Umfeld als legitim gilt?

In islamischen Ländern gibt es offiziell z.B.

  • künstliche Hymen und

  • shiitische Zeitehen.

In christlichen Ländern gibt es z.B.

  • (3. Gebot:) offizielle Sonntagsarbeit (die nicht notwendig ist); eigentlich nur an Weihnachten und Ostern richtig volle Kirchen

  • (5. Gebot:) Abtreibungskliniken, Waffenexporte

  • (6. Gebot:) von der Krankenkasse finanzierte Verhütungsmittel für unverheiratete Jugendliche, Ehescheidungen ohne vorherige Ehe-"Rettungsmaßnahmen"

  • und natürlich die Beichte, mit der man (falsch verstanden) alles wieder in Ordnung bringen kann

Wie haltet ihr als Gläubige diese inneren Widersprüche aus? Einerseits wird ein (fast) unerfüllbarer ethischer Anspruch gestellt, andererseits wird dieser dann aber doch nicht so ernst genommen?

Antwort
von Nadelwald75, 36

Hallo anonymus987654,

deine Frage kann zu wilden Diskussionen führen, da man auf
entsprechende Schlüsselwörter gerne anspringt.

Zur Begriffsklärung: Heuchelei wäre es, wenn jemand
schlecht handelt, das auch genau weiß, aber gegenüber anderen ein Bild von sich
demonstriert, das seinem wirklichen Verhalten gar nicht entspricht. Wenn er
also eine Doppelmoral zeigt.

Bei allen von dir genannten Punkten liegt das aber nicht
vor:

Verschiedene Dinge werden weder vom „religiösen

Umfeld“,

 

noch von Gläubigen für legitim

gehalten.Verschiedene Dinge werden von der

nichtchristlich geprägten Gesellschaft verantwortet.Bei verschiedenen Dingen wird, da es sich um

Menschen handelt, schuldhaft falsch gehandelt. Aber das ist keine Heuchelei.Bei „Gläubigen“ setze ich voraus, dass sie die

Beichte richtig verstehen. Das Argument, dass man einfach mit der Beichte alles

in Ordnung bringen kann, obwohl man sich eigentlich nicht ändert, kommt in der

Regel von Uninformierten von außen.

Kommentar von Nadelwald75 ,

Bitte die seltsamen Abstände im Text zu entschuldigen. Das kommt, wenn man schnell einen Word-Text,  der als Entwurf gedient hatte, einfügt.

Antwort
von oelbart, 51

Ich kann jetzt zur islamischen Seite nichts sagen, aber ein paar generelle Missverständnisse scheint es auf christlicher Seite zu geben:

1. Die Kirchen setzen ihre politische Macht ja zT durchaus ein, um gegen Abtreibungen, Waffenexporte, Sonntagsarbeit, Verhütungsmittel und leichtere Scheidungen vorzugehen. Allerdings ist Deutschland zwar christlich geprägt, jedoch nicht christlich regiert.

2. Ja, das mit der Beichte wäre falsch verstanden. Um diese Missverständnisse zu vermeiden gibt es ja das persönliche Beichtgespräch

3. Insgesamt ist es halt die Frage, inwieweit die Gebote einen Christen auch verpflichten, in das Leben anderer einzureden. Ein Christ kann ja für sich Verhütungsmittel ablehnen, trotzdem muss er nicht fordern, dass sie staatlich verboten werden. Ist das schon bigott? Wenn nein, wo ziehst Du die Grenze? Bei Waffenexporten? Bei Abtreibungen?
Im dritten Reich haben die Kirchen sich mit der Kritik weitgehend zurückgehalten, das wird ihnen heute zum Vorwurf gemacht. Wenn sie jedoch heute ernsthaft versuchen würden, Zustände zu beseitigen, an denen auch Menschen sterben, würden die meisten Bürger ebenfalls auf die Barrikaden gehen.

(Der Erzbischof von Bamberg beispielsweise erhielt Morddrohungen, nachdem er in einem Interview gesagt hatte, Christen dürften bei Pegida nicht mitgehen)

Kommentar von Zicke52 ,

Die Todesdrohungen hat der Erzbischof wohl von strammen Christen erhalten. Andere ficht es ja nicht an, was er verbietet. 

Kommentar von oelbart ,

Klar. Ein strammer Christ, der sich von seinem Bischof verbieten lässt, eine Demonstration zu besuchen, wird selbigem Bischof einen Drohbrief schreiben.

Kommentar von Zicke52 ,

@oelbart: Nein, ein strammer Christ lässt sich von seinem.Bischof die Teilnahme an einer Demonstration nicht verbieten. Aber er kann seinem Bischof das Recht absprechen, so ein Verbot ueberhaupt auszusprechen, und somit ihm, dem strammen Christ, zu unterstellen, er handle nicht im Sinne Gottes , wenn er an der Demonstration teilnehme. Gläubige verlangen von ihren "Obrigen", das zu sagen, was sie hören möchten.

Warum sollte ein Ungläubiger einen Bischof wegen seiner Aussage bedrohen? Dem ist doch egal, was der Bischof sagt, weil es für ihn völlig irrevelant ist.

Kommentar von oelbart ,

Vielleicht, weil er denkt, dass ohne die Aussage des Bischofs gleich zwei Millionen mehr Pegidisten auf die Demos strömen würden?

Antwort
von Zicke52, 36

Was verstehst du unter einem christlichen Land?  Den Vatikan? Dort gibt's weder Abtreibungskliniken noch Waffenexporte. Sehr christlich ist er natürlich trotzdem nicht. 

Neben Gottesstaaten (die meist islamisch sind) kenne ich ansonsten nur säkuläre oder laizistische Staaten, und dort werden die Gesetze nicht von Gott erlassen. In Bezug auf was sollen also die Gesetze zur Abtreibung und Empfängnisverhütung heuchlerisch sein? Und die Abtreibungskliniken in diesen Ländern sind meines Wissens nicht in kirchlicher Trägerschaft. 

Gemäss der christlichen Kirchen bekommt man bei der Beichte tatsächlich Vergebung, aber die bekommt man in allen Religionen, wenn man seine Sünden zu Lebzeiten bereut. Was ist daran heuchlerisch?

Hymenwiederherstellung und Zeitenehen sind natürlich heuchlerisch, nicht nur von einem religiösen Standpunkt aus.

Antwort
von saidJ, 6

Hallo,
Punkt 1 : Im Islam geht es nicht darum das man als Jungfrau in die Ehe geht sondern das man generell keinen Sex vor der Ehe hat .
Das mit den künstlichen Hymen hat mit dem Islam nichts zu tun und ist absolut lächerlich .
Punkt 2 : Wie du sagtest "schiitischer glaube " .
Woher sich diese Menschen dieses Recht nehmen bleibt ein Rätsel aber was soll man auch von Menschen erwarten die die Sunnah verwerfen ( einige von ihnen ) .
Ich bitte dich den Islam nicht an Menschen und erst recht nicht an Minderheiten zu betrachten / beurteilen .

Antwort
von Fabian222, 7

Die Zeitehe wurde von Umar ibn Khattab dem 2. Khalif verboten. Die Zeitehe wird im "Notfall" praktiziert und nicht nach Lust und Laune... 

Und (verboten sind euch) von den Frauen die verheirateten, ausser denjenigen, die eure rechte Hand besitzt. (Dies gilt) als Allahs Vorschrift fuer euch. Erlaubt ist euch, was darueber hinausgeht, (naemlich) dass ihr mit eurem Besitz (Frauen) begehrt zur Ehe und nicht zur Hurerei (Frauen). Welche von ihnen ihr dann genossen habt, denen gebt ihren Lohn als Pflichtteil. Es liegt aber keine Suende für euch darin, dass ihr, nachdem der Pflichtteil (festgelegt) ist, (darueberhinausgehend) euch miteinander einigt. Gewiss, Allah ist Allwissend und Allweise. (4:24)

Amir al Mu'minin Imam Ali sagte: Die Mut'a (Zeitehe) ist eine Gnade von Allah an seine Diener. Waere es nicht aufgrund des Verbotes durch Umar, wuerde niemand die Suende der Unzucht begehen ausser den Schlimmsten. Sunnitische Quelle: Tafsir al Kabir unter dem Kommentar zum Vers (4:24)

Des weiteren berichtet Dschabir ibn Abdullah al-Ansari: Wir schlossen Vereinbarungen ueber "Zeitehen" ab fuer eine Handvoll Datteln oder Getreide zu Zeiten des Propheten (s.) und zu Zeiten Abu Bakrs, bis Umar uns dies verbot wegen Amr ibn Huraith (Sahih Muslim Ueberlieferung 3249)

Umar sagte: Zwei Arten der Zeitehe waren (legal) zur Zeit des Propheten und Ich verbiete sie beide, und Ich bestrafe jene, die sie begehen. Dies sind : Zeitehe der Pilgerfahrt und die allgemeine Zeitehe".Tafsir al-Kabir, al-Fachr al-Radhi, - Musnad Ahmad Ibn Hanbal, Band 1, Seite 52                            







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Antwort
von Jogi57L, 25

Da muss man unterscheiden, was die Staatsform erlaubt, und was die Religion verbietet.

....also Wenn ! dann wäre es ein Verbot am Sabbat zu arbeiten ( ist, vermute ich dann eher der Samstag, aber egal...)

in gewissen Bereichen ist es notwendig, oder wünschenswert, dass auch am Sabbat gearbeitet wird....

medizinische Dinge,( man denke an Notfälle und auch Geburten..)  Polizei, Militär, aber auch Tankstellen, Restaurants, Freizeitbetriebe...

Klar könnte man es soweit als möglich einschränken, und nur soweit wie nötig tun....

"Gläubige" aller Bereiche werden sich wohl auch darum bemühen in einem System zu leben und zu arbeiten.. wo sie nicht mit ihrem Glauben in Konflikt kommen....

... was und wie andere Menschen vorgehen, geht sie ja nichts an...soll heißen:

----sie können für sich selbst so handeln, aber nicht dieselbe Erwartung an andere Menschen haben---

btw.: die Krankenkasse ist keine religiöse Einrichtung.. 

Waffenexporte macht "Der Staat" mit einem anderen Staat... das müssen sich die jeweiligen Staatsführer einigen.. wer "liefert" und wer "annimmt"

ob da einer moralisch besser ist, als der andere.. schätze ich nicht ein 

Wenn jemand aufgrund von Arbeit o.ä. in "Konflikt" kommt.. muss er/sie sich eben entscheiden....

Einen ethisch/moralischen Anspruch können die religiösen Organisationen sicher zum Ausdruck bringen.... aber sie haben sich letztlich dennoch dem zu beugen... was die demokratisch gewählten Volksvertreter entscheiden

Soll z.B.: heißen:

Sie können rufen: "Das gefällt uns nicht, und widerspricht unserem Glauben"

Und die Politik antwortet: "Dankeschön, haben wir zur Kenntnis genommen....aber WIR entscheiden, und nicht ihr..."

Nur die nächste Wahl könnte dann etwas ändern.....

Antwort
von Bodesurry, 19

Wer nimmt die ethischen Ansprüche nicht wahr? 

Wenn ich deine Beispiele sehe, dann bin ich der Meinung, dass die meisten Personen, die ich kenne, mit dem Vorgehen der Regierungen oder der Gesellschaft nicht einverstanden sind. Die ethischen Ansprüche würden also erfüllt. 

Als reformierter Christ bin ich der Meinung, dass es die Beichte bei einem Priester oder Pfarrer nicht braucht. Wir dürfen über das Gebet den direkten Kontakt zu Gott und zu seinem Sohne Jesus Christus haben. 

Alle Gebote hält jedoch kein Christ. Es ist aber eine gute Richtschnur. Eine Zusammenfassung hat uns Jesus und das A. T. gegeben: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."

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