Frage von Yasilue, 93

Wie gehe ich mit meinem Kind um bzw setze klare Regeln?

Hallo liebe Muttis und Papis,
Meine Tochter (3 j.) ist extrem Sturr und macht das was sie will! Da ich 3 mal die Woche arbeite und sie vermisse, sage ich mir immer bevor sie mich hasst das ich viel arbeite und wenn ich nach Hause komme regeln stelle- lasse ich es lieber ganz! Ich weiß das es falsch ist, sie geht zur Ergo und die Therapeutin empfiehlt mir das konsequent durchzuziehen. Wie macht ihr das????

Glg

Antwort
von Pudelcolada, 14

Ok, ich bin zwar kein Vater, aber Erzieher. Hoffentlich darf ich trotzdem antworten... ;)

Kinder mögen Regeln sehr, wenn sie:
- nicht nur Pflichten umfassen, sondern genauso Rechte,
- als gerecht und nachvollziehbar empfunden werden,
- nicht nur für sie allein, sondern auch für andere oder möglichst alle gelten,
- nicht als Verbot formuliert sind.

Deine Tochter ist drei Jahre alt, in diesem Alter kannst Du schon mit ihr Regeln aushandeln und gemeinsam mit ihr verschriftlichen. Z.B. könntest Du mit ihr etwa 5 (nicht zu viele!) wichtigste Regeln erarbeiten und mit ihr ein Plakat gestalten und bemalen, das Ihr dann zusammen in ihrer Augenhöhe aufhängt. Kein strenges Plakat wie eine Hausordnung, sondern eins, das ihr gefällt. Die Regeln sollten positiv formuliert sein, also: "Ich darf bis 8 Uhr aufbleiben." und nicht: "Um 8 Uhr muss ich schlafen gehen!" Und da Du selbst ja auch nicht bis in die Puppen wach bist, könntest Du Deine eigene Schlafenszeit mit dazu schreiben.
So bekommt Deine Tochter eine Vorstellung davon, dass nicht nur für sie alleine Regeln gelten, sondern für jeden im Haushalt.

Oder das Aufräumen, ein leidiges Thema. Ihr könntet gemeinsame Aufräumzeiten vereinbaren, in denen sie ihr Zimmer aufräumt - und Du Deinen Schreibtisch. Bitte sie um Hilfe, Deinen Wäscheschrank aufzuräumen und biete ihr danach Deine Hilfe bei ihrem Schrank an.

Bitte sie auch um Hilfe im Haushalt und verhandele die Übernahme regelmäßiger kleiner Aufgaben mit ihr: Tisch abräumen oder decken, das jeweils andere übernimmst Du. Sie bringt den Papiermüll raus, und zwar immer, Du gleichzeitig den Restmüll. Beim gelben Punkt wechselt ihr Euch ab. Wäsche aufhängen könnt Ihr auch gemeinsam, zunächst mal brauchst Du dringend ihre Hilfe beim Klammern anreichen und Socken sortieren. ;)

Überhaupt: ich habe Kinder als sehr hilfsbereit erlebt, wenn sie nur mit Respekt behandelt werden und das Gefühl haben, dass ihre Hilfe gebraucht und gewürdigt wird. Auf Druck reagieren sie wie jeder andere normale Mensch auch, vor allem wenn nichts dazu erklärt wird. Womit ich Dir auf keinen Fall irgendetwas unterstellen will!

Gib ihr im Gegenzug Freiheiten, selbst zu entscheiden, z.B. bei der Kleiderwahl für den Tag, aber nicht am Vorabend, sondern morgens. Oder beim Essen: Besprich mit ihr die gemeinsame Mahlzeit und gib ihr die Wahl zwischen zwei Gerichten. Wenn es ihr dann nicht schmeckt, lernt sie viel mehr daraus, als wenn sie essen muss, was auf den Tisch kommt.

Kommentar von Yasilue ,

Vielen lieben Dank! Wirklich, ich bin sehr dankbar für die Nutzreichen Informationen! Ich werde dein Tipp Schritt für Schritt befolgen! Ich bin total motiviert das es auch was wird!
Sie ist zwar anstrengend aber es gibt bestimmt anstrengendere Kids.

Kommentar von Pudelcolada ,

Sehr gerne. Ach, noch was:
Natürlich gibt es viele Dinge, die nicht verhandelbar sind, schließlich reden wir ja immer noch von einer Dreijährigen. Die Eltern, die ich als erfolgreich beim Durchsetzen von Regeln erlebt habe, bleiben beim "Nein" auch dann ruhig und sachlich, wenn das Kind total ausrastet. Sie lassen sich einfach nicht auf diese Machtkampf-Ebene ziehen und zeigen damit, dass es um die Sache geht und nicht darum, ob das Kind jetzt "böse" ist oder sogar nicht mehr geliebt wird. Denn davor haben sie am meisten Angst, und Angst kann aggressiv machen...

In einem Kommentar schreibst Du, die Kita kommt gut mit ihr zurecht. Im Umkehrschluss kommt sie auch mit der Kita gut zurecht? Hast Du den Eindruck, sie behandeln dort Deine Tochter liebe- und respektvoll? Bei zweimal Ja: Frag doch vielleicht mal ihre Gruppenleitung in einem Elterngespräch um Rat. Schließlich hast Du dort eine Fachkraft, die noch dazu Deine Tochter ganz gut kennt, wenn auch in der Gruppensituation. Aber immerhin. Ich finde die Angelegenheit zu wichtig, um keine zweite Meinung einzuholen...

Ohje, mir fällt immer mehr ein: Viele, die man so fragt (auch Fachkräfte), reden gern von Konsequenzen. Dann solltest Du sehr genau hinhören, denn Konsequenz ist häufig das neue Wort für Strafe. Eine Konsequenz ist immer dem Fehlverhalten angemessen und steht zu ihm in direktem Bezug:
Schule schwänzen > Fernsehverbot = Strafe
Schule schwänzen > Lehrerunterschrift als Anwesenheitsnachweis für jede Stunde in einem kleinen Heft extra dafür = Konsequenz
Der so genannte "stille Stuhl", es gibt verschiedene Namen dafür, ist ein gutes Beispiel für eine wie ich finde ganz fiese Bestrafung durch Ausgrenzung, die inzwischen gerne Konsequenz genannt und pädagogisch bemäntelt wird.
Das Prinzip ist klar, denke ich...

Kommentar von Pudelcolada ,

"Sie ist zwar anstrengend aber es gibt bestimmt anstrengendere Kids."
Mal so unter uns: Sei froh, dass es so ist. ;)
Ich werde ja immer misstrauisch, wenn ein Kind über die Maßen versucht zu gefallen, immer alles richtig zu machen, bloß nicht aufzufallen.
Aber das ist meine persönliche Haltung...
Reibung erzeugt ja schließlich auch Wärme. :)

Antwort
von Sanja2, 27

Kinder mögen die Menschen am liebsten die klar Nein sagen können und dabei bleiben. Diese Menschen geben ihnen Sicherheit. Auch wenn die lieben Kleinen rebellieren und bockig sind, langfristig wissen sie eben doch was gut für sie ist. Schwer ist es nur für die Eltern stur zu bleiben. Glaube mir du leidest viel mehr als das Kind. Mach dir das immer wieder bewusst, auch das du hart bleibst weil du das Kind liebst und weil du ihm für seine Zukunft mitgeben willst, dass es nicht immer alles bekommt was es will. Später lernt sie es wesentlich schwerer und schmerzhafter.

Antwort
von Volkerfant, 4

Kinder brauchen klare Regeln. Das dient ihnen zur Orientierung, zur Sicherheit und ist ein Schutz.

Kinder versuchen natürlich diese Regeln auszutesten, weil sie neugierig sind und wissen wollen, was passiert, wenn sie sich nicht daran halten. Vor allem, wenn sie es mit mehreren Erwachsenen zu tun haben.

Eltern müssen deswegen konsequent sein und ihnen diese Sicherheit geben und dürfen es nicht zulassen, dass sie gegen Regeln verstoßen.

Wenn Eltern immer konsequent sind, also niemals nachgeben, haben sie es mit der zeit leichter, weil das Kind gelernt hat, sich an die Regeln zu halten, dass es nichtsbringt, wenn sie weiterhin testen....

Z.B. ein Kind will abends nach dem Sandmännchen nicht ins Bett, sondern weiter bei den Eltern bleiben. Es versucht es mit Schreien, mitt Weinen, mit Stampfen...

Die Eltern müssen nun trotzdem den Fernseher ausmachen und das Kind dazu bewegen, dass es ins Bett geht. Dies kann man ja mit etwas Schönem verbinden. Z.B. mit einer Geschichte/Buch vorlesen oder erzählen oder zusammen ein Bilderbuch anschauen oder ein Märchen erzählen, ein Lied vorsingen...

Antwort
von Nessza, 5

Überlege welche Regeln Dir wirklich wichtig sind und welche du lockern könntest (was auch vertrauen zeigt!)

Ich z.B. bestehe auf die feste Bettzeit um 19 Uhr. Um das zu gewährleisten muss ich auch manchmal ein quengeliges Kind ertragen und das arme Mäuschen muss die Müdigkeit überwinden bis es ins Bett "darf". Dabei helfe ich natürlich mit Ablenkung wie gemeinsames backen, spielen, Baden,...
Auch wichtig ist für mich, das wir gemeinsame Mahlzeiten haben. Aber(!) wenn die Kids fertig sind, dürfen sie aufstehen und spielen gehen, auch wenn ich noch esse.
Aufräumen tun wir meistens zusammen, aber manchmal muss ich das auch abends allein machen.
Bitte und Danke sind mir egal, teilen muss auch keiner seine Sachen, sie dürfen sich auch streiten, laut sein, ihre eigenen Sachen zurück erobern.

Außer diesen 2-3 mir persönlich wichtigen Dingen gibt es nur eine Regel:
--- Alles was nicht gefährlich ist, ist erlaubt. ---

Sie bekommen auch erst Hilfe, wenn sie sie ausdrücklich verlangen. Ich vertraue meinen Kindern und wenn ich doch mal was doof finde, sage ich das klar und einfach. "Das Du auf den Tisch gemalt/Deinen Tee ausgekippt/Die Schokolade in die Couch einmassiert hast finde ich nicht gut" dazu dann das ich das nicht möchte und am wichtigsten (!): die Alternative "hier hast du zettel zum malen/trink deinen tee doch lieber/lass uns das gemeinsam weg wischen/..."

Versuche auch ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen. Versetze dich in ihre lage. Warum wurde die Schokolade in die Couch einmassiert? Sie ändert die Konsistenz und die Bilder die auf der Couch entstehen sehen so anders aus als die Bleistiftzeichnungen. Es fühlt sich ganz anders an. Das ist interessant. Sie ist neugierig. Ärgern will sie dich keinesfalls!

Dieses Erziehungsmodell nennt sich "Attachment Parenting" und ich persönlich bin total überzeugt davon. Falls es Din interessiert, kannst Du hier noch ein bisschen dazu lesen:

http://tifas-wunschkinder.blogspot.de/2015/12/attachment-was-bindungsorientierte...

Kommentar von Nessza ,

Ach! Meine kinder sind 19 Monate und fast (im juni) 3 Jahre ☺️

Kommentar von Yasilue ,

Suuuuper vielen lieben Dank wirklich! Ich muss sagen am Anfang dachte ich mir ich kriege es bestimmt nicht hin, doch nun hab ich so tolle Beispiele bekommen das mich ermutigt meinem Kind Disziplin auf eine verständnisvolle Weise beizubringen! Vielen lieben Dank

Kommentar von Nessza ,

Gern :) begegnet euch einfach auf Augenhöhe, sei Empathisch :)

Ich leb so'n bisschen frei nach dem Motto: "BEziehung statt ERziehung"

Antwort
von frisu, 33

Ohne Regeln geht ein Zusammenleben nicht. Überlege dir gut, welche Regeln du aufstellen willst und ziehe diese dann durch. Wenn du das nicht machst, weiß dein Kind nicht, woran es ist. Du tust ihm damit keinen Gefallen. Im Gegenteil. Regeln geben Orientierung.
Mach dir kein schlechtes Gewissen, dass du arbeiten gehst. 3x die Woche ist nicht die Welt, es gibt Kinder in diesem Alter, die sind täglich 10 Stunden in der Kita.


Antwort
von kiara36, 18

Es muss meiner Meinung nach, zu Hause eine regelmäßige Routine geben, sprich ich diskutiere mit meiner Tochter z.B. nicht über relevante Sachen wie Zu-Bett-Geh Zeiten, Zähneputzen ...

Ich bin schon konsequent, was gewisse Regeln betrifft, aber ich verbringe nicht die restliche Zeit (nach der Arbeit) damit sie ständig wegen Kleinigkeiten zu maßregeln. Wenn sie z.B. abends lieber ein Puzzle mit mir machen möchte, anstatt eine Geschichte vorgelesen zu kriegen, finde ich das in Ordnung, solange es im zeitlichen Rahmen bleibt.

Ich finde einen geregelten Ablauf sowohl für mich und auch für mein Kind wichtig. Wenn sie alles bestimmen darf und Dir damit auf der Nase tanzt, wird sie und Du es später schwer haben, einen vernünftigen Umgang miteinander zu haben.

Es hat auch geholfen, ihr vorher die Konsequenzen aufzuzeigen und Geduld (viele Wiederholungen). Man setzt gerne Konsequenzen durch ohne sie vorher aufzuklären oder ihr eine Chance auf handeln zu geben. Das machte sie erst Recht stur.

Antwort
von turnmami, 48

Natürlich ist es jetzt für dich einfacher die aufgestellten Regeln schleifen zu lassen.

Aber glaube mir, das wirst du irgendwann bereuen, denn ohne Regeln erziehst du dir ein richtiges Monster!!

Kommentar von Yasilue ,

Wie setze ich die Regeln, so das sie mir auch zuhört. Sie ignoriert mich ja, ich merke dir Erzieher in der Kita haben sie besser in Griff als ich.

Kommentar von frisu ,

Sie hat schon gelernt, dass du nicht meinst, was du sagst. Also fange an, dass das was du sagst, auch getan wird.  Wenn sie dir nicht zuhört, nehme sie liebevoll und fordere Augenkontakt. Wenn sie bockig ist, warte bis sie sich beruhigt hat und sage ihr erneut was du willst. Erkläre ihr auch warum. Konsequenz ist einfach wichtig. Sonst wird es nichts.

Kommentar von turnmami ,

Lass dich nicht ignorieren!

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