Frage von vanGestern, 68

Wie gegen Fotografie der eigenen Person wehren?

Hallo,

welche rechtliche Handhabe gibt es, um mich gegen ungewollte Bilder meiner eigenen Person zur Wehr zu setzen?

Konkret geht es um eine geschlossene (!) Veranstaltung, bei der Fotografen immer wieder über den Zaun oder durch die Einfahrt auf dem Grundstück Personen fotografieren.

Kann ich den Fotografen (unbekannt) auffordern, Bilder herauszugeben bzw. zu löschen? Gibt es dazu eine rechtliche Grundlage? Wenn ja, welche Paragrafen kann ich heranziehen?

Kann in solchen Fällen die Polizei gerufen werden?

Vielen Dank für Eure Hilfe!

Antwort
von Naiver, 21

Hallo vanGestern...,
ich hatte mich selbst einmal für dieses Thema beschäftigen müssen. Für diese Frage lohnt es sich auch, sich in den bekannten Fotografie-Foren umzutun:

http://www.dforum.net/ 
http://www.dslr-forum.de/
http://www.fotocommunity.de  google findet auch weitere.

In allen wird dieses Thema erschöpfender behandelt, eben auch mit eigenen Einzelerfahrungen, als ich es hier könnte.

Du fragst nach der rechtlichen Grundlage:
Von den Rechtsanwälten reichjhardt & schlotz fand ich das hier:
http://anwalt-im-netz.de/urheberrecht/recht-am-eigenen-bild.html

Darin wird auch der erwähnte Löschungszwang angesprochen, zu dem ich vorher auch schon einen recht drastischen Praxisfall in einem der Foren las. Grundsetzlich bewerten heute alle Gerichte ein Abwinken oder abwehrende Haltungen schon als ganz klar einzuhaltendes Fotografierverbot einzelner Personen, ein Lächeln und Faxenmachen allerdings auch als Übereinstimmung und Genehmigung.

Wie hier schon von FoxundFix ganz richtig angedeutet, kommt es im Einzelfall (vor Gericht) auf die Abwägung der verschiedenen Rechte, Recht am eigenen Bild und Urheberrecht, an.

Nach den von dir gewählten Worten könnte auch eine ganz normale Nötigung vorliegen, da kommt es u.U. auch darauf an, ob vielleicht in private Bereiche hineinfotografiert wird, das ist pauschal verboten. Auch, wenn eine Privatperson ganz direkt und gezielt fotografiert wird, also aus der Masse geraus, liegt bereits ein ungenehmigtes Fotografieren vor - der Fotograf muss sich dafür vorher die eindeutige Genehmigung erteilen lassen! Grundsätzlich darfst du dann die Löschung/Negativvernichtung verlangen und ne nach Fall sogar auch deren Durchführung von Spezialfirmen (recht teuer) durchsetzen. Ob das der Einzelfall hergibt, wird dann ein Richter entscheiden. Denn du weißt, im Apparat vor deinen Augen gelöschte Aufnahmen können von der Karte wieder gerettet werden.

Zeitgeschichtlich öffentliche Personen  können nach dem Pressekodex bereits Besucher von Veranstaltungen sein (da zieht auch die Fotografiergenehmigung von 'Gruppen gleichen Vorhabens', also Umzüge, Demos etc.). Ganz klar nicht erlaubt ist das gezielte Fotografieren von privaten Einzelpersonen und schon gar nicht in ihrem privaten Bereich (geschlossene Gesellschaften sind eben keine "Öffentlichkeit").

Das Fotografieren "über den Zaun", durch ebenerdigige Fenster oder aus Fenstern des gegenüberliegenden Hauses ist nach meiner Kenntnis eineutig verboten und sogar strafbewehrt!

Aber, erstmal wissen/kennen muss man diese Fotografen, um sie persönlich auffordern konnen. Je nach Dramatik eures Erlebens wäre tatsächlich der Anruf bei der Polizeiwache angemessen.

Das ganze Thema der Fotorechte ist ziemlich kompliziert.
Im Extremfall könntest du sogar einem Nachbarn sein allgemeines Fotografieren aus seinem Fenster verbieten, weil da nämlich jene sogenannte "Panoramafreiheit" nicht mehr zutrifft. Hier für dich eine ziemlich breite Übersicht über Fotografieren in der Öffentlichkeit:

http://www.aufrecht.de/beitraege-unserer-anwaelte/urheberrecht/fotografie-und-re...


Kommentar von Naiver ,

Dazu fällt mir noch folgenes Paradoxon ein:
Würdest du nun jene Fotografen in der Einfahrt dabei ungenehmigt fotografieren, wäre dieses Foto bereits nicht korrekt und bei Veröffentlichung durchaus vom Fotografen mit etwaigen Schadensersatzforderungen zu belegen. Ob solche ungenehmigten Fotos 'Beweiskraft' hätten, weiß ich nicht. Ich befürchte, sie dürften gerichtlich gar nicht verwendet werden.

Kommentar von Naiver ,

...und das fand ich eben bei "Strafakte.de":

Die §§ 22 ff. KunstUrhG stellen zwar nach dem Wortlaut lediglich auf eine Veröffentlichung und Verbreitung von Lichtbildern ab – trotzdem ist ein Schutz vor der unberechtigten Anfertigung von Fotografien allgemein anerkannt.
Denn ist ein Foto erst einmal gemacht, obliegt es allein der
Entscheidung des Fotografen, wie damit weiter verfahren wird. Auch auf eine Zusicherung, das Foto würde nur mit unkenntlich gemachten
(verpixelten) Gesichtern veröffentlicht, könne regelmäßig nicht vertraut werden.
Diese Gefahr eines Kontrollverlustes rechtfertigt es somit, bereits das Fotografieren selbst zu verbieten.
Dementsprechend schränkt die Rechtsprechung die Tätigkeit von Fotografen dahingehend ein, dass bereits die Anfertigung von Personenfotos ohne Einwilligung des Abgebildeten eine Verletzung dessen Allgemeinen Persönlichkeitsrechts darstellt. Trotz des gegenteiligen Wortlauts der §§ 22 ff. KunstUrhG ist danach eine Herstellung von Fotografien nur in dem Umfang zulässig,
in dem auch die Verbreitung dieser hergestellten Fotoaufnahmen zulässig wäre.

Ihr seid also rundum geschützt.

Kommentar von vanGestern ,

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Einen der beiden Artikel kannte ich schon.

Soweit ich das nun beurteilen kann, hat man kein direktes Recht, vor Ort auf die Löschung der Bilder zu bestehen?! Zumal sie natürlich mit entsprechenden Programmen von der Speicherkarte wiedergeholt werden können. Erst bei Veröffentlichung können eventuell rechtliche Schritte eingeleitet werden.

Sehr ungenau ist leider der Begriff der Zeitgeschichte definiert... Das kann wohl alles sein. Selbst das örtlicher Mieterfest, wie in einem Artikel zu lesen war. 

Kommentar von FoxundFixy ,

Das Fotorecht kann ziemlich kompliziert sein ( gemacht werden),da es Zivilrecht ist und manche Richter mitunter merkwürdige Ansichten bzw. Urteile darüber gibt.

Wäre schön ,wenn es klipp und klar heißen würde ,das ist verboten und dieses nicht

Kommentar von Naiver ,

In der Tat FoxundFixy...,
bloß, man ist mit einem guten Rechtsanwalt eben nicht jeder Richterstimmung ausgeliefert, denn die Gesetzeslagen ist schon eindeutig: Gezieltes Fotografieren von Menschen álà Chris Candid oder schlicht jede Candid-Fotografie IST in Deutschland zumindest nach geltener Übung der Gerichte  (wenn CC auch nachträgliche Genehmigungen erhält, war das ungenehmigte und überraschende Fotografieren bereits...)  anfechtbar. Und wie allseits bekannt, ungenehmigte Veröffentlichungen schon gar!

Jene, von vanGestern geschilderte, Fotografiererei einer privaten Scene aus dem (offenen?) Eingang oder über sichtversperrende Lattenzäune ist ebenfalls eindeutig verboten. Polizei muss dann einschreiten. ...denke ich mal so ganz naiv! ;- )

Kommentar von FoxundFixy ,

Der TO hält sich ja ziemlich bedeckt über das Thema.Mich würde schon interessieren was da genau los war,dann könnte man auch gezieltere Tipps geben.

Antwort
von nextreme, 12

Siehe ein Foto einfach so als das was es ist, ein langfristiges Abspeicher eines Bildes was der Fotograf eh gerade in diesem Augenblick auch ohne Kamera schon gesehen hätte. Jetzt ist es genauso sinnvoll im die Fotos aus der Kamera zu löschen, wie das Gesehene aus dem Gedächtnis eines Menschen und deshalb im Allgemeinen auch nicht verboten.

Das Veröffentlichen, also dritten zeigen unter Umständen aber schon.

Antwort
von smileyniki, 32

Ich weiß es leider nicht genau, aber ich weiß, dass der Fotograf keine Fotos von einer Person ohne dessen Einverständnis veröffentlichen darf, außer 1. es war eine öffentliche Veranstaltung oder 2. es sind mehr als 12 Personen mit am Bild oder 3. der Fotograf hat eben die Person gefragt, ob er die Bilder veröffentlichen darf, was er aber offenbar nicht getan hat. Du hast also auf jeden Fall das Recht, dich zu beschweren oder vielleicht sogar Anzeige zu erstatten, aber wie gesagt, genau weiß ich es nicht. Viel Glück bei der Sache!

Antwort
von FoxundFixy, 31

Wenn Fotografen haufenweise um etwas herumstehen und fotografieren wollen ,dann gehe ich davon aus,daß es sich um ein besonderes zeitgeschichtliches Ereignis handelt,daß im §23 KunstUHrhG zu den Ausnahmen zählt und veröffentlicht werden darf.

Egal wie Fotos zu Stande kommen sind ,ein Recht auf Löschung gibt es nicht.

Theoretisch kann man alles und jeden Fotografieren ,solange die Fotos nicht veröffentlicht werden.

Bei Veröffentlichung der Fotos gelten die §22 und 23 KunstUrhG

Antwort
von munichprint, 9

Das klingt ja eher so, als wenn Paparazzi versucht hätten ein Bild zu machen. 

Generell wird es schwierig, gegen das alleinige machen der Bilder einen Einwand zu erheben. Eine Veröffentlichung dagegen ist ausgeschlossen.

Aber diese Frage kann Dir nicht mal ein Anwalt beantworten und schon gar nicht ein Forum.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten