Frage von MichaelKart, 25

Wie funktionierte Handwerk und Mittelstand im Sozialismus?

Hallo, ich habe eine Frage zum Sozialismus im Osteuropa des 20.Jahrhundert. SOzialismus hieß ja das alles Volkseigentum ist - zumindest in der Theorie. Nun ist mir das für große Konzerne relativ verständlich. Wir hatten ja auch in der BRD zunächst z.B. eine staatliche und dann eine privatisierte Deutsche Bahn. ABer wie ist das mit kleinen und mittleren Betrieben? DIe wird es ja wohl auch im SOzialismus gegeben haben. Ich kenn mich ja nicht genau damit aus, aber in der Marktwirtschaft kann man ja sein eigenes Unternehmen gründen. Man muss sich an allgemeine Wirtschaftsgesetze halten aber die Firma gehört einem selber bzw in verschiedenen Graden ja nach Betriebsart (AG, GmhH etc.) in Teilen auch den Mitarbeitern und Anteilseigner. ABer wie funktionierte das im SOzialismu? Wenn jemand dort eine Baufirma oder ein Architektenbüro gründen wollte? Gab es das überhaupt oder musste das dann so angemeldet werden, dass der Firmengründer nur der Verwalter eines dann staatseigenen kleinen Betriebes wurde? Ich kann mir dies bei kleinen Firmen nicht recht vorstellen. Andererseits kann ich mir eine Wirtschaft ohne Mittelstand auch nicht vorstellen.

Antwort
von berkersheim, 11

Ich habe Anfang der 90er - also kurz nach der Wende - eine Türkei-Rundreise gemacht. Da war gut die Häfte der Mitreisenden aus den Neuen Bundesländern, ein Kern davon aus der Gegend von Leipzig. Das waren alles Handwerker, Messebauer und Innenausstatter. Ob alles wahr war, was die erzählten, kann ich nicht beurteilen. Handwerker waren die Lückenfüller in der oft mangelhaften Planwirtschaft. Außer qualitativ guter Arbeit scheint vor allem auch für den Erfolg gefragt gewesen zu sein, dass man Beziehungen hatte und gut organisieren konnte. Der Messebauer erzählte, das es erst nur Aufträge zur Messe Leipzig gab, wenn die staatlichen nicht fertig wurden. Der ökonomische Niedergang des DDR-Sozialismus sei für sie ablesbar geworden, als sie immer mehr Aufträge bekamen zum Messebau erst in Leipzig und anderen Objekten (teils auch von staatlicher Seite) und dann, was vorher undenkbar war, zunehmend auch mit Messebau in Moskau und anderen sozialistischen Bruderländern beauftragt wurden. Ein Grund war die mangelnde Refinanzierung kleinerer ökonomisch nicht so wichtiger Betriebe. Die staatlichen Betrieben mussten ja alle Gewinne abgeben und bekamen für Reinvestitionen Mittel aus der staatlichen Planung zugeteilt. Da dabei die großen volkswirtschaftlich wichtigen Betriebe bevorzugt wurden, ging es mit den kleineren und mittleren Betrieben immer weiter bergab. Am Ende waren die selbstständige Handwerksbetrieben oft besser ausgestattet als die staatlichen. So kam es auch, dass z.B. der Bau wichtiger, zentraler Hotels ins Ausland vergeben wurden, häufig z.B. nach Schweden. Als Handwerker vor Ort wurden dann oft die selbstständigen Handewerker beauftragt, weil sie zuverlässiger arbeiteten. Diese Kooperation gab denen wieder die Möglichkeit, Materialien "abzustauben", an die ein staatlicher DDR-Handwerker längst nicht mehr rankam. Klang sehr glaubhaft.

Antwort
von andre123, 12

bestehende Handwerks und Kleinstbetriebe wurden zum Teil weitergeführt . Neugründungen waren eher selten. Durch zum Teil Staatliche Preisfestsetzung etc. war eine Kalkulation natürlich ebenso schwierig , wie eine kontinuierliche Materialversorgung .

In der Regel ermittelte der "Staat" den Bedarf an Betrieben , Zulieferern, Werkstätten etc. diese wurden dann entsprechend gegründet und einem Verbund ähnlicher Betriebe angeschlossen, welcher dann für die Verteilung  der Rohstoffe usw sorgte und auch verwaltungstechnische  Aufgaben übernahm.

Der Grad der Verstaatlichung war jedoch nicht in allen RGW Ländern gleich

in der Sowjetunion war der Anteil der privat geführten Unternehmungen kleiner als in der DDR. In Ungarn der Tchecheslolovakei war er ebenfalls höher insbesondere im Bereich privater Gaststätten etc.

Antwort
von JBEZorg, 11

1.Unterschiedlich. Jedes sozialistische Land hatte andere Gesetze im Bereich privates Wirtschaften im kleinenbis mittleren Bereich. D.h. man müsste nach dem konkreten Land gehen. Manche haben die Kleinen privat wirtschaften lassen. Manche (fast) garnichtwie in der SU z.B.

2.Man konnte nichts gründen. Es heisst Planwirtschaft. Das heisst es wird zentral entschieden, dass die Stadt mit soundsovielen Einwohnern soundsoviele Handwerkbetriebe derundder Art braucht. Dann wurden diese auch vom Staat "gegründet", Leute wurden eingestellt usw. Alle Mitarbeiter vom Lehrling bis zum Meister waren beim Staat angestellt einfach und irgendeiner üergestellten Behörde unterstellt. Das ist übrigens auch nicht so fremd für den Kapitalismus. Es funktioniert z.B. ähnlich im Taxi-Geschäft mit Konzessionen. Es arbeiten zwar Privatunternehmen auf dem Markt aber es wrd die Zahl der Txen von Staat faktisch festgelegt sowie die Tarife.

3.Der beste Vergelich für eine sozialistische Wirtschaft ist ein Konzern. Das waren auch Konzerne, sehr grosse Konzerne. Einzelne Ministerien sind dabei so etwas wie grosse Abteilungen oder Sparten im Konzern, die immer kleinere Wirtschaftseinheiten letzendlich zentral kontrollieren.

4.Auch die strafferen Formen wie in der SU haben ein wenige Privatwirtschaft erlaubt. Man konnte schon seine Äpfel und Birnen aus dem Garten auf dem Markt verkaufen, oder privat Vieh züchten und es dann weder an einen staatlichen Betreib verkaufen aber bis zu einer gewissen Grene ab der der Staat gesagt ha das darf man nicht mehr privat betreiben. Handwerk war z.B. in der SU komplett staatlich organisiert. So etwas wie Baufirma oder Architekturbüro war alles staatlich und alles den Planungsbehörden unterstellt. Es gab keine Firmengründer. Es gab entsprechend ausgebildete Leute, die eine leitende Position sich erarbeitet haben, Karriere gemacht eben.

Antwort
von voayager, 15

Zu Ulbrichts Zeiten war das Handwerk noch zu einem großen Teil privat, erst der Schwachkopp Honecker ließ es verstaatlichen.

Antwort
von Kuestenflieger, 14

der größere normale handwerksbetrieb  wurde zur PGH und der meister  arbeiter unter staatlicher leitung . kleine betriebe mit max 2 mitarbeitern konnten die zugeteilten arbeiten mit rationiertem material ausführen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community