Frage von AriZona04, 69

Wie funktioniert Unterricht in einer Waldorfschule?

Ich habe gehört, dass Schüler einer Waldorfschule selbständig lernen und nicht fremdbestimmt. Da mir diese Unterrichtsform fremd ist, frage ich mich, wie man am Ende des Schuljahres - aber doch am Ende der allgemeinen Schulzeit (also Jahre) - alle Kinder auf demselben Level sein können. Wie läuft da der Unterricht ab? Und wie viele Kinder sind in einer Klasse? Wer von Euch kennt beide Unterrichtsformen "fremdbestimmt" und "selbständig" und kann mir plausibel verklickern, wie die Kinder in einer Waldorfschule lernen? Ich wollte einem 6-Jährigen Waldorfschüler das Schwimmen beibringen und da war absolut nichts möglich, weil das Kind ALLES verweigerte, was ich vorschlug.

Antwort
von Kuhlmann26, 30

Wie selbstständig Kinder an einer Waldorfschule lernen können, kommt sehr auf die Gestaltung des Schulalltags an und wie viel Freiraum die Schüler haben. Auch an einer Waldorfschule gibt es, wie an Regelschulen, einen Lehrplan. Man setzt nur andere Prioritäten.

Waldorfschulen sind keine demokratischen Schulen. Erst an diesen bestimmen die Schüler wirklich selbst, was sie wann lernen wollen. Und es gibt wenig oder keine Vorgaben.

Dein Irrtum liegt darin, dass Du meinst, alle Kinder müssten an Ende des Schuljahres oder der Schulzeit dasselbe Level haben. Warum sollte das so sein? Was hätte die Menschheit davon, wenn alle das Gleiche können? Selbst an Regelschulen wird das nicht erreicht, obwohl alle Schüler nach dem gleichen Lehrplan unterrichtet werden.

Was Du beim Versuch des Schwimmunterrichts gemacht hast, war Fremdbestimmung. Das ging schon damit los, dass DU dem Kind das Schwimmen beibringen wolltest. Gegenfrage: Und was wollte das Kind? Selbstbestimmung heißt, dass Kind fragt Dich, ob Du ihm zeigst, wie man schwimmt. Erst danach trittst Du in Aktion. Jetzt kann es immer noch ablehnen, was Du mit ihm machen willst. Das beste wäre also, Du fragst, was das Kind genau von Dir will.

Gruß Matti

Kommentar von AriZona04 ,

Um auf Deinen letzten Absatz einzugehen: Das klappt nur dann, wenn man unheimlich viel Zeit hat. Ich wurde aber für eine begrenzte Anzahl von Lehrstunden bezahlt. Wenn ich in dieser Zeit keine Fortschritte sehe, fühle ich, dass ich versagt habe, denn für's "Nichtstun" werde ich nicht bezahlt. Das ist weder ein Vorwurf an Dich noch an die Eltern des Kindes! Wir haben uns nun so geeinigt, dass genau DAS, was Du vorgeschlagen hast, die Eltern nun übernehmen: Das Kind beobachten und eine reine Wassergewöhnung machen.

Kommentar von Kuhlmann26 ,

Was ich jetzt schreibe, ist auch kein persönlicher Vorwurf: Lernprozesse haben ihre Zeit; vor allem der Zeitpunkt, wann etwas gelernt werden soll. Den kann nur der Lernende bestimmen, wenn es gelingen soll.

Es ist - egal ob Walddorf- oder gewöhnliche Schule - das Problem von Lehrern, dass SIE immer etwas wollen. Sie glauben jemandem etwas beibringen zu müssen. Dabei finden die Interessen derjenigen, den sie da beglücken müssen/wollen, keine oder nur unzureichend Berücksichtigung.

Ich empfehle Dir den folgenden Beitrag einer Lehrerin, die ihren Beruf an der Sudbury Valley School ausübt. Sie wird tatsächlich für's "Nichtstun" bezahlt (Das ist natürlich im übertragenen Sinn gemeint.). Sie tut dann etwas, wenn sie von Lernenden darum gebeten wird.

http://sudbury-berlin.de/sudbury-schulkonzept/texte/die-kunst-nichts-zu-tun/

Wenn Du wissen willst, was dort Unterricht bedeutet, lies das:

http://sudbury-berlin.de/sudbury-schulkonzept/texte/unterricht/

Antwort
von hakau, 17

Hallo AriZona04, ich empfehle dir, dich mal auf der Webseite des Bundes der Freien Waldorfschulen umzusehen. Dort findest du unter dem Reiter "Waldorfpädagogik" ziemlich viele Antworten auf deine Fragen: http://www.waldorfschule.de

Antwort
von thetee99, 50

Soweit ich weiß kosten Waldorfschulen Geld, ähnlich einer Privatschule. Versuchen dabei aber weniger elitär zu sein, sondern mehr die Kreativität und Ausdrucksform der Kinder zu fördern... trotzdem gibt es ein spezielleres Klientel von eher finanzkräftigen Eltern an Waldorfschulen.

Daher könnte ich mir vorstellen, dass dieses eine Kind evtl. einfach verzogen war ;)

Ansonsten ist wohl das größte Merkmal der Waldorfschule, dass man auf eine direkte, klassische Leistungsbewertung - wie üblich an öffentlichen Schulen - verzichtet. Also keine Noten, sondern nur Gespräche etc.

Trotzdem werden die Schüler soweit vorbereitet um dann eine Abiturprüfung bestehen zu können.

Antwort
von vonPB, 30

Auf waldorfschulen ist der untericht in Epochen eingeteilt, meist 4 Wochen. Zb Mathematik. Im 2 morgendlichen Stunden hat man dann diese Epoche. Dannach geht's dann mit normalen Fächern weiter. Die Epochen machen in den unteren Stufen die Klassenlehrer und ab der 9. oder so immer verschiedene, auf das gebiet spezialisierte Lehrer. Das Kinder alles verweigern kann bei jeder schulform passieren.
In den Epochen beschäftigt man sich halt intensiv mit dem Thema und nicht ein Thema z.B. Prozentrechmung über mehrere Wochen hinweg in den fachstunfen. Das Kinder selbständig lernen ist natürlich immer gut, aber es ist nicht so dass sie den ganzen Unterricht alleine da sitzen und sich was beibringen müssen. Die Lehrer unterrichten prinzipiell
wie an normalen Schulen.

Antwort
von Liesabet, 8

schau einfach mal hier nach:

http://www.waldorfschule-trier.de/

lebe grüße Lisabeth

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