Frage von angeluid, 44

Wie funktioniert eine private insolvenz?

Und wann kommt man da rein? Sind dann alle Schulden weg?

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Antwort
von LordofDark, 31

Ich muss an der Stelle den bisherigen Antworten widersprechen:

bei einer privaten Insolvenz läuft das Ganze ersteinmal so ab:

Du stellst - oft zusammen mit einem Schuldnerberater - eine Übersicht über Deine Verbindlichkeiten und Einnahmen auf: Es wird erstmal zusammengetragen, wem du wie viel Geld schuldest und wie viel du (ggf. von wem) regelmäßig an Geld einnimmst (Löhne, Sozialleistungen und dergleichen mehr). 
Im nächsten Schritt versuchst du, dich mit den Gläubigern in irgend einer Form zu einigen, wie die Schulden bezahlt werden sollen (sei es Raten, Zahlungsvergleiche etc.).

Wenn der zweite Schritt scheitert - sprich die Angebote von den Gläubigern nicht angenommen werden wird der Schuldenbereinigungsversuch als gescheitert betrachtet und du beantragst bei Gericht die Insolvenz.

Dann beginnt die sogenannte Wohnverhaltensperiode von ich meine 5 Jahren. In dieser Zeit musst du alles pfändbare Einkommen an einen Insolvenzverwalter (einen Anwalt) überweisen, der das Ganze dann an die Gläubiger verteilt und du darfst keine neuen Schulden machen. 

Nach den 5 Jahren (oder wenn du einen bestimmten (prozentualen) Mindestbetrag plus Verfahrenskosten bezahlt hast auch schon nach 3 Jahren wird die sogenannte Restschuldbefreiung für alle durch die Inso erfassten Schulden ausgesprochen. Neue Schulden bleiben an dir hängen und können die Befreiung sogar verhindern.  

Restschuldbefreiung heißt, dass du die restlichen Schulden nicht mehr bezahlen musst. Aber: Die Schulden sind damit nicht erlassen, wie es immer wieder heißt.

Es kann dich lediglich niemand mehr zwingen, sie zu zahlen. Zahlst du (irrtümlich oder freiwillig) weiter kannst du das Geld nicht zurückverlangen.
  
UND: Nehmen wir mal an, dass du bei einem Telefonanbieter Schulden hast, die dann nicht komplett bezahlt wurden und nach Restschuldbefreiung auch nicht mehr bezahlt werden müssen.
Jetzt gehst du nach der Inso genau dort (wieder) hin und beantragst einen Anschluß. Jetzt wird der Anbieter - völlig zu recht - sagen: "Zahl erst mal deine restlichen Schulden, vorher denken wir nicht mal drüber nach". Und damit ist er vollends im Recht, weil er dich zwar nicht mehr zur Zahlung zwingen kann, aber ja grundsätzlich die Voraussetzungen für die Annahme von Kunden frei gestalten darf. 

Auch wichtig: Du wirst durch die Inso nicht alle Schulden los. Forderungen aus Straftaten (sprich Geldstrafen, aber auch - und das wird dir von findigen Gläubigeranwälten spätestens blühen wenn du 'ne Inso beantragst - Schadenersatz aus Straftaten wie Betrug etc.*), Bußgelder und laufenden Unterhalt musst du nach wie vor bezahlen (letzteren auch während der Wohlverhaltensperiode, da du in dieser ja keine neuen Schulden machen darfst um in den Genuss der Restschuldbefreiung zu kommen). 

*Ein Weg, eine Geldforderung als Gläubiger  "insolvenzsicher" zu machen ist, dass man Anzeige nach §263 StGB (Betrug) stellt, da dann die Forderung zu einem Schaden aus einer Straftat wird, die somit nicht mehr von der Restschuldbefreiung erfasst wird.
Wird immer wieder gern von findigen Inkassoanwälten bzw. -büros zumeist auch erfolgreich versucht und man findet sich als "Insolaner" und gar nicht selten auch schon ohne Antrag auf 'ne P-Insolvenz schnell vor'm Strafrichter wieder, dem man dann plausibel erklären darf (und das ist schwierig), dass man tatsächlich vor der Bestellung/Auftragserteilung der/dem die Rechnung dann folgte  weder wusste noch hätte wissen müssen, dass man die Rechnung nicht bezahlen werden kann. 

So long,
Matze

Antwort
von FlorianBln96, 44

Man muss eine Privatinsolvent beantragen wenn man hohe Schulden hat mit einem eher geringen Einkommen. Wie man das beantragt weis ich auch nicht so ganz aber mein Vater ist in einer Privatinsolvenz und hat 36.000 Euro Schulden durch das Einfamilienhaus meiner Eltern...aber egal jedenfalls muss er seine Finazen offenlegen wie viel er für was bezahlt. Ihm wird soviel abgezogen das es geradeso zum Leben reicht, also kein urlaub und keine großen Anschaffungen. Das restliche Geld geht an die oder den Gläubiger, nach 6 jahren ist man schuldenfrei.

Kommentar von angeluid ,

"nach 6 Jahren ist man schuldenfrei". Auch, wenn nicht die ganze Summe abgezahlt wurde?

Kommentar von BrutalNormal ,

Wieso ist er wegen 36,000€ in die Privatinsolvenz gegangen?

Kommentar von FlorianBln96 ,

ja nach 6 Jahren ist man schuldenfrei. Dann wird ein Schnitt gemacht und er ist raus. Unser Haus wurde Zwangsversteigert und es blieben 72.000 € übrig als Schulden. Meine Eltern sind getrennt also muss meine Mutter 36 und mein Vater 36.000€.

Antwort
von claire57, 30

Du oder wer Hilfe benötigt, sucht sich einen Insolvenzberater, Er begleitet und berät dich die gesamte Zeit von 6 Jahren - nach den 6 Ja. hast du noch 2 Jahre eine Sperrzeit, darfst keine Kredite aufnehmen. Das Gericht entscheidet (so war es bei meinem Ex vor 12 Ja.) ob die Insolvenz  genehmigt wird. Gibt es Gläubiger - wer, wie viel bekommt entscheidet der Insolvenzverwalter. Nach den 6 Ja. ist man komplett Schuldenfrei!

Aber: man sollte immer nach seinem Ermessen leben und niemals über seine Verhältnisse - auch immer sein Konto im Blick behalten. Alles Gute für dich :).

Antwort
von pn551, 21

Stell Dir das nicht so einfach vor. Die 6 jahre Wohlverhalten mögen sich ja einfach gestalten lassen, aber da die Insolvenz auch über die Schufa geht, könnte sich das für die Zukunft, also bei evtl. neuen Krediten oder Kreditkäufen, sehr negativ auswirken. Unter Umständen bekommt man noch nicht mal mehr einen Handy-Vertrag. Freiwillig würde ich mir so etwas nicht antun.

Antwort
von ramax, 15

Hallo,

hast Du Die schon mal über das Insolvenzverfahren in England informiert?Dort dauert es nur 12 Monate.

Wenn es Dich interessiert kann ich Dir ein paar Infos geben.

Viel Glück und liebe Grüße

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