Wie funktioniert der Kommunismus nach Marx genau?

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6 Antworten

Zunächst einmal: Erstens hat Marx nie so einen Quatsch gesagt, dass "alle Menschen gleich seien" oder "alle Menschen gleich viel verdienen sollen." Im gegenteil betont Marx, dass die Menschen unterschiedlich sind, unterschiedliche Bedürfnisse haben usw. aber gerade im Kapitalismus diese Unterschiedlichkeit letztlich nicht ausleben können, da alle Menschen auf die Eigenschaft von "Arbeitskraftbesitzern" beschränkt werden. Zweitens: in einer klassenlosen Gesellschaft gibt es nicht nur keine Bourgeoisie sondern auch keine Arbeiterklasse mehr. Es ist also nicht etwa so, dass die Arbeiterklasse als "allein siegreiche Klasse" übrig bleibt. Der Kommunismus besteht eben nicht nur in der Abschaffung der "Kapitalisten", sondern in der Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise. Die kapitalistische Produktionsweise zeichnet sich durch folgende Faktoren aus: alle Produkte sind Waren, die menschliche Arbeitskraft wird selbst zur Ware, der gesellschaftliche Charakter der Arbeit wird hinter dem Rücken der Menschen durch das Medium Geld vermittelt, der zweck der Produktion ist die Erzielung von "Mehrwert", der gesellschaftliche Reichtum erscheint als abstrakter Geldreichtum. Deshalb wird es im Kommunismus keine Waren, keine Lohnarbeit und kein Geld geben. Wie das nun genau organisiert wird, dazu hat Marx klugerweise nichts gesagt. Denn ihm war klar, dass die konkrete Organisation eine Frage ist, die die Menschen lösen werden, wenn die zeit gekommen ist. Einen "Bauplan" kann man redlicherweise nicht für die Zukunft geben. Im Kommunismus bekommt keineswegs jeder das Gleiche.

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Es wird weder Einkommen noch Professionen geben, denn sowohl Eigentumsverhältnisse (und damit als Konsequenz auch Warenaustausch) als auch gesellschaftliche Arbeitsteilung (die "Spezialisierung auf einen bestimmten Kreis der Tätigkeit") sollen aufgehoben werden. Eine "genaue Funktionsweise", also eine konkrete Beschreibung des Kommunismus, wird von Marxisten nicht vorgestellt, weil dessen Gestaltung eine Aufgabe für die Zukunft ist. Der Punkt des Kommunismus ist es, dass die Gesellschaft sich über die kapitalistische Produktionsweise hinaus entwickelt. Was wir mit Sicherheit sagen können, können wir auch nur insofern, als es eine praktische Relevanz für die Gegenwart hat. Folglich beschränkt sich das auch auf banale Dinge, wie Klassenlosigkeit, Absterben des Staates, bewusste Organisation der gesellschaftlichen Produktion etc. Und ja, das erfordert "Selbstlosigkeit" und "Altruismus" (Anführungszeichen bewusst gesetzt), Marxisten gehen auch nicht von der propagierten "Natur des Menschen" aus.

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Das ist denke ich ein Problem, welches erst noch gelöst werden müsste (wenn dies überhaupt gelingen könnte). 

Ich weiß lediglich, dass Marx zwischen freiem Tun und notwendiger Arbeit unterschied, wenn auch ohne Bestimmung, was denn nun konkret notwendig sei, um die Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen. 

Die Gesellschaft müsste also erst definieren, was für sie notwendig ist, wie viel Arbeitsleistung in jedes einzelne Bedürfnis gesteckt wird und, wie angesprochen, die Entlohnung. Denn gleicher Lohn müsste eigentlich gleiche Fähigkeit und gleichen Willen zum gesellschaftlichen Beitrag voraussetzen.

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Ich würde sagen der Kommunismus ist in erster Linie das was du dir (als Kommunist) wünscht das er sei. Wenn du dir das also wünscht, dann ist er das eben (für dich). Und dann sind die Leute in deinem Wunsch eben auch alle so altruistisch und alle so "gleich" dass dies funktioniert. In der Realität sieht es eh anders aus, und das liegt nicht daran dass die Menschen nicht altruistisch sind, sondern dass der Kommunismus in Wirklichkeit nicht altruistisch ist (und er so wie man ihn sich vorstellt eh nicht funktioniert).

Es ist wie mit dem Versprechen der meisten Parteien. Vor der Wahl verspricht dir die Partei alles was du hören willst, aber was die Partei davon dann nach der Wahl tatsächlich umsetzt und ob es überhaupt alles in der Realität umsetzbar ist, das ist eine völlig andere Frage und das kann der Partei auch egal sein, denn ihr geht es vor allem darum an die Macht zu kommen, also verspricht sie den Leuten eben alles was die Leute gerne hören wollen und verspricht ihnen den Himmel auf Erden, und bis die Leute dann gemerkt haben dass es einen "Himmel auf Erden" nicht geben kann, ist die Partei bereits an der Macht.

Die Wahrheit ist dass der Kommunismus in erster Linie eben ein Parteiversprechen ist, nie mehr war und nie mehr sein kann.

Wenn du genau wissen willst warum der Kommunismus in der Realität nicht funktionieren kann, kannst du auch meinen Artikel über den Kommunismus lesen, aber Vorsicht, da ist auch Kritik dabei und ich weiß Kommunisten mögen keine Kritik, das heißt wenn du ein Kommunist bist, dann solltest du ihn nicht lesen und einfach gleich als "böse kapitalistische Propaganda" abtun ;-) http://www.simplepedia.de/doku.php?id=kommunismus

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Der Kommunismus als Projektion des Sozialismus in die Zukunft hat sich in den Staaten, die unbedingt der von Marx und Engels unterstellten Gesetzmäßigkeit der Warenwirtschaft zuvorkommen wollten, als fundamentaler Irrtum herausgestellt. Die Menschen sind eben nicht gleich und entwickeln unterschiedliche Bedürfnisse, so dass sich die Ausbeutung der Menschen durch den Menschen (leider) nicht beheben lässt.

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