Frage von PeVau, 203

Wie funktioniert das Geschäftsmodell beim Vertrieb von Gedenkmünzen?

Liebe Community,

ich habe mal eine Frage an die Numismatiker unter euch. In der Fernsehwerbung habe ich gerade gesehen, wie eine offiziell von der Bundesbank herausgegebene 20-Euro-Gedenkmünze von einem privaten Händler (MDM, Richard Borek Unternehmensgruppe) für den Nominalwert von 20 Euro angeboten wird.

Woran verdient das Unternehmen so viel Geld mit diesem Angebot, dass sich auch noch eine teure Fernsehwerbung lohnt? Die werden es doch wohl kaum auf die Versandkosten abgesehen haben. Oder geht es denen nur um die Adressen von potenziellen oder tatsächlichen Sammlern, um diese mit anderen Angeboten zuzumüllen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von napoloni, 117

Das Wichtigste für MDM und Co. ist natürlich, einen neuen Kunden zu gewinnen. Wer das Angebot annimmt, ist schon einmal an Münzen interessiert.

Dass Münzhandelshäuser unaufgefordert Waren senden, kenne ich nicht. Aber man kann sich Waren mit Rückgaberecht zuschicken lassen.

Der Kunde wird nun regelmäßig beworben und manchmal sogar beschenkt. Das Geschenk kann nun etwa ein Michel Münzkatalog für deutsche Eurogedenkmünzen sein, bei dem die Preise sehr überteuert dargestellt werden, was einerseits das Münzhandelshaus günstiger erscheinen lässt, andererseits eine tolle Wertsteigerung der Münzen vorgaukelt.

Das Argument Wertsteigerung ist dann auch der Hauptpfeiler der Werbung. Die einflatternden Angebote beinhalten nun Medaillen oder Münzen in geringen Auflagen oder guter Qualität mit angeblich hohem Wertsteigerungspotential. Und diese Münzen sind es, an denen das Unternehmen verdient. (Und möglicherweise am Zubehör, das mit der Zeit erforderlich wird.)

Insbesondere gewisse Pazifikinseln finden ungeahnte Anlässe, seltene Silbermünzen zu prägen, die dann in Deutschland vermarktet werden.

Aber auch ordentliche Staaten mischen da manchmal mit. So hat zum Beispiel die europäische Fußballmacht Vietnam 1988 eine Sondermünze zur Fußball-EM in Deutschland herausgebracht.


Antwort
von cherskiy, 122

Der Händler investiert mit diesem Lockangebot in Deine Adresse, die er mit der Bestellung bekommt. Die durch solche Werbeaktionen gesammelten Adressen werden dann mit für MDM lukrativen Angeboten z.B. Gedenkmedaillen beworben. Oftmals ist es sogar so, dass Du unaufgefordert unbestellte und dann überteuerte Ware, bspw. Gedenkmedaillen als "Abo" zugesendet bekommst. Dazu gibt's dann meist noch für 20 Euro das "Vorzugsabo" des "Deutschen Münzenmagazins" oder so ähnlich, einer Werbezeitschrift.

Ganz gut wird das Geschäftsmodell des Teleshoppings in folgendem Video erklärt ;-)

http://www.southpark.de/alle-episoden/s16e02-wer-hat-zuerst-gerochen

Kommentar von PeVau ,

Ja, so versteht man endlich Wirtschaft. ;-))

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community