Ein Zeugnis zu "dechiffrieren" ist teilweise nicht so einfach. Zwar gibt es immer mehr Literatur zum Thema, und das Internet tut sein Übriges. Aber das wissen ja auch die, die Zeugnisse schreiben.
Denn dass "hat sich bemüht" nichts Anderes als eine Katastrophe beschreibt, wissen heutzutage fast alle. Um Zeugnisse richtig zu interpretieren, muss man schon etliche Zeugnisse gelesen haben oder geschult sein oder teilweise über Insiderwissen verfügen.
Mittlerweile fast noch wichtiger als die Leistungsbeurteilung ("stets zu unser vollsten Zufriedenheit" bis zu "hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt" sind die Dinge, die nicht im Zeugnis stehen. "Zu seinen Kollegen verhielt er/sie sich stets korrekt und loyal" besagt so viel wie, dass das gegenüber den Vorgesetzten nicht der Fall war...
Steht nicht der Grund des Ausscheidens drin, ist der Betreffende vor die Tür gesetzt worden. Üblicherweise dankt die Firma für die geleistete Arbeit und wünscht dem ehemaligen Arbeitnehmer alles Gute für die Zukunft. Tut sie das nicht, dann ist sie wohl eher dankbar, dass er endlich weg ist...
Die "reinen" Zeugniscodeformulierungen findet man mittlerweile nur noch in älteren Arbeitszeugnissen, als der Code noch nicht bekannt war. Oftmals lässt sich auch erkennen, dass der Autor des Zeugnisses mit profundem Halbwissen über den Code katastrophal wirkende Formulierungen erwischt hat, aber eigentlich was Positives schreiben wollte...
Große Arbeitgeber mit vielen Zweigstellen haben oftmals einen internen Code. So sollte bei der katholischen Kirche unbedingt "Gottes Segen" über dem Zeugnis schweben, sonst kann den ehemaligen Arbeitnehmer wohl der Teufel holen... Auch irgendwelche Strichcodes kommen mehr und mehr in Mode...