Frage von Brotessen22, 27

Wie findet ihr meinen Schreibstil (extrem langer Text!)?

Also aus Spaß bin ich gerade dabei, ein Buch zu schreiben und deshalb wollte ich euch fragen, wie ihr meinen Schreibstil findet, und ob und wie ich ihn verbessern kann. Ich hab noch keine Idee, wie es weiter gehen soll, hab einfach drauf los geschrieben :D

Am Rande der Lichtung eines kleinen, geheimnisvollen Waldes stand die Hütte der Perkins. Zu dieser frühen Morgenstunde lag das hölzerne Gebäude noch in kompletter Dunkelheit und friedlicher Stille. So war es kein Wunder, dass niemand die unheilvolle Gefahr erahnen konnte, welche sich langsam zu nähern drohte… Als Shayn Perkins um halb sieben erwachte, ging er zu allererst in den Wald, um von der Spendenquelle sein jährliches Geschenk entgegen zu nehmen. Für Shayn war dies immer noch ein besonderer Moment und er war aufgeregt wie an seinem ersten Tag auf Graktasya. Er schloss die Augen, steckte seine Hände in die Öffnung, murmelte drei Mal „Salamat“ und wartet voller Vorfreude aber auch Furcht auf sein Geschenk. Als Shayn seine Augen wieder öffnete, erstarrte er vor Schreck. In seinen Händen lag ein kleines, gezacktes Messer, welches im sanften Licht des Morgengrauens schimmerte. Shayn wusste genau was das zu bedeuten hatte, seine Eltern hatten ihn schon vor Jahren über die Schattenseiten seiner Heimat aufgeklärt. Bis zu jenem Tage war Graktasya ein friedlicher, geheimnisvoller Ort gewesen und Shayn liebte es, jeden einzelnen Winkel seines Waldes, mit all den mystischen Wesen und Tieren zu erkunden. Mittlerweile kannte er jeden noch so versteckten Fleck seiner Heimat. Deshalb sehnte sich Shayn schon lange, die andere Seite der Grenze zu erkunden…

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ily15, 13

Betreffend einer Aussage eines Schreibers über Adjektive:

Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen, im Gegenteil! Adjektive machen die Geschichte lebendig, sie machen das lesen lustvoll und angenehm. Je mehr Adjektive, wie ich finde, desto besser - vorausgesetzt man benutzt sie mit Bedacht.
Adjektive sind des Lesers Wege sowie Türe, sie leiten und sie zeigen. Was der Leser jedoch fühlt, was er sieht, das bleibt ihm überlassen. Somit sind sie keine Feinde des Schreibens, sondern eher Stützen der Fantasie. Doch möge dies in jeder Manns eigener Betrachtung liegen.

Deine Schreibweise lässt mich nicht darauf schliessen, dass du Adjektive magst, doch lässt sie mich wissen, dass du nicht nur schreibst was du denkst, sondern schreibst was du fühlst - und dies merkt der Leser. Dies merke ich.
Und wie ich finde ist das, das Wichtigste überhaupt.

Bezüglich deines Stils, möchte ich dir das Buch: Siddharta von Hermann Hesse empfehlen. Du müsstest Freude daran finden. :-)

Nun möchte ich mich aber doch noch deinem Texte widmen..

Die Uhrzeit welche du erwähnst rauben, mir jedenfalls, die Fantasie. Du hast schon erwähnt, dass es früh in den Morgenstunden sei. Und Uhrzeiten, wie ich finde, machen das ganze so exakt, so genau ohne mit den möglichen Gedanken des Lesers zu spielen.

In der Mitte wird es ziemlich holprig da gebe ich einem vorherigen Schreiber recht. Doch muss dazu erwähnt werden, dass du lediglich die Sätze umformulieren solltest und nicht den Sinn dahinter ändern musst.

Zum Beispiel: "Für Shayn war dies immer noch ein besonderer Moment und er war aufgeregt wie an seinem ersten Tag auf Graktasya"

(Ok es gibt bessere Beispiele in deinem Text um Verbesserungen anzustreben, doch lass es mich trotzdem versuchen).

Wieso ist es "immer noch ein besonderes Erlebnis"? Nutz diese Gelegenheit und zieh deine Leser in einen weiteren Bann, denn begonnen hast du sehr gut.

Was ist "Graktasya"? Der Leser ist verwirrt. Deine Absicht ist offensichtlich. Du möchtest ein weiteres Geheimnis, eine weitere Sache die dem Leser vorerst verborgen bleibt ins Leben rufen und dadurch, so nehme ich an, eine gewisse Spannung aufbauen. Doch mein Freund; manchmal ist weniger mehr.

Wenn du mir erlaubst, Fasse ich den Satz, den ich bemängle in meine Wörter um dir ein greifbares Beispiel zu offerieren.

Für Shayn war dies noch immer ein besonderer Moment. Als er klein war, da besuchte er diesen sagenumwobenen Ort oft mit seinem Vater. Sie kamen und gingen, Jahr für Jahr, Winter für Winter. Doch bis heute verspürt er diese kindliche Vorfreude, dieses jubeln des Herzens, wann immer er zurückkommt, an diesen wundersamen Ort.

Du schreibst wirklich super und es gibt nichts "grosses" zu bemängeln, deshalb sehe ich keinen Sinn darin noch weiter rum zu basteln, denn schliesslich ist das dein Werk. :-)

Bleib deinem Stil treu und lerne weiter. Im moment schreibst du besser als so manch anderer! 

Liebe Grüsse

Kommentar von Brotessen22 ,

Danke für die ausführliche Antwort :)

Antwort
von lillian92, 3

Ich bin gespalten, was deinen Text betrifft.

Einerseits gefällt er mir sehr gut, weil es klingt, als ob du sehr interessante und ausgereifte Ideen hast und eine fremde Welt mit ihren eigenen sozialen Bräuchen finde ich immer spannend. Du wirfst in dem relativ kurzen Absatz viele Fragen auf, die ich als Leser gerne beantwortet haben möchte – das ist gut und hält am Lesen. (Ich würde am liebsten sofort wissen was es mit dem gezackten Messer auf sich hat, auch wenn mir irgendwie der Gedanke kommt, dass Shayn mit dem Messer die Gefahr sein könnte. :D )

Um zu deiner eigentlichen Frage zurück zu kommen: Mit deinem eigentlichen Schreibstil habe ich dafür so meine Probleme.

Gerade der erste Absatz (bis zu den drei Punkten) finde ich ließt sich sehr generisch und nichtssagend. Du versuchst eine Stimmung zu erzeugen, nennst konkrete Details wie Wald, und gleichzeitig bist du so komplett vage was deine Gefahr betrifft.
Ich fände es hier zum Beispiel spannender, zu lesen, wie die unbekannte Gefahr durch den mit Morgentau benetzten Wald schleicht, die das Haus belauert und nur auf ihr Zeichen wartet.

Adjektive sind nicht grundsätzlich schlecht, allerdings ist es wichtig, die richtigen zu wählen – sprich die unersetzbaren und nicht die waberigen Varianten wie unheilvoll oder geheimnisvoll. Auch die Morgenstunde könntest du mit zB Tau, Kälte und Dämmerlicht implizieren ohne es explizit sagen zu müssen. Das was du mit diesen ersten Sätzen machst ist mehr erzählen anstatt zu zeigen.

Auch wenn noch immer teilweise erzählt (halb sieben erwachen, zu aller erst in den Wald gehen – ich glaube es würde hier reichen, dass dein Protagonist mit zB dem Anbruch der ersten Sonnenstrahlen in den Wald geht), fühle ich hier mehr Persönlichkeit dahinter (vor Schreck erstarren, das Murmeln, die Augen schließen). Das sind schöne kleine Gesten, die mich als Leser mitfühlen lassen – soetwas ist gut!

Der für mich letzte Absatz (ab Erhalt des Messers) ist für mich wieder etwas holprig und nichtssagend. Hier wird wieder ein Mysterium aufgebaut, von dem ich glaube, dass – wenn es mit Shayns Wissen klar benannt wird – genauso spannend zu lesen wäre, ohne die kryptischen Andeutungen von Grenzen und warum dieses Messer den Frieden verändert.

Im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass ich den Text aber mag und ich jetzt auf jeden Fall gespannt wäre, was in deiner Geschichte noch so passieren wird (solltest du jemals einen Betaleser oder Kritikpartner suchen, melde dich auf jeden Fall bei mir!). Aber es ist meiner Meinung nach eben noch sehr viel Luft nach oben! Mach auf jeden Falll weiter so, du bist auf einem guten Weg, glaube ich :)

Kommentar von Brotessen22 ,

Danke :)

Antwort
von CaraBoswick, 5

Hört sich interessant an, aber mir sind ein zwei Dachen aufgefallen:

1. Der Einleitungssatz ist dir gut gelungen. Es fesselt den Leser und man weiß genau, wo man gerade ist. Aber was mir persönlich nicht klar ist: Du schreibst, es sei gerade erst Morgen geworden (Morgengrauen), weniger später sieht er das Messer (...) im Licht... aber am Anfang schreibst du, dass die Hütte an der Lichtung in Dunkelheit liegt. Vielleicht stelle ich es mir auch falsch vor, aber das erschließt sich mir nicht so ganz.

2. Achte bitte auf die Zeitform. Zwischendurch springst du vom Präsens ins Präteritum.

3. Erzählstil am Anfang super, in der Mitte ETWAS holprig, am Ende wieder super. Die Mitte benötigt meiner Meinung nach noch so den gewissen Feinschliff :)

Aber ansonsten hört sich das sehr vielversprechend an.

Kommentar von Brotessen22 ,

Statt den drei Punkten sollte eigentlich ein Absatz hin (Zeitsprung) Ja, sollte wirklich mehr auf die Zeit achten^^

Antwort
von bartman76, 6

Du verwendest sehr viele Adjektive. - komplette Dunkelheit- geheimnisvoller Wald , unheilvolle Gefahr.

Versuche mit möglichst wenigen Adjektiven auszukommen.

Du beschreibst den Velauf nur sehr grob. Eine kurze Einleitung. Dann geht dein Protagonist in den Wald, aber man kann nicht "mit ihm mitfühlen" wie er das tut. Was denkt er? Was nimmt er wahr? GErüche? Wie fühlt sicht der Boden an unter seinen Füßen? Welchen Weg nimmt er? Wie fühlt sich das Messer an?

Du verwendest scheinbar gern Adjektive wie "geheimnisvoll" "mystisch" usw. Vielleicht solltest du dir überlegen, ob du ein solches Beurteilen nicht besser dem Leser überlassen möchtest.

Ein paar Dinge, die mir spontan zu deinem Text einfallen. Du kannst ja einfach mal drüber nachdenken, ob du mit meiner Sichtweise was anfangen kannst. Viel spaß noch beim Schreiben!

Kommentar von Brotessen22 ,

danke für die Tipps :) Nur verstehe ich nicht, warum ich weniger Adjektive verwenden soll? Ich dachte, je mehr, desto besser?

Kommentar von bartman76 ,

Im allgemeinen nicht. Zum einen liest sich ein Text mit vielen Adjektiven schwerer, zum anderen nimmst du dem Leser viel seiner Vorstellungskraft. Und viele Adjektive sind schlicht überflüssig. 7

Eine beliebte Übung beim kreativen Schreiben ist es einen Text vollkommen ohne Adjektive zu verfassen. Ist sicher auch nicht lesenwert, aber eben eine gute Übung.

Kommentar von Brotessen22 ,

du sagst ja, ich sollte zb auch Gerüche beschreiben? Aber wäre das nicht genau so eine Sache, die sich der Leser selber vorstellen könnte?

Kommentar von bartman76 ,

Du kannst dem Leser natürlich nicht alles überlassen. Ich sag ja auch nicht, du sollst auf alle Adjektive verzichten. Es kann aber nicht schaden diese kritisch zu betrachten und sich gut zu überlegen, ob sie da so richtig sind.

Lass deine Protagonisten mit allen Sinnen erleben. Der Leser möchte glauben, er sei dabei, oder besser noch: Er selbst läuft durch diesen Wald, nimmt die Luft wahr, hört das Käuzchen rufen, riecht die Nadelbäume, spürt den knurrenden Magen (weil er ja noch nichts gefrühstückt hatte).

Kommentar von Brotessen22 ,

ja da hast du wohl recht. Apropos Frühstück, guter Punkt xD, hätte ich komplett vergessen. Es gibt einfach so viele Dinge, die beachtet werden müssen...^^

Kommentar von CaraBoswick ,

Jein... also ich finde Adjektive solltest du schon benutzen, aber es sollten die Passenden sein, und auch nicht so viele, dass es sich wie eine Aufzählung anhört. Ich finde ohne Adjektive würde sich das total plump anhören. Beispiel: "Sein Weg führte ihn geradeaus..." Besser wäre es: "Vor ihm lag ein schmaler steiniger Weg, der keinerlei versteckte Abbiegungen gewährte; ein schmaler Pfad, vom Regen mit unübersichtlichen graublauen Pfützen übersät." Das hat schon eine ganz andere Wirkung.

Kommentar von bartman76 ,

Klingt ganz gut aber genau 2 der Adjektive würde ich mindestens weglassen:

keinerlei VERSTECKTE Abbiegungen. Vielleicht sind sie gut versteckt und der Protagonist kennt sie überhaupt nicht

Und was genau sind UNÜBERSICHTLICHE Pfützen?

Aber das ist nur meine Meinung und die hat sicher kein Anrecht auf Allgemeingültigkeit.

Kommentar von CaraBoswick ,

Unübersichtliche Pfützen sind gemeint als Pfützen, wo einige miteinander verbunden sind, andere etwas kleiner aber über den ganzen Weg verteilt etc. Der Leser kann sich schon in Ungefähr vorstellen, was damit gemeint ist (zumal niemand eine Beschreibung über die Art und Form von Pfützen lesen will, die über zwei Seiten geht...)

Antwort
von schloh80, 10

Zu lange Sätze, zu viele Füllwörter, zu viel Nominalstil. Lebendigkeit und Fluss fehlen mir (daher). Zeichensetzung beachten.

Worum es geht oder gehen soll, ist mir außerdem auch nicht deutlich geworden. Könnte es sein, dass du noch gar keine Geschichte zum Erzählen hast?

Kommentar von Brotessen22 ,

ja hab ich ja geschrieben. Und dass man zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, um was es geht, ist eigentlich nicht ungewöhnlich...

Antwort
von StarKillerKev, 5

Hört sich auf jeden Fall sehr interessant an. Wenn du weiter schreibst, würde ich dein Buch auch kaufen! Und das ist jetzt mein voller Ernst!

Kommentar von Brotessen22 ,

ok cool danke :D Das Problem ist, dass ich einfach zu wenig kreativ bin^^

Kommentar von StarKillerKev ,

Das wird schon mit der Zeit. Menschen sind am Abend/Nachts am kreativsten. Leg dir also ein Notizbheft neben dein Bett und wenn dir was einfällt, schreib es auf!

Antwort
von HanzeeDent, 5

Boah ist das eine coole Story o.O

Schreib unbedingt weiter, da könnte sich was sehr gutes entwickeln!

Kommentar von Brotessen22 ,

na hoffentlich wird die Idee nicht geklaut ;)

Kommentar von HanzeeDent ,

Ich mag das Setting, in dem du ansetzt. Es vermittelt mir etwas von skurriler Gesellschaftsstruktur, ähnlich wie bei "Tribute von Panem". Ich fände es schön, wenn auch Fantasy- und Scifi-Elemente dabei sind.

Antwort
von THEGAMINGNERD, 4

Relativ gut, und bei den ersten drei Punkten stattdessen Absatz 😊

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