Frage von vaplos, 61

Wie findet ihr dieses selbst verfasste Gedicht?

Es gilt zu Überleben, Der Tod, den das Blei und die Blindgänger bringen, Die Flammen, welche sich rasch verbreiten, Das Essen, welches nicht vorhanden.

Es gilt zu überwinden, Der Schmerz, den das Vertraute hinterlässt, Land, auf dessen Boden ich nicht willkommen, Das Meer, voller Verzweiflung und Hilflosigkeit.

Es gilt zu hoffen, Auf Sicherheit und Frieden, für Familie und Bekannte, Auf Lebenschancen, auf anderem Grund und Boden, Auf Glück, Gesundheit und Gottes Segen.

Es gilt zu warten, Auf das Floß, es erreicht den goldenen Strand, Auf Bevölkerung, die mich einweist in die richtige Gesellschaft, Auf ein neues Leben, ein gutes.

Und ich überlebte. Und ich überwand. Und ich hoffte. Aber ich warte.

(Sollten wir zum Deutschunterricht für eine Lyrikmappe machen ;p Also selbst verfasst :] )

Antwort
von DerKleineRacker, 21

Für einen Schüler sicherlich nicht schlecht und der Lehrer wird dir bestimmt eine gute Note geben, aber mir persönlich gefällt es nicht so. 

Aus den ersten vier Abschnitten kann ich keinen besonderen dichterischen Wert ziehen, es sind bloß Aufzählungen, die nicht einmal besonders arrangiert sind um zusammen etwas höheres zu evozieren, es bleibt bei einer Abfolge von einzelnen Beschreibungen. Zudem wirkt das repetitive "es gilt" irgendwie volkstümlich lehrmeisterlich. Bei so wenig Inhalt sollte einen dann wenigstens die Form des Gedichtes irgendwie fesseln um mich am lesen zu halten, also einen Rhythmus reinbringen, aber darauf hast du ja verzichtet.

Die letzte Zeile finde ich gelungen und es war eine überraschende Wendung. Hier finde ich erstmals was ich von einem Gedicht erwarte, eine Verdichtung, du sagst in wenigen Worten sehr viel. Alles davor würde ich nochmal gründlich überarbeiten.

Nur mal exemplarisch herausgepickt die erste Strophe um dir einen Anhaltspunkt zu geben: "Es gilt zu überwinden, Der Schmerz, den das Vertraute hinterlässt, Land, auf dessen Boden ich nicht willkommen, Das Meer, voller Verzweiflung und Hilflosigkeit."

Meinst du, diese Worte treffen das Wesen des Wortes "überwinden" wirklich im innersten Kern? Oder sind es nicht vielmehr extrem oberflächlich gehaltene Beschreibungen von Dingen, die du allzu offensichtlich in der Form gar nicht persönlich erlebt hast? Das ganze liest sich wie ein Artikel einer Tageszeitung. Ich glaube jemand der so etwas tatsächlich durchlitten hat, würde ganz anders schreiben. Zudem "spielen" und interagieren die einzelnen Wörter der Beschreibung nicht miteinander, sie sind wie tot, damit verschenkst du viel Potenzial denn Gedichte sind wie gemacht dafür.

Aber ich finde schön dass du dich mit dem Dichten befasst, nur weiter so. Ich hoffe du kannst mit konstruktiver ehrlicher Kritik umgehen, selbes würde ich mir auch wünschen. Vielleicht hast du ja auch stellenweise eine andere Meinung als ich, das ist auch okay.

LG

Antwort
von Rocker73, 40

Hier bist du nicht richtig, es gibt andere Seiten, wo man dir viel rationalere und prosfessionellere Kritik geben kann. Trotzdem werde ich mal meine Meinung dazu sagen.

Du sprichst ein aktuelles Thema an, womit fast alle Deutschen sich angesprochen fühlen. Die Idee ist gut, aber hadert an ein paar Stellen:

Zum einen ist es die Rhythmik: Es trübt die Lesefreude, die Spannung, wenn man keinen richtigen Rhythmus beim lesen hat, wie es z.B durch unterschiedlichste Reimformen in den einzelnen Strophen entsteht.

Auch fehlt die "große Bombe", das was, was den Leser zurückschrecken lässt, die Unmenschlichkeit, das gefährliche Meer etc. Man braucht etwas, was den Leser dazu bringt, dem Gedicht die volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Das mal so als Anreiz, ich hoffe, ich konnte dir helfen.

LG

Kommentar von Rocker73 ,

Das war meine Meinung, möchte ich sagen, wie andere dieses Gedicht empfinden, ist wieder was anderes! :-)

LG

Kommentar von vaplos ,

Freue mich immer über konstruktive Kritik! Dankee :)

Kommentar von Rocker73 ,

Gerne, frohes Schaffen!

Antwort
von Peppi26, 35

Den Teil mit dem warten auf das Floß und so gefällt mir garnicht, ansonsten ist es sehr melodramatisch und nicht schlecht!

Antwort
von mychrissie, 8

Wie man große Themen richtig behandeln kann, zeigt das Foto des kleinen toten Flüchtlingsjungen, der am Strand liegt. Das nimmt einen mehr mit, als wenn Petersen im Stil von 2012 eine Doku über die Flüchtlingsfahrt übers Meer gefilmt hätte.

Genau so sollte man ein Gedicht über dieses Thema schreiben. Schreib ein Gedicht, wie ein Touristenkind eine Schwimmweste am Strand findet, sie aufschlitzt und nur Müll drin findet. Es rennt zu seiner Mutter und meint, ich habs ausprobiert, die geht ja unter.

Das nennt man "pars pro toto = ein Teil fürs Ganze" ein Thema wird anhand einer scheinbaren Kleinigkeit dargestellt, die dem Leser Freiraum für seine eigenen schrecklichen Fantasien gibt.

Das ist besser als großartige, abgenutzte Sprüche. Solche Phrasen sind schon zu oft gehört und sprechen niemanden wirklich emotional an.

Antwort
von mychrissie, 13

Ist nicht schlecht, aber ich würde es eine Nummer kleiner machen. Wenn Schüler die großen Fragen der Gegenwart bereimen, kommt das immer so rüber, wie wenn kichernde Schönheitskönniginnen sich zum Thema "Weltfrieden" äußern.

Fang doch mal eine Nummer bescheidner an und finde ungewöhnliche Metaphern und bestechende Bilder und dann wählst Du ein Thema, das nicht so gnadenlos über Deinen Möglichkeiten liegt.

Antwort
von Mignon4, 27

Finde ich gut! :-)

Antwort
von hutten52, 9

Leider gefällt es mir nicht. Es fehlt die literarische Qualität und die gedankliche Originalität. 

Ein Gedicht sollte Bilder, Symbole, rhetorische Mittel enthalten. 

Es sollte eine Form bieten.

Es sollte nicht nur aus einer Wiedergabe der inzwischen etwas naiv klingenden Glaubenssätze der Willkommens-Szene bestehen.

Antwort
von ManuViernheim, 11

Solltet Ihr speziell ein Gedicht über Flüchtlinge verfassen oder dürft Ihr Euch das Thema aussuchen?

Wenn Ihr Euch das Thema ausuchen dürft, dann nehmt was Schönes.

Z.B. Der Sommer, Spuren im Schnee, die Katze und ihre Jungen usw.

Kommentar von vaplos ,

Wir konnten uns ein Thema aussuchen, es sollte nur aktuell sein.

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