Frage von Barut, 59

Wie erlebt ihr die Integration behinderter Kinder in der Schule ?

Hallo,

ich versuche die Frage wertefrei zu stellen und bitte euch da auch nix hineinzulesen ;-)

Wie läuft die Integration behinderter Kinder in der Schule (jenseits des Regelunterrichts) ?

Wird hier bei z.B. Ausflugsplanung / Sonderaktivitäten Rücksicht genommen ?

Denkt ihr, dass darauf bei solchen Aktivitäten Rücksicht genommen werden soll/muss ?

Oder kann man von den Kindern erwarten, dass sie akzeptieren nicht an allem teilnehmen zu können ?

Ich stelle mir das alles für alle Beteiligten sehr schwierig vor. Vllt liest ja die eine oder der andere betroffene Elternteil bzw. Lehrer mit und hat da Erfahrungen.

Danke im voraus für eure Antworten.

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 5
Wenn möglich sollte die Schule Rücksicht nehmen

Hallo!

Ich habe es in zwei Fällen erlebt -------> einerseits bei einem fast tauben Jungen, der Hörgeräte trug & einmal bei einem beidseitig Oberschenkelamputierten Mädchen, das bereits bei der Einschulung keine Beine mehr hatte/auf den Rollstuhl angewiesen war.

Der hörgeschädigte Junge konnte seine Behinderung durch Hörgeräte weitestgehend ausgleichen, auch wurde für ihn das Klassenzimmer speziell gedämmt & er bekam vom Landratsamt einen "Schulbegleiter", der sich im Klassenzimmer das erste halbe Jahr um ihn kümmerte.. war zufällig sein älterer Cousin, der zu der Zeit arbeitslos war. Bei Ausflügen war er dabei, insgesamt hatte kein Lehrer viel Arbeit mit dem Jungen, sodass auch der Schulbegleiter nicht viel tun musste. Außer dass der Junge offensichtliche Hörgeräte trug, merkte man ihm seine Behinderung nicht an. Nach der Grundschule wechselte er aufs Gymnasium mit einem Schnitt besser als 2.

Das Oberschenkelamputierte Mädchen war geistig sehr fit & sogar Klassenbeste. Bei ihr drehte es sich (sie war in meiner Parallelklasse bis zum Ende der Realschulzeit & in meiner Französischklasse; wir verstehen uns immer noch super & wären in der 9. mal beinahe ein Paar geworden) darum dass sie an Klassenausflügen nicht alles machen konnte & man ebenerdige/rollstuhlgerechte Ziele finden musste. Das war kein Problem, da ging man eben in Museen oder Tierparks ohne Treppen usw. & auch das Programm am Schüleraustausch wurde 2006 mit Rücksicht auf sie entsprechend abgestimmt (habe es in der Zeit selbst positiv erlebt, weil ich damals 'nen Gipsfuß & Krücken hatte^^) ---------> hat super funktioniert. Keiner fühlte sich benachteiligt. In Sport saß sie im Rollstuhl am Rand der Sporthalle & an den Bundesjugendspielen hatte sie eine eigene Station bekommen bzw. half dem Sportoberlehrer bei der Auswertung am Computer.. das war nie das Problem. Zur Schule kam sie die letzten paar Jahre mit dem Rollstuhl "auf eigener Achse", da sie unweit der Schule wohnte. Die Klassenzimmer, in denen sie unterrichtet wurde, befanden sich stets im Erdgeschoss bzw. waren ebenerdig erreichbar. Wenn doch mal Treppen zu bewältigen waren, hat jemand sie getragen und jemand anders den Rollstuhl. Auch das war möglich. 

Gemeinhin kann ich sagen, dass die Schule sich sehr um das Mädchen bemüht hat, so gut es ging. Auch bei dem fast tauben Jungen hat sich dessen Schule sehr ins Zeug gelegt. Wie es für ihn auf'm Gymi ist weiß ich nicht, aber er sei dort zumindest ein guter Schüler wie ich erfahren habe.. seine Mutter ist mit meinem Onkel befreundet, von daher kenne ich auch den Jungen.

Immer kann man seitens der Schule aufgrund der Vielzahl organisatorischer Feinheiten zwar nicht Rücksicht nehmen, sollte es aber.

Antwort
von Rendric, 32
Wenn möglich sollte die Schule Rücksicht nehmen

Wir hatten in der Grundschule ein Mädchen, das im Rollstuhl saß. Sie hat mit Einschränkungen an allen Aktivitäten teilgenommen. Man muss aber auch dazu sagen, dass vieles die Eltern ermöglicht haben, in dem sie z.B. als Begleitperson mitgefahren sind. ODer das Mädchen sogar vor Ort gebracht haben, damit sie nicht mit Öffentlichen Verkehrsmitteln mitfahren muss.

Oder wenn sie aufgrund ihrer Behinderung nicht teilnehmen konnte (z.B. bei sportlichen Aktivitäten), so hat sie diese Etappe übersprungen und am nächsten Ziel auf uns gewartet.

Ohne die Eltern wäre das nicht möglich gewesen. Schule und Eltern müssen da ganz eng zusammen arbeiten.

Antwort
von Norina78, 18
Schule muss Rücksicht nehmen

Ich denke, dass wir alle viel mehr für die Integration behinderter Menschen kämpfen müssen. Sie gehören dazu und Rücksicht gehört dazu. Leider sind viele Schulen dazu nicht in der Lage....

Kommentar von Barut ,

Heißt das für dich, dass eine Klasse eher komplett auf eine Aktivität wie die oben genannte Burgbesteigung verzichten sollte ?

Kommentar von Norina78 ,

Wir sollten versuchen, das ganze Thema aus der Sicht der behinderten Menschen zu sehen. Ich möchte auch nicht, dass dann alle fahren und ich muss zu Hause bleiben (z.B). Man kann doch einfach eine Lösung finden. Kompromisse eingehen. Das ganze Leben baut darauf auf, nicht zuletzt ein friedliches Miteinander. Wenn ich schon früh lerne, rücksicht zu nehmen, wird mir das später nicht mehr schwer fallen....

Antwort
von hilfeman2, 3

Wir haben 2 Leute in unserer Klasse , die haben beide die aufmerksamkeitsstörung. Aber Die werden genauso unterrichtet wie alle anderen.

Antwort
von SiViHa72, 25
Wenn möglich sollte die Schule Rücksicht nehmen

Ich hab früher Klassenfahrten betreut, Nichta ls lehrer, sondern das päd. Programm.

Viele kriegten Integration gut hin, oft auch mit Zivi, der Kids mit Mobilitätseinschränkungen half (der fuhr also mit auf Klassenfahrt).

Alles geht nicht, aber alles was ging, wurde möglich gemacht.

Das fand ich immer auch von den betreuenden lehrern klasse.

Und ich fand es ehrlich gesagt traurig,w enn ich in Vorbesprechungen/beuschen der Lehrer mitkriegte, dass sie ein behindertes Kind aus der Klasse nicht mitnehmen würde.

Oft lag es eingfach daran, dass sie selber zu unsicher waren.

Erfahrungsgemäss nahmen auch die Kids untereinander super Rücksicht und halfen.

Das fand ich klasse. Und unterstützte das auch immer, also insgesamt.

Die steilen Treppen zur Burg rauf gehen für Rollikind nicht? Okay, wir finden eine Lösung.

Zusammen geht verdammt viel.

Vielleicht denke ich auch so, weil ich selber schon so aufgewachsen bin, dass niemand ausgegrenzt wurde.

Manches geht auch einfach nicht.. das muss man dann in Ruhe klären.

Die steile Burgturmtreppe bei uns ging eben definitiv nicht für Rolli.. das frustete manchen,a ber dafür hab ich dann unten Bilder vom Turmblick gezeigt und ne Geschichte erzählt, die die anderen nicht hörten.

Irgendwie findet sich immer eine Lösung.

Und ich persönlich finde es wichtig, dass gesunde und gehandicappte den Umgang miteinander so haben.

Am gruseligsten war mir mal, als eine lehrerin mir sagte, wenn sie gewusst hätte,d ass eien Feriengruppe Behinderter gleichzeitig da sein, dann wäre sie nicht gekommen.  Mann, die waren total nett und unkompliziert- diese Einstellung fand ich schrecklich!

Antwort
von rubinevanille, 11

Von welcher Art von Behinderung sprichst du denn? :)

Kommentar von Barut ,

Vielleicht eher von körperlichen Behinderungen.

Wie schon erwähnt, den Regelunterricht möchte ich bewusst aus der Debatte ausschließen. Mir geht es um die verschiedenen Standpunkte bei Ausflügen - also "nice-to-have-events". Konkret fallen mir dazu nur körperliche Handicaps ein (Einschränkungen in der Beweglichkeit / Belastbarkeit / Motorik). 

Ich denke die Einschränkungen bei geistigen Behinderungen sind um ein vielfaches komplizierter. Die Betreuungssituation oftmals auch eine ganz andere und auch die Klassengemeinschaft und Lehrerschaft nimmt diese Kinder vielleicht anders war. Natürlich bin ich auch dankbar um Kommentare, die damit gemachte Erfahrungen schildern.

Sorry aber besser kann ich es aktuell nicht erklären ;-)

Soooo viele Gedanken und es so schwer das Thema politisch korrekt anzugehen, ohne dabei die Meinungsvielfalt und Erfahrungswerte in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen.

Vielleicht kommt ja noch ein Beitrag, der Ideen anschneidet, auf die ich niemals gekommen wäre.

Kommentar von rubinevanille ,

Aaaah, ich verstehe. Leider habe ich nur Erfahrungen, was die Hörbehinderung angeht, also Hörgeräte :)

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community