Frage von Social, 95

Wie erfolgt die Abrechnung bei Selbstständigkeit?

Ich habe da mal folgende Frage, Ich weiß das ein Steuerberater für solche fragen die besten Anlaufstellen sind, aber da die auch Geld kosten und das leider momentan knapp ist, frage ich erstmal hier nach.

So, aktuell bin ich auf Jobsuche und mir wurde eine Partnerschaft als Handelsvertreter angeboten. Da dies auf selbstständiger Basis laufen wird, frage ich mich natürlich wie das alles nun berechnet wird und welche Wege ich dafür erledigen muss.

Gewerbe Anmelden ist klar, anschließenden Brief vom Finanzamt beantworten ist eigentlich auch klar. Würde das erstmal als Kleingewerbe betreiben mit max. 17.500 € / Jahr Umsatz, Zum Einstieg um zu schauen ob das was für mich ist würde ich das neben meinen ALG 1 laufen lassen.

Nun geht´s aber los: Bitte berichtigen wenn irgendwas nicht stimmt.

Beispiel: Ich verkaufe für meinen Geschäftspartner, schreibe ihn anschließend eine Rechnung von sagen wir mal 1400 €, MwSt. wird nicht gesondert ausgewiesen.

Also habe ich auf meiner Einnahmen-Seite der Einnahmen-Ausgabenrechnung 1.400 € stehen.

Als Ausgaben stehen dann Beispielsweise 250 € für Spritt und 50 € Bürobedarf

also: 1.400 - 300 = 1.100 € Gewinnerzielung

geht da dann noch Gewerbesteuer runter? Wenn ja, wie hoch fällt diese wohl aus? Die 1.100 € werden ja wohl kaum mein Netto-Lohn sein, wie sieht es da aus mit Einkommenssteuer?

Da ich mein Eigener Chef bin muss ich mit Sicherheit auch die vollen Beiträge zahlen für die Sozialabgaben.

Da habe ich mal Google angeworfen und nach Brutto-Netto Rechner geschaut für Arbeitgeber + für Angestellte und dann entsprechende Beträge addiert.

Arbeitgeberanteil: 207,68 € Arbeitnehmeranteil: 219,73 €

Zusammen also: 427,41 €

dann bleiben mir von den 1.100 € noch 672,59 €

Kommt das so wohl mit den genannten beispiel zahlen so hin? oder habe ich etwas schrecklich wichtiges vergessen?

Wie gesagt ich handel quasi aus der Not, und überlege ob sich das mit dem Handelsvertreter lohnt. Wenn es Anzeichen dafür gibt das sich das echt rentieren kann würde ich natürlich Geld für einen Steuerberater ausgeben.

Ich danke euch im voraus und freue mich den "Beste-Antwort-Button" drücken zu dürfen.

Antwort
von NickgF, 95

Ein paar Tipps. damit du die richtigen "Schubladen" findest...

die 1.400 Umsatz x 12 Monate = 16.800 € ohne Kirchensteuer genommen und bekomme da  1.794,00 € Einkommensteuer angezeigt.

eigentlich korrekt, tatsächlich aber natürlich Blödsinn

1.794 € ESt kommt heraus, wenn dein "zu versteuerndes Einkommen" 16.800 € beträgt. Die 16.800 sind allerdings deine Bruttoeinnahmen.

Arbeitnehmer können so (mit dem Bruttolohn) ihre mon. Lohnsteuer in den LSt-Tabellen ablesen. Bei den Selbständigen läßt sich jedoch anhand der Höhe der Einnahmen  nichts über die Einkommensteuerhöhe aussagen.

Diese richtet sich zunächst nach dem Gewinn, also abzgl. deiner Betriebsausgaben, somit 12x1100 = 13.200.

Davon gehen noch die Sonderausgaben (KV/PflegeV/Rentenvorsorge) und ggfls. noch andere Freibeträge (bspw. Körperbehinderung) runter. Der dann verbleibende Restbetrag ist das zu versteuernde Einkommen, mit dem du aus der Grundtabelle(Single) die Einkommensteuer abliest.

Wenn ich richtig informiert bin, wäre ich sonst zu doppelter Buchführung verdonnert oder?

Nein, Buchführungspflicht (Bilanzabschluß) besteht gem. § 141 AO erst, wenn eine dieser Grenzen überschritten ist

  •  Jahresumsatz (Provision) über 500.000 € oder
  •  Jahresgewinn von über 50.000 €

 

Heißt, als Handelsvertreter zwar selbständig also gewerbetreibend aber ohne Abführung von Gewerbesteuer?

Nicht ganz, du bist auch gewerbesteuerpflichtig. Eine Gemeinde-Steuer, die von den Rathäusern erhoben wird - allerdings nur, wenn ein Jahresgewinn von mind. 24.500 € erzielt wird. Davon sind die meisten "Existenzgründer" in den Erstjahren weit entfernt.

 https://broschueren.nordrheinwestfalendirekt.de/herunterladen/der/datei/150609-e...

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Steuern, 88

1. Gewerbebetrieb ist richtig. Gewerbeanmeldung nötig.

2. Kleinunternehmer (also keine Umsatzsteuer gem. § 19 UStG) ist ein Fehler. Du arbeitest für Unternehmer, also für Die ist es egal, ob sie Dir 1.000,- Euro Provbision zahlen, oder 1.190,- inkl. 190,- Euro Umsatzsteuer, weil sie sich die als Vorsteuer abziehen. Aber wenn Du mit Umsatzsteuer arbeitest hast Du aus Deinen Kosten (insbesondere Reisekosten, Benzin usw. selbst den Vorsteuerabzug. Ist für Dich bares Geld.

3. Deine Krankenversicherung wird nach Dienen ein künften, als Gewinn berechnet. Aber eben mit dem vollen Satz (ag+AN Anteil).

4. Um bei Deinem Beispiel zu bleiben: 1.400,- + 19 % = 1.666,- Euro Einnahmen. aus Deinen 300,- Euro kosten kannst Du die Vorsteuer abziehen = ca. 48,- Euro. Also 1.666,- - 300,- = 1.366,- - an das Finanzamt 218,- (266,- - 48,-) sind schon mal 1.148,- statt 1.100,-. 

5. 1.148,- * 15,9 % KV = 182,53 wenn Deine Krankenkasse keinen Mindestbeitrag hat.

6. Bleiben roh mal 965,47 Euro.

Kommentar von Social ,

Danke für deine Vorrechnung. 

Für den Anfang plane ich ohne USt zu arbeiten, hat zum einen den Grund das ich keine Rennereien mit dem Finanzamt haben möchte und weil ich von diesen Steuer kram nicht wirklich viel Arbeit habe.

Wenn ich richtig informiert bin, wäre ich sonst zu doppelter Buchführung verdonnert oder? 

Wenn das Gewerbe später gut läuft würde ich umsteigen auf die Vorsteuerabzugsfähigkeit und dann einen Steuerberater damit beauftragen.

Im Vergleich auf Check24 habe ich mal sowohl Private Krankenversicherung als auch Gesetzliche verglichen, und da ich keine großen Ansprüche habe komme ich da auf knapp 300 € jeweils.

Also schon eine ganze ecke mehr als deine 182,53 €

Kommentar von kevin1905 ,

Wenn das Gewerbe später gut läuft würde ich umsteigen auf die Vorsteuerabzugsfähigkeit

Wenn dein Umsatz die Freigrenzen nach § 19 UStG überschreitet passiert das automatisch ohne dein Zutun.

Im Vergleich auf Check24 habe ich mal sowohl Private Krankenversicherung als auch Gesetzliche verglichen, und da ich keine großen Ansprüche habe komme ich da auf knapp 300 € jeweils.

Hauptberuflich Selbständige erzielen ein fiktives Mindesteinkommen von 2.126,25 € auf das der Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung erhoben wird.

Wenn du ALG I beziehst ist das aber für dich belanglos, da durch den Leistungsbezug Versicherungspflicht in der GKV vorliegt.

Entnimmst du deinem Gewerbe mehr als 165,- € im Monat, bist du nicht mehr arbeitslos, die Leistung fällt weg.

Und ich würde dir davon abraten eine private Krankenvollversicherung ohne die Hilfe eines Versicherungsmaklers abzuschließen. Die Gesundheitsfragen sind perfekt zu beantworten. Aus jedem Fehler oder Vergessen kann dir ein teurer Strick gedreht werden.

Antwort
von Griesuh, 47

Wie schon von anderen gesagt, wenn du für gewerbebetriebe arbeiten willst ist die § 19 UstG Inanspruchnahme nicht gut. Denn deine Auftraggeber sind Umsatzsteuerabzugsfähig. Das bedeutet, da du du MwST nicht ausweisen darfst können sie diese nicht gegenrechnen und so wird für diese Auftraggeber alles um die MwST teuerer und sie suchen sich einen bei dem die MwST ausgewiesen wird.

Dann steht mir hier bei deiner Beschreibung die Scheinselbstständigkeit im Raum. Da du nur für eine Firma aktiv wirst und auch noch Weisungsgebunden bist.

Schaue einmal hier:

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/2_Rente_Reha/01_re...

Kommentar von Social ,

Da ich vollkommen frei Arbeite und keine Anweisungen entgegen nehmen muss also mein eigener Chef bin, und auch keine Zeitvorgaben bekomme bin ich der Annahme das eine Scheinselbständigkeit nicht infrage kommt.

Der Start wird für eine Firma gemacht, das ist richtig. Geplant sind dann noch andere Sparten und somit andere Firmen.

Das mit dem § 19 UstG klingt einleuchtend. Heißt wenn ich einen kleinen Laden eröffne mit großteils Privatkunden ist diese Regelung besser weil ich auch einen gewissen Preisvorteil nutzen kann.

Im B2B ist dies allerdings weniger gut, weil zumindest die Startfirma eine GmbH ist, und somit eine frage der Zeit ist bis ich zu Teuer werde...

Antwort
von Lord2k14, 74

Passt alles nicht.
Gewerbesteuer als auch Körperschaftssteuer zahlst du nicht, da du Freiberufler bist. Du wirst dich wohl privat versichern müssen bzw. freiwillig gesetzlich. Da wird jedoch der Höchstbetrag fällig. Du zahlst nur deine Einkommensteuer

Kommentar von wfwbinder ,

Ein Handelsvertreter ist astreiner Gewerbetreibender. Freiberufler stehen in § 18 EStG und da ist Handelsvertreter nicht dabei.

Kommentar von Social ,

Heißt, als Handelsvertreter zwar selbständig also gewerbetreibend aber ohne Abführung von Gewerbesteuer? 

Ich habe nun mal über folgenden Rechner: http://www.selbststaendig.de/einkommensteuerrechner

die 1.400 Umsatz x 12 Monate = 16.800 € ohne Kirchensteuer genommen und bekomme da  1.794,00 € Einkommensteuer angezeigt. 

Dann habe ich über Check24 mal die Gesetzlichen Krankenkassen verglichen, als Selbstständiger mit 16.800 Jahreseinkommen (Da ich keine andere Zahl habe erstmal den höchstsatz des 1. beispiels)

bekomme ein Ergebnis von 306,18 x 12 Monate = 3.674,16

Also Rechne ich 

Jahresumsatz 16.800,00 € abzgl. Einkommenssteuer 1794,00 € abzgl. Soli-Zuschlag 98,67 € abzgl. freiwillig gesetzliche Krankenversicherung von 3.674,16 €

Pro Jahr also: 11.233,17 € 

macht pro Monat : 936,10 €

Da dann die veranschlagten 300 € pro Monat für Spritt und Bürobedarf runter bleiben 636,10 €

Ich glaube ich verdrehe hier gerade alles ?!

Bin aber bereit mich belehren zu lassen ;)

Kommentar von kevin1905 ,

Heißt, als Handelsvertreter zwar selbständig also gewerbetreibend aber ohne Abführung von Gewerbesteuer?

So lange du keinen Gewerbeertrag von mind. 24.500,- € im Jahr erwirtschaftest, ist GewSt. für dich kein Thema.

die 1.400 Umsatz x 12 Monate = 16.800 € ohne Kirchensteuer genommen und bekomme da  1.794,00 € Einkommensteuer angezeigt.

Hast du Umsatz = Gewinn angesetzt? Kein Betrieb kommt ohne Betriebsausgaben aus. Allein die Bürosachen für deine Buchhaltung werden kosten. Als Handelsvertreter hast du ferner Fahrtkosten.

Ich glaube ich verdrehe hier gerade alles ?!

In der Tat. Die Fahrtkosten sind Betriebsausgaben, diese werden vom Umsatz abgezogen. Was dabei übrig bleibt ist der Gewinn.

In deinem Fall wäre der Gewinn wohl = Summe der Einkünfte = Gesamtbetrag der Einkünfte, also geht es weiter mit den Sonderausgaben (Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und ggf. Altersvorsorge etc.).

Was DANN übrig bleibt unterliegt der Einkommensteuer und auch nur wenn der Wert hier über 8.472,- € liegt.

Ohne Steuerberater wirst du scheitern. Entweder weil deine Kenntnisse der Materie zu schlecht sind, oder du zu viel Zeit damit verbringst sie dir anzueigen, statt Geld zu verdienen. Spare NICHT am falschen Ende.

Kommentar von DerHans ,

Ein Handelsvertreter, der 1.400 € Umsatz im Monat macht, kann sich direkt einen Strick kaufen. Da geht es schneller.

Kommentar von kevin1905 ,

Gewerbesteuer als auch Körperschaftssteuer zahlst du nicht, da du Freiberufler bist.

Handelsvertreter nach § 84 HGB sind NIEMALS freiberuflich sondern IMMER gewerblich tätig! Handel = Gewerbe.

Körperschaftssteuer in der Tat nicht, das hat aber nichts damit zu tun ob er gewerblich oder freiberuflich tätig ist, sondern ganz einfach damit, dass er keine juristische Person ist.

Du wirst dich wohl privat versichern müssen bzw. freiwillig gesetzlich.

Nicht so lange er ALG I bezieht. Versicherungspflicht ist erstrangig. Und der Bezug von Leistungen nach SGB III ist im § 5 SGB V aufgeführt.

Da wird jedoch der Höchstbetrag fällig.

Auch das stimmt nicht ganz. Zwar gilt prinzipiell die Beitragsbemessungsgrenze bei freiwillig Versicherten als Bemessungsgrundlage, allerdings nur, wenn man versäumt niedrigeres Einkommen nachzuweisen.

Bei Gründern oder sozialer Härte setzt die Kasse die Beitragsgrundlage bei hauptberuflich Selbständigen auf bis zu 50% der Bezugsgröße runter.

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