Frage von ano000, 21

Wie enstehen eigentlich Depressionen und wie seid ihr damit umgegangen, wenn ihr welche hattet?

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 12

Wie genau Depressionen enstehen ist immer noch Gegenstand aktueller Forschung. Bis jetzt weiss man, dass eine genetische Veranlagung eine grosse Rolle spielt, doch nicht in allen Fällen. Als weitere häufige Ursachen werden Stress, Traumas und/oder Rauschmittelkonsum genannt.

Je zahlreicher diese Faktoren auftreten, desto warscheinlicher wird eine Depression. Wenn jemand eine starke genetische Veranlagung hat, braucht es nicht viel mehr, dass eine Depression ausbricht. Wer nur eine schwache oder gar keine genetische Veranlagung hat, bei dem braucht es demensprechend viel.

Auf biologischer Ebene werden für Depressionen vor allem ein Ungleichgewicht bzw. Mangel gewisser Botenstoffe (Hormone) verantwortlich gemacht. Allen voran der Botenstoff Serotonin. Es können jedoch auch Noradrenalin und ferner Dopamin, Glutamat und/oder Melatonin betroffen sein. Dies ist die am weitesten verbreitete Hyptothese, was jedoch genau geschiet ist ebenfalls Gegenstand aktueller Forschung.

Depressionen können nicht im Blut oder ähnlichem nachgewiesen werden. Die Diagnose beruht also auf dem persönlichem Gespräch zwischen Therapeut (Psychologe oder Arzt bzw. Psychiater) und dem Patienten. Damit es zu einer Diagnose Depression kommt müssen jedoch mehrere objektive Kriteren erfüllt werden. Dazu gehören Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, Interessensverlust, Schlafstörungen, Hoffnungslosigkeit usw. Eine genaue Liste inkl. der Einteilungskriteren in leicht, mittel und schwer findest du hier: http://deprimed.de/depressionen/

Mit Depressionen umzugehen ist äusserst schwierig, die Betroffenen haben keinerlei Hoffnung auf Besserung, auch wenn dies objektiv nicht begründet ist. Man hat keine Energie um seinen Alltag zu bewältigen, ist immer müde, kann jedoch nicht richtig schlafen etc. Eine Selbsttherapie ist desshalb nahezu unmöglich. Bei einer richtigen Depression braucht es fachmännische Hilfe. Diesbezüglich hat man die Auswahl zwischen eine Psychologen und einem Psychiater.

Obwohl man nicht verallgemeinern sollte lässt sich sagen, dass Psychologen eher auf eine Psychotherapie (Gesprächstherapie) und Psychiater eher auf medikamentöse Behandlungen spezialisiert sind.

Um Depressionen zu behandeln gibt es diverse Möglichkeiten:

  • Sport: Gemäss aktuellen wissenschaftlichen Studien ist Sport sehr effektiv bei Depressionen. Voraussetzung sind mind. 4 Trainingseinheiten Ausdauersport an 20-30 Minuten wöchentlich.
  • Psychotherapie: Eine Psychotherapie ist eines der effektivsten Mittel um Depressionen zu behandeln. Mit einer Psychotherapie meine ich eine richtige Psychotherapie (z.B. analytisch) und nicht das Gespräch beim Arzt, welcher anschliessend einfach Medikamente verschreibt. Das Problem bei Psychotherapien ist einfach, dass es Monate, wenn nicht Jahre geht bis sie wirkt.
  • Medikamente: Bei schweren Depressionen werden auch Medikamente eingesetzt. Allen voran Antidepressiva der SS(N)RI-Klasse (http://deprimed.de/ssri-ssnri-sndri-nari/). Das Problem von Antidepressiva ist, dass man die Tabletten über längere Zeit täglich einnehmen muss. Die Wirkung tritt nach ca. 2-5 Wochen ein. Zudem haben diese Medikamente viele Nebenwirkungen. Den einen helfen sie wie ein Wunder, anderen fast gar nicht. Das Ansprechen auf Psychopharmaka ist sehr individuell.
  • EKT: Eine Elekro-Krampf-Therapie, kurz EKT, wird dann (nur bei schwersten Depressionen) gemacht, wenn alle anderen Mittel wie Sport, Psychotherapie und auch diverse Medikamente nicht geholfen haben. EKT ist das effektivste Mittel gegen Depressionen.

Die Behandlungsmöglichkeiten sind also relativ vielfälltig. Wichtig ist, dass man sich Hilfe holt. Ansonsten läuft man in Gefahr, dass sie die Depressionen chronifizieren. Je früher und schneller eine Depression behandelt wird umso besser.

Ich persönlich habe seit 5 Jahren Depressionen, 3 Jahre davon mit einem enorm schweren Krankheitsverlauf. Sind die Depressionen "nur" leicht, kann ich damit einigermassen umgehen. Es ist nicht leicht, doch irgendwie wurstelt man sich durch. Wichtig ist, dass man eine Tagesstruktur hat. Liegt man nur im Bett wirds nur schlimmer.

In meinen schweren Krankheitsphasen konnte ich damit überhaupt nicht umgehen, doch ich denke, dass kann niemand. Ich habe alles durch, von Sport über Medikamente bis hin zu EKT. Geholfen hat mir alles nur beschränkt. Was mir wirklich hilft ist eine intensive Psychotherapie, welche ich seit rund 2 Jahren mache.

Antwort
von TheTrueSherlock, 21

Eine große Frage, über die es sicherlich auch viel im Internet dazu gibt ^^ Aber ich will es mal kurz beantworten:

Bei mir hat das mit 14 Jahren oder so angefangen. Ich kam mit meinem Vater nicht klar, weil er mich oft verbal verletzt hat und das nicht gemerkt hat. Mir hat die Liebe von meinen Eltern gefehlt. Auch beim Thema Freunde sah es nicht so gut aus und ich wurde später in der Schule gemobbt. I-wann habe ich mich zurückgezogen und ging an den PC. Dort ging ich immer öfter hin, weil ich dort positives Feedback bekam. So hat sich dann meine Onlinesucht entwickelt ^^ Später war die Kluft zwischen virtueller und realer Welt zu hoch, so dass ich im sozialen Bereich Probleme bekam und eine Sozialphobie kriegte.. Naja, so viel dazu.

Das ist wirklich sehr kurz beschrieben und der Auslöser für die Depression finden andere vermutlich ein 0815 Problem, aber mich hat es belastet. Und solange es für mich ein Problem darstellt und ich damit nicht fertig werde, ist es ein ernstzunehmendes Problem ^^ Das war Lektion 1, die ich gelernt habe.

Heute geht es mir in Sachen Depression sehr viel besser, nur meine Sozialphobie macht mir zu schaffen. Ich habe mit 17/18 eine Psychotherapie angefangen. Dafür ging ich zum Hausarzt, schilderte ihm die Symptome und er überweiste mich zu einem Psychotherapeuten. Wenn das die Krankenkasse übernimmt, ist das kostenlos.

Durch die Therapie habe ich gelernt freier zu leben, habe mein Selbstbewusstsein aufgebaut, habe gelernt gegen meinen Vater verbal vorzugehen und beispielsweise sarkastisch zu kontern, habe ein Schutzschild aufgebaut, habe gelernt mich mächtiger zu fühlen (sonst habe ich mich immer erniedrigt und hilflos gefühlt), ich habe gelernt auf mich und meine Bedürfnisse zu hören (und nicht immer das zu machen, was mein Vater oder andere von mir wollten) etc.

Eine Depression ist sehr komplex und man ist vielleicht nie wirklich davon geheilt, weil man Rückschläge erleiden kann. Es lohnt sich allerdings zu kämpfen, das weiß ich jetzt.

In nicht depressiven Zeiten kannst du dir eine Notfallliste überlegen, was du in depressiven Zeiten machen könntest, damit es dir besser geht. Die einzelnen Dinge kannst du dann in der nächsten depressiven Phase ausprobieren. Das könnte zum Beispiel eine Mental Health Box sein, ein Büchlein mit aufmunternden Sprüchen, das du dir durchliest, ein Spaziergang, ein Besuch  bei Freunden, schöne Musik, Comedy-Videos anschauen, ... - Das kommt auf deine Person an ^^

Mir helfen sehr viel Sprüche wie zum Beispiel "Wahre Stärke bedeutet nicht nie zu fallen, sondern immer wieder aufzustehen!" Daraus schöpfe ich meine Energie :) Kämpfe immer weiter und gib nie auf! LG :)

Kommentar von ano000 ,

Danke für deine Antwort :). Haben deine Eltern gewusst dass du zum Therapeuten gegangen bist oder nicht?  Weil ich würde mir helfen lassen wollen, nur ich treffe auf Unverständnis bei meinen Eltern. 

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Ja, ich rate hier jeden, es auch den Eltern zu sagen.. es ist einfacher. Gerade wenn man einmal wöchentlich hingeht, dann ist es anstrengend sich immer Ausreden einfallen lassen zu müssen. Mein Vater ist unter anderem schuld an meinen Depressionen.. das war nicht einfach. Ich bin zuerst zu meiner Mutter gegangen und habe zu ihr gesagt, dass es mir psychisch nicht gut geht und ich Hilfe brauche. Sie soll doch bitte einen Termin beim Hausarzt ausmachen. Mehr habe ich nicht gesagt und zu dem Zeitpunkt nicht sagen wollen. Geh auch am Besten zu dem Elternteil hin, mit dem du dich besser verstehst. Mein Vater hat die Therapeuten nur "Seelenklempner" genannt, also total abwertend...
Meine Mutter hat aber später immer mal wieder gefragt, wie Therapie war und war interessiert :) Das war schön. Da habe ich dann etwas erzählt, wenn ich wollte oder auch nicht ^^

Du kannst es ja einfach mal sagen, wenn sie dich nicht unterstützen ist es schade, aber du packst den Weg auch erstmal alleine. Du kannst selbst einen Termin beim Hausarzt ausmachen.

Wenn du noch Fragen über Therapie hast, dann stelle sie mir ruhig :)

Kommentar von menz84 ,

Das ist alles andere als ein 0815-Problem!

Und du hast alles richtig gemacht!

Kommentar von TheTrueSherlock ,

danke dir :)

Antwort
von WanderIgelchen, 18

Wenn man viel Stress hat, einfach unglücklich ist und so langsam den Sinn des Lebens zu bezweifeln anfängt, plagt einen die innere Leere, der Pessimismus, die Antriebslosigkeit. Als ich damals Depressionen hatte, ging ich zu einem Psychologen und habe mir eine Liste gemacht, was mich denn so unglücklich macht. Nach extrem langem nachdenken kam der Entschluss, dass es sogar 2 Freundinnen waren, die mich eigentlich nur ausnutzen und ich trotzdem hinterherrannte. Schweren Herzens strich ich sie aus meinem Leben und stellte überraschend fest, dass es mir besser geht. Man muss natürlich mit dem Psychologen mitarbeiten. Es ist kein Wunderheiler, er gibt lediglich Tipps und hilft dir, die Ursachen dieser Depression zu finden und sie zusammen mit dir loszuwerden, aber alleine geht das nicht, da muss man mitdenken, auch Aufgaben machen, die er vielleicht gibt (Schreibe auf, was dich heute traurig/froh machte etc) 

Antwort
von keylou, 11

Wie sie genau entstehen kann man glaub ich nicht so genau sagen allerdings könnten viele Faktoren eine große Rolle spielen z.b Vergewaltigung. Tod in der Familie oder bekanntenkreis. Gewicht. Mobbing und vieles mehr also ich war eigentlich bei Therapeuten in nee geschlossen Anstalt mir wurden Medikamente verschrieben aber all das hat mir nie wirklich geholfen eher verschlimmert weil ich mich unter den Medikamenten Einfluss so hilflos gefühlt habe ich hatte das Gefühl das ich nicht mehr Herr über mein handeln und mein Leben bin mir wurden all die Entscheidungen genommen und meine würde ich durfte nicht mal selbst aufs Klo gehen das war für mich der Anstoßetwas zu ändern ich bin abgehauen und hab versucht mit meinen Gedanken allein zu sein ich hab meine Gedanken geordnet war viele jahre alleine und hab mich mit mir selbst beschäftigt am anfang war es eine immer zunehmende last da ich eindeutig größere deppresionen bekommen habe aufgrund meines plötzlichen Abbruch der Medikamente ih litt auch körperlich darunter alles war geschwächt in meinem Kopf ging alles drunter und drüber alles war bizarr und verschwommen dann habe ich mich langsam auskuriert und als ich mich körperlich und geistig einwenig gebessert habe habe ich versucht die Gründe meiner angeknacksten Psyche zu ergründen und habe versucht die zu definieren und damit klar zu kommen denn was geschehen ist ist Geschehen ich hab mir das immer Widder wie ein Mantra vorgesagt ich konnte zwar die Vergangenheit nicht mehr ändern aber was die Zukunft von mir aussieht das liegt in meiner Hand das wurde mir klar und so habe ich meiner Krankheit den Kampf angesagt sie ist bis heute nicht komplett verschwunden und ich habe immerwieder Schübe aber mitlerweile komme ich gut damit klar. Ich leide zwar an borderline aber das ist so ähnlich wie Depressionen :)

Antwort
von KotzenVorGlueck, 10

Depressionen entstehen bei jeder betroffenen Person anders. Meistens ist es der Ablauf, dass irgendetwas das Leben der betreffenden Person so aendert (z.B. Mobbing, der Tot einer sehr wichtigen Person,..), dass diese Person den Grund und den Sinn zu leben aus den Augen verliert. Im extremen Fall fühlt man sich bei Depressionen dann so als würde man nicht mehr laenger leben, sondern nur noch physisch existieren.

Ich selbst bin 15 und habe Depressionen. Es fing damals als ich 11 war bei mir mit einer unfassbaren Pechsträhne an (meine halbe Familie, 6 Personen, starb, ich wurde in der Schule gemobbt, hatte ständig Stress zu Hause und kaum jm der auf meiner Seite war, außer meiner besten Freundin Julia [der Grund wrm ich noch lebe]). So langsam fing ich an die Gedanken der anderen zu übernehmen, sie sagten ich bin fett und ich nahm ca 16 Kilo in einem Monat ab. Sie sagten ich bin hässlich und ich redete es mir selbst ein, fing an mich selbstzuverletzen, zu rauchen, Drogen zu nehmen und meine Schulnoten wurden immer schlechter. Ich zog mich immer mehr zurück von der "Außenwelt"

Das hier ist meine Lebensgeschichte und es soll dir einfach nur ein Beispiel geben, wie sowas ablaufen kann

Ich selbst gehe damit gar nicht um, obwohl ich inzwischen deutlich auf dem Weg zur Besserung bin

 

Hoffe ich konnte dir helfen, l.G. Céline

Antwort
von tomatensuppey, 15

Depressionen können aufgrund von Stress, Kindheitstraumas, Verlusten, Mobbing, etc. 'entstehen'. Im Internet kannst du viele Berichte lesen, es gibt auch diverse Bücher wo Leute darüber berichten wie sie damit umgegangen sind

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