Frage von mastoidesu03, 31

Wie endet ein Selbständiges Beweisverfahren?

Hallo, ich wohne in einer Eigentumswohnung in einer Eigentümergemeinschaft aus 18 Wohnungen. Das Mehrfamilienhaus wurde 2010 gebaut. Aufgrund vieler gravierender Mängel wurde vor der Verjährungsfrist ein selbständiges Beweiisverfahren eingeleitet. Der vom Gericht bestellte Sachverständige hat nun ein Gutachten verfasst und festgestellt dass viele Sachen (Fassade, Dach und Abwasser) mangelhaft ausgeführt wurden. Wie ist denn nun das weiter vorgehen? Setzt man sich denn nun mit dem Bauträger zusammen um Kompromisse zu finden wie diese Mängel behoben werden können? Ich habe hier die Befürchtung, dass man entweder wieder hingehalten wird oder es wieder nur unfachmännisch ausgeführt wird. Oder sollte man nun einen Gerichtsprozesse anstreben.... Danke

Anzeige
Antwort
von expermondo, 5

Hallo mastoidesu03,

Schau mal bitte hier:
Rechtsanwalt Hausbau

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von AchIchBins, 7

Erstmal sorry für die bisherigen unzureichenden Antworten, ich helf dir nun weiter.

Mängel in Objekten gibt es eigentlich fast immer. Das liegt daran, dass Menschen beteiligt sind. Die Mängel werden auch nicht vom Bauträger verursacht, sondern von den von ihm beauftragten Handwerksfirmen. Da eine bloße Behauptung über einen Mangel (das kommt oft vor) keine Rechtskraft hat, muss ein Mangel in der Regel von einem vom Gericht beauftragten Gutachter festgestellt werden. Bei Ihnen ist also eine Klage bereits erfolgt! Eine "privates" nur von der WEG beauftragtes Gutachten ist nichtig. Das selbst. BV ist nicht notwendig, wenn der Bauträger einen Mangel völlig anerkennt. Er muss die Mängel aber dann auch in angemessener Zeit beseitigen, sonst sind die Geschädigten doch wieder genötigt das selbst. BV durch das Gericht anordnen zu lassen. Das Verfahren ist auch rechtlich notwendig, um eine drohende Verjährung zu vermeiden, die Verjährungsfrist wird dadurch unterbrochen. Der Bauträger selbst, hat natürlich widerum das Recht auf Ansprüche gegenüber den Mängeln versursachenden Handwerkern. Auch dazu wird ein selbst. BV benötigt, um evtl. Bürgschaften, Versicherungen der Handwerker in Regress zu nehmen. Ein Bauträger sitzt nicht selbst mit Hammer und Schaufel auf der Baustelle.

Ist das selbst. BV abgeschlossen, sind die Mängel von einem Gutachter dokumentiert und die Schadenshöhe bekannt. Darüber kann man sich aber immer noch streiten. Nehmen wir aber mal an, dass alles akzeptiert und anerkannt wird, geht es an die Verhandlung. Dem Richter ist eine gütliche Einigung am Liebsten da es am wenigsten Papierkram und Zeit kostet. Daher fordert er bei einem nachfolgenden Gerichtstermin, bei dem das Gutachten erläutert wird, auf, sich auf eine Summe zu einigen um der WEG die Möglichkeit zu geben die Mängelbeseitigung selbst durchzuführen, oder aber der Bauträger akzeptiert und stimmt der Beseitigung zu. Geschieht das bis zu einem festgelegten Termin nicht, gibt es den nächsten Termin. Eine WEG ist natürlich daran interessiert, immer so viel zu bekommen, dass die Mängel fachgerecht dauerhaft beseitigt werden können. Oftmals beseitigt der Bauträger während des Rechtsstreites noch Mängel und daraus ergibt sich immer wieder eine neue Position mit geänderten Verhandlungspunkten. Dadurch haben z.B. Bauträger auch die "Möglichkeit" den Rechtsstreit in die Länge zu ziehen, jahrelang. Haben die einzelnen Handwerker keine Bürgschaft mehr und/oder der Bauträger ginge Pleite, bleibt man auf dem Schaden sitzen. Ein Bauträger möchte natürlich auch nicht noch für die Mängelbeseitigung drauflegen. Daher spricht er sich oft noch mit den Handwerksfirmen und etwaigen involvierten Versicherungen zur zu annehmbaren Schadenshöhe ab, auch das führt dazu, dass es sich ziehen kann. Mit schnellem Geld ist bei ihrem Fall daher eher nicht zu rechnen.

Ich könnte noch Seiten dazu schreiben, hoffe aber die Frage einigermaßen beantwortet zu haben. Bei Nachfragen bitte melden.

Antwort
von Frankenmuggl, 12

Es ist Zweck und Ziel des Beweisverfahrens, dass man sich anschließend gütlich einigen kann ohne einen Gerichtsprozess. Hört Euch an, was Euch vorgeschlagen wird. Vielleicht ist es ja in Ordnung. Den Kompromiss müsst Ihr nicht annehmen, wenn Ihr Euch im Nachteil seht. Dann kann immer noch durch ein Gericht entschieden werden.
 Es ist doch schon mal positiv, dass man sprechen will. Wahrscheinlich hat die Gegenseite nun eingesehen, dass sie es verpfuscht hat.

Antwort
von Wischkraft1, 15

Es gibt doch eine GV der Eigentümer. Dort wird das Vorgehen besprochen und die Verwaltung beauftragt, die Sache i.O. zu bringen. Falls diese versagt, kann eine andere Verwaltung gewählt werden.
Ist alles demokratisch zu regeln an den Generalversammlungen (auch aussergewöhnlichen) der Eigentümer. Schon klar, da wird mehr gestritten als bschlossen aber dennoch halt der so ziemlich einzige Weg.

Die Interessen (hier der vermutlich 18 Leute/Eigentümer) sind doch auch SEHR unterschiedlich und müssen 'irgendwie' gebündelt werden mit Mehrheitsbeschluss.

Kommentar von schleudermaxe ,

Oh, ein Kenner?

Was bitte sind den GV und außergewöhnliche und eine Verwaltung? Diese Begriffe kenne ich hier in Deutschland gar nicht, finde sie auch nicht in dem WEG.

 

Kommentar von Wischkraft1 ,

Bei uns sind die Eigentümer so organisiert, dass sie eine Hausverwaltung gewählt haben und diese auch für alle Belange, die ausserhalb der eigenen 4 Wände sind, verantwortlich machen: Für Wartung und Heizung des ganzen Blocks, Reinigung und Pflege der Umgebung, Renovationen etc etc. Treppenhaussanierung, Reparaturen am Dach und was eben alles so anfällt.

Die GV macht Vorschläge und beschliesst mit Mehrheitsentscheid, was zu tun ist. Dazu zahlt jeder Eigentümer in den Erneuerungsfond, der dann verwendet wird um z. B. neue Liftanlagen zu machen, Dachsanierung durchzuführen, halt eben für die grössere Kosten.

Verkauft jemand seinen Wohnanteil, geht der 'angesparte' Anteil am Erneuerungsfond auf den neuen Eigentümer über. Zur Zeit aktuell sind die Wasserleitungen. Es wurde auf Anregung der GV der Auftrag an die Verwaltung gemacht, diese überprüfen zu lassen.

Wir sind so organisiert, dass jede Wohnung eine Stimme hat, unabhängig von der Grösse der Wohnung. Der Anteil an den Gesamtkosten wird jedoch nach Kubikmeter und Lage berechnet.

Der gesamte Vertrag wurde nach dem Erstellen des Wohnblockes gemacht und jeder Eigentümer ist dem unterworfen, kann aber selbstverständlich jederzeit Änderungen vorschlagen und wenn diese eine Mehrheit finden, werden sie aufgenommen und sind dann gültig. Demokratisch halt. Dazu die Generalversammlung jeden Jahres auch zur Prüfung der Rechnungen, die von Ausschüssen (ehrenamtlich) vorgenommen werden.

Wir sind somit ein Kleinststaat und die Meinungen sind sehr unterschiedlich, was die GVen jeweilen bald Filmreif machen. Drama, Komödie oder Lustspiel, halt wie die Stimmung eben ist.

Unterhaltsam alleweil!

Kommentar von Wischkraft1 ,

Anwalt? Gericht? Prozess?

Das kostet doch nur unnötig. Lieber sich selber zusammenraufen und sich irgendwie einigen, einen Konsens finden.

Antwort
von schleudermaxe, 9

... aber der Vorgang liegt doch hoffentlich beim Gericht, wie sonst soll es auch so ein BV geben?

Warte dies Verfahren einfach ab, vielleicht ist ja beim Träger noch etwas zu holen, bevor er seine Firma schließt.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community