Frage von Hyperdinosaurus, 92

Wie diskutiere ich mit Fundamentalisten?

Guten Tag zusammen,

Ich halte mich für einen liberalen, kritischen und moderaten Christen, der  seinen Verstand als Grundlage des Glaubens und nicht die wörtliche Interpretation der Bibel.

Auf einem Seminar traf ich auf einen Freikirchler, der sehr gegensätzliche Ansichten vertrat und sich immer wieder, sei es noch so weltfremd und absurd, auf einzelne Bibelstellen beruft, um seine Meinung zu unterstützen. Wir fanden keine Einigung, jede Diskussion war aussichtslos. ich traf auf ein enges Weltbild, das sehr stark in Gut und Böse polarisiert, das für mich einfach nur verblendetes Schwarz Weiß Denken ist.

Wie soll ich damit umgehen ? Wie kann es nur zu einer Annäherung/Lösung kommen ? Was denkt ihr dazu

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Nadelwald75, 47

Hallo Hyperdinosaurus,

wenn man seinen Kontrahenten falsch einschätzt, kommt man nicht zum Ziel.

Fundamentalisten werden oft beurteilt: engstirnig, verbohrt, nicht rational denkend, böswillig, brutal-missionarisch usw.

Sie sind es nicht. Sie meinen es zunächst mal gut und sind überzeugt, mit vielen Argumenten auf der richtigen Seite zu sein.

Vorschlag also: Du akzeptierst erst mal das.

Dann würde ich dringend davon abraten, mit Bibelstellen überhaupt oder/und ihrem vermeintlichen Widerspruch zur Wissenschaft zu argumentieren. Da redet man aneinander vorbei.

Fundamentalisten sind (oft) der Ansicht, dass die Bibel historisch und mit ihrem gesamten Wortlaut von Gott inspiriert im Sinne von „diktiert“ und damit fehlerfrei und irrtumslos ist, auch was Einzelheiten und die Historizität angeht.

Und hier würde ich dann ansetzen: Du gehst an die Grundlagen und stellst die Frage: Woher weißt du das? (eben diese Sache, dass die Bibel in allen Dingen wörtlich, irrtums- und fehlerfrei betrachtet werden muss). Und bringe selbst keine Argumente für deine Überzeugung, (als liberaler, kritischer und moderater Christ hast du bestimmt Begründungen, woher du deine Ansicht hast – habe ich auch!) sondern hinterfrage nur seine, und zwar ohne (!) Bibel!

Und lass dir nichts vormachen mit dem Argument: "Gott selbst sagt in der Bibel …. Und da steht doch in Genesis …… und auch der Prophet ……"  Da solltest du ihm als Prinzip vorhalten, dass man die Bibel nicht mit sich selbst beweisen kann: "In der Bibel steht, dass sie Gottes Wort ist…." usw.

Das würde – das kannst du ihm vorhalten - sonst zu dem gleichen Zirkelschluss führen wie etwa: „Franz sagt immer die Wahrheit!“ – Woher weißt du das so genau?“ – „Das hat er uns gestern erst wieder klar gesagt!“

Kommentar von Hyperdinosaurus ,

Danke für deine Tipps die sind echt hilfreich. Danach habe ich gesucht!

Kommentar von Nadelwald75 ,

.... vielen Dank für den Stern!

Antwort
von bwhoch2, 92

Mit Fundamentalisten ist sehr schwierig zu diskutieren, wie Du ja schon festgestellt hast. Wenn dann auch noch immer Bibelstellen heran gezogen werden, wird es ganz gefährlich.

Man kann Bibelstellen aus dem Zusammenhang reissen und dann auf einen ganz anderen Sinn kommen. Bekanntes Beispiel: "Auge um Auge, Zahn um Zahn" ist sowohl im Alten, wie auch im Neuen Testament. Nur ist sie im Neuen Testament mit einem sehr bedeutenden Zusatz versehen. Läßt man den aber weg, kann die Stelle sehr einfach missbraucht werden.

Fundamentalisten lassen sich nicht durch Argumente überzeugen. Deshalb am besten gar nicht auf eine Diskussion einlassen. Man muss die eigene Überzeugung nicht durchsetzen.

Antwort
von OnkelSchorsch, 63

Das kenne ich seit sehr langer Zeit. Ich fürchte, dass es da keine Lösung gibt. Fundamentalisten, egal ob weltanschauliche, religiöse oder politische, sind an Sachdiskussion nicht interessiert. Ihre Standpunkte und Glaubensansichten beruhen nicht auf rationalen Erwägungen, sondern auf emotionalen Überzeugungen und Erlebnissen.
Sofern rationale Erwägungen den grundsätzlich vorhandenen Schutzwall des Nicht-hören-wollen doch einmal durchdringen sollten, wird so etwas dann als Bedrohung aufgefasst und führt dann zu aggressivem Verhalten des Fundamentalisten, in der Regel wird er laut und/oder beleidigend.

Aus diesem Grund habe ich es mir angewöhnt, mit Fundamentalisten gar nicht zu diskutieren. Es hat keinen Sinn.

Mit Fundamentalisten zu diskutieren, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen. Egal, wie gut du Schach spielst, die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen


Antwort
von Hamburger02, 41

Die einzige Freude, die man bei Diskussionen mit Fundis haben kann, ist es, sie so geschickt in eine argumentative Falle zu locken, dass sie sich selber widersprechen. Das ist aber nicht ganz einfach, funktioniert aber bisweilen. Meistens ist die Diskussion an dieser Stelle zu enede, weil sie entweder abhauen oder dir bestätigen "du bist verwirrt", "du hast nichts verstanden", "bei Gott ist alles möglich", "du hast dich von Jesus entfernt"  etc. pp.

Antwort
von 1988Ritter, 48

Die Grundeinstellung eines jeden Fundamentalisten, es gibt zwei Arten von Leuten:

  1. die die meine Ansichten teilen.
  2. die die meine Ansichten nicht teilen, und die mich folglich wegen meiner Erkenntnisse angreifen.

Solchen Leuten kann man sehr schlecht beikommen. Jedes Argument was Du bringst ist nach deren Ansicht entweder eine Lüge oder eine Fälschung. Zumindest findet der Fundamentalist generell Ausflüchte die ihn darin bestärken, dass Du ein schlechter Mensch bist.

Ich für meinen Teil lasse solche Leute, insofern sie nicht schädlich für sich selbst und das Umfeld sind. Die Vergangenheit hat gelehrt, relativ viele fangen irgendwann an sich selbst zu hinterfragen. Dies geschieht in der Regel wenn überhaupt kein Zuspruch zu sehen ist, und man mit seinen Ansichten keinen Erfolg hat.

Kommentar von Whitekliffs ,

Die Grundeinstellung eines jeden Fundamentalisten, es gibt zwei Arten von Leuten:

    die die meine Ansichten teilen.die die meine Ansichten nicht teilen, und die mich folglich wegen meiner Erkenntnisse angreifen.

Solchen Leuten kann man sehr schlecht beikommen. Jedes Argument was Du bringst ist nach deren Ansicht entweder eine Lüge oder eine Fälschung. 

Wenn ich die Antworten hier lese, den Wahrheitsanspruch, die Aggression, die Beleidigungen der Nicht-Fundamentalisten, dann frag ich mich doch, wer die wirklichen Fundamentalisten sind. :-)

Antwort
von realsausi2, 36

Eine Annäherung Deinerseits an den Fanatiker wäre fatal. Erhalte Dir Dein kritisches Bewußtsein. Das hat Dein Gegenüber längst über Bord geworfen.

Daher ist eine Annähungs seinerseits an Deine Position auch nicht wahrscheinlich. Um fundamentalistische Thesen zu vertreten, muss man den gesunden Menschenverstand, die Logik und die intellektuelle Aufrichtigkeit ausschalten.

Da solche Positionen ohne die Beteiligung des Verstandes zu stande kommen, können sie auch nicht mit rationalen Mitteln behoben werden.

Also sollte man solche sinnbefreiten Dumpfdenker einfach ignorieren.

Antwort
von pbheu, 62

kannst du vergessen.

fundamentalisten sind fundamentalisten, weil sie sich auf schwierige situationen nicht selbst einstellen wollen und ungern selber denken, weil da ja was "falsches" dabei rauskommen könnte, was wiederum neues nachdenken nach sich ziehen würde....usw.

nichts hasst der fundamentalist so sehr wie ein dilemma - oder ein paradoxon.

stattdessen beweisen sich und anderen lieber, dass das, was sie mal gelernt haben, unter allen umständen richtig ist. in einem buch wie der bibel (oder anderen entsprechenden nachschlagewerken) dürfte schon der schieren grösse wegen immer was zu finden sein, was man auf alles mögliche anwenden kann.

hinzu kommt eine felsenfeste sicherheit, auf der richtigen seite zu stehen.
je mehr du also im beweist, wie schief er liegt, desto mehr ist er davon überzeugt, dass du etwas falsches tust (oder gar gerettet werden müsstest, das ist dann die steigerung)


Kommentar von Hyperdinosaurus ,

Das war genau einer ihrer Aussagen, mit der sie meine Heilsgewissheit in Frage gestellt haben( ich würde mich mit der Welt identifizieren und nicht mehr Jesus gehören und in der Folge in der Hölle landen )

Antwort
von RobinsonCruesoe, 48

Glaub ich nicht, dass Du weit kommen wirst mit irgendwelchen Glaubensgesprächen. Elementar geht eine Verständigung nur darüber, ob man sich ganz grundsätzlich sympathisch ist, "miteinander kann", "sich riechen kann" usw.

Antwort
von Eselspur, 32

Ich glaube, nicht jeder muss mit jeden diskutieren! Auch nicht im ökumenischen Dialog: manchmal ist es sinnvoller, miteinander eine Aktion zu gestalten oder miteinander zu beten.

Antwort
von Matzko, 20

Am besten diskutierst du mit Fundamentalisten gar nicht, denn man kann (fast immer) mit denen nicht diskutieren.

Antwort
von mwesterhoff, 22

Ich habe auch lange Zeit zum vereinfachten schwarz-weiß-Denken geneigt. Inzwischen meine ich, dass diese Neigung das Resultat ist von tiefen Ängsten. Das schwarz-weiß-Denken gibt da scheinbar Sicherheit, eine Art Anker. Falls es überhaupt Sinn macht, mit sicherheitsbedürftigen Fundamentalisten zu sprechen, würde ich vielleicht mal über das Phänomen des Fundamentalismus im Allgemeinen reden, und woher das kommen könnte, wieso manche dazu neigen und andere weniger, ob das vielleicht sogar mit Sachen aus der Kindheit zusammen hängen könnte (ohne dass dem Gegenüber in diesem Gespräch direkt Fundamentalismus vorgeworfen wird).

Kommentar von Hyperdinosaurus ,

Das zeigt mir auch meine Erfahrung, dass ein solcher Fundamentalismus auch ein psychisches Problem zugrunde liegt.

Antwort
von Jannickus, 56

Du solltest auf gar keinen Fall deine Meinung unterdrücken. Aber du solltest aufpassen das du es ihm so sagst, dass er nicht beleidigt ist. Wenn er was sagt, dann sagst du ihm das du ihn nicht beleidigen wolltest und entschuligst dich.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 31

Ich persönlich bin zwar religiös, diskutiere allerdings mit Fundamentalisten überhaupt nicht, sondern halte mich an folgende Spruchweisheit

Diskutiere nie mit Idioten. Sie ziehen Dich auf ihr Niveau und schlagen Dich dort mit ihrer Erfahrung!

Da "Idioten" nicht nur dumme Menschen sind, sondern es auch "Fachidioten" gibt, zu denen ich die Fundamentalisten mit ihrem beschränkten Weltbild zähle, passt diese Aussage aus meiner Sicht ganz hervorragend.

Da ich nicht an ihre ganzen Höllenszenarien glaube, können sie mir auch noch so sehr mit göttlichen Strafen drohen - das beeindruckt mich herzlich wenig.

Ich sehe mich nicht als "Retter der Welt", der irgendwelche ideologisch irregeleiteten Schafe aus ihrer Ignoranz retten muss.

Kommentar von RobinsonCruesoe ,

Diskutiere nie mit Idioten. Sie ziehen Dich auf ihr Niveau und schlagen Dich dort mit ihrer Erfahrung!

ich meine, dass hab ich in abgewandelter Form in einem der Weisheitsbücher des Alten Testaments gelesen...Buch der Sprüche glaub ich...Anyway...nur allzu wahr.

Antwort
von Andrastor, 47

Dazu hab ich ein kleines Zitat für dich:

"Wenn man mit gläubigen Menschen vernünftig reden könnte, gäbe es keine gläubigen Menschen."

Ich weiß leider nicht mehr von wem das Zitat stammt, aber es stimmt leider. Sobald ein Glaube (egal woran) über Logik und Vernunft gestellt und zu einem Teil der eigenen Persönlichkeit gemacht wird, ist jede Diskussion sinnlos.

Kommentar von bwhoch2 ,

Da bin ich anderer Meinung. Logik und Vernunft setzt Wissen voraus. Fehlt dieses Wissen, ist es sehr kritisch. Wissen, also das was einer persönlich weiß, kann sehr gefährlich sein, wenn derjenige zu wenig weiß. Wenn einer z. B. nur weiß, weil es ihm jemand gesagt hat, dass eine bestimmte Gruppe von Menschen nur Böse ist und nur Böses will, wird er sich Menschen dieser Gruppe gegenüber anders verhalten, als wenn er glaubt, dass auch Menschen dieser Gruppe gute Menschen sein können.

In diesem Moment glaubt derjenige, etwas zu wissen und in Wirklichkeit weiß er gar nicht. Viele Wissenschaftler sind schon in diese Falle getappt. Sie glaubten, irgendwas zu wissen und in Wirklichkeit wurde ihr Wissen, dass sie sich angeeignet und vielleicht sogar erforscht hatten, durch andere überholt. Ihr Wissen war im Endeffekt auch nichts anderes als ihr Glaube, dass das, was sie erfahren haben, auch in Wirklichkeit zutrifft.

Kommentar von Andrastor ,

Du hast mich bestätigt.

Auch der Glaube etwas zu wissen ist einer der von mir angesprochenen Glauben, die über Vernunft gestellt werden können.

Gute Wissenschaftler glauben nicht. Sie vermuten, sie schlussfolgern und bewahren eine neutrale Distanz zu den Forschungen und ihren Ergebnissen. Sobald sie glauben stellen sie eine persönliche Einstellung über diese Distanz und es geschieht genau das was du beschrieben hast.

Kommentar von Trashtom ,

In diesem Moment glaubt derjenige, etwas zu wissen und in Wirklichkeit weiß er gar nicht. Viele Wissenschaftler sind schon in diese Falle getappt. Sie glaubten, irgendwas zu wissen und in Wirklichkeit wurde ihr Wissen, dass sie sich angeeignet und vielleicht sogar erforscht hatten, durch andere überholt. Ihr Wissen war im Endeffekt auch nichts anderes als ihr Glaube, dass das, was sie erfahren haben, auch in Wirklichkeit zutrifft.

Netter Ansatz, muss ich sagen.

Würde ja passen, wenn man die Wissenschaft im laufenden Prozess angreift, denn die Speerspitze der Wissenschaft werden immer nur Ideen, kreative Spinnereien und Theorien sein. Wie soll es auch anders funktionieren? Sonst wären wir ja keine Forscher sondern Allwissende. Genau an diesem Punkt versucht aber die Religion immer anzuecken - mit Negativ-Argumenten wie "is ja nur ne Theorie."

Sprechen wir über den Urknall, hast du vielleicht noch recht. Ich bezweifle aber, dass dein Argument auf Fakten wie "Die Erde ist eine Kugel" oder "Die Erde dreht sich um die Sonne" anwendbar ist. Wo ist hier dein "Glaube zu Wissen"? 

Klar liegt ein Wissenschaftler falsch und vielleicht noch 100erte nach ihm. Aber irgendwann kommt einer, der dann sagt: "Und sie dreht sich doch."

Antwort
von Whitekliffs, 23

Kann es sein, dass das Problem darin liegt, dass sich diese Person nicht von DEINEN Meinungen überzeugen liess?

Kann es sein, dass du deine Sichtweise als die einzig richtige siehst?

Kann es sein, dass du seine Sichtweise nicht stehen lassen kannst, auch wenn du sie falsch findest?

Kommentar von Hyperdinosaurus ,

Kann es sein, dass du den Zweck von Diskussion nicht verstanden hast (= dem Gegenüber von der Richtigkeit seiner Meinung überzeugen) ?

Kann es sein, dass du mir Intoleranz und Gehässigkeit unterstellst ?

Kann es sein, dass du mehrere widersprüchliche Meinungen vertrittst, sodass du sie alle gleichzeitig für richtig halten kannst ?

Kommentar von Whitekliffs ,

Tja, ich war ja nicht bei dem Gespräch dabei, aber du hast ja sehr verallgemeinert und deshalb ich auch. 

Du suchtest ja nach Einigung. Was muss man darunter verstehen?

Die Gesamtbeschreibung deiner Frage klingt für mich wirklich etwas intolerant, das gebe ich zu. Aber nicht gehässig.

Worum es genau gegangen ist, wissen wir ja nicht.

Antwort
von Netie, 16

Ihr Fundament ist Christus. Und Christus selbst sagt von sich:

"Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden."

Kommentar von gottesanbeterin ,

Könnte es sein, dass du nicht verstehst, was das Wort "Fundamentalismus" bedeutet?

Antwort
von gottesanbeterin, 2

Warum willst du denn Perlen vor die Säue werfen?

Mit Fundamentalisten kannst du nur diskutieren, wenn du dich auf ihr Niveau begibst, und dort schlagen sie dich, auf Grund ihrer Erfahrung dort (auf dem Niveau).

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