Frage von douschka, 82

Wie soll ich die Zukunft gestalten?

Mein ganzes Leben habe nach Tieren ausgerichtet. Aus familiären Gründen musste ich vor einigen Jahren den eigenen Hof mit Tierpension und meinen Pferden und anderem Getier aufgeben, was mir immer noch anhängt. In absehbarer Zeit könnte ich wieder einen Hof im tiefsten Ländlichen erwerben (nun natürlich im Kleinformat) oder ein kleines Hexenhäuschen im Grünen am Rande einer Kleinstadt. Werde nicht jünger, bin alleinstehend, kann ganz ohne Tier nicht. Urlaube waren nur selten möglich. Vor Familie und Hof war ich leidenschaftlicher Camper, was ich nach Umzug wieder probierte. Hund nicht campingtauglich und ich war als Alleinreisende mit Caravan irgendwie unsicher. Trotzdem würde ich gern auf Tour gehen.

Einerseits der Reiz wieder relativ autark sein zu können, andernseits die Reiselust. Noch bin ich fit und kann das Ruder rumreissen. Aber wie lange und dann? Ich kenne die Situation, außer Gefecht (Bein gebrochen, Pension voll, Koppel umbauen....... usw.) und auf dringende Hilfe für den Weiterbetrieb angewiesen zu sein.

Schmerzvoll wird sich nach und nach mein "Zoo" biologisch reduzieren, dann wäre ich fast frei. Für die verbleibenden Katzen findet sich Urlaubsvertretung, letzter Hund käme mit.

Ich kann mich nicht entscheiden, müsste es aber. Hirn sagt: nimm Rücksicht aufs nahende Alter, Herz sagt: einmal Bauer- immer Bauer. Beide Varianten entsprächen meinen einfachen, schlichten Lebensstil. Als Mieter bin ich nicht glücklich.

Wer hat ähnliche Erfahrungen, Vorstellungen? Was würdet Ihr tun? Freue mich auf durchdachte Antworten.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Jerne79, 82

Dein Profil sagt, du bist 55. Einerseits ist das heute noch kein Alter, andererseits verstehe ich deine Bedenken. Schnell kann alles ganz anders aussehen.

Ich würde mir ein paar Fragen stellen:

Angenommen, du entscheidest dich für den Hof: Wie sähe es aus, wenn du mal gesundheitliche Probleme hast? Hast du irgendjemand, der dir unter die Arme greifen könnte? Zumindest für eine Weile? Wie würdest du die Sache angehen, wenn es gesundheitlich ganz schlecht würde? Würdest du es wegstecken, dann den Hof wieder aufgeben zu müssen?

Angenommen, du entscheidest dich für die kleinere Variante (so interpretiere ich jedenfalls das Hexenhäuschen): Bestünde die Möglichkeit, dort in einem kleineren Rahmen Tiere zu halten?

Persönlich würde ich mich wahrscheinlich gegen den Hof entscheiden und versuchen, mir etwas ... semi-freies aufzubauen. Das kleinere Häuschen, ein paar Tiere, die ich aber auch für einen Urlaub mal betreuen lassen oder in Pflege geben kann. (Ehrlich gesagt würde ich mich schon freuen, überhaupt vor solchen Entscheidungsmöglichkeiten zu stehen, aber ich verstehe auch, wie schwer solche Entscheidungen sind.)

Kommentar von douschka ,

@ Goodnight

Mein Profil ist nicht mehr aktuell, werde nächste Woche (OMG) 58. Habe ich gesundheitliche Probleme stünde ich wie eh und je auf dem Schlauch. Der Antrieb zu MÜSSEN bringt einem aber sehr schnell auf die Beine. Noch einmal alles aufgeben zu müssen würde ich nicht verkraften. Der Gedanke handlungsunfähig zu sein und die Tiere anderen mit Ungewissheit zu überlassen, ist unerträglich. Meine Kinder wollte ich nicht belasten.

Mich gruselt es vorm Siedlungshausdasein. Zu dicht aufeinander, zu konserativ..... , Bushaltestelle und fußläufig die wichtigsten Einrichtungen zu erreichen, ist jedoch verlockend. Genauso Womo und abhauen. Du stehst auf der Seite der Vernunft. Danke Dir.

Mir wäre meine Mutter lebend viel wichtiger. Das Erbe ist mir zugefallen. Damit habe ich nie und nimmer gerechnet. Musste jedoch jahrelang ums Erbrecht kämpfen. 


Kommentar von Jerne79 ,

55, 58, so groß finde ich den Unterschied nicht.

Ich weiß, wie es ist, immer zu müssen. Ich bin Freiberuflerin, wenn ich nicht arbeite, bekomme ich kein Geld. Kein bezahlter Urlaub, keine bezahlten Krankentage. Ich denke, ich kann mich ein Stück weit in deine Situation einfühlen. Ich kann auch dieses Gefühl des Eingeengtsein in dichter Besiedlung gut nachvollziehen (deshalb die Anmerkung, daß ich mich freuen würde, überhaupt wählen zu können).

Natürlich kannst du nur selbst wissen, was du willst. Ich würde eben ganz intensiv darüber nachdenken, was ist, wenn du immernoch MUSST, aber einfach nicht mehr KANNST. Gerade, wenn du - und ich finde die Formulierung nicht schön - niemandem zur Last fallen willst.

Hast du die Möglichkeit, dir die ganze Sache noch eine Weile durch den Kopf gehen zu lassen oder mußt du zügig eine Entscheidung treffen?

Ich würde vielleicht auch überlegen, wie du so lange wie möglich selbstständig leben kannst. Ich persönlich fände wie gesagt die kleinere Lösung vernünftiger, andererseits kommen viele Leute auch weiter, die deutlich unvernünftiger sind als ich. ;) Vielleicht tendiere ich vom Immermüssen auch zu stark in Richtung "mehr Unabhängigkeit", parallel zu meinem Fulltime-Job als Oberbedenkenträger. Ich tendiere vielleicht zu sehr in Richtung "wo lauern weniger Probleme" statt in Richtung "was wäre schöner".

Ich wünsche dir, daß du die für dich richtige Entscheidung treffen kannst und sie nicht bereust.

Kommentar von douschka ,

@ Jerne, schreibe Dir morgen. Habe Dank erstmal. Nachher wieder Aktion mit meinen Kindern in der Klinik. Tschüß D. 

Kommentar von douschka ,

@ Jerne79

Nun an die richtige Adresse.

Ganau so ist es mit der Selbständigkeit / Freiberuflern. 15 Jahre war es so bei mir. Wie angenehm wieder mal angestellt zu sein- einerseits. Ich kann nicht Nichts tun. Weder finaziell noch hätte ich die innerliche Ruhe. Habe eine tolle Arbeit mit Kindern, die mich sehr fordert und doch einschränkt. Bin einfach zu fertig um irgend welchen Interesse noch nachgehen zu können. Mit Hundis laufen, bissel Haushalt, ab und an Garten und das wars auch schon. Das kanns doch nicht gewesen sein! Mein Hof war auch enorm viel Arbeit, doch ich war zufriedener. Die Erschöpfung war anders. Eigentlich sollte ich zufrieden sein, bin es aber nicht. Fühle mich aber (auch durchs Gebirge) eingeengt. Die Hochlage macht mir zu schaffen. Viel Miete für eine alte Wohnung, die im Winter nicht warm wird und ich nicht weiß wohin mit meinem Auto.

Schöner wäre das wieder zu haben, was ich aufgeben musste. Vernünftiger wäre altersgerechte Überschaubarkeit. Aber jetzt schon? Muss noch ganz viel überlegen. Danke Dir für Deine Mitteilungen. LG

Kommentar von douschka ,

Sorry @ Jerne, bin mit Deiner Antwort durcheinander gekommen und habe den Kommentar versehentlich an Goodnight gerichtet. Ihr seid mir beide nicht unbekannt, Eure Beiträge sind nie lapidar. nimms nicht krumm. Zwar wollte ich an Dich richten, aber Goodnight wirds auch nicht missverstehen. LG Douschka. 

Kommentar von Jerne79 ,

;) Das steck ich weg. Gute Nacht!

Expertenantwort
von dsupper, Community-Experte für Hund, 38

Hallo Douschka,

da wir fast gleichaltrig sind, kann ich deine Überlegungen gut verstehen. Allerdings ist es immer extrem schwierig, in solchen Situationen anderen Menschen gute Ratschläge zu geben, denn jeder fühlt anders, jedem ist etwas anderes wichtig, jeder nimmt das Leben als solches anders.

Natürlich sollte man die Zukunft immer auch irgendwie im Auge behalten - aber wenn man das ganze Leben oder die Spanne, die einem noch bleibt, immer unter dem Aspekt der "Vorsicht" und dem "Blick auf die mögliche Zukunft" widmet - was bleibt einem dann noch? 

Mein persönliches Lebensmotto entspricht mehr dem : ich lebe im Hier und Jetzt. Auch vor 20 Jahren hätten mir viele Dinge passieren können, die auch eine durchdachte Planung und Lebensausrichtung nicht verhindert hätten.

Du weißt nicht, ob dir noch 20 Stunden oder 20 super gute Jahre gegeben sind (ich würde das auch gar nicht wissen wollen). Also solltest du - meiner persönlichen Meinung nach - das machen, was dir JETZT die meiste Freude und Zufriedenheit bringt. Man lebt nur einmal - und leider viel zu kurz. Warum willst du jetzt auf Dinge, die dein Leben erfüllen würden, verzichten, nur weil es ja mal anders kommen könnte.

Natürlich hat man, wenn man sich mit Tieren umgibt, immer eine große Verantwortung. Aber mal ehrlich: wenn man sich z.B. einen Welpen anschafft (welch schreckliches Wort!), auch dann weiß man nicht, ob man es tatsächlich schafft, diesen bis zu seinem Lebensende gut zu betreuen. Auch, wenn man die allerbesten Absichten hat. Aber das Leben kann einem auch böse mitspielen, durch Verlust des Arbeitsplatzes, durch Krankheit, durch familiäre Probleme, durch Tod - das kann man niemals alles einkalkulieren.

Da ich eher der "Herz vor Kopf"-Typ bin, würde ich dir also raten, hör auf dein Herz und entscheide dich dafür, was dich am meisten erfreut und dein Leben glücklich macht!

Alles Gute

Daniela 

Kommentar von douschka ,

Danke Daniela,

daran arbeite ich noch - im Hier und Jetzt zu leben und die Zeit zu genießen. Brauche einen "Fahrplan", Spontanität ist mir vollends abhanden gekommen.

Die Jahre auf dem Hof waren sehr arbeitsintensiv und trotzdem die besten. Hoftor zu - böse Welt bleibt draußen. Familie mit eigener Produktion (Garten) abzufüttern machte mich stolz. Pferde, Hunde, Schafe, Schweine, Kaninchen, Hühner, Gänse machten mich glücklich. Meine Arbeit als Tierpensionär erfüllte mich. Mann war fürs Handwerkliche, der Rest war meins. So sehr ich alles vermisse, ich komm nicht damit klar wie es mit den Tieren wird, wenn mir was passiert. Nichtstun kann ich mir überhauptnicht vorstellen.

Bin noch kein Stück weiter mit meinen Überlegungen. LG D.

Antwort
von Goodnight, 63

Geh solange du dich fit fühlst, wenn du das nicht mehr kannst, kannst du immer noch zu Hause sein. Dann hast du wenigstens noch an deinem Traum gebastelt und vor allem du kannst dann auch den Rückblick geniessen. Alles Gute!

Expertenantwort
von maxi6, Community-Experte für Katze, 50

Schwierig, hier eine sinnvolle Entscheidung zu treffen. Ich würde Dir empfehlen, es so wie ich zu machen, nämlich ne Plus/Minus Liste. Schreib einfach die 3 Möglichkeiten auf und dann mach Dir ne Liste mit allem, was Dir einfällt, angefangen bei der Arbeitsmenge, Lebensstil, finanzielle Möglichkeiten und was es da noch so alles gibt. Für alles Positive gibt es ein Plus, alles Negative ein Minus und dann kannst Du Dich für das mit den meisten Pluspunkten entscheiden, oder auch nicht. Für mich sind solche Listen immer ne Entscheidungshilfe.

Kommentar von douschka ,

@ maxi6

Ja, diese Listen nehme ich auch gern zur Entscheidungshilfe. Was soll ich machen, beide Faktoren (Plus, Minus) sind gleich lang. Allerdings habe ich bisher nur 2 Möglichkeiten (Hexenhaus oder Hof) in Betracht gezogen. Von der 3. Möglichkeit, einer WG habe ich mich verabschiedet, da es sehr schwierig ist Leute dazu zu finden. Was ganz Anderes kann ich mir nicht vorstellen. Momentan bin ich nicht unglücklich, fühle mich aber eingeengt. Wohne zur Miete, meist ist das ganze Haus leer. Kann das ganze Grundstück nutzen (leider starke Hanglage), kann Hunde und Katzen halten, bin in 10 min. auf Arbeit (Teilzeit), Arbeit macht mir ganz viel Freude, habe den Wald vor der Tür. -Aber Miete ist halt Miete und teuer, 6 Monate Winter, schlechte Infrastruktur, ohne Auto geht gar nichts. So sehr ich meine derzeitige Arbeit mag, muss ich doch all meine Kräfte dafür aufbringen. Entspannung finde ich mit meinen Hunden im Wald, zu anderen Aktivitäten schaffe ich es nicht mehr. Mein geliebtes Karatetraining muss pausieren. So will und kann ich nicht auf Dauer leben. Die Zeit rast an mir vorbei.... und täglich grüßt das Murmeltier. Vielen Dank für Deine Antwort. LG

Antwort
von stey1954, 17

Douscka, ich bin 61, wohne in so einer Siedlung, wo alle fremd sind und ich nur ab und zu mal anderen Hundehalter zuwinke. Mir ist nie langweilig, auch durch die kranke Hündin. In deiner Lage, wenn Du noch gut beisammen bist, würde ich das Hexenhäuschen mit verschiedenen Arten vom Tier "bestücken", alle aber so, daß WOMO alle bequem aufnehmen kann, einen aufbaubaren Zaun mit Netz drüber, einen größeren Käfig, eine transparente Box mit Deckel, usw. mitnehmen und los je 1 Wochenende + 2-3 Tage (ab & zu mal): ESA Darmstadt, Aquarium-Hotel Berlin, Aachener Dom, Rügens Klippen, Stonehenge, Loch Ness, Wien, Marienbad, Königsberg,..., nahause, 1-2 Mon. Kraft tanken und dann wieder. Du wurdest doch nicht nur zum Schuften auf die Welt gebracht, Du mußt ja auch unterwegs schuften, da Deine Tiere dabei sind, Dein Karate...??? Also, wenn ich nur ein Fünkchen gesünder wäre, würde ich es so machen an Deiner Stelle. Ich mache so was jeden Tag im Kleinen. Mitm Rollator, Pippa drauf, dann nach Norden, 1km, dann Westen, 0,8km, dann Süd-Westen, usw., ich nehme unser Essen & Getränke mit, Morphin und dann los. Gefällt Dir so was nicht? LG (:D  Deine Freundin Rozina   

Kommentar von douschka ,

Danke Rozina. Es tut mir für jeden Menschen leid, der noch relativ jung gehandycapt ist. Wer weiß was bei mir irgendwann noch so alles eintrifft.

Mittlerweile tendiere ich auch mehr und mehr zum Hexenhaus mit ausreichend Garten um zur Not Selbstversorger sein zu können. Auf jeden Fall Richtung Küste. Meinem Seniorrüden würde ich keinen Umzug mehr zumuten. Hoffe später auf gute Nachbarschaft, die ab und an meine Katzen und 5 Hühner versorgen würden wenn ich mit dem Womo unterwegs bin. Im Sinne gegenseitiger Hilfe. Ich freue mich jetzt schon auf das platte, weite Land, lange Wanderungen und Fahrradtouren. Ein top Haus kann ich mir nicht leisten, eine solide Basis sollte es jedoch haben. Das ist auch eine Vorfreude mich handwerklich austoben zu können. Einfach und praktisch mit einem Hauch von rustikalem Altbauerncharme wäre schön am Rande eines Ortes mit altersgerechter Infrastruktur (wenigstens ein Bus sollte regelmäßig fahren). Mehr unter PN. LG Douschka

Antwort
von wotan0000, 22

Hallo Douscka,

ich bin selbst so ein *ich muss absichern Kandidat* und würde mich wohl als erstes für das Hexenhäuschen entscheiden.

Ansonsten:

Ich bin 56 und somit wäre für mich eine Variante, jemanden suchen der mitzieht, um den grösseren Wunsch *Hof* zu verwirklichen. Praktisch eine WG (spätere Alters-WG). Jeder hilft jeden.

Antwort
von schreiberhans, 43

such dir nen Bauern und mach dein Ding was du machen willst

Kommentar von douschka ,

Als überzeugter Single kein Thema. Angestellte sind in jeder Hinsicht preiswerter :))

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community