Frage von yuppieyuppie, 126

Wie die Depression verheimlichen?

Also ich habe schon einige Jahre Depressionen, aber begebe mich erst jetzt in Therapie. Erzählt habe ich niemandem etwas, weder meiner Familie noch meinen Freunden. Irgendwie empfinde ich zu viel Scham um anderen meine Probleme zu erzählen, weshalb ich immer alles für mich behalte. Wenn ich jetzt aber beginne meine Antidepressiva zu nehmen und eine Therapie zu machen wird das schwerer. Ich muss sie ja jeden Tag ohne Ausnahme nehmen, egal ob ich bei meinen Eltern zu Besuch bin oder mit Freunden verreise. Verstecken kann ich es nicht, deshalb bräuchte ich eine Notlüge. Außerdem könnten sie die Packung sehen, den Namen ablesen, es googlen und dann wüssten sie von den Depressionen. Hat jemand von euch Erfahrung wie man das anstellen könnte, dass niemand etwas davon mitbekommt und wie ich die Tabletten erklären könnte?

Antwort
von skipworkman, 60

Hi,

wenn du deine Medizin für einige Tage mit wohin nehmen musst, musst ja nicht die ganze Verpackung mitnehmen und deine privaten Sachen durchfühlt doch hoffentlich niemand. 

Sag mal bist du sicher das deine Freunde und Familie noch nix von deiner Depression mitbekommen haben (oder zumindest bemerkt haben das irgendwas nicht stimmt)? Ich meine, wenn ihr so engen Kontakt habt, das du dir sorgen machst ,das sie ein paar kleine lose Tabletten finden, wenn du sie verstecken wirst? 

Ich sag das deshalb, vielleicht sind sie auch froh das du etwas für dich tust, damit es dir bald besser gehen wird. 

Ich kann verstehen das es für Dich eine große Sache ist, es muss aber nicht sein das es das für deine Mitmenschen auch so ist, wenn du mal eine Tablette nimmst und das völlig selbstverständlich tust. Teils macht man selbst sich das viel zu viele Sorgen. Kann ja eine Vitamin Pille sein oder irgendein Algen Zeugs oder was gegen eine neue Allergie. Andere bewerten das vielleicht ganz anders als du oder bemerken es gar nicht.

Mach dir auch nicht zuviel Druck, wichtig ist das du die Therapie machst, damit du wieder mehr Lebensqualität hast. Wenn die Mitmenschen dann irgendwie rum unken , dann lass sie doch. Ich glaub aber nicht daran das dir irgendwelche Nachteile dadurch enstehen. Es ist ein Zeichen von Stärke, wenn man Schwächen/Probleme zugeben kann. 

Ich drück dir alle Daumen die mir heute noch über den Weg laufen :) und alles Gute für dich

Skippi

Kommentar von yuppieyuppie ,

Denke schon, dass meine Eltern mitbekommen haben, dass etwas nicht stimmt, aber ich glaube sie können das nicht einordnen und vermuten keine Krankheit dahinter. Glaube aber nicht, dass meine Depression nach außen so erkennbar ist. 

Antwort
von Feldspatz, 76

Die Medis musst du sicher nicht verheimlichen, die schluckst du ja nicht in der Öffentlichkeit und das geht auch niemanden etwas an. Sei mir nicht böse, aber so interessant bist du nicht - und auch niemand sonst - dass Mensxhen versessen darauf sind zu googeln, was du für Medikamente nimmst. Und so ein Tabu simd psychische Störungen auch längst nicht mehr, dass man dann grad abgestempelt ist. Für deine Eltern wäre es vielleicht ganz gut, wenn sie das erfahren und akzeptieren müssten. Sprich auf jeden Fall in der Therapie daüber. Verheimlichen ist Teil deines Problems.

Kommentar von yuppieyuppie ,

Es geht ja auch nicht um die Öffentlichkeit sondern um meine Familie und meine engen Freunde. Meine Familie und Freunde werden ja sicher nachhaken, wenn ich jeden Tag Tabletten schlucke, obwohl ich "nicht krank" bin.

Kommentar von Feldspatz ,

Ganz ehrlich: steht deine Mutter daneben, wenn du ein Medi schluckst oder kannst du das in der Toilette ganz alleine schlucken? Zudem kann es sehr gut sein, dass alle viel positiver reagieren als du dir das jetzt ausmalst. Es geht um dich und deine Gesundheit und nicht darum was die andern denken.

Antwort
von ChicagoBlues, 39

Ich würde gar nicht lügen....einfach das Thema nicht besprechen, wenn man Dich diesbezüglich versucht auszufragen.

Du solltest vielleicht Andere nicht unterschätzen und anderen Menschen auch einen gewissen IQ zugestehen. Nicht jeder ist Laie, es gibt durchaus Menschen die Medikamente auch kennen...wenn DU denen dann irgendein Märchen auftischst, bezüglich des Grundes (des erlogenen Grundes) für die Einnahme, machst Du Dir da vielleicht Freundschaften kaputt.

Ich wollte auch nicht belogen werden.

Nur weil Du auf Nachfrage vielleicht EHRLICH sagst, dass Du die Medikamente wegen Stress und Depression nimmst, bedeutet dies ja nicht zwangsläufig, dass du detailliert erklären musst was genau mit dir los ist. Das musst Du ja nicht, aber lügen...nein...denn..."Lügen haben kurze Beine"!

Antwort
von maewmaew, 45

oftmals macht man sich unnötig viele gedanken um dinge die eigentlich nicht der rede wert sind. ich denke die beste lösung wäre einfach offen zu deinen problemen zu stehen und zumindest deine familie aufzuklären. wenn du das einmal hinter dir hast wirst du selbst sehn das das alles halb so wild ist. für depressionen muss man sich nicht schämen, die können wirklich jeden erwischen. zumal ich glaube das es nicht sehr außergewöhnlich ist, das jemand medikamente einnimmt, da werden vermutlich kaum fragen gestellt. und wenn doch dann ist es sofern es sich um vertrauens personen wie die eigene familie handelt sicher auch am besten einfach die wahrheit zu sagen. bei weniger engen freunden und bekannten kann man auch mal schnell im badezimmer verschwinden um seine medikamte einzunehmen. allgemein glaube ich aber das gerade bei depressionen das verheimlichen der krankheit bzw. der therapie teil der krankheit ist, darüber solltest du auf jeden fall mal mit deinem behandelden arzt sprechen.

Antwort
von schutzengel0605, 66

Sei doch offen und ehrlich. Was wollen dir deine Eltern sonst machen? Dir den Kopf abhacken? Ganz wichtig ist gegenseitiger Respekt!

Bei deinen Freunden sieht es genau so aus. Wer dir bei den Punkt nicht hinter steht, kannst du auch vergessen. Freunden sollten mit einen durch dick und dünn gehen können. Wenn man etwas verheimlichen muss sollte man schon etwas nachdenklicher werden...

Und Depression ist jetzt keine "Krankheit" wo du dich hinter irgendwas verstecken musst. Es gibt so viel Leute mit Depression, Burnout & Co. Nur weil man den Leuten ihre Probleme nicht ansieht, heißt es nicht auch das sie keine haben!!!

Kommentar von yuppieyuppie ,

Nun meine Eltern wären bei sowas alles andere als verständnisvoll und würden es als Humbug abtun, da bin ich mir relativ sicher. Außerdem stehe ich ihnen nicht so nahe und ihr mangelndes Interesse an meinem Innenleben ist ja einer der Gründe warum es mir überhaupt so schlecht geht. Ich habe einfach auch das Gefühl, dass ich nichts davon hab anderen davon zu erzählen außer Probleme. Ich bekomme das fette Stigma "psychisch Kranker" aufgedrückt und werde das auch nie wieder los. Außerdem können wahrscheinlich die wenigsten überhaupt mit so einer Information umgehen und es herrscht viel Unwissen was psychische Krankheiten anbelangt. Da erspar ich mir lieber all das und behalt es für mich so wie ich es schon seit Jahren mache. 

Antwort
von sonnymurmel, 126

Zuerstmal: Ich finde es ganz toll und super dass du eine professionelle  Therapie machst und ich wünsche dir einen positiven Verlauf.

Ich kann dich (ein bischen) verstehen, dass du im Moment mit niemand darüber reden willst. Wichtig ist aber dass du zu deinem Therapeuten/in ehrlich bist und das   dort ansprichst. Zusammen könnt ihr dann eine "Strategie" entwickeln wie-wann und wem du was erzählen willst.

Bis dahin kannst du deine Tabletten in deiner Tasche lassen und sie "heimlich" mit einem Schluck Wasser nehmen.

Lg und alles Gute.

Kommentar von Momo1965 ,

Super! :-) Das erspart mir eine eigene Antwort! ;-)

Antwort
von Kerstin96, 77

Sorry, dass ich das so sage - aber das ist eine sehr dumme Idee! V.a. bei der Einnahme von Medikamenten sollte jemand bescheid wissen. Stell dir vor, du hast einen Unfall und kommst ins Spital, und deine Angehörigen müssen dem Arzt so eine Frage beantworten.

An deiner Stelle, würde ich mit deinem Therapeuten gleich zu Beginn über das "Scham" Gefühl reden. Es gibt verschiedene Statistiken, in denen belegt wird, dass die Depression (bzw. generell psychische Erkrankungen) inzwischen eine der häufigsten Krankheiten auf der Welt ist. Es gibt sicher genug Personen in deinem Umfeld, die ebenso an einer Depression leiden. Natürlich muss man es nicht jedem an die Nase binden, es geht schließlich nicht die ganze Welt was an. Aber die eigene Familie (zumindest Vater u. Mutter) sollten so etwas immer wissen.

Kommentar von yuppieyuppie ,

Nun meine Eltern wären bei sowas alles andere als verständnisvoll und würden es als Humbug abtun, da bin ich mir relativ sicher. Außerdem stehe ich ihnen nicht so nahe und ihr mangelndes Interesse an meinem Innenleben ist ja einer der Gründe warum es mir überhaupt so schlecht geht. Ich habe einfach auch das Gefühl, dass ich nichts davon hab anderen davon zu erzählen außer Probleme. Ich bekomme das fette Stigma "psychisch Kranker" aufgedrückt und werde das auch nie wieder los. Außerdem können wahrscheinlich die wenigsten überhaupt mit so einer Information umgehen und es herrscht viel Unwissen was psychische Krankheiten anbelangt. Da erspar ich mir lieber all das und behalt es für mich so wie ich es schon seit Jahren mache. 

Antwort
von Eselspur, 87

Gratulation zu deinem Entschluss, eine Therapie zu machen! Das ist unglaublich viel wichtiger als was alle anderen Menschen darüber denken!

Je mehr du lügst, desto schwieriger wird es mit der Zeit. Also verstehe mich richtig: Ich sage nicht, dass du es NICHT tun sollst, ich glaube nur, dass wird irgendwann sehr anstregend...

Ich persönlich würde:

  • zu möglichst wenigen und dann nur möglichst wenig überhaupt darüber reden
  • wenn ich was sagen würde, würde ich die Wahrheit sagen
  • Ich würde mir ein paar ordentliche Fremdworte zurechtlegen. die ich jeden auf den Kopf werfen kann, damit er keine Chance hat zu verstehen, was ich nicht haben will.

Yuppieeyuppie, alles Gute für deine Therapie! Viel Kraft und Ausdauer - und auch schöne befreiende Erfahrungen dabei!

Antwort
von HiFiech, 34

Lass Dich nicht stressen - dass die eigenen Eltern "es nicht verstehen" und einen gleich als "psycho" abstempeln, kenn ich von meinen eigenen Ellies - sie sind nicht böswillig und wollen dir auch nichts Schlechtes, aber sie sind aus einer anderen Generation und "so Psychokrempel" geht über ihren Horizont, bei denen ploppt dann gleich ne Leuchtreklame "Irrenhaus Nervenheilanstalt" im Schädel auf. 

Auch meinen eigenen Geschwistern würde ich nix mehr erzählen, denn die sind ähnlich verständnisfrei wie meine Eltern - wirklich "wie von einem anderen Planeten".

Bevor Du dir da den Mund fusselig redest und riskierst, dass diese vertrauliche Info gegen dich gedreht wird, solltest Du wirklich besser deinem Gefühl vertrauen. 

Dabei geht es auch nicht um Schämen, das musst Du dich nicht - sieh es als Selbstschutz an, das ist Deine Angelegenheit und überhaupt kein Grund zum Schämen.

Notlüge bei Medikamenteneinnahme würde ich nicht machen, sondern sie einfach im Badezimmer nehmen, falls Du dazu einen Schluck Wasser brauchst. Durchs Schlüsselloch werden sie Dir ja hoffentlich nicht bei Dingen zugucken, die man in Badezimmern so macht. Und wenn Deine Eltern deine Sachen nicht durchsuchen, kannste sie einfach in der Tasche lassen.

Ansonsten wirklich so wie Sonnymurmel und Eselspur sagen.

Daumen drück!

Antwort
von DinariSun, 47

Zum einen bist du einen sehr großen Schritt in eine Richtung gegangen die dir selber hilft.Die Therapie 

Depressionen sind kein einfaches Thema. 

Auch wenn du hier anonym bist hast du trotzdem den Mut gefasst anderen Menschen von deiner Situation zu erzählen.

Ich kann die Aussage dass du mit deinem/deiner TherapeutIn darüber reden solltest.

Es wäre wahrscheinlich kontraproduktiv dich deinen Eltern jetzt am Anfang der Therapie zu öffnen wenn diese zum Teil mit schuld an deinem jetzigen Zustand sind.

Es wird eine Zeit dauern bis du dich öffnen kannst aber ich bin mir sicher das der Therapeut dir auch in diese Richtung hilft 

Kauf dir für unterwegs eine Art minzdose. Am besten eine zweite dabei (natürlich gefüllt mit minzbonbons)falls Freunde oder Familie auch ein "minzbonbon" wollen. Auf die Dose mit deinen Tabletten ein kleines Merkmal drauf das du diese nicht vertauschst und seeeeehr gut darauf achten das du sie wirklich nich vertauschst 

Versuche die Tabletten vielleicht in Abwesenheit der Leute zu nehmen vielleicht auf der Toilette.

Ganz wichtig ist aber das das nicht zum Dauerzustand wird. Sprich das aufgeben Fall bei deinem Therapeuten an und vielleicht schaffst du es einem deiner Freunde davon zu erzählen. Vielleicht ist deine Familie nich so tolerant aber vielleicht deine Freunden. :)

Hoffe konnte dir helfen.

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