Wie denkt man analysierend/besser?

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2 Antworten

Hallo,

das ist eine echt gute Frage!

Sie ist auch nicht leicht zu beantworten. Ich kann mir vorstellen, dass es manchmal unbefriedigend ist, wenn man selber nicht auf den Lösungsweg kommt.

Ein bisschen kann ich dazu sagen.

Ich glaube, dass es dir, und wahrscheinlich anderen auch, meist  an der Zeit fehlt. Der Lehrer stellt eine Frage, so in der Art: "Habt ihr eine Idee, wie man an das Problem ran geht?", oder eine andere Frage zum Suchen der Lösung.

Bei 25 Schülern ist fast immer einer dabei, der schnell eine Idee hat; vielleicht gibt es auch mehrere Schüler, die einen Vorschlag machen.

Allein die Tatsache, dass du dir (und uns) diese Frage stellst wie man analytisch denkt, bedeutet, dass du Wissensdurst und Neugier hast. Das sind schonmal gute Vorraussetzungen.

Um zu trainieren, selber Problem-Lösungs-Strategien zu entwickeln, würde ich dir folgendes raten:

Suche dir ein Mathebuch, dass zum Selbststudium geeignet ist. Vielleicht ist sogar euer Mathebuch dazu geeignet. In vielen Mathebüchern wird am Anfang eines neuen Kapitels eine neue Problemstellung vorgestellt, anhand von Beispielen, Fragen. Manchmal wird auch direkt ein Problem des neuen Themas vorgestellt.

Beschäftige dich zu Hause allein mit einem neuen Thema. Lies den Text durch und versuche, die Fragen, die im Buch gestellt werden zu beantworten. Nimm dir Papier und Bleistift und versuche ein paar Sachen aus, die dir in den Sinn kommen. Versuche, eine Gesetzmässigkeit zu sehen. Versuche, dir ganz einfache Beispiele auszudenken. Wenn es geht, mache dir eine Zeichnung dazu.

Der Vorteil, das in Ruhe zu Hause zu machen ist, dass du keinen Zeitdruck hast. Es ist wichtig, sich mit einem neuen Problem intensiv auseinanderzusetzen. Eine zündende Idee in wenigen Sekunden oder Minuten zu haben ist unwahrscheinlich, selten, schwer, sowas braucht Zeit.

Dabei wirst du wahrscheinlich keine schnellen Fortschritte machen. Das ist wie bei einem Muskelaufbau, auch dort bekommt man keine kräftigen Bizeps, wenn man zwei oder dreimal eine Übung gemacht hat. Man muss regelmässig trainieren, um Muskeln aufzubauen. Wenn man stärkere Muskeln hat, muss man auch dann noch trainieren, um sie zu erhalten.

Ähnlich ist es mit dem Gehirn.

Dann noch eine Bemerkung: Es ist nicht so wichtig, ob du von alleine auf eine neue Idee kommst oder eine Frage beantworten kannst. Viel wichtiger ist es, danach zu suchen und über das Problem nachzudenken! Wenn du dich intensiv und selbstständig mit einem Problem auseinandergesetzt hast, dann ist der Aha-Effekt viel grösser, wenn du den Lösungsansatz erfährst. Eine neue Lösungsmethode bleibt dann auch besser im Gedächtnis haften, als wenn man sich vorher nicht angestrengt hat.

Es ist das Suchen nach der Lösung, welches in der Alalogie zum Muskelaufbau das Training des Gehirns darstellt. Mit der Zeit entwickelt man aber so seine Fähigkeiten.

Es ist keine verlorene Zeit, intensiv nachzudenken und dann nicht auf die Lösung gekommen zu sein! Das Nachdenken selbst ist wichtiger als das Finden der Lösung.

Das gilt natürlich - leider - nicht in Klassenarbeiten, aber da kommen ja meist Aufgaben einer Art, die man vorher schon geübt hat. Eventuell gibt der eine oder andere Lehrer eine Aufgabe, wo man eine neue Idee braucht. Dadurch kann der Lehrer ein besonderes Talent eines Schülers sehen. Man selbst findet sich meist nicht unter den besonders talentierten Schülern, die sind eher die Ausnahme.

Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig zu selbstständigem Arbeiten ermutigen.
Alles Gute dabei.

Gruss

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AnaIytisches Denken heißt aus den Begriffen heraus. Im Gegensatz dazu bedeutet synthetisches Denken zusammengesetzt, d. h. du bringst etwas in das Problem von Außen (z. B. anderen Kenntnisse, Erfahrungen, usw.). Um anaIytisch zu denken musst du dich also daran gewöhnen,

  • nur die Mitteln und Fakten im Problem zu verwenden;
  • diese eben herauszuholen.

Wenn du also einem mathematischen gegenüberstehst, musst du so viel wie möglich

  • erkennbare Begriffe (Muster) und
  • die Zustände der sowie die Zusammenhänge zwischen den durch Begriffe erkennbaren Aspekte

erkennen. Dabei sollte man

  • so ausführlich wie möglich sein (decke alles ab!);
  • so systematisch wie möglich sein (gehe nicht wilkürlich vor, sonst wirst bestimmt etwas übersehen);
  • nichts erschließen durch faules Denken—Faustregel, wenn du es nicht bewiesen hast oder es nicht beweisen kannst, so ist dein Schluss womöglich ein Irrtum.

Ab da muss man (leider) häufig etwas Synthetisches Denken mit einbeziehen. Ab da muss man also sich was einfallen lassen.

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