Wie definiert ihr Lebenskünstler?

... komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Der erste bezeugte Lebenskünstler und wahre Hedonist war Aristippos (ca. 435-355 v.Chr.), u.a. Schüler des Sokrates (er hat nur ganz andere Konsequenzen aus den Lehren des Sokrates gezogen als Platon): Er ist im Christentum mit Epikur das ideale Schreckgespenst eines Fressers und Säufers, was, wie man im NT lesen kann, die Feinde Jesu diesem und seinen Jüngern ebenfalls angehängt haben. So gebärden sich also die Nachfolger Jesu als Freunde der Feinde Jesu und die an die Wand gestellten Feinde eines körperfeindlichen Christentums könnten noch zu Freunden Jesu werden. Irgendwie witzig. Dass das alles Schmonzes ist, kann man leicht bei Diogenes Laertius nachlesen, wo als einer der schönsten Sätze Aristipps nachzulesen ist: Man soll die Dinge haben können ohne sie haben zu müssen. Man soll selbst Herr der Dinge sein und nicht ihr Diener. Daraus aber spricht ein Lebenskünstler, der sich als fähiger Surfer auf den Wellen des Lebens outet ohne darin unterzugehen. Das aber ist eine hohe geistige Kunst und verlangt eine Persönlichkeit, die das Surfbrett der Lebensgestaltung zu beherrschen weiß. Sowas kann man kaum lernen. Das hat man und ich beneide jeden darum, dem das in die Wiege gelegt wurde.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von berkersheim
04.07.2016, 14:56

Wie fortschrittlich übrigens Aristippos war: Er hat seine Tochter zur ersten bekannten Philosophin der Antike ausgebildet, als Platons- und des Aristoteles Philosophenklüngel noch reine Männersache waren.

2

Ich stelle mir unter einem Lebenskünstler jemanden vor, der mit wenigen Mitteln und ohne externe Hilfe es schafft, im Idealfall glücklich, auf jeden Fall gewollt, zu leben.

Ein Musterbeispiel denke ich an Robinson Crusoe, dessen von mir erzeugtes Bild (zerrissene Kleidung, langer Bart) bei mir sofort aufpoppt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich meine, dass die Definition ja doch schon im Wort steckt?! Also ein Mensch. der es versteht sein Leben kunstvoll zu bestreiten. Dabei besteht diese Kunst sicherlich zum einen darin, dass er sich in der Art und Weise dieses Leben zu bestreiten von anderen deutlich abhebt und es im übertragenden Sinne von einer geradezu "künstlerischen Leichtigkeit" geprägt ist, was sich andere mühsam erarbeiten oder verdienen müssen.

Dabei ist die vergleichende Frage nach "Schwerenötern" oder "Arbeitsfaulen" sicherlich mehr eine Frage des Images eines Lebenskünstlers und nicht dessen Definition. Denn faktisch kann immer noch als Lebenskünstler verstanden werden, wer sich mit Fleiß, Einsatz und Engagement seinem Lebensunterhalt zuwendet, ihm dies aber eben in genau der Leichtigkeit gelingt, wie sie in der Kunst häufig begegnet und auch als eigene Kunst verstanden werden darf, wenn sie einem dann erst mal so leicht fällt.

Anderen Falles gibt es aber auch Lebenskünstler, wo sich Arbeit, Lohn und Unterhalt gar nicht erst als Aspekt zeigen. So würde zum Beispiel einen Menschen als Lebenskünstler bezeichnen, der trotz einem schweren Schicksalsschlag zum Beispiel wertvolles verloren hat, oder droht an einer Krankheit zu versterben - wenn es ihm denn gelingt dennoch ein wertiges und hoffnungsvolles, positives Leben zu bestreiten. Also fern aller finanziellen oder unterhaltstechnischen Fragen - nur aufgrund seiner Einstellung und der Art, wie er aus den Gegebenheiten das Beste zu machen weiß.

Um es also auf eine möglichst prägnante Aussage zusammen zu dampfen:
Mir scheint, dass der Lebenskünstler immer dann seinem Ruf gerecht wird, wenn ihm das grundsätzliche bestreiten seines Lebens nicht nur erheblich leichter fällt, sondern auch gerade dann, wenn ihm dieses "leben können" in fast schon künstlerischer Hingabe auch erfolgreich gelingt.

Soweit nachvollziehbar? Ich denke zumindest, dass diese Gedanken hilfreich sein könnten und würde mich freuen was zu dazu hören zu dürfen ;-)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Jemanden, der einfach lockerer mit all seinen Problemen umgeht, aus allem das Positive zieht und eben kreativ aus Mist noch Chancen erbaut.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von freuter
04.07.2016, 19:29

... und es damit auf die Sonnenseite des Lebens schafft?! Das würde ich so unterschreiben. Allerdings sollte eben auch diese beneidenswerte Leichtigkeit mit einem "und dennoch gewinnt" einher gehen, oder?!

0

Jemand, der mithilfe von Methoden fernab der Gesellschaftlichen Norm überlebt und gut lebt

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Eine Person, die vollkommen alternativ lebt und trotzdem in der Lage ist zu überleben. Vielleicht eine Person, die viel herumreist und immer nur das Nötigste zum Leben hat, also eher Erfahrung statt Geld sammelt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von freuter
04.07.2016, 19:28

Verzeihung, aber das würde mich doch interessieren und soll nicht im geringsten irgendeine Besserwisserei sein. Aber woher leiten Sie den "alternativen Lebensstil" ab? Ich kenne Lebenskünstler, die bei Leibe "in Schubladen" passen und sich fern jeder Alternative bewegen - aber durchaus der Inbegriff eines Lebenskünstlers sind, da sie die Dinge nehmen können, wie sie sind und sich gar nicht erst lange mit leiden oder hadern herumschlagen, sondern gleich den guten Seiten zuwenden und damit auch in aller Regel schnell wieder auf der Sonnenseite des Lebens landen. 

Also tatsächlich fern der alternativen, sondern durchaus im Rahmen von festen, konservativen Lebenskonzepten (z.B. einen Lager-Arbeiter, der tagtäglich von 8 bis 16 Uhr seinen Job macht, aber gerade durch seine nette und lebensfrohe Art immer wieder als Gewinner da steht  -selbst dort, wo andere mit ihrem Schicksal hadern würden). 

Können Sie mir zu diesem "alternativ" -wie Sie es meinen oder verstehen- etwas genaueres sagen?

0

ohne hilfe vom staat sein leben so zu führen wie man es will, frei und kreativ, ohne eine 40 std. wochen

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung