Frage von drachenfreund, 114

Wie dachte man in der DDR über Religionen insbesondere Christen?

Ich habe soeben gehört, dass jemand in der DDR während seiner Schulzeit erzählt bekommen habe, die Vorstellung „an Gott zu glauben sei etwas für Dumme oder Schwache“. Ich möchte gerne von Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, wissen ob diese Behauptung der Wahrheit entspricht.

Dachte man allgemein herablassend über Religiöse oder ist dies nur ein Ammenmärchen gläubiger Christen?

Antwort
von Netie, 61

Als die Wende kam, war ich 15 Jahre. Meine ganze Kindheit habe ich in der DDR verbracht und es hat mir an nichts gefehlt, ich war glücklich. (wie es Kinder so an sich haben. Sie nehmen die Umstände als gegeben an) Wenn es Probleme gab, dann hatten sie die Erwachsenen (z.B. Mangel an Einkaufsmöglichkeiten).

In der Schule sah es schon anders aus. Wir nannten uns Christen ohne Sonderbekenntnis, sozusagen einfach nur Christen.

Aus diesem Grund haben wir bei den Pionieren und FDJlern nicht mitgemacht. Als Kind spürt man das "Allein-da-stehn". Andererseits waren wir wieder frei von irgendwelchen "Pioniernachmittagen", wo man notgedrungen hinmusste. Außerdem konnte man nicht zur EOS (Erweiterte Oberschule), wenn man nicht in der FDJ war. Nach der Schule musste man gleich zur Lehre.

Das wir dumm waren, hat uns keiner beigebracht, kann mich nicht erinnern. Das man durch den Glauben schon irgendwie Außenseiter war, das bringt es mit sich.

lg

Kommentar von KaeteK ,

Das wir dumm waren, hat uns keiner beigebracht, kann mich nicht erinnern.

Ich denke, diese Aussage des Fragestellers soll einfach nur provozieren.

lg

Kommentar von drachenfreund ,

Nein, ich wollte einfach nur wissen, wie es wirklich in der DDR zuging. Als West-Kind habe ich davon wirklich keine Ahnung. Zwischen all den Gerüchten und Geschichten über den Unrechtsstaat ist es schwierig genaueres zu erfahren. Deshalb meine Frage an die Zeitzeugen. Es ist gut viele Meinungen darüber zu erfahren um mir ein differenziertes Bild machen zu können.

Deshalb Danke an Alle, die sich gemeldet haben.

Kommentar von 666Phoenix ,

netie

Außerdem konnte man nicht zur EOS (Erweiterte Oberschule), wenn man nicht in der FDJ war. 

Von welcher "DDR" redest Du gerade??

Ich hatte in meiner EOS-Klasse drei Zeugen Jehovas, vier bekennende Christen und einen Mormonen! Im Übrigen: alles Pfundskerle bzw. -mädels!

Hört nur mal auf, hier Blödsinn zu verbreiten!

Kommentar von drachenfreund ,

Ich denke Ihr liegt beide richtig.

Wenn ich richtig informiert bin, war der Staat zu Beginn der DDR wesentlich strenger zu Christen, so dass schon die Nicht-Mitgliedschaft beim FDJ zur Ablehnung an der EOS führte.

Später (wahrscheinlich in den 70ern) wurden die Bestimmungen lockerer.

Kommentar von drachenfreund ,

"Christen ohne Sonderbekenntnis"? - Heißt das, Du gehörst/gehörtest zu einer Brudergemeinde?

Kommentar von Netie ,

Jawohl.

Antwort
von Modem1, 74

Ich habe in der DDR sogar Relligionsunterricht gehabt ohne Probleme.Natürlich nach den Schulunterricht.Wenn man einen Lehrer oder Schulleiter hatte welcher wie wir sagten ein 180 % iger Genosse war könnten es so gewesen sein. Aber überall war es eben nicht so zum Beispiel bei mir. Mein Vater war in der SED und hatte nichts dagegen und die Lehrer verhielten sich neutral.


Kommentar von Karl37 ,

Religionsunterricht war während der Schulzeit und im Schulgebäude verboten. Wir hatten den Religionsunterricht vor dem schulischen Unterricht im Pfarrhaus durch Nonnen eines Klosters.

Kommentar von Modem1 ,

Im Schulgebäude fand es nicht statt sondern in der Kirche.Es sprach sich aber in der Schule herum.

Antwort
von jephi, 44

Dumm nicht gerade, aber bemitleidenswert. Religion ist Opium fürs Volk brachte man uns bei und Glauben passte nicht in eine wissenschaftlich begründete Gesellschaftsform. Ich selbst bin durch die Erziehung konform mit diesen Aussagen gegangen, bis ich nach der Wende zum Christ geworden bin.

Antwort
von smokechiller, 80

Läuft gerade etwas auf MDR über dieses Thema.

Kommentar von drachenfreund ,

Eine Doku über die Wiedervereinigung - Durchaus sehenswert. Was hatten sie denn zu dem Thema beizutragen?

Antwort
von Sturmwolke, 32

Hier findest Du einige Infos zu Deinem Thema:

http://www.neuegeschichte.de/historische-forschungen

Kommentar von drachenfreund ,

Danke Dir für den Link. Meine Frage zielte aber eher auf normale Gläubige, also Angehörige der großen Volkskirchen, ab.

Die Zeugen Jehovas waren in dem Sinne schon eher eine Ausnahme, weil sie sich bewusst gegen den damaligen Staat stellten und so auch mit Verfolgung zu rechnen hatten.

Kommentar von Ewald49 ,

Drachenfreund,

das ist so nicht richtig, sie JZ, stellten sich nicht gegen den Staat,
sondern verhielten sich wie in alle Ländern neutral. Der Staat wollte aber absolute Unterordnung und die gehört den Staat aber nicht.

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