Frage von Internetzugriff, 30

Wie bringt man jmd eine Sprache bei ohne es in seine Muttersprache zu übersetzen?

Antwort
von RudolfFischer, 6

Das ist äußerst schwer und aufwendig. Ich habe gerade einschlägige Erfahrungen mit Syrern, die auch kein Englisch können.

Einsprachiges direktes Vermitteln einer Fremdsprache heißt "Totale Immersion" ('Eintauchen') und ahmt die Situation nach, in der ein Kind die Sprache seiner Umegbung erlernt.

Aber:

- Das Kind ist dem 24 Stunden ausgesetzt. Bis Erwachsene hier 24 Stunden Sprachunterricht zusammenhaben, können Wochen vergehen. Eine Ausnahme wäre, wenn man jemanden geheiratet hätte und den den ganzen Tag beschallen könnte.

- Kinder benötigen zunächst einen sehr geringen Wortschatz und verstehen anfangs nur konkrete Dinge, die man (evtl. auf einem Bild) zeigen kann. Ganz anders z.B. erwachsene Flüchtlinge, die sich gleich mit Behörden herumschlagen müssen, deren Sprache auch der Einheimische nur zum Teil versteht.

Die Vermittlung bei Erwachsenen läuft jedenfalls über Mimik, Gestik und Szenenspiel. Meine Syrer lachen oft über das, was ich ihnen vorkaspere. Ob sie das verstanden haben, ist ungewiss, denn ihr Arabisch kann die Welt ganz anders in Begriffe einteilen als Deutsch das tut. Nun lernen auch Kinder Begriffe zunächst nur vage und verschärfen sie später. (Z.B. sagt ein Kleinstkind zunächst zu allen Tieren "Hund".)

Grammatik ist praktisch gar nicht zu vermitteln. Ich habe zu Groß- und Kleinschreibung vergeblich gekaspert, was "Tätigkeitswörter" sind, weil "Tätigkeit" zu abstrakt ist. Das Deutsche hat zudem für fast alle Regeln zu viele Ausnahmen.

Es nützt nichts: Man muss Szenenspiel machen, mit Szenen aus dem erlebbaren Alltag. Während dem Szenenspiel nicht eingreifen und Fehler korrigieren, das verunsichert. Besser noch einmal und richtig vormachen, und dann wiederholen und wiederholen ...

Jeden Tag mit Bekanntem anfangen, bis es im Schlaf sitzt, dann erst Neues in kleinen Portionen.

Leider verlieren unsere neuen Mitbürger schnell die Lust, wenn sie merken, dass sie nicht nach 6 Wochen Deutschunterricht die Zulassung zum Studium bekommen, wie man sich das vorgestellt hat. Aber die eifrigsten und intelligentesten lernen so in absehbarer Zeit tatsächlich Deutsch.

Sollten die Lernenden zufällig auch ein paar Brocken Englisch (oder eine andere Sprache, bei mir war es einmal Italienisch) können, kann man manche neu einzuführende Vokabel damit schneller "erklären". Aber wenn man mit den Lernenden mehr Englisch spricht, fällt ihnen das im Vergleich zu Deutsch natrlich leichter, und ihre Motivation, Deutsch zu lernen, sinkt dann sehr schnell ab. Viele haben auch ein Smartphon mit Übersetzungssoftware. Gelegentlich kann man damit ein Wort klären, aber weit kommt man damit nicht.

Kommentar von eleteroj ,

das beste, was ich zu diesem Thema je hab lesen können. Danke.

Antwort
von XHeadshotX, 25

Entweder per Bildwörterbuch, oder eine gemeinsame Zweitsprache. Die dann aber auch schon sehr gut beherrscht werden sollte.


Antwort
von ymarc, 10

Die beste Sprachmethode ist die einsprachige, Unterricht nur in der Fremdsprache, die man lernen will ... natürlich mit Bildern, Gestik, etc.

Antwort
von Karoti2011, 26

so wie sie es früher gemacht haben, sie lernten es irgendwie ka aber ich kann dir zumindestens sagen was man heute machen könnte, auf Sachen zeigen.

Beispiele 

Du zeigst intensive auf ein Blatt und wiederholst das Wort so als würdest du mit einem Baby sprechen was Mama sagen soll, wenn er drauf eingeht wird er es wiederholen und es vielleicht auch in seiner Sprache sagen.

Ich denke mal so haben es auch früher die menschen gemacht.

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