Frage von DreiBesen, 62

Wie bringt man ein Kind, das laufen kann dazu, zu laufen?

Hallo, liebe Erziehungsexperten!

Ich habe eine Bekannte, die eine kleine Tochter hat. Das Mädchen ist ca 4 Jahre alt. Meine Beobachtung ist folgende: Auf dem Weg von zu Hause zum Kindergarten und umgekehrt macht sie ein Riesentheater, weil sie getragen werden möchte. Sie wirft sich auf den Boden und schreit wie am Spieß, wenn Mama sie nicht trägt.

Meine Bekannte sagt, sie hat schon alles probiert, auch um die nächste Ecke gehen, bis das Kind sie nicht mehr sieht... egal, es bleibt einfach liegen und brüllt hysterisch, bis es blau anläuft.

Letztendlich bekommt es dann doch seinen Willen; das Kind könnte ja auf die Straße laufen oder sonstwas anstellen. Mir tut die Mutter richtig leid, zumal das Mädchen ja mittlerweile einiges wiegt...

Der Weg ist wirklich nicht lang, maximal 500 Meter. Was ja auch zweitrangig ist, es geht ja darum, dass das Kind zu lernen hat, selbständig zu laufen.

Wenn jemand Tipps/Ideen hat, würde ich mich freuen, diese an die gestresste Mama weitergeben zu können.

Lieben Dank!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von tachyonbaby, 20

Worum geht's denn dem Kind? Beachtet werden; Streichel- und  Schmuseeinheiten bei der Mutter holen? Oder spielt da Angst mit?
Irgendwas Unangenehmes auf dem Weg geschehen? Drücken die Schuhe oder sind die Socken zu eng? Ist der Bewegungsapparat beim Kind in Ordnung?

Schon mal das Kind einfach gefragt???


Kinder, die trotzig reagieren sind zumeist gefrustete Kinder, die sich selber nicht zu helfen wissen. Was hat ein 4jähriges Mädel denn derart frustriert? Vor allem so, daß es getragen werden will und sich wie ein Baby aufführt? Normalerweise wollen Kinder doch schnell groß, selbständig und erwachsen werden... Was also läuft denn hier verkehrt?

Wird dem Kind zuhause alles abgenommen? Wird es in Watte gepackt? Hat es Geschwister? Eine 4jährige kann durchaus schon den Tisch decken oder auch beim Abräumen helfen; sich selber anziehen; sein Brot selber schmieren usw. Kinder brauchen Aufgaben, an denen sie wachsen, sich selbst beweisen, Selbsteinschätzung lernen können.

Natürlich kann man hier auch mit harter Konsequenz rangehen, sich das nächste Mal einen Klapphocker und das Häkelzeug oder ein Buch mitnehmen und warten, bis das Mädel aufhört zu zornen... Die Frage ist jedoch, ob man das nicht eleganter lösen kann - ohne daß die Nerven der Mutter strapaziert werden und das Kind noch mehr frustriert wird.

Auf jeden Fall muß dieses eingefahrene Muster, in dem Mutter und Tochter gefangen sind, aufgebrochen werden.

Was hätte denn ich damals mit meinen beiden Mädels in so einer Situation getan? Vielleicht einfach eine Alternative zum Laufen und Tragen geschaffen?

Den Buggy wieder rausholen: "Du bist jetzt schon so groß und schwer, ich kann und will dich nicht mehr den ganzen Weg tragen. Wenn du selber nicht laufen möchtest, dann nehmen wir eben wieder den Buggy. Wir können ja auch etwas früher losgehen, damit die anderen Kinder Dich nicht im Buggy sitzen sehen." (Mutti trägt die Tochter nicht mehr, Tochter muß nicht laufen und Mutti schützt noch die Würde des Kindes. Optimaler geht's doch nicht. Wäre gespannt, wie die 4jährige reagiert...)

Fahrrad / Dreirad einsetzen? Ein abenteuerliches Spiel aus dem Nachhauseweg machen?  Mit Nachbars Hund Gassi gehen?

Laß mich mal eine Nacht drüber schlafen, vielleicht fällt mir noch was anderes ein...

Edit: Ach, sieh an... auf die Idee mit dem Buggy seid Ihr auch gekommen. Dann würde ich das doch mal ausprobieren. Und ein Hund ist auch da! Paßt doch!

Kommentar von DreiBesen ,

Hallo  achyonbaby,

vielen Dank für deine ausführliche, durchdachte Antwort. Sie wirft 'ne Menge wichtiger Fragen auf und bietet richtig gute Lösungsansätze. Bei Gelegenheit werde ich die mal ins Gespräch einfließen lassen :).

LG

Kommentar von DreiBesen ,

Öhm... hab das T in deinem Nick vergessen, was ich hiermit anfüge ^^

Kommentar von tachyonbaby ,

Herzlichen Dank!

Als ich heute Nacht mein Kopfkissen knutschte, ging mir Dein Posting noch lange im Kopf rum und ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie man der Mutter helfen kann, ihrem Kind zu helfen. Ich denke, die Mutter hat ein grundlegendes Problem in ihrem Kind ein eigenständiges Wesen mit eigenem Willen, Talenten und Potential zu sehen.

Kein Kind ist gern ein nervendes, ungezogenes Kind. Im Prinzip ist es unglaublich einfach mit Kindern gut klar zu kommen, sie zu liebevollen, glücklichen, zufriedenen, ehrenvollen, friedlichen und freundlichen Menschen heranzuziehen, die ihren Platz im Leben finden. Dazu sind nur wenige Regeln nötig: Liebe - Ehrlichkeit - Vertrauen - Zutrauen - Achtung und eine gehörige Prise Humor.

Nur mal zum Vergleich: Als meine Mädels 4 und 5 waren, haben die beiden darum gekämpft ganz allein in den Kindergarten gehen zu dürfen. Dazu mußten sie die dörfliche Hauptstraße überqueren, wo zwar nicht viel aber doch gelegentlich Verkehr war. Glaub' nicht, daß mir die Entscheidung leicht fiel... Drei Tage bin ich parallel zu ihrem Weg durch Nachbars Gärten durch die Büsche geschlichen um in einem Notfall zur Stelle sein zu können. Als ich sicher war, sie achten auf ihren Weg und schauen auch wirklich beim Überqueren der Straße, bekam jede der beiden einen eigenen Haustürschlüssel, damit sie die Tür aufschließen konnten, wenn sie vom Kindergarten nach Hause kamen. Wie stolz waren die beiden! Nach einiger Zeit wollten sie gar nicht mehr in den Kindergarten gehen. "Wir helfen lieber dir im Haus und Garten, anstatt mit den anderen Kindern nur zu spielen. Die sind ja noch wie Babys, die sich ständig um das Spielzeug zanken - das ist doof und langweilig."

Die meisten Eltern unterschätzen ihre Sprößlinge und trauen ihnen viel zu wenig zu. >Laß mich das machen, du kannst das noch nicht.. du bist noch zu klein. Klettere da nicht rauf, du fällst sonst runter... usw.< Ständig demonstrieren Eltern ihren Kindern wie klein, dumm, unwissend und unfähig sie doch sind. Warum sollte sich da ein Kind noch anstrengen? Mich wundert überhaupt nicht, daß so viele Jugendliche heute total egozentrisch, renitent, ungehobelt und gewaltbereit sind.


Meiner Meinung nach reden die meisten Eltern viel zu viel, anstatt zu handeln. Viele Mütter haben diese unsägliche Unart, ständig maßregeln zu müssen. Kein Wunder, daß Kinder nicht mehr zuhören und auf "Durchzug" schalten.

Eine übertriebene Fürsorge entmutigt das Kind und hat die gleiche Auswirkung wie eine Demütigung. Ich beraube mein Kind um die Erfahrung seiner eigenen Stärke.

Ich kann meinem Kind kein Verantwortungsgefühl einreden, ich muß es ihm ehrlichen Herzens direkt geben. Ebenso muß ich meinem Kind mein Vertrauen einfach schenken. Auch einer 4jährigen!

Kommentar von tachyonbaby ,

Und? Gib doch mal Rückmeldung, ob das Mädel immer noch Tamtam macht...

Antwort
von WieButter, 22

ok. Also hilft nur die Kleine vom Weg abzulenken schätze Ihr ist es einfach zu langweilig immer hinterher zu trotten.

Ich würde folgendes ausprobieren: Warum mal nicht den Weg tanzen, maschieren, rückwärtsgehen, hüpfen,u.s.w. Natürlich immer schön mit/vor machen.

Oder einen Parcour vorbereiten. z.b.: Steinchen als Käfer bemalen und auf dem Weg verstecken. Dann kann man sie am nächsten Tag suchen und sammeln.

Oder eine Straße aus Kreide malen ....

Antwort
von FouLou, 21

Konsequenz und Geduld. Warum sollte sie damit aufhören wenns doch klappt.

Ablenkung und positive bestärkung nutzen. Eventuell ein spiel draus machen. Wer kann am besten über pflaster hüpfen.

wird das kind denn sonst auch immer getragen? In anderen situationen? Wie ist es zuhause?

Kommentar von DreiBesen ,

Wir haben uns durch unsere Hunde kennengelernt, meistens haben wir dann andere Themen ^^, aber wenn wir uns mal wieder unterhalten, kann ich sie ja fragen. :)

Danke für deine Antwort.

Kommentar von FouLou ,

Hund perfekt. Nicht zum kindergarten gehen sondern den hund gassi führen. Nur endet man zufällig vorm kindergarten. Der ist nämlich super ablenkung.

Kommentar von DreiBesen ,

Naja, ich weiß nicht, wie das Verhältnis des Kindes zum Hund ist; meistens gehen sie ohne Hund. Leine UND Kind tragen wäre vermutlich ungünstig. Prinzipiell jedoch 'ne gute Idee. :)

Kommentar von FouLou ,

naja. Kind soll ja laufen. Und wenn's nich läuft kann der hund sie nicht begleiten. Weil leine und und tragen nicht geht. XD

Antwort
von musso, 29

Den Weg interessant machen, z.B. durch kleine Spiele. Z.B. wer als erstes ein rotes Auto sieht ruft ROT oder unterschiedliche Strecken gehen und die Umgebung beachten, z.B. guck mal, eine Nacktschnecke. Da gibt es so viele Möglichkeiten. Die Mutter muss nur mal auf das Kind eingehen. Einfach nur laufen ist langweilig

Antwort
von sunnyhyde, 29

konsequent bleiben und das kind bocken  lassen..mit 4 hat sie ihre muter schon gut im griff

Antwort
von Reanne, 18

Wäre ein kleindes Kinderfahrrad evtl. eine Idee? Und auch sagen, nur Babys werden getragen und sie sei ja kein Baby mehr...

Kommentar von DreiBesen ,

Ich würde sie dann wieder in einen Buggy setzen... das wäre ihr sicherlich oberpeinlich vor den anderen Kindern. 

Danke für deine Antwort.

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