Frage von mschirmchen, 116

Wie bringe ich einem Kind das Verlieren bei?

Hallo,

mein Sohn ist acht Jahre alt, ein guter Schüler, aufgeweckt, aktiv, für Vieles leicht zu begeistern, wissensdurstig... Also können wir als Eltern durchaus zufrieden sein.

Eins bekommen wir jedoch nicht so recht in den Griff: Er kann nicht oder nur sehr schlecht verlieren. Er reagiert z.B. bei Gesellschaftsspielen, wenn er nicht eine der ersten drei Partien gewinnt, beim Mensch ärgere dich nicht, wenn er zu oft raus geworfen wird, entweder mit "keine Lust mehr" oder mit bockigem Verhalten. Auch seine Sportlehrerin hat uns da schon drauf angesprochen.

Was kann man tun?

Antwort
von Rockige, 45

Viel Geduld, viel Kontakt mit anderen Kindern (in Sachen Geduld und Ausdauer sind Kinder die besten Lehrer, finde ich).

Könnt ihr ungefähr erahnen was der Auslöser für das "nicht verlieren können" war? Zu verlieren ohne das die persönlich Welt zusammen bricht - das muss erst gelernt werden vom Kind. Die einen Kinder lernen dies früher, die anderen später.

Ein "ständiges" Thematisieren ist meiner Meinung nach kontraproduktiv. Je nach Charakter kann da ein Kind auch schon mal versuchen Vermeidungsverhalten zu entwickeln um sich nicht mit möglichem Misserfolg auseinandersetzen zu müssen.

Ich würde auch nicht versuchen ein negatives Denken beizubringen (a la "Heute habe ich wohl Pech, heute habe ich einen schlechten Tag", etc). Bei manchem Kind mag das funktionieren - vor allem wenn die Eltern entsprechend interagieren, lenken können. Bei einem anderen Kind kann es jedoch bewirken das dieses Denken auf den kompletten Alltag übertragen wird sobald mal irgendetwas nicht so funktioniert wie es eigentlich sollte (Stichwort "sich selbst erfüllende Prophezeiung").

Stichwort Sportverein (je nachdem wofür das Kind geeignet ist bzw. das Interesse vorhanden ist ): Dies könnte helfen die Frustrationstoleranz zu üben, das Selbstbewusstsein zu stärken. Aber das funktioniert am ehesten wenn das Kind sich auch wirklich für diese gewählte Sportart interessiert.

Antwort
von Hopsfrosch, 13

Liebes mschirmchen,

das kannst du ihm leider schlecht mal eben so "beibringen" - aber ich weiß, was du meinst!

Verlieren können ist für Kinder erst mal sehr schwer. Sie fühlen sich dann kleingemacht, und das ist nur schwer auszuhalten. Die Frustrationstoleranz ist eine soziale Kompetenz, die von manchen Kindern erst mühsam erworben werden muss. Allerdings sollte er mit seinen 8 Jahren tatsächlich schon solchen Frust aushalten können. Auch Kinder mit ohnehin schon geringem Selbstwertgefühl haben es da schwerer. Und Jungs schon mal sowieso! Ihr Testosteron zwingt sie zu ständigem Wettbewerb. Der Sinn des Lebens wird bei Jungs durch ewiges "Besser sein wollen" definiert. Sie können nicht anders!

Jetzt kommt es natürlich auch darauf an, wie dein Junge sich selber sieht. Und ob er emotional auf starken Füßen steht. Was nutzt es ihm, in der Schule kognitiv gut zu sein, wenn er bei der geringsten Frustration weinend zusammenbricht? (Ich kenne ein hochbegabtes Kind, dem es genau so ergeht!)

Es gibt ja nicht nur einen IQ, sondern sozusagen auch einen EQ. Nämlich die Fähigkeit, mit Emotionen umgehen zu können. Beides hat überhaupt nichts miteinander zu tun! Literaturtipp: Daniel Goleman, Emotionale Intelligenz, Bertelsmann. "Der Psychologe Daniel Goleman berichtet ... mit eindrucksvollen Beispielen, was diese emotionale Inteligenz ist, weshalb, wie und mit welch erstaunlichen Perspektiven für unsere Kultur und unsere Gesellschaft das emotionale Alphabet gelernt werden muss: die zutiefst menschliche Fähigkeit, mit den eigenen Gefühlen und denen der anderen bewußter, phantasievoller und sensibler umzugehen."

Jetzt speziell zum "Mensch-ärgere-dich-nicht": Es ist ja ein Glücksspiel, also durch eigene Fähigkeiten oder Bemühungen nicht zu beeinflussen. Dein Junge ist ein aufgewecktes Kerlchen. Bei diesem Spiel hat er keine Chance, das für sich zu nutzen! Klar ist so ein Spiel dann frustrierend. Außerdem ist er kein Kleinkind mehr. Ich würde mit ihm eher Strategiespiele wie z.B. Risiko, Monopoly (gibt es auch in der Kinderversion z.B. mit Sponge Bob), Carcassonne oder Siedler von Catan spielen! Dann hängt es nämlich von IHM ab, ob er gewinnt oder verliert! Dann kann er es BEEINFLUSSEN. Und ist nicht hilflos irgendwelchen blöden Würfeln ausgeliefert. Ist doch Kinderkram. Ich kann ihn da gut verstehen...

LG!

Antwort
von lastgasp, 37

"Beibringen" macht schon 'mal gar keinen Sinn. Damit wirst Du das mangelnde Selbstwertgefühl, das viellfach hinter einem solchen Verhalten steht, nicht wirklich verbessern können.

Gemeinsames Verlieren z.B. in einer Fußballmannschaft kann genauso gut sein wie das Spiegeln des Verhaltens: als Eltern vielleicht auch einmal alle Sicherungen herausnehmen, wenn Ihr das nächste Mal verliert.

Der Rest läuft unter "aushalten können". Nicht reagieren, wenn er austickt.

Antwort
von robi187, 32

ich denke er sollte in dem alter in eine pfadfindergruppe oder sowas gehen? oder musik im chor machen da kann auch nicht jeder machen was er will, auch wenn er nur so gut ist?

kannte mal ein kind das mit 5 eingeschult werden sollte, die erzieherin sagte dazu nein: grund das sozialverhalten sei nicht noch nicht reif dazu.

was dachte ich damlas..... heute tut es mir leid was ich dachte.

also ich weis nicht was richtig oder flasch ist das können immer nur die eltern wissen.

aber man kann pole aufzegen was das eine oder ander sein könnte.

Antwort
von tuilaai, 59

In dem du auch mal absichtlich ohne dass er das merkt verlierst und zeige ihm dann wie ein Held verlieren kann. Wenn du kannst....

Antwort
von habakuk63, 58

Das kenne ich von meiner Tochter! Bei ihr sind zwei Eigenschaften gleichzeitig aufgetreten, die es schwierig machten.

1. Es wurde in der Grundschule eine Hochbegabung diagnostiziert.

2. Sie ist, auch durch die Hochbegabung, eine Perfektionistin.

Bei den Anforderungen, die sie an sich selber stellt waren wir nicht oder nur sehr begrenzt erfolgreich, ist es eine 2,x ist das der Weltuntergang. Bei den Gesellschaftsspielen haben wir es durch Gespräche und aktives Vorleben von VERLIEREN geschafft, das sie seit dem 10. Lebensjahr verlieren kann ohne auszurasten. 

Wir haben ganz bewusst so gespielt, dass einer von den Erwachsenen verloren hat, immer wieder und dieser Erwachsene hat dann vor und während des Verlierens geredet (ich glaube das wird wieder nichts, heute habe ich einen schlechten Tag, irgendwie habe ich das Gefühl das nur ich verliere, etc) und die anderen haben das durch Zustimmung bestätigt und es wurde ganz normal weiter gespielt.

Aber den verlierenden Erwachsenen schon gestichelt, das er wieder verloren hat. So haben wir es in MONATEN geschafft, das Verlieren als erträglich darstellen zu können.

Ich wünsche dir /euch Geduld und Erfolg.

Kommentar von lastgasp ,

Eine Inszenierung des Verlierens bei einem Gesellschaftspiel nutzt doch wohl schnell ab, selbst wenn das Kind nicht zu den heute gefühlten 95% hochbegabten Schülern gehört, wird es "das" Spiel schnell durchschauen.

Antwort
von Kapodaster, 71

Ihr müsst ihn wohl oder übel in Situationen bringen, wo man automatisch auch mal verliert. Vielleicht im Sportverein anmelden.

Viel Kontakt mit Gleichaltrigen ist auch gut.

NB: Früh übt sich! Ich kenne eine Person ü 30 mit Doktortitel, die offebar als Kind nicht Verlieren gelernt hat. Als es dann im Beruf nicht so gut lief (= die Person erstmals richtig  "verloren" hatte), stand sie da wie der Ochs vorm Berg.

Kommentar von robi187 ,

port wäre gut wenn nicht immer gewinner oder verlierer geben würde. z.b. beim judo berbeutgt man sich immer vor dem anderen?

oder es gibt spiele wo es keinen verliereg gibt.

dehalb ein orchester ist super weil auch der beste merkt das er nur einer ist von viele und die musik alle machen?

selbst schach ist sport? der beste gewinnt? das ist ein überl für viele kinder?

Kommentar von Kapodaster ,

Der Junge soll ja gerade das Verlieren lernen, weil es eine Grundlage ist, um im Leben zurechtzukommen. Für alle. Auch die Besten müssen verlieren können, sonst nützen ihnen ihre ganzen Talente und Fachkenntnisse nichts.

Orchester und Sport ohne Wettbewerbsgedanken sind zwar was Feines, bringen aber für diesen speziellen Fall nichts.

Antwort
von kiniro, 33

So etwas bringe ich einem Kind nicht bei.

Es gibt etliche Situationen, in denen das Verlieren nicht vermieden werden kann. Warum also im Spiel ein Kind darauf "trimmen"?

Wir haben die Spielregeln solange für uns angepasst bis meine Tochter von sich aus bereit war, auch mal verlieren zu können.

Das Thema Schule passt für mich absolut nicht hier rein. Es interessiert mich auch null, was für ein Schüler dein Sohn ist.

Antwort
von Spielereporter, 24

Einem Kind "Verlieren beizubringen" zu wollen ist vielleicht ein falscher Ansatz:

Spiele sollen unterhalten. Gewinnen oder Verlieren ist dabei, aus Brettspielersicht, nur ein Nebenprodukt. Insbesondere bei Kindern können Siege natürlich ein hoher Motivationsfaktor sein, doch immer sollte das Spiel an sich und nicht die Ergebnisse, die man daraus erzielen kann, im Vordergrund stehen.

Nicht in jedem Brettspiel kann Sieg oder Niederlage auch kontrolliert werden. Dies trifft besonders auf Spiele mit hohem Glücksfaktor (z.B.: Würfelglück) zu. Kommen Kinder schlecht mit misslungenen Glückswürfen zurecht, ist das Problem eventuell nicht beim "Verlieren" zu suchen, sondern hat andere, bisher unentdeckte Gründe. 

Viel Geduld, herausfordernde Spiele - vielleicht auch Spiele, in denen die Spielhandlungen nicht zufallsbasiert sind, können ihren Teil dazu beitragen. Ansonsten gilt ja immer: Niederlagen gehören zum Leben dazu, aber das lernen Kinder dann doch von allein - und zwar früher als ihnen lieb ist.

Antwort
von MrPresident99, 36

Das muss man lernen wie alles andere. Klar verlieren macht kein Spaß aber es gehört zum Leben dazu!
Beim Sport ist es ganz einfach, wer schmollt oder bockig ist, der spielt nicht mit und setzt sich auf die Bank. Solche Attacken muss man ignorieren und den Kinder keine Aufmerksamkeit schenken. Damit sie selbst lernen, dass Aufgeben nicht bringt!

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