Frage von Dentex, 71

Ist das bereits eine Zwangsstörung, wenn Leute aufpassen, dass sie keinen Staub einatmen oder sich oft die Hände waschen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Karenuki, 21

Man nennt das Zwangsneurose.

Hintergrund: In der sogen. Sauberkeitserziehung ist etwas schief gelaufen. Das ist so mit ca. 3 Jahren der Fall. Die Eltern waren wahrscheinlich selber zu reinlich oder ekelten sich zumindestens vor den Ausscheidungen ihrer Kinder. Evt. auch vor Matsch, Dreck im Haus, solchen Sachen...

Psychologisccher Hintergrund ist aber eigentlich das Selbständigwerden und sein. Die sogen. Ausbildung des Ich. Sich gegenüber den Eltern durchsetzen wollen und dürfen. Wird man daran gehindert, kann auch das zu übertriebener Reinlichkeit führen.

Es gibt keinen logischen Grund für solch ein Verhalten, denn die Angst zieht das Problem an. Außerdem stimmt der Beitrag mit dem Immunsystem. Es ist bekannt, dass bei zu viel Hygiene Bakterien resistent werden und somit noch aggressiver werden lässt. Was machen wir? Angst entwickeln und noch mehr Hygiene.

Kommentar von Karenuki ,

danke!

Antwort
von Tasha, 27

Ich würde da auch vorsichtig in Richtung Phobie oder Zwangsstörung tippen.

Es mag ja sein, dass das Verhalten ursprünglich aus einem theoretischen Wissen heraus entstanden ist -wenn man es aber überall penibel ausführen muss, selbst in Situationen, in denen es eindeutig nicht passt (Arbeit, Öffentlichkeit, andere Menschen stehen im Mittelpunkt etc.), dann hat man ein Problem.

Man muss bedenken, dass wir jahrelang täglich oder wöchentlich Dinge tun, die "eigentlich" *schädlich* sein könnten, es aber für die meisten von uns nicht sind. Man fasst am Tag zahlreiche Türklinken etc. an und leckt sich trotzdem unbewusst mal zwischendurch die Finger ab. Man fasst auf öffentlichen Toiletten die Türklinke beim Rausgehen an - die auch Leute anfassten, die sich nach dem Toilettengang nicht die Hände gewaschen haben. Man kommt mit zahlreichen Schmutzpartikeln und Viren in Berührung, ohne daran zu denken. Man trinkt und isst im Restaurant aus Tellern und Gläsern, deren Waschroutine etc. man nicht kennt (manchmal sieht man in Schnellrestaurants und Bäckereien noch Schmutzpartikel an Besteck oder Tassen...). Man weiß nicht, ob der Koch in Restaurants Handschuhe trug oder aufs Händewaschen geachtet hat (mir sagte mal ein Koch aus einem Mittelklasserestaurant, dass dies in seiner Küche - er war aber nicht der Chef - oft vergessen bzw. nicht so wichtig genommen wird).

Viele Leute wohnen in WGs oder mit anderen zusammen - Familie etc. oder benutzen mit anderen zusammen Küche und Bad (auf der Arbeit), ohne zu wissen, wie die anderen die Hygiene betreiben. Putzt man immer den Toilettendeckel ab, wenn man ihn benutzt? Die Dusche vor jeder Benutzung? Den Badboden, wenn man duschen geht? Weiß man, wie die Kollegen oder Mitbewohner das Gemeinschaftsgeschirr gewaschen haben (z.B. nur kurz kalt abgebraust)? Wie oft wird der Kühlschrank gereinigt? Falls jemand für einen kocht: Wie hat der die Lebensmittel gelagert und behandelt? Man geht ggf. mit nackten Füßen auf Teppich oder Fliesen, die andere mit unbekannten möglichen Krankheiten mit nackten Füßen betreten haben (auch Familienmitglieder). Man benutzt ein gebrauchtes Auto. Usw.

Es ist mMn illusorisch, sich gegen alles abzusichern. Aber: Man weiß aus seiner Kindheit, was man alles nicht beachtet hat ohne krank zu werden. Manche Leute küssen ihre Haustiere und einige davon küssen danach ihre/n Freund/in - evtl. ohne dass dem Partner das bewusst ist. Andere streicheln Haustiere und fassen danach Lebensmittel an oder geben anderen Menschen die Hand etc. Meines Wissens erkrankt nur selten jemand nach solchem Verhalten.

Man kann immer Vorsicht walten lassen und hat damit oft theoretisch Recht - in der Praxis hat sich aber meist das lasche Verhalten der Mehrheit bewährt, d.h. es löst keine gravierenden Erkrankungen aus und birgt damit nur theoretisch - für anfällige Personen oder bei extremer Sorglosigkeit - Gefahren.

Antwort
von ChopC, 26

Ich muss bestehen ich verhalte mich öfters so wie beschrieben, aus demselben Grund wie beschrieben.
Ich kann dir sagen wieso ich meine Aktivitäten so handhabe aber nicht wie man so ein verhalten bezeichnen könnte.
Ich spare nicht an Gedanken und überdenke mein handeln mehrmals, bevor ich handele, allerdings nur bei größeren Unternehmungen. Und bei Kleinigkeiten, verlassen ich mich hingegen vollkommen auf meine Erziehung, sprich Hände waschen vor dem essen, kein Staub aufwirbeln, usw. Dabei steht mir dann auch mein Hirn zur Verfügung um über interessanteres/wichtigeres nachzudenken.

Kommentar von ChopC ,

gestehen*

Antwort
von Bthomast, 37

Alle Vorsicht in Ehren aber wer so penibel handelt, hat das menschliche Immunsystem nicht verstanden.

Ich würde ihn als Nerd bezeichnen, der in seiner eigenen streng physikalischen Weltanschauung lebt und angrenzende Fachgebiete wie etwa die Biologie/Medizin ausblendet.

Kommentar von Dentex ,

Ist ein Nerd nicht jemand, der viel Zeit am Computer verbringt bzw. im englischsprachigen das Wort für Streber. Inwiefern wäre der Zusammenhang zu einem Nerd erklärbar? Sind Nerds tatsächlich diesem Verhalten näher als andere Leute? Die Frage stelle ich nämlich deshalb, weil ich bei einem medizinischen Fragebogen ausfüllen musste, ob ich zu diesen Leuten dazugehöre, und da habe ich mich dann an ein paar Leute erinnert, daher hätte mich der genaue Begriff interessiert. Danke jedenfalls.

Kommentar von Bthomast ,

Ich habe den englischsprachigen Begriff im Auge gehabt, aber das ist im Prinzip identisch.

Ich denke nicht, dass Nerd der Fachterminus ist, aber einen Zusammenhang kann ich mir gut vorstellen. Was kennzeichnet denn den Nerd?

Er vertieft sich aufs äußerste in seine Arbeit, sammelt Fakten, optimiert Abläufe bis ins Detail. Es gibt PC-Zocker die Beschäfftigen sich mit sonst welchen Detailfragen von irgendwelchen Spielen. Um beim englischsprachigen Verständnis vom Nerd zu bleiben: Auch ein Streber vertieft sich ins Detail, er will alles genau wissen.

Ein Nerd ist für mich also jemand der etwas ins Extreme übersteigert lernt/durchführt/spielt.

Hintergrund der Frage war ja das physikalische Verständnis als Motiv der Handlung und die Sorge um mögliche gesundheitliche Folgen.

Wenn ein Mensch dazu neigt eine Sache zu übertreiben, dann ist er m.E. eher anfällig, dieses Verhalten auch auf die Hygiene zu übertragen, als ein Normalbürger.

Wissenschaftliche Studien dazu hab ich jetzt aber nicht parat.

Antwort
von Dahika, 9

wie man solche Menschen nennt: therapiebedürftige Neurotiker. Die armen Wesen stehen sich ja selbst im Wege. Perfektionistische Vorsicht ist immer neurotisch, wie einfach jeder Perfektionist ein Neurotiker ist.

Antwort
von Inalovesapple, 20

Phobiker - meiner Ansicht nach ;)

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten