Frage von Kadrilla, 47

Wie besiegt man ein Trauma?

Hallo,

ich habe heute sowas ähnliches wie einen Nervenzusammenbruch gehabt, nachdem ich eine tote Maus in meinem Zimmer gefunden habe. Das Trauma ist nicht, dass ich Angst vor Mäusen hätte, sondern Angst vorm Tod und dass ich sogar auch noch Schuld am qualvollen Tod dieser armen, unschuldigen Maus bin und sie vermutlich verdurstet ist. Ich kann ihren Tod nicht mehr ungeschehen machen, auch wenn ich alles auf der Welt dafür geben würde, dass sie auf natürliche Weise stirbt und nicht eingesperrt in einem dunklen Loch ohne Nahrung.

Aber ich denke der Hauptgrund für meinen Nervenzusammenbruch war ihr Geruch. Natürlich roch sie schon verwesen - ich weiß nicht, wie lange sie schon tot ist, ich war 8 Wochen lang nicht in dem Zimmer gewesen - und jetzt im Nachhinein denke ich, dass mich das unterbewusst an den Tod meines Hundes erinnert hat. Er starb vor 2 Jahren, kurz nach Weihnachten und auch er starb, als ich nicht bei ihm war und auch ihn konnte ich erst sehen, als er schon anfing zu riechen.

Wie überwindet man so ein Trauma? Ich meine, ich kann mich ja nicht gegen den Tod abhärten. Schließlich werde ich nicht täglich damit konfrontiert. Trotzdem werde ich es immer wieder erleben. Meine Großmutter ist zum Beispiel schon 97 und war erst vor 2 Wochen wegen einem Schlaganfall im Krankenhaus. An dem Abend dachte ich auch, sie würde sterben. Und ich habe aktuell noch 5 Haustiere. Was, wenn eines davon früh morgens stirbt und ich es erst spät abends bemerke, weil ich tagsüber weg war? Dann fängt es auch schon an zu riechen.

Und auch abgesehen vom Geruch... Manchmal reicht es auch aus, wenn ich an einem Ort sitze, an dem ich viel Zeit mit meinem Hund verbracht habe. Zum Beispiel habe ich sehr viel Zeit mit ihm im Garten verbracht. Er lag unten auf der Wiese und ich habe mich auf die Steintreppe gesetzt. Manchmal haben wir einfach eine Stunde lang so dagesessen ohne etwas zu machen. Und wenn ich mich jetzt wieder auf diese Steintreppe setze, zum Beispiel mit meinem jetzigen Hund, dann könnte ich wieder anfangen loszuheulen. Ich vermisse ihn einfach immer noch soooo sehr und denke manchmal, dass nichts auf dieser Welt dieses Loch füllen kann. Er war einfach sowas wie ein Bruder für mich. Wir haben ihn, als ich noch ein Kind war, bei uns aufgenommen und daraufhin hat er einen Großteil meiner Schulzeit und auch noch die ersten Jahre meiner Uni begleitet. Er war einfach immer da. Und jetzt ist er für immer weg. Und wenn ich so traurig wie jetzt war, dann kam er zu mir und hat versucht mich zu trösten.

Natürlich habe ich auch schon ettliche Tage, an denen ich nicht an ihn denke. Heute war die Maus der Auslöser. Aber ich will diese extremen Gefühlausbrüche endlich überwinden. Ich brauche einen Rat von euch, wie man so ein Trauma loslassen kann. Ich kann nicht bei jedem toten Tier, das ich sehe, einen Nervenzusammenbruch haben.

Antwort
von verquert, 42

Hallo Kadrilla,
ir würde ich eher empfehlen, Dich mit dem "Tod" und Trauer auseinanderzusetzen. Nicht mit "Trauma", ich denke, dies wäre eher kontraproduktiv.

Vielleicht sind die Fragen hilfreich, was Du mit "Tod" verbindest - vor allem beim "natürlichen Tod".

Wegen der Maus.... ist es Dein Haustier gewesen, welches Du vergessen hast? - Wenn ja, dann ist wohl das Gefühl von "Schuld" angebracht. Nicht so, dass es "handlungsunfähig" macht, aber rein logisch her ist es schon nachvollziehbar. Dann kann eine Art "Wiedergutmachung" eventuell helfen. Vielleicht, indem Du Dich entschuldigst (schriftlich). An diese Maus denkst, eine Kerze anzündest,... und trauerst.... weil ich habe nicht den Eindruck, dass Du die Maus absichtlich vergessen hast. Dafür sind Deine Zeilen viel zu "nah" bei der Maus.

Wenn die Maus eine "wilde Maus" gewesen ist - dann hat es gar nichts mit Dir zu tun, schließlich hast Du dann nichts von deren Existenz gewusst.

Sensibilität ist ein "Segen", aber auch ein "Fluch". Vor allem, wenn mit der eigenen Sensibilität nicht umgegangen werden kann. Eventuell ist es auch hilfreich an dieser Stelle Möglichkeiten für Dich zu finden.

Wenn Du Unterstützung finden magst - so wäre gewiss eine "Trauerberatung" am ehesten hilfreich nach Deinen Zeilen.

Kommentar von Kadrilla ,

Die Maus war eine Wildmaus, aber ich habe von ihrer Existenz gewusst. Wir haben hier immer mal wieder ein paar Mäuse, weil wir den ganzen Tag über die Gartentür offen lassen und unser Haus auch schon ca. 80 Jahre alt ist. Da kommen sie auch durchs Mauerwerk. Früher hatten wir bestimmt 2 Jahre lang immer eine Lebendfalls wegen der Maus im Wintergarten mit Köder stehen. Und in den gesamten 2 Jahren ist keine Maus hineingegangen. Dann habe ich, weil eine Maus in meinem Zimmer war, die Lebendfalle in mein Zimmer gestellt.

Ein halbes Jahr lang war die Maus immer wieder mal in meinem Zimmer, ist aber nie in diese Mausefalle gegangen. Dann bin ich wegen Umbauarbeiten 8 Wochen lang in das Gästezimmer umgezogen und hatte die Falle vergessen. Ich hatte sogar extra noch den Köder herausgenommen, damit so etwas nicht passiert! Aber ausgerechnet jetzt, wo kein Köder mehr in der Falle lag nach über 2,5 Jahren, in der die Falle leer geblieben war, ging diese Maus in die Falle und ich habe es nicht gemerkt. Wenn ich noch an einen Gott glauben würde, würde ich spätestens jetzt damit aufhören. Das alles ist einfach ein extrem schlechter Witz. Was für einen Grund hatte die Maus ausgerechnet jetzt in dieser vergleichweise kurzen Zeit und ohne Köder in die Falle zu gehen?
Und wieso musste ich vergessen die Falle wegzustellen? Ich will mir gar nicht vorstellen, wie schlimm dieser Tod für sie gewesen sein muss. Eingesperrt, beinahe bewegungsunfähig und am Ende verdurstet. Und das ist gewiss kein schneller Tod. Das muss sich über Tage hinweg so hingezogen haben. Warum habe ich es nicht klappern gehört? Ich war täglich immer mal für eine Stunde in dem Zimmer. Sie hätte sich doch einfach nur bewegen müssen, dann hätte ich gemerkt, was los ist, und sie herausgelassen.

Ich bin gerade einfach wegen allem sauer. Ich bin sauer auf mich, sauer auf die Maus, sauer auf die Situation und insgesamt traurig. Da kamen einfach so viele Zufälle auf einmal zusammen..

Gott, ich schreibe hier gerade viel zu viel. Manchmal kann ich nicht mehr aufhören, wenn ich erst angefangen habe.
Danke für deine Antwort. Ich denke, das mit der Trauerberatung ist eine gute Idee. Vielleicht können sie mir helfen mit dem Tod umzugehen. Ich habe immer dieses Bild vor Auge, dass es für immer ist. Als Kind habe ich noch an Gott (christlich) geglaubt. Aber auch das hat mir nicht in der Trauerbewältigung geholfen.

Jetzt denke ich, dass der Tod das endgültige Ende einer Existenz ist. Zwar kommt der Körper wieder in den Kreislauf der Natur zurück, wenn er verwest, aber das Lebewesen, das in diesem Körper steckte, ist für immer und alle Zeiten weg. Vermutlich macht dieser Gedanke mich so fertig. Und dass man verlorene Zeit nicht mehr nachholen kann.

Kommentar von verquert ,

Das klingt nach sehr viel "Hoffnungslosigkeit" und auch Wut. Wenn Du schreibst, dass Du täglich in dem Zimmer gewesen bist - aber die Maus nicht gehört hast, dann kann es auch sein, dass sie vielleicht sehr schnell bereits gestorben ist.

Ich glaube, nun hast Du die Möglichkeit eher vom "schlimmsten Szenarium" auszugehen und Dich weiter zu quälen oder die "Ist-Situation" sehen. Vor allem auch, dass Du der Maus geholfen hättest, wenn Du diese bemerkt hättest.

Ja, eine Trauerberatung ist gewiss hilfreich. Vor allem, um einen generellen "Umgang mit dem Tod" zu finden. Und nach Deinen letzten Zeilen klingt es so, dass es auch wohl einiges auch aufzuarbeiten gibt.

Lieben Gruß an Dich...

Antwort
von PicaPica, 37

Sei einfach für die Lebenden da, sorg dafür, dass du Gedanken wie `hätt ich doch mehr Zeit...., dann... und jetzt ist`s zu spät´ nicht zu haben brauchst, denn dann hast du ja. Dann musst du nicht traurig sein, dass du diese Lebewesen verloren, sondern kannst dich freuen, dass du sie gehabt hast. Natürlich ist es extrem, jemanden, egal ob Tier oder Mensch, für immer zu verlieren, aber das sind die unabänderlichen Dinge des Lebens, die man akzeptieren und mit denen man umzugehen lernen muss und wie gesagt, hat man dafür gesorgt, dass man sich in Hinsicht Zeit und Hilfe keine Vorwürfe zu machen braucht, wird es um Einiges leichter. `Streu Blumen auf den Wegen des Lebens, denn auf den Gräbern blühn sie vergebens.´ Ein weiterer Rat, schaff dir nur ein Tier an, wenn du genügend Zeit dafür haben kannst.

Übrigens: Herzlich willkommen bei gutefrage

Kommentar von Kadrilla ,

Was meinst du mit dem letzten Satz, also mit "genug Zeit für die Tiere"? Wenn ich weniger Zeit mit meinen Tieren verbracht hätte, würde ich ja jetzt vermutlich nicht so um meinen Hund trauern. Zeigt das nicht, dass ich viel Zeit mit ihm verbracht habe?

Danke für deine Antwort. Ich werde versuchen den Tod besser zu akzeptieren.

Antwort
von AidaLove, 19

Dieser Spruch hilft mir immer sehr wenn ich an meine tote Katze denken muss:

If there ever comes a day when we can´t stay together, keep me in your heart, I´ll stay there forever

~Winnie the Pooh

Antwort
von Kathdan, 42

Die träume, gedanken etc. sund schon ein teil der verarbeitung!! Dein " geist" braucht etwas zeit um das erlebte zu verarbeiten.

Also  Entweder wartest du noch etwas ab 

oder wenn es garnicht geht, 

wende dich an einen arzt. Es gibt Hilfe und Möglichkeiten z.b. Hypnose, gesprächs bis traumatherapie etc. etc. 

Antwort
von juliakraemer022, 38

Ich glaub in deinem Fall hilft eine Therapie ganz gut

Antwort
von Keksigirly, 26

Das ist nur mal so das Menschen und Tiere sterben am besten suchst du dir jemand mit dem du sprechen kannst . Wir sin wie Schachfiguren weiß das Leben schwarz der Tod weiß beginnt schwarz gewinnt;(

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