Frage von epixplay, 52

Wie bereite ich mich am besten auf meinen beruflichen Werdegang vor ( [Fach] Informatiker ich Fachrichtung Anwendungsentwicklung?

Hallo ich bin mänlich, 15 Jahre alt und gehe auf eine Realschule (9 klasse). In der Schule konnte ich ein 4 Hauptfach wählen. Technik, Informatik, Sozialwissenschaften, Biologie. Ich aber habe mich für Informatik entschieden. Da ich nach der Realschule auf ein Gymnasium gehen möchte um dort mein Abitur zu absolvieren. Nach meinem Abi möchte ich studieren gehen. Für Informatik (Anwendungsentwicklung). Meine Frage ist ob ich vor dem Studium mir vielleicht etwas wissen aneignen soll damit ich mir das Studium leichter machen kann. Wenn ja dann bitte reinschreiben. Am besten nichts wo ich mir erstmal auf youtube Tutorials angucken muss sonder einfach im Internet eine Anleitung ist.

Antwort
von NoHumanBeing, 34

Du verwechselst da zwei Dinge.

Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung ist ein Ausbildungsberuf. Eine Berufsausbildung mit IHK-Prüfung ist jetzt gelinde gesagt nicht sooooo heftig. Das solltest Du (insbesondere mit Abi) locker schaffen, auch ohne große "Vorbereitung".

Zum "echten" Informatiker wirst Du nur durch ein Studium. Dafür brauchst Du eine Hochschulzugangsberechtigung, sprich Abitur oder Fachabitur. Ein Informatikstudium ist ziemlich heftig (vor allem wegen der Mathematik). Programmieren solltest Du definitiv schon vorher können, weil Du kaum Zeit haben wirst, Dir das dort anzueignen. Den Rest kannst Du dann tatsächlich an der Uni erlernen. Ist zwar anspruchsvoll und stressig, aber gut möglich. Nachdem Du ohnehin nicht wissen wirst, was gefordert wird (ist von Hochschule zu Hochschule recht verschieden), kannst Du Dich auch schlecht darauf vorbereiten.

In Mathematik wird es wohl in den ersten Semestern um Vaginalysis (sorry, darf den richtigen Begriff leider nicht schreiben, da er als "vulgär" eingstuft wird) und Lineare Algebra gehen, später vielleicht ein wenig Stochastik. Das sollte aber alles geeignet eingeführt werden, auch wenn das Tempo recht hoch sein wird, sodass Du Dich ranhalten musst.

Als Programmiersprache für den Einstieg kommt häufig Java (eine objektorientierte Programmiersprache) zum Einsatz, manchmal, insbesondere an Unis, an denen die Informatikfakultät aus der Mathematikfakultät hervorging, aber auch etwas exotisches wie Haskell (eine funktionale Programmiersprache). Das kommt daher, dass funktionale Programmiersprachen entsprechen eher der Denkweise eines Mathematikers entsprechen, während objektorierntierte Programmiersprachen eher der Denkweise eines Informatikers entsprechen.

Kommentar von epixplay ,

Wenn ich nach meinem Abi eine Ausbildung mache und sie dann fertig habe kann ich dann mehr Gehalt verlangen als andere Arbeiter die ohne Abi in den Job kommen oder sind ?

Kommentar von NoHumanBeing ,

Das kann man so pauschal nicht sagen. Du kannst grundsätzlich das verlangen, für das Du einen Betrieb findest, der bereit ist, das zu bezahlen. ;-)

Mit Abitur kannst Du eine IHK-Ausbildung verkürzen lassen, bestenfalls auf lediglich 2 Jahre (von ursprünglich 3 Jahren). Dem muss der Betrieb aber zustimmen. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass Abitur schon eine ziemliche Mindestanforderung ist, um als Entwickler tätig zu sein. Damit wirst Du also niemanden "beeindrucken".  Du wirst es vielmehr brauchen, damit Du überhaupt eine Stelle als Entwickler bekommst.

Ich habe ursprünglich auch eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung gemacht, die ebenfalls auf zwei Jahre verkürzt wurde, da ich bereits Abitur hatte. Dann war ich eine Zeit lang als Entwickler tätig, bin aber recht schnell an Grenzen gestoßen, sodass ich letztlich Informatik studiert habe (zunächst Bachelor, dann Master). Das habe ich auch nicht bereut.

Mit dem Studium kommst Du an viel interessantere Tätigkeiten, kommst recht schnell in leitende Positionen, bekommst Personalverantwortung, etc. Oder Du kannst in die Forschung gehen, wofür eigentlich immer ein Masterabschluss erforderlich ist. Du hast einfach viel mehr Möglichkeiten. Und der Verdienst ist deutlich höher. Man sagt, ein frischer Bachelor-Absolvent verdient etwa das Doppelte dessen, was ein frischer Facharbeiter (Absolvent einer Berufsausbildung) verdient. Mit dem Master hast Du dann nochmals ein Einstiegsgehalt, das etwa 20 % über dem eines Bachelorabsolventen liegt.

Wenn Du länger in dem Job bleibst, werden diese Unterschiede tendenziell eher noch deutlicher werden, weil Du als Informatiker einfach ganz andere Stellen besetzen kannst, als als Fachinformatiker und als Masterabsolvent widerum andere, als als Bachelorabsolvent.

Kommentar von nintendoluk ,

Nein, es ist egal, welchen Schulabschluss ihr habt, ihr habt die gleiche Ausbildung, also verdient ihr das gleiche Geld, solange ihr bei dem gleichen Unternehmen seid (so handhaben es zumindest die meisten Betriebe).

Mit Abitur könnte es höchstens leichter sein, an die Ausbildungsstelle zu kommen, wobei ich auch schon von Betrieben gehört habe, die ungern Abiturienten nehmen, da sie bei diesen befürchten, dass sie nach der Ausbildung zum studieren abhauen.

Du kannst übrigens auch jetzt gleich nach der Realschule die Ausbildung beginnen und während der Ausbildung dein Abitur nachmachen (nennt sich BS+). Dann kannst du gleich nach der Ausbildung Informatik studieren und hast auch schon einen großen Wissensvorteil gegenüber den anderen Stundenten, da du ja deine Ausbildung gemacht hast ;-)

Antwort
von Minilexikon, 7

NoHumanBeing hat ja schon deine Verwechslung angesprochen. Allerdings teile ich seine Meinung bezüglich Ausbildung und Studium nicht.

Ja, die Ausbildung hat den großen Nachteil, dass man Fachinformatiker und nicht Anwendungsentwickler, Systemintegrator oder IT-Systemelektroniker wird, aber die Ausbildung ist viel praxisnäher als ein Studium je sein könnte.

Viele, die Informatik studiert haben, darunter auch Mitschüler an der Berufsschule, sagen, dass ihnen das Informatikstudium nicht so viel gebracht hat. Oft sind Studienrahmenpläne, besonders in sich so rasch verändernden Bereichen wie der Informatik, nicht mehr zeitgemäß und man lernt Sachen, die teilweise so überholt sind, dass man sie nie einsetzen wird.

Durch die fehlende Praxis kann es sein, dass man sich zu sehr in Theorie verstrickt, wo ein bisschen mehr Praxis und ein bisschen Theorie nötig gewesen wäre.

Aber nun zu deiner Frage: Kommt darauf an, was du machen willst. Es gibt vier tatsächliche Berufe, die da nah heran kommen:

  • Programmierer/Softwareentwickler
  • Datenbankentwickler
  • Spieleentwickler
  • Webdesigner/Webdeveloper

Je nachdem, wofür du dich interessierst, solltest du dir bereits mit Tutorials selber wissen anreichern und in kleinen privaten Projekten umsetzen. Wenn du bereits eine Programmier-/Scriptsprache beherrscht, kannst du leichter einsteigen und hast ein besseres Sprachverständnis beim Lernen weiterer Sprachen.

  • Webdesigner (HTML, CSS; dazu clientseitig: JavaScript, serverseitig: PHP)
  • Programmierer (Java, C++) Ebenfalls einsteigen kann man hier mit vbs/VB
  • Als Spieleentwickler einfach ein paar Minispiele selber schreiben

Das hilft dir dann auch beim eigenständigen Arbeiten und liefert dir ein grundlegenderes und umfassenderes Verständnis, auch wenn es nicht in die Tiefe geht. Das käme dann im Studium oder der Ausbildung.

Kommentar von NoHumanBeing ,

NoHumanBeing hat ja schon deine Verwechslung angesprochen. Allerdings teile ich seine Meinung bezüglich Ausbildung und Studium nicht.

Nunja, die Sache ist, ich habe beides gemacht und habe deshalb einen Vergleich, von daher muss ich Dir da widersprechen.

Es hängt natürlich immer davon ab, was Deine beruflichen Ziele sind und auch, was Deine eigenen Neigungen und Fähigkeiten sind. Aber gerade in die (meines Erachtens) "interessanten Bereiche" kommst Du ohne Studium kaum hinein.

Was betrifft Dinge, wie ...

  • Spieleentwicklung
  • Wissenschaft/Forschung
  • Sicherheit
  • vieles, was mit "kritischer Infrastruktur" zu tun hat
  • ...

Im Prinzip alles, wo es (erheblich) mehr braucht, als "nur" einen Entwickler. Und ich finde diese Bereiche nunmal sehr spannend. Und entwickeln kann ich ja trotzdem, ist ja nicht so, dass man das im Studium "verlernt".

Im Gegenteil! Je nach Studiengang wird auch das sehr gefördert. Das Bachelorstudium war bei mir sehr "programmierlastig". Kommt aber sicher auch auf die konkrete Uni und deren exakte Ausrichtung und sogar auf die einzelnen Dozenten und Professoren an, bei denen Du veranstaltungen belegst. Es gibt ja an Hochschulen die so genannte "Freiheit der Lehre", d. h. ein Professor kann Dir im Prinzip das beibringen, was er für richtig hält. So etwas, wie einen "Lehrplan" an der Schule gibt es nicht. Wenn beispielsweise der Programmier-Prof Java am besten kann, dann programmiert ihr eben in Java, wenn er C am besten kann, programmiert ihr in C, wenn er Python am besten kann, programmiert ihr in Python. Es gibt da kaum "Regeln" was man als (Informatik-)Student lernen "muss".

Das Masterstudium ist nun sehr viel "theorielastiger". Wobei Theorie eben auch nicht unsinnig ist, sondern im Gegenteil. Die Theorie ist eher das, was Dir am schwersten fallen würde, Dir ohne Studium anzueignen. Eine Programmiersprache lernen, ok, aber wer setzt sich in seiner Freizeit beispielsweise mit formalen Sprachen und Automatentheorie auseinander? Und wenn Du jetzt meinst, dass man das doch eh nicht braucht, dann muss ich Dich enttäuschen. Exakt dieses Wissen hat mich schon oft weitergebracht, wenn ich ...

  • ... einen Parser für XML-Dokumente ...
  • ... einen Parser für CSV-Dokumente ...
  • ... einen kleinen Interpreter für eine einfache Skriptsprache ...
  • ... bestimmte Netzwerkprotokolle (die auch oft als Automaten, z. B. Zustandsautomaten, spezifiziert sind - auf Grafik-APIs, z. B. OpenGL, trifft übrigens das selbe zu) ...
  • ... ein proprietäres Dateiformat für einen bestimmten Zweck ...

... entwerfen und implementieren musste. Und diese Beispiele sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern kamen alle schon vor. Und da stünde ich mit der Ausbildung ziemlich "wie der Ochs vor'm Berge". Natürlich könnte man sich das auch "irgendwie nebenher aneignen", aber das ist schon recht schwierig, da vernünftige Literatur zu finden und nachdem es sehr schwierig und "zäh" ist, sich dort durchzuarbeiten, werden die meisten wohl kaum Motivation dazu verspüren. Im Studium "musst Du es machen" und auch wenn Du Dir zu dem Zeitpunkt denkst: "Das werde ich doch niemals brauchen!" - So wirst Du später erkenne, wie wertvoll dieses Wissen ist.

Oft sind Studienrahmenpläne, besonders in sich so rasch verändernden Bereichen wie der Informatik, nicht mehr zeitgemäß und man lernt Sachen, die teilweise so überholt sind, dass man sie nie einsetzen wird.

Gerade diese Gefahr ist in der Ausbildung sehr viel größer, weil Du genau das lernen wirst, was in Deinem Ausbildungsbetrieb eingesetzt wird. Das ist aber in der Regel überhaupt nicht mehr relevant, sobald Du den Betrieb wechselst (was Du gerade als junger Mensch häufig tun wirst). Das Wissen aus dem Studium ist in der Regel sehr viel generischer und breiter angelegt und daher sehr viel langlebiger. Im Betrieb beschäftigst Du Dich mit bestimmten Bibliotheken und Frameworks, wie ...

  • NodeJS
  • jquery
  • ZeroMQ
  • NoSQL

Alles "buzzwords", die derzeit total hip sind. Die Sache ist, in ein paar Jahren interessieren die vermutlich niemanden mehr. Im Studium lernst Du eher generische Techniken, nicht konkrete Werkzeuge. Das Wissen ist sehr viel "breiter" angelegt, lässt sich viel leichter (oder überhaupt erst) übertragen. Die Ausbildung macht Dich in erster Linie zu einem Spezialisten (wenn überhaupt). Das Studium macht Dich in erster Linie zu einem Generalisten. Die Sache ist, sich zu spezialisieren ist leicht. Wenn Du die Konzepte beherrscht, ist es leicht, sich in ein neues Framework oder in eine neue Bibliothek einzuarbeiten (die dann nach spätestens 5 Jahren wieder in der Versenkung verschwindet). Umgekehrt ist das nicht so einfach.

Das Studium gibt Dir nicht noch Fachwissen mit auf den Weg, sondern vor allem auch eine ganz andere Herangehensweise an Probleme (viele Sprechen von "der wissenschaftlichen Arbeitsweise"). Und ich persönlich halte das für sehr wertvoll. Wenn Du aus dem Studium kommst, wird es Dir sehr leicht fallen, neues zu lernen, weil Du flexibel bist und fast überall schon solides Basiswissen hast.

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